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"tonband" Heft 1 • Februar 1972 • 9. Jahrgang
"Vierspur-Stereo-Tonbandgerät Grundig TS 600"

Von Karl Breh im Frühjahr 1972

Die GRUNDIG Terminologie TK, TS und TM

In der Typenbezeichnung dieses Gerätes steht TS als Abkürzung von Tonband-Schatulle. Darunter versteht man bei Grundig ein Tonbandgerät, das zur Abhörkontrolle bei Aufnahmen mit Stereoendstufen für Kopfhörer ausgestattet ist, aber im Unterschied zu dem Typ TK (Tonband-Koffer) keine Leistungsendstufen besitzt. Die TS-Version ist demnach speziell für die Verwendung in Verbindung mit einer HiFi-Stereo-Anlage gedacht und würde im englischen Sprachgebrauch als „Tape-Deck" bezeichnet.

Technische Merkmale in Kurzform

Einmotorlaufwerk (Synchronmotor), maximaler Spulendurchmesser 18cm, Vierspurtechnik, Geschwindigkeiten 9,5 und 19cm/s, Vierspur-Löschkopf, Aufsprech-und Wiedergabekopf, Hinterbandkontrolle, keine Trickmöglichkeiten, eingebaute Stereoendstufe nur für Kopfhörer, Aussteuerungsautomatik umstellbar für Musik und Sprache, manuelle Aussteuerung, Bandendabschaltung durch Metallfolie und Magnetschalter oder durch Fühler (reagiert auch auf Bandriß), vierstelliges Bandlängenzählwerk, zwei Aussteuerungsinstrumente (logarith mische Spitzenwertmesser mit Vor- und Rückwärtsdämpfung des Zeigers).

Beschreibung

Im Bereich aller den Bandlauf und Bandtransport beeinflussenden Teile besteht der Aufbau aus einem soliden Blechchassis in Zweiplatinen-Bauweise. Die Zwischenplatte, die mit der Chassis-Platte durch sieben Distanzbolzen verbunden ist, trägt die Bandführungs- und Transportelemente. Sie dient außerdem als oberes Lager für verschiedene Bauelemente, die sich zwischen Chassis und Zwischenplatte befinden.

Die Bandzugregelung erfolgt durch Seilbremsen, die über Fühlhebel gesteuert werden. Der Nachrüstsatz 128 gestattet den Anschluß eines Fußschalters zur Start-Stop-Fernsteuerung bei Aufnahme und Wiedergabe, während der Nachrüstsatz 127 den Anschluß eines Steuergerätes für vollautomatische Diaoder Schmalfilmprojektion ermöglicht.

Das Bedienungsfeld ist dreifach unterteilt. Links befinden sich unter den bei Aufnahme beleuchteten Anzeigeinstrumenten fünf Drucktasten für die Spurwahl (1-2, 3-4, Stereo). Hinterbandkontrolle und Mithören vor Band. Die darunter angeordnete Drucktaste ist zu betätigen, wenn aufgenommen werden soll. Sie muß so lange eingedrückt werden, bis auch die Starttaste eingedrückt ist. Erst dann rastet sie ein. Zuvor muß der Flügelschalter auf die gewünschte Aussteuerungsart (manuell, automatisch Musik oder automatisch Sprache) eingestellt werden.

Die Aussteuerung

Bei manueller Aussteuerung wird der Pegel am linken Schieberegler im rechten Bedienungsfeld eingestellt. Erfolgt die Aussteuerung automatisch, so ist dieser Schieberegler ohne Einfluß.

Die beiden rechten Schieberegler dienen der Lautstärkeregelung beim Abhören über Kopfhörer, die rechts oben angeschlossen werden können.

Neben dem vierstelligen Bandlängenzählwerk mit Nulltaste befindet sich der Ein-Aus-Schalter. Daß das Gerät eingeschaltet ist, wird durch eine rote Kontrollleuchte neben dem Bandlängenzählwerk angezeigt.

Die Laufwerks-Tasten

Sechs rechteckige Tasten nehmen die ganze Breite unter der Kopfabdeckung ein. Die beiden äußeren bilden zusammen mit der die Aufschrift „Stop" tragenden Leiste eine solidarische Einheit. Die weiteren Tasten steuern von links nach rechts den schnellen Rücklauf, Pause, Start und schnellen Vorlauf.

Zwischen den Spulen erkennt man oben den Geschwindigkeits-umschalter.

Die Mikrofon-Buchse

Links befindet sich unter einem Schieber die DIN-Buchse für den Anschluß eines Stereomikrofons. Durch öffnen dieses Schiebers, der nach dem Herausziehen des Mikrofonsteckers selbsttätig wieder schließt, werden die Eingänge Radio und Phono abgeschaltet.

Die Buchsen für diese Anschlüsse befinden sich in einem normalerweise durch eine Zierleiste abgedeckten Schacht unter dem Tragbügel (Bild 2) zusammen mit der Monitorbuchse. In einem weiteren Schacht findet man die Anschlußbuchsen für Fernsteuerung und Projektion. Eine Schlitzschraube am Boden des Geräts dient der Einstellung des Pegels bei Hinterbandkontrolle, so daß der Pegel Vor- und Hinterband ausgeglichen werden kann. Mehr gibt es bei diesem Tonbandgerät nicht zu beschreiben, da mit Rücksicht auf seine Zweckbestimmung, in Verbindung mit HiFi-Stereoanlagen betrieben zu werden, auf die üblichen Trickeinrichtungen verzichtet wurde.
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Messergebnisse

Bemerkungen (1) :
Der Hersteller gibt 53 dB Geräuschspannungsabstand an. Kontrollmessungen bei 19 cm/s mit DIN-Bezugsband 45 513 ergaben unter gleichen Bedingungen 55 dB Fremdspannungsabstand und 56 dB Geräuschspannungsabstand
Übersprechdämpfung selektiv gemessen über Radio-Eingang im Stereobetrieb bei Normabschluß des nicht ausgesteuerten Eingangs und Vollaussteuerung des ausgesteuerten bei 40 Hz und beiden Geschwindigkeiten besser 57 dB in beiden Richtungen
bei 1 kHz besser 61 dB bei 10 kHz besser 49 dB
Übersprechdämpfung selektiv gemessen von zwei Stereospuren zu den beiden anderen (gegenläufiger Stereobetrieb)
bei 1 kHz besser 60 dB
bei 120 Hz 37 dB

Bemerkung (2) : Die Wiedergabefrequenzgänge sind ausgezeichnet, die Abweichungen zwischen den Kanälen bleiben unter 1 dB.

Kommentar zu den Ergebnissen unserer Messungen

Die kurzzeitigen Geschwindigkeitsschwankungen sind sehr klein und unterschreiten beachtlich die vom Hersteller angegebenen Werte. Die Abweichung der mittleren Geschwindigkeit von der Sollgeschwindigkeit liegt bei 10cm 50% unter dem zugelassenen Wert. Sehr klein ist auch der als Schlupf bezeichnete Unterschied zwischen der Bandgeschwindigkeit bei voller und leerer Spule. Das Umspulen dauert ziemlich lange, aber das ist bei allen Einmotoren-Laufwerken so. Die mechanischen Eigenschaften des TS 600 können insgesamt als sehr gut bezeichnet werden.

Was die elektrischen Daten betrifft, so liegen die gemessenen Fremd- und Geräuschspannungsabstände rund 3dB über den vom Hersteller propagierten Werten und sind als gut zu bezeichnen.

Das gleiche läßt sich von der Übersprechdämpfung von einer Spur zur anderen im Stereobetrieb sagen. Sehr wichtig bei einem Vierspurgerät ist die Übersprechdämpfung bei gegensinnigem Stereobetrieb. Sie ist nämlich ein Maß dafür, wieviel beim Abhören der leeren Stereospuren vom Signal durchschlägt, das auf den beiden anderen nun gegensinnig laufenden Stereospuren zuvor (vor dem Umlegen der Spulen) aufgezeichnet wurde. Für hohe Frequenzen (über 1 kHz) liegt diese Übersprechung über dem Geräuschspannungsabstand, aber bei tiefen Frequenzen, z. B. 120 Hz, beträgt sie nur 37 dB, und das ist etwas wenig. Bei der Wiedergabe sehr leiser Stellen können die Bässe der auf den gegensinnig laufenden Stereospuren aufgezeichneten Aufnahme leise, rückwärts abgespielt, hörbar werden.

Der kubische Klirrgrad bei Vollaussteuerung beträgt nur 3%. Auf diese Aussteuerung sind auch die Fremd- und Geräuschspannungsabstände bezogen. Die Löschdämpfung liegt wesentlich über dem Fremdspannungsabstand.

Die Wiedergabefrequenzgänge sind bei beiden Geschwindigkeiten ausgezeichnet. Die Abweichungen zwischen den Kanälen bleiben bei 19cm/s unter 1dB bei 9,5cm/s unter 1,5dB. Die Frequenzgänge über alles, die entscheidend sind bei Aufnahme und Wiedergabe eines Bandes auf ein- und demselben Gerät sind bei beiden Geschwindigkeiten recht linear und liegen mühelos innerhalb der von DIN 45 500 vorgeschriebenen Toleranzfeldern.

Unterhalb 40 Hz fällt der Frequenzgang bei 19cm/s mit einer Flankensteilheit von 6,5dB/Oktave ab. Bei 9,5cm/s setzt der Abfall schon etwas oberhalb 100Hz ein, erreicht aber bei 20Hz nur 4,5dB. Bei Überspielungen vom Rundfunk spielt dies keine große Rolle, denn dieser schneidet Frequenzen unter 40Hz ohnehin ab.

Anders verhält es sich, wenn man selbst hochwertige Mikrofonaufnahmen, z. B. von großen Orgeln, machen will, dann kann dieser Abfall schon merklich werden. Zu hohen Frequenzen hin bringt das Gerät bei beiden Geschwindigkeiten einen erstaunlichen Frequenzumfang. Der relative Anstieg bei 9,5cm/s ab 6,5kHz und die breite Anhebung zwischen 9 und 15kHz sind vermutlich dafür verantwortlich, daß Aufnahmen, bei 9,5cm/s Hinterband abgehört etwas mehr rauschen als Vorband. Bei 19cm/s ist dies nur noch kaum merklich der Fall und eigentlich nur an der leicht veränderten Farbe eines Vorband vorhandenen Rauschpegels zu erkennen.

Keinesfalls kann bei 19 cm/s von einer Beeinträchtigung der HiFi-Qualität bei Überspielungen die Rede sein. Das TS600 übertrifft in jeder Hinsicht und in eigentlich allen Punkten sehr beachtlich die Mindestanforderungen für HiFi-Tonbandgeräte nach DIN 45 500. Einzige Ausnahme ist die etwas kleine Übersprechdämpfung bei tiefen Frequenzen im gegensinnigen Stereobetrieb.

Betriebs- und Musikhörtest

Das TS 600 wurde mit einer hochwertigen HiFi-Stereoanlage verbunden und unter allen Betriebsbedingungen geprüft. Die Bedienung des Gerätes ist einfach und übersichtlich. Die Mechanik funktioniert einwandfrei, Schleifenbildung tritt bei korrekter Bedienung nicht auf. Wie bei ziemlich allen Tonbandgeräten laufen die Achsen der Wickelteller nicht ganz rund, trotzdem sind die Wickel im schnellen Vor- und Rücklauf sehr sauber. Die Aussteuerungsanzeige arbeitet als eine Art Spitzenwertanzeiger zuverlässig. Hervorragend funktioniert die automatische Aussteuerung, die auch bei plötzlichen Pegelsprüngen, z. B. bei Mikrofonaufnahmen, eine Übersteuerung der Aufnahme verhindert.

Für den Musikfreund, der Programme von Stereorundfunk oder Schallplatte überspielen will, ist diese Automatik ebenso eine Hilfe wie für den Amateur, der sein eigener Hörspielproduzent ist.

Bei 19 cm/s ist ein Qualitätsunterschied Vor- und Hinterband nicht festzustellen, wenn man davon absieht, daß Vorband vorhandenes Rauschen, Hinterband eine geringfügig andere Färbung hat. Dies hängt mit dem leichten Anstieg der Frequenzgangkurve von 10 bis 20kHz zusammen. Bei 9,5 cm/s ist dieser Effekt noch etwas ausgeprägter, doch läßt sich nicht leugnen, daß HiFi-Qualität auch bei dieser Geschwindigkeit noch vorhanden ist.

Schaltet man das Gerät bei Aufnahme über die Pause-Taste, treten keine Schaltknackse auf. Über Kopfhörer läßt sich ausreichende Abhörlautstärke erzielen.

Zusammenfassung (in 1972)

Zum empfohlenen Preis von DM 1078.- einschließlich Zubehör, umfassend ein 730m-Tonband GD 18, ein Überspielkabel und ein Stereo-Mikrofon GDSM 331 auf Tischstativ, inklusive Gema-Abgabe und Mehrwertsteuer, bietet Grundig den Besitzern von HiFi-Stereoanlagen ein Vierspur-Stereo-Tonbandgerät an, das mit allem ausgerüstet ist, das das Überspielen von Programmen von Rundfunk und Schallplatte erleichtert, bei dem aber wohl aufgrund dieser Zweckbestimmung auf die üblichen Trickmöglichkeiten wie Multiplay oder Echowirkungen verzichtet wurde.

Dafür kann die Maschine für Fernsteuerung mittels Fußtaste und für synchrone Vertonungen von Dia- oder Schmalfilmprojekten ausgebaut werden. Die mechanischen ebenso wie die elektrischen Eigenschaften des TS 600 gewährleisten HiFi-Qualität der Aufnahmen und Überspielungen auch noch bei 9,5 cm/s Bandgeschwindigkeit.

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