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Zeit(ge)schichten: Magnetbandtechnik als Kulturträger

Sommer 2009 - Buchbesprechung von Gert Redlich :

Es ist ein gewaltiges Werk, das die drei Autoren F. Engel, G. Kuper und F. Bell da zusammen erstellt, geschrieben oder gebaut haben. Auf über 600 A4 Seiten ist in teilweise sehr kleiner Schrift scheinbar unendlich viel zu lesen. Davon sind über 80 Seiten nur mit Fußnoten bzw. Endnoten gefüllt. Bis auf die bunte Titel-Illustration sind leider alle Bilder schwarz weiß und nur mäßig scharf. Saubere scharfe und dann auch noch Farbfotos hätte womöglich die Kosten zu weit in die Höhe getrieben. Doch für nahezu 150 Euro kann der Käufer/Leser eigentlich schon etwas erwarten.

Also was kann der Käufer von diesem Werk erwarten ?

Das Buch beginnt mit einem Aufriss der historischen Entwicklung der Technik zur Speicherung von Tönen und Klängen. Es werden die nach Meinung der Autoren wichtigen Denker, Erfinder und Erfindungen sowie das politisch historische Umfeld beschrieben. Erstaunlich gute und scharfe Detailfotos aller Art ergänzen die Absätze.

Ähnlich wie hier im Web werden so gut wie alle den Autoren verfügbaren Informationen und Bücher und Berichte der letzen 100 Jahre eingearbeitet. Noch genauer gehen die Autoren auf die Hintergründe der Herren "Bücher" - "Pfleumer" - "Schüller" bzw.auf deren Gedanken ein, die letztendlich zu der Entwicklung des Magnetophons geführt hatten.

Diese Ausführungen sind dabei so sehr detailliert oder auch ausschweifend, daß ein unbedarfter Leser nach wenigen Zeilen bereits den Faden verloren hat und sich in der ersten Weltwirt- schaftskrise wiederfindet. Für den Historiker, der die Gründe für manche ungeklärten Fragen zu dieser Entwicklung verstehen will, ist das natürlich eine sehr saubere Zusammenstellung von verfügbaren Informationen.

Der Rezensent hat nach der Lektüre vieler alter Bücher und früher Zeitschriften von vor dem Krieg wie auch von Rückblicken kurz nach dem Krieg manche anderen Zusammenhänge vermutet.
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Die Aufteilung der Kapitel in Erste"s" und Zweite"s" Band usw. soll sich sicher an jeweils einem Magnet- "band" orientieren, ist aber für von mir befragte interessierte Laien eher schwer nachzuvollziehen.

Offensichtlich ist die Geschichte des Magnetophons und des (zugehörigen) Magnetbandes mit den Firmen BASF und AEG so stark verknüpft, daß auf eine absolute chronologische Darstellung verzichtet werden musste. Das bedeutet aber, daß nur der bereits vorbelastete Leser dieser verquickten Geschichte auch nur annähernd folgen kann.

Für einen Laien ist der Einstieg nach wenigen Seiten bereits wieder zuende, er ist verwirrt und von und mit dieser Komplexität völlig überfordert.

Lob und Kritik sind dicht beeinander.

Wenn man das dicke Buch nur oberflächlich durch- blättert, erfreut man sich an einer unzähligen Vielfalt der Fotos. Den Autoren standen also viele Archive und Quellen offen.
Blättert man dann gezielt weiter, fällt auf, daß es immer öfter ganze Blocks/Abschnitte mit (nur) gigantisch viel Text gibt. Diese großen Textmengen (Buchstabenwüsten) werden dann schnell trocken und sind nur noch schwer lesbar. Will man zum Verstehen einzelne Referenzen verfolgen, brauchte man mindestens 14 bis 18 Finger oder eine Unmenge von bunten Zetteln bzw. Fähnchen. Das ist natürlich sehr mühselig und so heutzutage nicht mehr zu machen oder anders ausgedrückt, es ist so nicht mehr akzeptabel.

Aber viel wichtiger:

Im gesamten Buch geht der Text über die volle Seitenbreite.

Schrift über die gesamte Seitenbreite ist mühsam zu lesen
von den Zeitungen hätte man lernen können

Das ist sehr "unglücklich", die Augen auch selbst des geneigten und motivierten Lesers ermüden überdurchschnittlich schnell.

Da hätte man von den alten wissenschaftlichen Studien der FAZ und der anderen übergroßen Tagesszeitungen lernen sollen, das Auge kann maximal die Hälfte der Zeilenlänge einer DIN A4 Seite "scannen" bzw. am Stück erkennen, wesentlich besser noch ist die 3 Spaltige Darstellung auf A4.

Die fast schon DIN A2 großen Tageszeitungen drucken seit über 50 Jahren eine ganz bestimmte Spaltenbreite, warum nur ?

Der Mensch liest es ermüdungfrei.
Der Rezensent hat übrigens die FAZ Nummer 1 aus 1949 einge- scannt und deren Spalten mit der Zeilenlänge der Spalten aus 2009 verglichen. Die sind fast genauso kurz (oder lang).

Also besonders lesefreundlich sind also diese langen Zeilen nicht, man muß das Buch in vielen Etappen lesen. Und das ist schade. So ist das Buch mehr ein Nachschlagewerk bzw. Lexikon der Magnetband- historie, aus dem man sich einzelne wenige Kapitel gezielt aussucht.

Eine PDF Version sucht(e) man (bis 2012) leider vergebens.

Anmerkung in Dez. 2012 : Das ist jetzt anders. Es gibt sie, die PDF Version.

Zumindest ein elektronischer Index wäre extrem hilfreich gewesen. Und das wäre bei dem Preis eigentlich angebracht. Verlinkungen könnte man dort wesentlich besser folgen. Die Schutzbe- hauptung (in einem Tonband Forum), dann sei ja das Kopieren wesentlich einfacher, ist weit her geholt. Ein Renner wird das Buch bei 150 Euro mit Sicherheit sowieso nicht.

Die ebenfalls sehr sehr umfangreichen Bücher von Professor Dr. Volz: "Datenspeicher von der Steinzeit bis zum 21. Jahrhundert" sind zum Beispiel in der Digitalen Bibliothek erschienen.

So rechtfertigt allein der immense Aufwand der Recherche und des strukturierten Zusammenstellens dieser Daten den Preis, denn nur damit hat solch ein Werk seinen Seltenheitswert.

Es ist sicher für die Archive und technischen Bibliotheken ein ernsthafter Gewinn, für die wenigen verbliebenen Sammler fast schon eine Überforderung. Als Geschenk eignet es sich leider auch nur bedingt, denn die (nur) schwarz weiß Fotos, teilweise unscharf gedruckt, (wir haben die Originale hier) sowie die durchgehend sehr lange Zeilenlänge samt Buchstabenwüste lädt nicht zum launigen komfortablen Schmökern und zu längerem Verweilen ein.

Das UHER Buch, das Revox Buch sowie das Thorens Buch von Herrn Bung zum Beispiel sind da dankbarere Geschenke. Diese Bücher animieren durch viele bunte Bilder und leichtere Lesbarkeit.

Auch ist für die Wissenschaftler und Historiker die Digitale Version auf CD von Professor Volz heutzutage die technisch handlichere Variante solcher Werke.

Gedrucktes kann man nicht mehr korrigieren.

Es bleibt noch anzumerken, daß man bei einmal gedruckten Büchern kaum die Gelegenheit bekommt, Korrekturen und neue Erkenntnisse einzubringen. Das beste Beispiel ist die tausendfach in Büchern und Artikeln und Zeitschriften wiederholte Legende über Walter Bruch, angeblich "?Erfinder?" des PAL Farbfernsehens. (Es ist übrigens auch in diesem Buch falsch "zitiert".) Und es stimmt definitiv nicht, "er" war es nicht.

Nachtrag :
Die 2. Auflage kam in 2010 raus und die 3. Auflage in 2013
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Ein Profi war da mit im Boot ?????

Eines stimmt mich jetzt im Nachhinein (also nach dem Lesen eines großen Teiles des Buches) besonders nachdenklich. Der dritte Autor dieses Werkes - Frank Bell - sei laut seiner Biographie (vermutlich eine Eigenaussage) angeblich Tageszeitungsredakteur gewesen.

Dann hätte er eigentlich sofort sein Veto gegen die überdimensionale Textbreite (Zeilenlänge) einlegen müssen, denn einem "gelernten" Zeitungsredakteur wäre solch ein Fehler nicht unterlaufen. (Das ist eine Aussage aus dem Hause FAZ Frankfurt im Juli 2009).

Es gibt also noch viel zu tun bei einer Zweitauflage . . . . . .
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