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Wenn die Amerikaner immer über die "Skills" reden . . .

2008 - am PC mit 4 Bildschirmen

fragt sich manch ein Leser, was weiß denn der Autor alles und speziell über dieses Thema Magnetbandtechnik, über das er seitenlang schreibt. (Das englische Wort "skill" ist etwa mit "Wissen, Ausbildung" gleich zu setzen)

 

Eben habe ich die alten Bilder "ausgegraben". Darum ein bißchen über meine Erfahrung und wie es angefangen hatte.

 

Einen Einblick hatte ich bereits auf der ehemaligen Hifi-Seite auf meiner Homepage gegeben. (Die ist aber verlegt worden).
Weitere Autorenseiten finden Sie hier : Fernsehmuseum und Hifimuseum und vielleicht noch hier.
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1963/64 ging es richtig los.

Also angefangen hat es mit einem Grundig TK 32 in einem Kino in Wiesbaden. Es war eine alte Gurke und ich durfte nur kurz damit spielen. Das war noch vor 1964 und ich war vielleicht 15.

 

In unserem Gymnasium quälte ich unseren Kunst-Lehrer vorher schon so lange, bis er für unser kleines Marionettentheater ein funkel nagel neues Grundig TK 46 anschaffen konnte (645.- DM). Das war dann wirklich ein tolles Teil. Es war 1963/64 und so etwas kannten wir Schüler nur aus den Schaufenstern und den kostenlosen Grundig Prospekten (der sogenannten Grundig Revue).

 

In der Wiesbadener Stadtbildstelle hatten sie zwar auch ein (1!) Tonbandgerät, ein PhonoRex, und dann fand ich später auch noch ein solches in unserer "Aservatenkammer", also der gymnasialen Technik Gruft. Diese Teile waren damals relativ neu und gewaltig, aber zum Arbeiten für uns Schüler viel zu unbeweglich und vor allem mit 22 Kilo viel zu schwer.

 

Mit dem TK46 nahm ich die Musik und die Stimmen auf und den Donner und was noch alles an Geräuschen, das wir für unser Stück Dr. Faustus brauchten. Dann entwendete ich meinem Vater diverse Stromleitungen aus seinem (Elektro-) Keller und diverse rote, blaue und grüne Glühlampen und Fassungen und baute eine Miniatur Bühnenbeleuchtung mit dicken großen Kino-Schaltern in unser Marionettentheater ein. Mein Vater ist in 2017 inzwischen fast 98 Jahre alt geworden und er hat es verkraftet. Die drei Vorstellungen waren damals für die jeweils 60 Eltern und Mitschüler überwältigend und uns hatte es riesigen Spaß gemacht.

1966/67 - ein eigenes Grundig TK320

mein Grundig SM300 und TK320
hier der Stereomeister 300

Irgendwann 1966/67 hatte ich endlich so viel gespart, daß ich mir auch ein funkel nagel neues Grundig TK320 kaufen konnte Und nun ging es richtig los mit dem Tonbandeln. Irgendwann (danach) wurde alles verfügbare Geld in Tonbändern "angelegt" und in einen auch funkel nagelneuen Lenco L75 und in 2 (damals edle) zweiwege HECO B230/8 Boxen mit 3! x 13cm Basslautsprechern und in einen edlen Koss Pro 4A Kopfhörer (wegen meiner Eltern, die es doch nicht so laut mochten). Und einen Grundig Stereo "Receiver". Das war damals gerade im Kommen mit den Receivern. Oben auf dem alten Bild sieht man den Grundig Stereomeister 300 neben den wenigen teuren 18cm Tonbändern und meine erste Heco B230-8 Hifi Box links auf dem Schreibtisch.

 

Der auf dem Bild etwas weiter oben neben dem TK320 Bandgerät zu sehende Grundig 2 x 15 Watt Röhren- Hifi-Endverstärker NF20 musste weichen und mit dem TK320 wurde jetzt Hifi "gemacht". Auch die LP- Schallplattensammlung wuchs beträchtlich. Inzwischen hatte ich eine tolle (samstägliche) Aushilfstätigkeit im Frankfurter Bieberhaus, einem frühen Elektrokaufhaus ähnlich den heutigen Media- und Promärkten und natürlich in der Rundfunk- und Tonband- Abteilung, wo sonst.

Fachhochschule Rüsselsheim - grosser Hörsaal
mein Schreibtisch 1971

1970 - Im großen Hörsaal gab es eine funkelnagelneue Philips ELA Anlage.

Dann etwa 1970 während meines ersten Studiums an der neu gebauten FH Rüsselsheim machte ich mich für die brandneue ELA Anlage im großen Hörsaal stark, denn keiner konnte damals damit umgehen.

 

In einem der ganz seltenen Bilder aus dem Hörsaal sieht man, daß ich sogar mein eigenes Grundig TK 320 mitgebracht hatte, denn dafür war damals in der F(ast)H(ochschule) kein Geld mehr da.

 

Auf dem rechten Bild von 1971 sieht man neben der linken HECO Hifi-Box Soundmaster B230 auch mein erstes selbst gebautes Studienobjekt, ein Universalnetzgerät mit allen nur möglichen Ausgangsspannungen zum Experimentieren mit den ersten nachgebauten Elektronik Schaltungen und natürlich meinen ganzen Stolz, die neue Revox A77. Doch davon mehr im nächsten Absatz.

Weihnachten 1971 - ich kaufte mir endlich meine Revox A77.

Durch mehrere Aushilfsjobs während des Studiums (der Nachrichtentechnik) konnte ich weiteres Geld zusammen kratzen und es reichte für eine eigene Revox A77 (2 Spur und Koffer Version). Das war damals der Überhit für einen Studenten. Selbst mein Vater konnte sich dafür überhaupt nicht erwärmen und zeterte wochenlang nur rum, warum ich so viel Geld dafür ausgegeben hatte, er meinte "verschwendet hätte". Doch ich hatte einen Aushilfsjob bei einer kleinen Fernsehfirma (Videothek Programm Ges.) und konnte da auch mit großen Telefunken Bandmaschinen spielen. Also endlich eine eigene Revox A77, der Traum sogar der Erwachsenen mit dickem Gehalt, ich hatte eine und danach natürlich kein Geld (mehr) für die Bänder.

Als Abschlußarbeit an der Ingenieurschule - später "Fast-Hoch-Schule" Wiesbaden genannt - bekam ich eine etwas anspruchsvollere Aufgabe. Das rechte Bild zeigt ein ganz edles, aber 25 Jahre altes Rhode & Schwarz Sicht-Funk-Peilgerät.

Dieses zweiteilige Flugüberwachungsgerät war (immer noch neu und in Ölpapier für die Ewigkeit eingewickelt) irgendwo bei der Bundeswehr eingelagert worden und eigentlich für den Ernstfall vorbereitet. Und keiner (bei der Bundeswehr) wollte es glauben, die (Röhren-) Technologie war bereits nach 10 Jahren völlig veraltet. Doch die Grundlagen der Funk-Peilverfahren ließen sich trefflich demonstrieren (als es wieder ging).

Viel gelernt beim ZDF

Ich mußte und wollte natürlich auch weitere Jobs annehmen und suchte natürlich in Richtung ZDF, die Technik war damals noch in Wiesbaden. Durch die eigene Revox zu Hause war ich fit im Tonbandeln und bekam recht schnell einen Aushilfsvertrag als freier Tonmann und fuhr mit den ZDF-Kamerateams (damals war das dicker Opel Kapitän mit dem sehr auffälligen ZDF-Fließheck) durch Rheinlandpfalz und Hessen. So bekam ich eine NAGRA 3 und einen Koffer voller Sennheiser MD421 Mikrofone und bestimmt einen Kilometer Mikrofonkabel, so schwer war das alles. Ich war richtig stolz darauf, daß ich als freier Tonmann nicht einen einzigen Beitrag verhunzt hatte und das kam bei den Profis öfter vor (daß nichts drauf war auf dem Band).

 

In den ZDF Studios arbeitete ich später an sogenannten Siemens Rotosyn (Synchron-) Maschinen. Damit wurde der 16mm Film-Projektor mit einer Telefunken M10 oder M15 elektrisch (über die Frequenz) synchron gekoppelt und so konnten damals Synchronaufnahmen zu einem Beitrag auf Band gesprochen werden. - Mein erstes Studium an der FH Wiesbaden war inzwischen abgeschlossen und ich habe zur Technischen Hochschule nach Darmstadt gewechselt.

Einen Sommer lang Ton-"meister"

Irgendwie sprach es sich an der TH sogar bis zu mir herum, daß die Darmstädter Musiktage befähigte Ton- Menschen als (sogenannte) "Tonmeister" suchten und mit meiner ZDF Erfahrung bewarb ich mich. (Eigentlich war es eine Aufgabe als Ton-"techniker", nicht als Ton-"meister".) So richtig erpicht darauf war ich eigentlich nicht, denn die spärliche Gage deckte kaum die täglichen Fahrtkosten jeweils von Wiesbaden aus samt Essen.

 

Ich war aber bis dato noch nie mit sogenannter "neuer Musik" in Berührung gekommen und hatte dazu auch einen ganzen Berg (mehrere Kisten und einen Haufen Kabel) von edler Studiotechnik übergeben bekommen. Diese 6 Wochen gingen erstaunlich schnell rum, ich hatte wieder etwas gelernt, nur mit der "Musik" von Stockhausen und Kagel (die nennen das wirklich Musik) kann ich bis heute noch nichts anfangen.
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Jetzt stiegen natürlich die Ansprüche, denn meine Revox A77 konnte ja mehr als der Rest meines einfachen Equipments. Und ein paar Bänder mit dieser Darmstädter Live Musik (besser : edle aber merkwürdige Aufnahmen von akustischen Instrumenten) hatte ich auf Studio-Band übrig.

 

Also ein richtiger Receiver musste her, natürlich nur vom Feinsten und das war inzwischen der SONY STR-6120. Der war edel und gut und schwer und teuer (der sollte im Hifi-Laden 3298.- Mark kosten), also wieder mühsam und akribisch alles zusammenkratzen und schwupps, da war er (natürlich viel viel preiswerter als diese virtuellen 3200.- DM).

 

Dazu zwei dicke Warfdale Dovedale Boxen, die klangen damals deutlich besser als die HECO Mittelklasse. Den super tollen Scott 312D UKW Tuner oben im Bild hatte ich sogar behalten, denn der konnte Saarbrücken in UKW Stereo hier in Wiesbaden empfangen. Der dynamische Kopfhörer Koss Pro4-A mußte einem sehr teuren Elektrostaten weichen, einem Koss ESP-9. Doch damit hörte man jetzt (leider) alles von den Aufnahmen und Schallplatten (und sogar die Flöhe husten).

 

Und das war gar nicht gut, denn die Ansprüche stiegen wieder dramatisch an. Die Platten wurden nur noch "naß" gespielt, dann war das Knacken und zumeist auch Rauschen weg. Bessere 26er Bänder wurden in Mengen angeschafft, denn es sollte mindestens die UKW Qualität wieder runter kommen.

Doch irgendwann mußte doch der "Spleen" ein Ende haben, aber nein. (Einen "Spleen" hat jemand, der nicht mehr richtig tickt!)

Der Aufstieg (bei den Tonband- maschinen), eine ASC 6002

Auch der eigentlich kraftvolle 2x60Watt SONY STR-6120 reichte irgendwann nicht mehr, ich hatte eine eigene Wohnung mit einem 36qm Wohnzimmer, es musste eine INFINITY Servostatic 1 Lautsprechereinheit (also nicht die 1A) her mit 48cm Tiefbass und dicke Crown DC300A und DC150 Endstufen und eine auch wieder neue ASC-6002 Bandmaschine und eine SONY TC-651 Bandmaschine und ein Thorens TD-125 extrabreit mit SME-3012 Tonarm samt Shure V15-III und und und . . .

 

Hier ein Blick in meine erste eigene Wohnung mit Fototapete und dieser legendären Servo Static 1 von Infinity sowie den damals vermeintlich edlen JBL 4312 (baugleich mit der L100) Studio Monitoren für kleine Freiluftveranstaltungen. Die ASC 6002 und die SONY Bandmaschine steht hier dem Fotograf im Rücken.

Die Revox war zu diesem Zeitpunkt bereits verkauft, das TK320 schon lange weg. Die ELA Werkstatt meiner Firma war genau gegenüber und unter mir war eine Bäckerei, und die arbeiteten Nachts. So war das mit den Lautstärken nie ein Problem.

Für größere Veranstaltungen und meine Diskotheken (-Kunden), die ich dann als Diskotheken Ausstatter gebaut hatte, hatte ich später jahrelang die Bose Profiserie 802 samt Bose 1800 (2 x 1000 Watt) Endstufen und diese großen Bass Exponentialhörner im Einsatz.

Mit vier solchen Türmen und 4 Bose 1800 Stereo Endstufen ließ sich schon ganz schön Wumm Bumm machen. Den meisten hat´s gereicht. Auf mehreren Großveranstaltungen wurde es eindrucksvoll (und schalldrucksvoll) bewiesen.

 

Zu der Zeit kamen auch die "ersten" Idealisten, die mir den Unterschied zwischen Krach und Musik erklären wollten. So war das halt bei den Experten.

1977 - Ein eigener Bauernhof mit einer Riesen-Scheune.

Dann ging es weiter aufwärts bis hin zu den Accuphase Verstärkern und den JBL Ti 250.

Inzwischen hatte ich mein kleines privates Hifi Studio in der Tenne der Scheune in Angriff genommen und konnte so auf 120 qm richtig Krach machen, denn rings rum wohnt keiner dicht dran.

 

Die beiden JBLs bringen eine (für mich überzeugende) Qualität und erzeugen eine gewaltige Klangfülle in meinem Studio unter dem Dach.

 

Natürlich trägt auch der Accuphase Vorverstärker C280L und der P800 Endverstärker seinen Teil dazu bei. Irgendwie ist das jetzt endlich die glückliche Kombination von Verstärker und Lautsprecher, denn andere ebenfalls dicke Endstufen haben mit diesen Lautsprecherboxen einfach nicht "geklungen", obwohl sie auch "sehr laut" spielten.
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Beschallen ist von der Erfahrung her nicht so ganz ohne.

der legendäre MC 275
und hier die Bose Profi-Endstufe

Zu der Zeit um 1972/74 gab es teilweise hahnebüchene kleine und größere Diskotheken hier im Rhein Main Gebiet. Das Big Apple in Wiesbaden war zu dieser Zeit weit über die Grenzen des Rhein Main Gebietes bekannt. In dem riesen Keller Gewölbe spielten Montags immer weltbekannte Gruppen, Künstler und Bands, alles nur vom Feinsten, jedenfalls damals so ab etwa 1968 zur Glanzzeit des Big Apple.

 

Und jeweils davor und danach brach damals immer Gelächter aus, wenn der Diskjockey dann weiter machte. Das wurde etwa 1970 von Herrn Eberle aus Pforzheim geändert und später von mir noch weiter verbessert. Im Big Apple stand ein MacIntosh MC 275, eine der legendären dicken Röhrenendstufen, die heute weltweit Traumpreise erzielen. Dann später wurde eine Crown DC300A Endstufe installiert und ganz später ein Bose 1800 Bolide mit 2 x 1000 Watt.

 

In Bezug auf die Verstärkertechnik: Von dicken Leistungsendstufen hatte damals 1975 so gut wie niemand Ahnung, denn es gab ja nur ganz wenige zu kaufen. Nach einiger Anlaufzeit hatte ich mich etwa 1976 mit den damals extrem dicken (und schweren) Bose-Endstufen angefreundet. Hier ein Bose 1800 Endverstärker in einem Licht- und Sound-Turm auf einer Messe mit einer riesen Tanzfläche.

mein großes Disco-Studiomischpult
wurde komplett bei mir gefertigt

Mit meiner ersten Firma "Audio Elektronik Service" war ich auf die Reparatur der völlig neuen Hifi Verstärker spezialisiert. Später kam die Installation von Diskotheken und Tanzschulen hinzu.

Dann etwa ab 1975 wurden die ersten Discotheken- Mischpulte nach den Vorlagen der Firma Werner Eberle aus Pforzheim in eigener Regie entwickelt und auch selbst produziert. Werner Eberle konnte immer erst einen Tag nach der Eröffnung der Disco liefern, er hatte die Zeiten fast nie eingehalten, das war nicht gut.

Die beeindruckend großen und übersichtlich gestalteten Optiken
und die langlebige Cola- und Bier- resistente Gravur der massiven Alu-Frontplatten erfreuten sich bald großer Beliebtheit. Die sogenannte "Diskothek" war in den Tanzschulen und Discoschuppen der Mittelpunkt.

Doch so ab 1979 hatte sich mit dem Dorian Gray im Frankfurter Flughafen alles verändert. Die absolut irre Gigantomanie war ausgebrochen, lustige Scharlatane und risikofreudige Gaukler (Presinger und Schüler) und sogar echte Verbrecher tummelten sich in der Szene und das war für ein kleines Einzelunternehmen nicht nur finanziell viel zu riskant sondern auch "gesundheitlich" nicht mehr verantwortbar. Denn bezahlt wurde fast immer in "bar" und das Nachts um 2 Uhr nach Dienstschluß, und auch nur, wenn die Kasse es hergab.

Und seit 1989 bin ich mit meinen JBL Ti250 und der Accuphase P800 und dem C280 glücklich und zufrieden. Auch so, da kam noch ein Sony XA 50 ES CD Player dazu, der erste mit einem Digitalfilter am Ausgang.

Mehr über die aufgekommene Hifi- Leidenschaft finden Sie auf den (anderen) Hifi-Museum Seiten.

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