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Die Herausforderung - dies hier ist der Artikel "1"

von drei zusammen hängenden Texten (Artikeln),
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Die Herausforderung "Ton" der Magnetbandtechnik

eine original Edinson Maschine
Die Lieben Röhre
das este Tonbandgerät der Welt AEG K1

War es am Anfang der Wunsch, überhaupt mal irgend etwas an Tönen oder an Sprache aufzuzeichnen bzw. zu konservieren, so stiegen die Anforderungen mit jedem kleinen Schritt stetig weiter an. Es gab ja bereits die Edinsonsche Walze und diverse Wachsplattensysteme. Für weitsichtige Zeitgenossen war das alles unzulänglich und ein Einmalsystem. Man träumte von einem wieder beschreibbaren "Medium". Der entdeckte Magnetismus half beim Träumen.

 

Hatte man am Anfang irgendwo aus dem Rauschen des Stahlbandrecorders eine Stimme zu erkennen geglaubt, merkte man bald, das mit dem Stahldraht und dem Stahlband war nicht der Weisheit letzter Schluß.

 

Dann hatte man endlich die lang ersehnte Verstärkerröhre (die Lieben Röhre) und konnte das kleine Signal, das von dem Medium wieder herunter kam, etwas lauter über einen der ersten Lautsprecher hören und es war wirklich eine Stimme.

 

Jetzt kamen die ersten Fragen nach dem Sinn des Stahlbandes auf, ob es nicht mit einem Film-Band und einer anderen breiten magnetischen Schicht viel besser ginge. Und so bis 1932 forschte und spielte man mit allen möglichen Medien, ob man da Eisenpulver drauf (geklebt) bekam.

 

Dann wurde das Aufnahme- und Wiederganbe System (mit den zwei Stahlspitzen) an sich in Frage gestellt und etwa 1932 der (Luftspalt-) Magnetkopf entwickelt (oder entdeckt).

 

Es schien zu funktionieren und jetzt wurde ernsthaft über die Aufnahme von Musik nachgedacht, denn bisher war die Sprache das Ziel überhaupt, die Qualität ließ bisher nur Träume zu.

Die Erkenntnis, mit Stahl geht es nicht.

Weltweit hatten nur wenige erkannnt, daß das mit dem Stahlband in die Sackgasse lief (fast genauso wie beim mechanischen Fernsehen) und sie machten munter weiter - teilweise bis deutlich über 1950 hinaus, leider sogar bei uns hier in Deutschland. Alleine bei der AEG hatten die Ingenieure schon ab 1932 auf der Basis der Pfleumer und Schüller Patente daran gearbeitet, eine Aufnahme-Maschine zum Betrieb von mehr als nur ein paar Sekunden oder Minuten zu entwickeln.

 

Jetzt dehte sich alles um die Maschine, die ein auf einer Spule aufgewickeltes mit magnetischem Pulver beschichtetes Papierband an einem Magnetkopf vorbei bewegen sollte. Da fehlte aber noch ein Attribut, das alles mußte gleichmässig geschehen, also mit möglichst konstanter Bandgeschwindigkeit.

 

Die erste Maschine (der AEG) mit nur einem Motor wurde im August 1934 wieder verworfen, denn das Papierband hielt die hohe Zugbelastung nicht aus. Das ab Anfang 1935 entwickelte AEG 3 Motorenlaufwerk konnte endlich die Forderung nach einem geeigneten Transportmechanismus erfüllen.
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Anfang 1934 begann dazu die BASF, ein Magnetband auf Kunststoffbasis zu entwickeln. Als das gelang, war auch dieses mechanische Problem gelöst. Es dauerte aber noch weitere 4 Jahre, bis die HF Vormagnetisierung aus dem AEG K2 oder K3 Bandgerät ein richtiges hochqualitatives Tonbandgerät nach unseren heutigen Vorstellungen machte.

 

Ich möchte hier besonders hervorheben, daß es sich bisher immer um Vollspurgeräte handelte, also Mono mit einer einzigen Spur auf dem damals ca. 6,5mm breiten Band. Das Band wurde leidlich genau an den Magnetköpfen vorbeigezogen (oder gezerrt) und es funktionierte einigermaßen. Diese "Präzision" war bescheiden, aber vorerst ausreichend, denn es funktionierte erst malüberhaupt .

1941 - die Herausforderung 1 war gelöst

Die 1. Herausfoderung war damit ab etwa 1941 gelöst. Ein (deutsches) 6,5mm Magnetband mit einem Frequenzgang von 40 bis 15.000 Hertz mit über 56 Dezibel Rauschabstand und unter 3% Klirrfaktor, das war absolut super, umwerfend, unübertroffen und noch 20 Jahre lang weltweiter Ton-Studio Standard.

 

Man baute in 1943/44 in Deutschland bei der AEG sogar ein 2 Spur Gerät für Stereo Aufnahmen und selbst dafür reichte die Bandführungsgenauigkeit immer noch aus. Bis 1945 wurde noch das "Eine und Andere" verbessert und perfektioniert, fand aber fast keinen Weg mehr zu den Anwendern, es war Krieg an allen Fronten.
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Erst 1948 ging es wirklich weiter.

In Deutschland tat sich nach 1945 erst mal recht wenig. Auch die Ingenieure hatten Hunger und andere Sorgen.

 

So um 1947 wachte die große USA auf und bewegte sich ein bißchen. Mit viel Glück und etwas Zufall (es war Jack Mullin's Verdienst) fand das Magnetophon dann doch den Eingang zu den großen Tonstudios und Rundfunksendern. Und alles war anfänglich Vollspur Mono. Erst lange nach der Ampex 200A dachten die Entwickler an Mehrspurmaschinen auf 1" Band Basis mit 8 und 16 Tonkanälen, aufbauend auf dem nahezu letzten Ampex 200A Chassis mit der dort verfügbaren Laufwerksqualität. Und erst bei den letzten analogen 2" 24 und 48 Spur Boliden wurden die gewonnene Erkenntnisse aus der fortschreitenden Videotechnik angewendet, denn da mußte das Band dann doch extrem präzise laufen.

 

So um 1954 herum ging es dann auch bei uns wieder weiter und es wurde (bei Studer und Telefunken) die absolute Perfektion bei der Aufnahme angestrebt, vorher ging es (zumindest bei den Amerikanern) eigentlich nur um "ganz normales" Hifi. Jetzt ging erneut ein Rennen los um die "perfekteste" (ist natürlich eine falsche dumme Steigerungsform) Tonaufnahme. Habe ich vom SWR4 gelernt mit dem "aktuellsten" Verkehrsservice.

 

Das I-Tüpfelchen setzte dann ein Amerikaner mit einem 8 Spur CC-Kassettengerät, wobei er wirklich 8 analoge Spuren in nahzu Studioqualität auf das 3,8mm Band der Philips CC Kassette (aber in höherer Geschwindigkeit) aufnahm. Mit 48 Spuren auf einem 2" Band was das nämlich kein Porblem, aber mit diesem schmalen Kassetten-Bändchen schon.

 

Und damit war dieses analoge Audio-Magnetband-System offensichtlich ausgereizt.

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