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August. 2010 - von Friedrich Sambs
Der Übergang von offenen Spulen auf Cassettenformate bei Bildaufzeichnungsgeräten.

Als ab Mitte der 60er Jahre die Technik der magnetischen Bildaufzeichnung soweit fortgeschritten war, dass man diese Geräte bezüglich der Baugröße und des Anschaffungspreises einem breiteren Publikum zugänglich machen konnte, waren in der Hauptsache die möglichst einfache und benutzerfreundliche Bedienung sowie ein attraktiver Anschaffungspreis für die Entwicklung dieser Geräte ausschlaggebend.

Um diesen Forderungen gerecht zu werden, waren natürlich Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit der Geräte notwendig. Während die Ampex das Quadruplex Video-System das Bildsignal mit seiner vollen Bandbreite aufzeichnete, war bei vielen Consumer - Gerätemodellen der ersten Generation die Bildqualität und Bildauflösung noch recht bescheiden. Für die damaligen Anforderungen war dies aber in den meisten Fällen ausreichend.

Allgemeines:

Am Anfang der 60er Jahre steckte die Videotechnik noch in ihren Kinderschuhen und war nur einem kleinen technisch interessierten Publikum im Detail bekannt. Bildaufzeichnungsgeräte kannte man damals nur aus technischen Fachzeitschriften, das bekannteste und zugleich erste brauchbare Modell eines Videoaufzeichnungsgerätes war die Ampex Quadruplex Maschine VR 1000. Dieses Gerät, das die Größe eines Wohnzimmerschrankes hatte und mit 2 Zoll breiten Magnetbändern betrieben wurde, kostete für damalige Verhältnisse Unsummen (100.000 US$) und kam deshalb ausschließlich nur für Fernsehanstalten in Frage. Noch zu Anfang der 60er Jahre wäre unter Berücksichtigung der damaligen Technologie ein Bildaufzeichnungsgerät in der Größe eines handelsüblichen Stereo-Tonbandgerätes kaum denkbar gewesen.

Von der Ampex Quadruplex Videoband-Aufzeichnungsmaschine war bekannt, dass auf Grund des recht komplexen Aufbaus die Bedienung anspruchsvoll war und ein gewisses Maß an Kenntnissen erforderte. Nachdem man auf Grund des rasanten technischen Fortschritts auf dem Gebiet der Halbleitertechnik gegen Mitte der 60er Jahre allmählich in der Lage war, kleinere und handliche Geräte anzubieten, die auch der Laie bedienen konnte, war es nun Aufgabe der Industrie, dem kaufinteressierten Kunden die damals noch meist vorherrschende Meinung zu nehmen, ein Video-Aufzeichnungsgerät sei eine hochkomplizierte Apparatur und nur von Fachleuten zu bedienen. Schließlich wollte man ja einen möglichst großen Kundenkreis gewinnen und die werte Kundschaft nicht mit einer Vielzahl von Knöpfen, Schaltern und Signallämpchen verwirren und verunsichern.

Ein anderer Grund für die möglichst einfache Ausführung der ersten Videobandgeräte war der Preis. Dieser war für damalige Verhältnisse ohnehin schon recht hoch und lag darin begründet, dass die Hersteller die hohen Entwicklungskosten auf den Endpreis umlegten. Auch war die damalige Stückzahl der ersten produzierten (Consumer-) Geräte verglichen mit den späteren Produktionszahlen von VHS Recordern gering. Dazu war die Produktion von Geräten der Unterhaltungselektronik in der damaligen Zeit auch noch mit viel Handarbeit verbunden, das die Kosten ebenfalls in die Höhe trieb.

Man darf nicht vergessen, dass z.B. 1966 die Anschaffung eines Sony CV 2000 (Video-Aufzeichnungsgerät der ersten Generation) in etwa den gleichen Geldbetrag erforderte, den man für die Anschaffung eines kleineren Neuwagens oder eines größeren gut erhaltenen Gebrauchtwagens hätte aufbringen müssen. Kamera und Monitor wurden, sofern gewünscht, noch extra berechnet. Dies grenzte die Anzahl der Leute, die sich solche Geräte kaufen konnten stark ein, meist waren es größere Firmen, das Militär, Behörden oder auch Werbeagenturen, die sich ein Bildaufzeichnungsgerät anschafften.

Für den damaligen "Normalbürger" war solch ein Gerät in der Regel bis auf wenige Ausnahmen unerschwinglich. Diese Geräte wurden vorwiegend für militärische Zwecke, Schulung von Mitarbeitern, Produktion von Lehrfilmen sowie Überwachungsaufgaben (z.B. bei Banken und Sparkassen) eingesetzt, die Aufzeichnung von Fernsehprogrammen war damals noch eher eine Randerscheinung. Die Ursache dafür war hauptsächlich, dass dafür ein zusätzliches Fernseh-Empfangsteil benötigt wurde, denn die Verwendung des fernseheigenen Tuners war damals aus schaltungstechnischen Gründen noch nicht üblich. Meist wurde auf die Anschaffung eines separaten Tuners aus Kostengründen verzichtet. Oftmals behalf man sich auch dadurch, indem man die Videokamera auf den Bildschirm des Fernsehgerätes richtete und den Ton mit einen Mikrofon aufzeichnete. Die dadurch stark herabgesetzte Übertragungsqualität nahm man billigend in Kauf.

Die Industrie erkannte sehr schnell, dass die Geräte in ihren Anschaffungspreisen noch viel zu teuer waren, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Man arbeitete mit Hochdruck daran, die Geräte weiter zu verkleinern, zu verbessern und vor allem billiger herstellen zu können. Die Verfügbarkeit und vor allem die Bezahlbarkeit eines Videorecorders  für den "Otto Normalverbraucher" war das erklärte Ziel der Elektronikindustrie, galt es doch, einen neuen Markt zu erschließen und zu bedienen.

In der Anfangszeit wurden die Gerätemodelle der meisten Hersteller fast ausschließlich über deren Niederlassungen verkauft. Dort wurde auch eine sorgfältige Einweisung sowie der Service der Geräte durchgeführt. Den Weg über das Rundfunk/Fernseh Fachgeschäft fanden die Geräte erst etwas später, vornehmlich waren es dann schon die Video Cassettenrecorder der ersten Generation, meist Grundig und Philips, aus europäischer Produktion. In den Versandhandel kamen einige Gerätemodelle gegen Mitte der 70er Jahre.

Die Konzeption der ersten Videocassetten-Aufzeichnungsgeräte.

Die ersten "Consumer-Videorecorder" war ausschließlich für offene (tonbandähnliche) Spulen ausgelegt, dies entsprach zudem auch dem damaligen Zeitgeist. Audio-Cassettengeräte gab es bis Mitte der 60er Jahre bis auf wenige Exoten (der Philips CC Recorder wurde 1963 vorgestellt) kaum und viele Leute waren außerdem mit dem Umgang eines handeslüblichen Tonbandgerätes mit offenen Spulen vertraut.

Schnell wurde jedoch klar, dass gerade beim Video-Aufzeichnungsgerät mit offenen Spulen das Einlegen des Bandes vor allem für Ungeübte ein gewisses Risiko darstellte. Die Gefahr bestand in der möglichen Beschädigung der hochempfindlichen Videoköpfe während des Einfädeln des Bandes. Das Gerät durfte sich dabei nicht in einen betriebsbereiten Zustand befinden (das Kopfrad, bzw. die Kopfscheibe musste stillstehen). Es war genau darauf zu achten, dass das Band richtig um die jeweiligen Bandführungsstifte gelegt wurde. Falsches Einlegen des Bandes war bei den damaligen Geräten durchaus möglich, wurde vom Benutzer nicht immer bemerkt und führte zu schlechten, bzw. fehlerbehafteten Aufzeichnungen. Das Erschließen der damals noch recht jungen Videotechnik für eine breite Masse setzte das betriebssichere und unkomplizierte Bedienen und Benutzen des Gerätes voraus.

Dies war einer der Gründe, warum man bereits recht früh Bestrebungen unternahm, Videogeräte mit Cassetten zu entwickeln, die der Bedienung eines handelsüblichen Tonband-Cassettenrecorders bezogen auf die Einfachheit kaum nachstanden.

Theoretisch wäre man bereits bei Beginn der Einführung der ersten Consumer-Videogeräte ab 1965 in der Lage gewesen, von Anfang an diese Geräte für den Cassettenbetrieb zu konzipieren. Der Grund, warum man davon zunächst absah, lag zu einem nicht unerheblichen Teil auch an der damaligen Qualität der verfügbaren Magnetbänder.

Die alten Bänder

Die damals verwendeten Ferro-Oxid-Bänder hatten noch eine relativ geringe Speicherkapazität. Für eine ausreichend gute Bildqualität musste man die Bandgeschwindigkeit dieser Geräte recht hoch wählen, der Bandverbrauch war entsprechend. Viele dieser Geräte erreichten noch nicht mal eine Betriebszeit von einer Stunde, wollte man die Abmessungen der Spulen auf ein handliches Maß beschränken.

Eine äquivalente Cassette wären auf Grund der benötigten Bandmenge recht klobig und unhandlich in ihrer Bauform gewesen und das hätte sich auch im Preis niedergeschlagen. Die Abmessungen der Geräte selbst wären zudem auch recht umfangreich ausgefallen. Man war sich durchaus bewusst, dass der Markterfolg eines solchen Gerätes sehr fraglich gewesen wäre, nicht zuletzt auch wegen der sehr hohen Verkaufspreises.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis man auf Grund der technischen Weiterentwicklung in der Lage war, leistungsfähige und vor allem auch bezahlbare Gerätemodelle zu entwickeln.

Es gab jedoch einige Zwischenlösungen für die sogenannten "open-reel" Geräte. Zwar befand sich das Videoband bereits in einer Art Kunststoffgehäuse, man konnte jedoch noch nicht von einer Videocassette im herkömmlichen Sinne sprechen.

Diese sogenannte "Bandcassetten" waren eigentlich Endlos-Bänder, die den laufzeitunabhängigen Dauerbetrieb der (open-reel) Geräte ermöglichten. Oft wurden solche Endlosband-Cassetten für Geräte auf Messen, Ausstellungen und im Schaufenster von Fachgeschäften verwendet, also überall dort, wo ein Zurückspulen und ein erneutes Einlegen des Videobandes aus zeitlichen Gründen nur schwer durchführbar gewesen wäre.

Diese speziellen Bandcassetten waren aber recht störanfällig und nicht ganz unkritisch in ihrer Verwendung. Vereinzelt kam es zu Bandsalat oder Betriebsstörungen. Außerdem war diese einfache Ausführung von der Bauart einer handelsüblichen Videocassette noch weit entfernt, der Trend vom Übergang des offenen Magnetbandes zur Cassette war jedoch unverkennbar.

Die ersten Videocassetten-Recorder kommen auf den Markt.

Europäische und japanische Gerätehersteller arbeiteten bereits Ende der 60er Jahre an der Entwicklung solcher Geräte, deren rationelle Fertigung allein schon durch die raschen Fortschritte der IC-Halbleitertechnik weiter verbessert wurde. Auch die Magnetbandtechnik machte große Fortschritte, sodaß man allmählich in der Lage war, auch die Video-Kassette in einer handlichen Größe zu konstruieren.

Philips stellte in Zusammenarbeit mit Grundig als erster europäischer Hersteller auf der Funkausstellung in Berlin 1971 ein solches Videocassetten-Gerät vor. Das System nannte sich "Video Cassette Recording" (VCR) und war von Anfang an bereits als Farb-Videorecorder konstruiert worden, was in der damaligen Zeit trotz Einführung der Farbfernsehtechnik ab 1967 noch keine Selbstverständlichkeit war. Man erkannte die Zukunft des Farbfernsehens und wusste, dass ein Videorecorder in Schwarz/Weiss Technik auf längere Sicht keine große Zukunft haben würde. Diese Geräte hatten in der Anfangszeit eine Spieldauer von max. 60 min. und boten für damalige Verhältnisse eine recht gute Bildqualität. Die horizontale Auflösung lag bei 2,7 Mhz, was man als durchaus ausreichend erachtete.

Das VCR System wurde wie die meisten anderen Videoformate weiterentwickelt und wurde in einem Alleingang von Grundig bei einer Spieldauer von  max. 4 Stunden noch bis 1981 als SVR 4004 im Handel verkauft. Philips brachte als letztes Gerätemodell 1979 den N 1702 (VCR long-play) auf den Markt, danach wurde dieses Format nicht mehr weiter unterstützt.

Diese Geräte (vornehmlich der ersten Generation) wurden trotz ihrer Störanfälligkeit und zuweilen schlechter Kompatibilität vom Publikum recht gut angenommen, man konnte bereits von einem standardisierten Videoformat sprechen, das auch gerne als "Europa Standard 1" bezeichnet wurde. Bei den VCR Weiterentwicklungen wurde dieser Begriff aber wieder weggelassen.

Sony

Sony hatte 1968 zum ersten Mal in der Geschichte der Videotechnik ein standardisiertes Videosystem (er hieß Japan Standard 1) auf den Markt gebracht, allerdings handelte es sich noch um ein open-reel Format.

Auch die Japaner brachten Videorecorder-Cassettengeräte schon recht früh auf den Markt, jedoch handelte es sich meist um S/W Geräte, die sich nicht dauerhaft durchsetzen konnten. Sanyo brachte mit dem VTC 7100 einen Videocassetten-Recorder auf dem Markt, der nicht nur sensationell klein, sondern auch recht leistungsfähig war. Das Gerät selbst glich vom Erscheinungsbild her eher einem etwas größer geratenen Audio-Cassettenrecorder, Sanyo nannte dieses Videoformat V-Cord. Die Cassette wurde von oben vertikal in das Gerät eingeschoben und war in jeder Wickelposition entnehmbar, ein völliges Zurückspulen des Bandes war vor Herausnahme der Cassette also nicht zwingend nötig. Die Bildqualität war erstaunlich gut, die Laufzeit der Cassette war allerdings recht bescheiden, sie lag bei 20min.

Sanyo

Sanyo brachte dann ab Mitte der 70er Jahre eine Farb-Version heraus, die sogar über eine Long-play Betriebsart verfügte. Damit konnte die Speicherkapazität in Verbindung von dünnerem und gleichzeitig besseren Magnetbandmaterial erheblich gesteigert werden, die Bildqualität war allerdings immer noch recht bescheiden, dafür aber in Farbe. Dieses Videosystem konnte sich auf dem Markt auch nicht dauerhaft durchsetzen. Während die S/W Version (VTC 7100) als portables Gerät öfters anzutreffen ist, muss die Anzahl der verkauften Stückzahlen der später auf den Markt gekommenen stationären Farbgeräte recht gering gewesen sein. Diese Geräte sind praktisch vergriffen und sehr selten zu finden.

Akai

Akai brachte ebenfalls nach dem großen Erfolg seiner portablem open-reel Videobandgeräte mit Viertelzoll-Videoband ein Videocassetten-Format auf dem Markt, das ebenfalls mit Halbzoll-Bändern arbeitete und eine vergleichsweise geringe Spieldauer zu bieten hatte.
Diese Geräte wurden vom Hersteller erst recht spät in den Handel gebracht (schätzungsweise frühestens 1976). Neben den beiden Schwarz/weiss Modellen VT 300 und VT 350 wurde auch eine Farbversion entwickelt und als VT 400 angeboten. Auch dieses Gerät ist extrem selten und praktisch kaum noch zu finden, was ebenfalls auf eine sehr geringe verkaufte Stückzahl schließen lässt, nicht zuletzt auch wegen der extrem hohen Preise, die für Farb-Videogeräte verlangt wurden.

Sony II

Sony kam mit seinem ¾ Zoll Videocassetten-System U-matic 1971 auf den europäischen Markt, in den USA begann die Markteinführung bereit ca. 2 Jahre früher. Dieses völlig neuartige Video-Cassettensystem war dem europäischen VCR System in Qualität und Betriebssicherheit wegen des breiterenbandes überlegen, allerdings lag der Anschaffungspreis wesentlich höher als bei VCR. Die Geräte selbst waren auch größer, anfänglich deutlich schwerer und dadurch unhandlicher. Dies mag einer der Gründe gewesen sein, warum sich das VCR System trotz der bescheidenen Betriebssicherheit anfänglich recht gut behaupten konnte. Außerdem deckte das U-matic System gerade wegen seiner besseren Bildqualität und Betriebssicherheit mehr den semi-professionellen Anwendungsbereich ab, wodurch sich auch der höhere Anschaffungspreis rechtfertigte. Bedingt durch das ¾ Zoll Band waren ja auch die mechanischen Abmessungen des U-matic Cassettengehäuses größer als bei VCR.

Vergleich VCR - U-matic

Während beim VCR System die beiden Cassettenspulen übereinander angepordnet waren, hatte die Konstrukteure des U-matic Systems beide Cassettenspulen nebeneinander angeordnet. Dabei handelte es sich nicht um vollwertige Spulen im eigentlichen Sinne, sondern mehr um Wickelkerne, die das Band aufnahmen und nur einseitig mit einem Spulenteller versehen waren. Das Band selbst wurde auf der offenen Seite der Wickelkerne durch eine speziell geformte Gleitfolie im Inneren der Cassette geführt und gehalten. Dadurch konnten die Abmessungen der U-matic Cassette trotz der Verwendung des ¾ Zoll breiten Videobandes imer noch recht klein gehalten werden. Allerdings waren die Abmessungen der U-matic Cassette doch wesentlich größer als die des VCR Systems.

Die VCR Cassette hatte durch die beiden übereinanderliegenden Spulen ein nahezu quadratisches Aussehen und war dadurch recht handlich. VCR war übrigens das einzige Video-Cassettensystem, mit überanderliegenden Spulen. Dadurch ließ sich zwar das Cassettengehäuse recht klein und handlich gestalten, andererseits führte diese Anordnung je nach Wickelzustand und Lage des Bandes in der Cassette zu Betriebsstörungen, bzw. zu kleineren Bandschäden (Bandkanten) während des Einfädelvorganges. Dieser Nachteil wurde zwar bei späteren Gerätemodellen durch Abänderung der Einfädelmechanik abgemildert, trat jedoch auch dann noch in vereinzelten Fällen auf.

Funai und das CVC System

Ende der 70er Jahre kam vom japanischen Hersteller Funai das CVC Videocassetten-System auf den Markt. Diese Geräte waren kaum größer als ein handelsüblicher tragbarer Cassettenrecorder in gehobener Qualität, auch die Cassette selbst was von den Abmessungen her mit einer Audio Compact Cassette durchaus vergleichbar.

Diese Geräte arbeiteten mit einen ¼ Zoll Magnetband und waren im Gegensatz zur Compact Cassette nur einseitig bespielbar. Dieses Merkmal traf übrigens für fast alle Videocassetten-Systeme zu, Grundigs Video 2000 war mit seiner Wende-Kassette die einzige Ausnahme.

Dieses CVC Videocassetten-Format war ausschließlich als portables (lowcost Consumer-) Gerät mit Farb-Videokamera ausgelegt. Auf Grund der recht bescheidenen Spieldauer von max. 45 Min. war dieses Format für die Aufzeichnung von Fernsehprogrammen weniger geeignet und eigentlich auch nicht dafür vorgesehen. Die Bildqualität war, an der Größe des Gerätes und der Cassette gemessen, erstaunlich gut, jedoch wirkten sich bereits geringe Beschädigungen des Bandes stark auf die Betriebssicherheit aus. Zwar wurden recht viele Geräte vor allem in der Anfangszeit verkauft, das Format konnte sich jedoch auf Dauer nicht durchsetzen und verschwand bereits in der ersten Hälfte der 80er Jahre wieder vom Markt.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Fa. Bosch bei der Entwicklung des Lineplex Videosystems die proessionellen Funai Laufwerkskomponenten und die Cassettenform des CVC Systems übernahmen. Bis auf die gleiche Beschaffenheit der CVC Videocassette war das analoge Bosch/Fernseh Lineplex Videoformat jedoch völlig anders ausgelegt und für den elektronischen EB-Einsatz vorgesehen. Leider konnte sich auch dieses professionell ausgelegte Videoformat aufgrund von nicht akzeptablen Hardware Fehlfunktionen und Qualitätsproblemen nicht durchsetzen. Es war 1985 bereits deutlich zu teuer und es wurden fast nur wenige Prototypen gebaut (etwas über 30 Geräte) und so verschwand wieder vom Markt.

Cardridges von National-Panasonic und Hitachi

Eine technisch interessante Zwischenlösung war das Cardridge-Format, das vornehmlich von der Fa. National-Panasonic und Hitachi gebaut wurde. Technisch gesehen war die Cardridge auf den Systemparametern des (open reel) Japan Standard 1 Formats aufgebaut, das Band war jedoch in einer Cassette, der sogenannten Cartridge untergebracht.

Bei diesem Videosystem handelte es sich nicht um ein vollwertiges Cassettensystem, denn in dem Kunststoffgehäuse der Cartridge befand sich nur eine Spule. Die Aufwickelspule war im Gerät fest installiert und für den Benutzer nicht frei zugänglich.

Aus diesem Grunde konnte die Cardridge nur bei völlig zurückgespulten Band entnommen werden, was die Bedienerfreundlichkeit etwas einschränkte. Interessant war die Einfädelmechanik, an das Magnetband war als Vorspannband ein relativ dickes Kunststoff-Band in Überbreite angebracht. Dieses Vorspannband war so stabil, dass es über eine spezielle Führungsschiene, die um die Kopftrommel herum positioniert war, eingeschoben werden konnte, die Aufwickelspule fing dieses Vorspannband dann auf.. Durch die Überbreite verblieb das Vorspannband in der Führungsschiene und konnte nicht an die Videoköpfe gelangen.
Diese Geräte kamen erst relativ spät (ca. 1975) auf dem Markt, waren aber schon in der Schaltungstechnik weit fortgeschritten. Aufzeichnung in Farbe war möglich, die Bildqualität war ausgezeichnet.

Es war sogar möglich, die Cartridge zu öffnen und die inliegende Spule auf einem open reel Gerät abzuspielen, das nach der Japan Standard 1 Norm ausgelegt war. Das Vorspannband musste allerdings vorher entfernt werden, da es wegen seiner Überbreite nicht auf die Aufwickelspule des open reel Recorders gepasst hätte.

VHS, Betamax und Video 2000

Die Erschließung der Videotechnik für die breite Masse gelang erst mit der Einführung des VHS-System, das nach einer erfolgreichen Testphase ab 1976 auf dem nordamerikanischen Markt dann erstmals 1979 in Europa  eingeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Videotechnik soweit fortgeschritten, dass die Industrie die Massenfertigung von zuverlässig funktionierenden Consumer-Geräten zu einen bezahlbaren Preis bewerkstelligen konnte.

VHS

VHS bot bereits ab der ersten Gerätegeneration eine Spielzeit von 3 Stunden (Type 240) auf einer Cassette an, die Geräte waren bereits so klein geworden, dass diese problemlos in nahezu jedem handelsüblichen Wohnzimmerschrank untergebracht werden konnten. Das VHS System wurde von JVC entwickelt und fand auf Grund einer ausgeklügelten trickreichen Marktstrategie (künstlich niedrige Kosten bei der Lizenzvergabe) eine schnelle Verbreitung. Die Geräte waren im Vergleich zu den bisher bekannten Videocassetten-Systemen sehr zuverlässig und betriebssicher, allerdings in ihrer Bildqualität noch nicht ganz zufriedenstellend. Ein VHS Videorecorder kostete in der Anfangszeit ca. 3200 DM, ein stolzer Preis, der aber von der breiten Masse bezahlt wurde.

Die Bezeichnung "VHS" stand für "Video Home System", also ein Format, dass speziell für den Consumer-Markt entwickelt wurde. Die Produktion und der Verleih von bespielten Video-Cassetten ließ nicht lange auf sich warten und begünstigte die Akzeptanz und die Verbreitung dieses Videosystems sehr. JVC brachte kurz nach der Markteinführung des HR 3300 eine tragbare Version mit Farb-Videokamera heraus, auch diese Geräte wurden sehr gut angenommen und bereits in der Anfangsphase in großen Stückzahlen verkauft.

Betamax

Das Betamax System wurde von der Fa. Sony entwickelt und kurz nach der Markteinführung von VHS vorgestellt. Technisch gesehen war Betamax dem VHS System etwas überlegen, allerdings waren die Geräte der ersten Generation noch wesentlich größer und schwerer als ein VHS Recorder. Dass sich VHS letzten Endes nach einem heißen Wettrennen um die Gunst der Käufer doch durchsetzen konnte, lag in erster Linie an der besseren Markstrategie. JVC verkaufte (oder verschenkte) seine Lizenzen für die Produktion von VHS Geräten an wesentlich mehr Fremdhersteller, als dies bei Betamax der Fall war. Allein dies brachte weit größere Stückzahlen an produzierten VHS Geräten hervor und begünstigte die Verbreitung dieses Videoformats ebenfalls. Der Verkaufspreis einer Sony Betamax Maschine unterschied sich nicht wesentlich zu VHS, dies hatte natürlich auch marktstrategische Gründe.

Die Spielzeit von Betamax war etwas länger als bei VHS, sie betrug 3 ¼ Stunden. Das Format war etwa ein ganzes Jahrzehnt auf dem europäischen Markt, die Geräte der letzten Generation waren mittlerweile in der Baugröße von VHS Recordern identisch. Wie auch bei VHS wurden die Geräte von Sony weiterentwickelt, es gab Geräte mit FM-Tonaufzeichnung sowie Multistandard-Recorder.

Betamax konnte sich zwar als Consumer-Format nicht dauerhaft durchsetzen, fand aber seine Fortsetzung im professionellen Bereich als Betacam, bzw. in der Weiterentwicklung als Betacam SP und der Digibeta. Allerdings wurden nur die mechanischen Parameter des Betamax Systems weitgehend übernommen, elektronisch waren diese Geräte völlig anders aufgebaut, bzw. qualitativ wesentlich besser. Die Bauform der Cassette wurde zumindest bei der tragbaren Version der Betacam beibehalten. Betacam fand in der Studiotechnik eine große Akzeptanz und Verbreitung und löste das zwischenzeitlich veraltete U-matic System Anfang der 90er Jahre allmählich ab.

Erwähnenswert ist die Tatsache, dass Betamax aus dem U-matic System entwickelt wurde. Sony hat in seinen Prospekten und Broschüren immer wieder darauf hingewiesen. Durch die etwas niedrigere Bandgeschwindigkeit im Vergleich zu VHS war die Tonqualität der ersten Geräte recht bescheiden und wurde auch von Fachzeitschriften bemängelt. Zwar folgten bald Geräte mit Rauschunterdrückungs-Systemen, eine echte Abhilfe brachte aber erst die Einführung der Audio FM-Aufzeichnung über rotierende Ferritköpfe, die an der Kopftrommel mit angebracht waren. Dieses Ton-Aufzeichnungsverfahren ist auch als "Hi-Fi Ton" beim Verbraucher bekannt und wurde von VHS ebenfalls angewendet.

VCR und Video 2000 von Philips und Grundig

Das von Philips und Grundig in Gemeinschaftsarbeit entwickelte Video 2000 System sollte einerseits das bereits veraltete VCR-System ablösen und andererseits dem japanischen VHS und Betamax Paroli bieten. Video 2000 konnte mit gleich zwei technischen Leckerbissen auftrumpfen, die Kassette konnte beidseitig mit je 4 Stunden Aufnahmedauer bespielt werden, die automatische Spurnachführung, die zudem noch ein wirklich sauberes Standbild und störungsfreie Zeitlupen, bzw. Zeitraffer Funktionen ermöglichte, war bahnbrechend. Der sogenannte "Tracking Einsteller" war nun überflüssig geworden, da die Videoköpfen durch eine ausgeklügelte Elektronik automatisch immer auf Spurmitte gehalten wurden.

Eine solche technische Innovation hatte es bis zu diesem Zeitpunkt von keinem anderen Gerätehersteller gegeben und wurde von der Fachpresse auch entsprechend gewürdigt und hervorgehoben. Das System war betriebssicher und weitgehend ausgereift, jedoch störanfälliger als VHS und Betamax. Der Grund dafür war in den relativ großen Qualitätsschwankungen in der Verarbeitung der Geräte während der Fertigung zu sehen. Über 120.000 Grundig Geräte hatten bereits ab Fabrik einen schweren versteckten Mangel mit der Schmierung der Mechanik mit großen Mengen an Silikonfett im Gerät. Diesbezüglich waren die Japaner im Vorteil und verstanden es, auch bei großen Stückzahlen ihre Geräte mit nur geringen qualitativen Schwankungen zu fertigen. Auch dies trug zum dauerhaften Erfolg der japanischen Geräteindustrie in nicht unerheblichen Maße bei.

Trotz dieser zweifellos bestechenden Leistung deutscher und holländischer Ingenieurskunst war dem Video 2000 Format kein dauerhafter Erfolg beschieden. Nachdem die Übermacht der fernöstlichen Konkurrenz immer deutlicher wurde, versuchte Grundig, durch ein Gesetz sein Video 2000 System zum europäischen "Plichtstandard" werden zu lassen. Das Vorhaben scheiterte an der Zustimmung der Politik und Grundig blieb nichts anderes übrig, als den Japanern das Feld zu überlassen.

Trotz dieser Misserfolge war die Anzahl der verkauften Geräte in Europa doch recht ansehnlich und es hat sich zwischenzeitlich sogar eine regelrechte Fangemeinde herausgebildet, die Video 2000 Geräte aller Generationen sammeln und wieder instand setzen. Die Bildqualität von Video 2000 war durchschnittlich gesehen mit der von VHS vergleichbar. In der Praxis war jedoch der Qualitätsunterschied von Gerät zu Gerät mitunter recht unterschiedlich. Dies lag an der sehr geringen Video-Spurbreite des Systems, Fertigungstoleranzen sowie die Güte der Videoköpfe hatten großen Einfluss auf die Bildqualität. Besonders kritische Kunden ließen sich vom Fachhändler oftmals mehrere Geräte des gleichen Typs vorführen und wählten dann den Recorder mit der besten Bildqualität aus.

Die rasche Verbreitung von Videorecordern nach der Markteinführung der Systeme VHS, Betamax und Video 2000 war aber auch durch einen anderen Umstand begünstigt. Gemeint ist hier die Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit der Geräte sowie die ausgezeichnete Kompatibilität, die es in diesem Maße von älteren Video-Cassettensystemen noch nicht gegeben hatte (Ausnahme: U-matic). Dies zu erfüllen war eine der Strategien der Hersteller, wusste man doch nur zu gut, dass der Verkaufserfolg in nicht unerheblichen Maße von der einfachen Bedienung und der Zuverlässigkeit der Geräte abhing. Durch das Aufkommen der Video-Leihcassetten war die Einhaltung der Kompatibilität sehr wichtig und wurde auch von allen drei Videoformaten ausreichend erfüllt.

Von allen drei Systemen hat sich das VHS System auf dem Consumer-Markt am längsten gehalten und wurde erst vor wenigen Jahren von der DVD abgelöst. DVD - VHS-Video Kombinationsgeräte sind noch heute im Handel als Neuware erhältlich, allerdings findet hier keine Weiterentwicklung mehr statt.

Weiterentwicklung und Perspektiven

Wie bereits bei den open reel Formaten waren auch einige der ersten Cassetten-Formate in der Anfangszeit noch nicht standarisiert. Vor allem die frühen Cassettenformate einiger japanischer Hersteller (z.B. Sanyo V-Cord, Akai  V-Cassette) waren "Einzelgänger", fanden nur wenig Verbreitung und verschwanden bald wieder vom Markt. Von den frühen Videocassetten-Formaten konnte man nur von dem europäischen Videoformat VCR, bzw. des U-matic Formats von Sony von einer Standarisierung sprechen. VHS, Video 2000 und Betamax waren bereits seit Beginn an auf einen allgemein gültigen Standard ausgelegt.

Während JVC für den aufkommenden Markt der Camcorder das VHS-C System entwickelte, das technisch auf dem VHS System basierte, jedoch mit einer kleineren Cassettenbauform auskam, ging Sony einen völlig anderen Weg und entwickelte in den 80ern das Video 8 Format. Video 8 war zwar von seinem hauptsächlichen Verwendungszweck als Camcorder-Format ausgelegt, konnte jedoch auch für die Aufzeichnung von Fernsehprogrammen Verwendung finden. Neben den Camcorder-Modellen gab es auch stationäre Geräte, die über ein Empfangsteil und einen Timer verfügten uns so als "ganz normale" Videorecorder Verwendung finden konnten.

Die Weiterentwicklung der Video-Magnetbandtechnik war bei Video 8 nicht weniger spektakulär, wie dies bereits bei Video 2000 vor einigen Jahren der Fall war. Die Zahl 8 stand für die Breite des verwendeten Magnetbandes von nunmehr glatten 8,00mm, also kein englisches Zoll Maß mehr. Das System benötigte keine getrennten Spuren für das Ton, bzw. Synchronsignal, dadurch stand nahezu die gesamte Oberfläche des Videobandes für die Bildaufzeichnung zur Verfügung. Der Ton wurde durch das bereits erwähnte FM-Aufzeichnungsverfahren auf das Band gebracht, auf die Synchronspur verzichtete man völlig.  Das Format verfügte über zwei Bandgeschwindigkeiten. Die Regelung der Servokreise wurde durch eine Hilfsfrequenz sichergestellt, die zusammen mit der Videoinformation auf das Band geschrieben wurde.

Sony entwickelte das Video 8 System weiter und stellte es als Hi 8 der Öffentlichkeit vor. Hi 8 war bezugnehmend der Leistungsparameter mit dem S-VHS System durchaus vergleichbar. Die Signalaufzeichnung war zwar immer noch analog, jedoch qualitativ besser.  Das digitale Zeitalter begann erst mit der erneuten Weiterentwicklung als Digital 8.

Das Video 8 System war sehr betriebssicher und bot zudem noch die Möglichkeit der PCM-Tonaufzeichnung. So mancher ehemalige VHS-Recorderbesitzer wechselte recht gerne bei einem Geräte-Neukauf zu Video, bzw. Hi 8, weil man von den Leistungsdaten und der universellen Einsatzmöglichkeiten dieses Videosystems überzeugt war.

Fortsetzung folgt.

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