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BASF MITTEILUNGEN FÜR ALLE TONBANDFREUNDE Nr.27

Herausgegeben von der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik AG - Ludwigshafen am Rhein. Für Österreich bearbeitet von ORGANCHEMIE GMBH • WIEN 8 • HIETZINGER HAUPTSTRASSE 50 - Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Organchemie, Fabrikation chemischer Produkte, Gesellschaft m. b. H., Wien 8, Hielzinger Hauptstraße 50 - Für den Inhalt verantwortlich: Dkfm. Hans Kempter, Wien 8, Hietzinger Hauptstraße 50 - Druck: Josef Eberle KG., Wien 7. - P. b. b. Erscheinungsort Wien Verlagspostamt Wien 89 - Dies ist also eine weitere spezielle abweichende Heftversion für Österreich. Auf ein Editorial wurde wiederum verzichtet. (Ident 75-WE-6111)
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Das Eierpappen-Studio
(Zu unserem Titelbild)

„Eigentlich kein vorbildliches Tonstudio", meinte einer unserer Fachleute, als wir ihm das Titelfoto zeigten. „Die Tonbandgeräte, Bänder, Mischpult - alles gehört in die Technik, in den Regieraum. Ihr Foto zeigt einen Aufnahmeraum, und dort sollten nur Sprecher und Mikrofon sein." - Wir wandten ein: „Aber das Foto wurde im BASF-Jugenddorf Limburgerhof aufgenommen. So sieht der Raum wirklich aus. Ein Keller, den die Buben mit Eierpappen tapezierten, wegen der Akustik. Dort werden tatsächlich Aufnahmen gemacht, sogar recht gute."

Unserem Experten war deutlich anzusehen, daß er nur widerstrebend aufhörte, an eine gewisse Doppeltür in der Magnetophonband- Prüf- und Forschungsstelle zu denken, an der „Ton-Technikum" steht. Dahinter liegt ein wirkliches Tonstudio: der Aufnahmeraum mit Schwimmboden und schallschluckenden Wänden und der Regieraum mit fest eingebauten Studiogeräten, etlichen Lautsprechergruppen, Gegensprechanlage und anderem technischen Komfort.

„Na ja", räumte unser Fachmann schließlich ein, „man soll den Tonbandfreunden nichts empfehlen, was sich doch nur die allerwenigsten leisten könnten. Wer hat in seiner Wohnung schon gleich zwei Räume übrig, die er als Studio zweckentfremden kann. Also bringen Sie ruhig Ihr Keller-Studio."

Das Tonstudio im Jugenddorf Limburgerhof

Im Jugenddorf Limburgerhof und auch anderswo gelingen im Eierpappen-Studio ausgezeichnete Aufnahmen. Die Eierpappen gibt's beim Kaufmann kostenlos. Sie sind leicht an den Wänden anzubringen, sogar so, daß man sie schnell wieder abmontieren kann, wenn die Mutter den zum Tonstudio erhobenen Keller- oder Abstellraum wieder seinem eigentlichen Zweck zuführen will. Die Eierpappen schlucken und zerstreuen den Reflexionsschall; er kommt dadurch nicht als ungewollter Nachhall mit auf das Band.

Aber nicht das Tonbandgerät allein macht die gute Aufnahme, auch nicht nur das Band oder die Eierpappen. Auch das Mikrofon hat ein wichtiges Wort mitzureden.

Für den Amateur kommen Kristallmikrofone oder dynamische Mikrofone in Betracht. Unter letzteren gibt es solche, die sich auf Sprache oder Musik einstellen lassen, andere für Stereo-Aufnahmen und wieder andere mit Richtcharakteristik, die den Schall bevorzugt aus einer bestimmten Richtung aufnehmen.

Mit ein paar kleinen Extras macht das Tonbandeln noch mehr Spaß. Beispielsweise mit einem Mischpult. Dann kann man gleichzeitig mehrere Aufnahmen ineinander blenden, die Lautstärke einer jeden Aufnahme läßt sich unabhängig von den anderen regulieren. Für nicht ganz so Anspruchsvolle genügt aber auch die im Gerät eingebaute Tricktaste. Immerhin kann man damit ebenfalls mehrere Aufnahmen mischen, wenn auch nicht gleichzeitig. Und zur Not tut's auch ein Kragenstäbchen aus Kunststoff. Man schiebt es zwischen Löschkopf und bespieltes Band, während man eine weitere Aufzeichnung auf die Spur bringt. Tricktaste oder Kragenstäbchen setzen den Löschkopf außer Funktion.

Das Cuttern und die neue Cutter Box

Wer viele Mikrofon-Aufnahmen in seinem Heimstudio macht - etwa für ein Hörspiel oder den Tonbandbrief -, kommt um das Cuttern nicht herum. „Aha!", denkt der erfahrene Tonbandler, „jetzt kommt die Klebegarnitur!" Weit gefehlt, es kommt noch besseres: die neue Cutter Box. Sie enthält aber auch wirklich alles, was der Tonbandfreund zum Cuttern braucht - und noch ein bißchen mehr: eine halbautomatische Klebepresse mit Ersatzmesser und -führungsschiene, eine 10m lange, 17.8mm breite Rolle Klebeband, eine grüne, eine rote, eine weiße Rolle Vorspannband, je 25m lang, 50 Schaltstreifen von je 15cm Länge, vier Bandklammern, 25 grüngerandete und 25 rotgerandete Spulensteg-Etiketten. Darauf vermerken Tonbandfreunde nützliche Hinweise wie Archivnummer, Spurnummer, Angabe der Bandgeschwindigkeit und ähnliches.

Die Archiv Box - reine versteckte Werbung

Zur Cutter Box kommt als weiteres neues Extra eine Archiv Box. Archiv Box heißt: drei Kunststoff- Schwenkkassettsn in einem Gehäuse plus 3 Langspielbänder. Die Archiv Box ist dank ihrer großen Bodenfläche äußerst standfest. Mehrere nebeneinander ergeben ein übersichtliches, handliches Bandarchiv. Es gibt drei Größen: für Bänder auf Spule 13, auf Spule 15 und auf Soule 18.

Hier ist das Ende des Artikels über das Eierpappen-Studios.
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Reicht das Band noch?

Schließlich noch ein Hilfsmittel, das allen Freunden von MAGNETOPHONBAND BASF kostenlos zugeht: die neuen Spielzeit-Anzeiger. Die bange Frage: „Wie lange läuft das Band noch, reicht es für die ganze Aufnahme aus?" ist mit Hilfe eines Spielzeit-Anzeigers sofort beantwortet. Der passende Anzeiger - je drei verschiedene sind zu einem Satz zusammengefaßt-wirr1 einfach auf die Abwickelspule gelegt und die restliche Spielzeit mit einem Blick abgelesen. Welcher wann wohin kommt, sagt die Gebrauchsanweisung.

Und noch einmal Spielzeiten. Herr Direktor Dipl.-Ing. Kurt K. Rumpf schickte uns aus Wien die abgebildete Schemadarstellung, welche rasch die Zusammenhänge zwischen Bandlänge, Bandgeschwindigkeit, Spulengröße und Spielzeit erkennen und die gesuchten Angaben sofort finden läßt.

Die Krönung der schöpferischen Tonbandarbeit

An praktischen Hilfsmitteln braucht es dem Tonbandfreund also nicht zu fehlen; er kann sich getrost an den Tonbandbrief oder sogar an das selbstgebastelte Hörspiel, die Krönung der schöpferischen Tonbandarbeit, heranwagen.

Für das Hörspiel noch einige Tips: Man kann alles allein machen und Drehbuchautor, Regisseur, Inspizient, Sprecher und Tontechniker in einer Person sein. Das hieße aber den Ehrgeiz übertreiben. Besser ist deshalb ein „Team". Ohne Drehbuch geht es kaum. Hauptsache ist die gute Idee, meist Ergebnis gemeinsamen Nachdenkens.

Und nicht vergessen: eine Sprache darf keine Schreibe sein, also bitte kein Papierdeutsch. Die einzelnen Seiten des Drehbuchs sollten unter den Stichworten Szenennummer, Sprecher, Geräusche, Musik, Erläuterungen, Zählwerkanzeige des Tonbandgerätes und Zeit in Rubriken eingeteilt werden. Solche Sorgfalt lohnt sich.

Änregungen für den Umgang mit Gerät und Band und für technisch gute Aufnahmen haben wir in fast allen Ausgaben unserer „Mitteilungen" gegeben. Wir werden es auch weiterhin tun.

Die BASF auf einen Blick

Hergestellte Produkte .................................. mehr als 5.000
Mitarbeiter ........................................... mehr als 46.000
Gesamtumsatz (1960) .................................. 2.588.000.000.- DM
Aktienkapital (1961) ................................... 800.000.000.- DM
Werksanlagen (1960) .................................. 1.266.000.000.- DM
Dividendensumme (1960) ............................... 126.000.000.- DM
Dividende in Prozenten (1960) 18%

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„Buon giorno" auf neapolitanisch

Ein neapolitanischer Uhrmacher hat einen neuartigen Wecker zum Patent angemeldet. Zuerst klingelt die Uhr ganz normal. Stellt man sie nicht ab, tritt ein Tonband mit Autohupen, Hundegebell, Pistolenschüssen und Granatengekrache in Aktion. Das bringt den müdesten Neapolitaner auf die Beine.

Amerikanischer Brief

Diesen Briet erhielten wir von Ernst Behrend aus den USA.

Hier vergeht kaum eine Woche, ohne daß die Presse über neue Anwendungsmöglichkeiten des Tonbands berichtet. Aus der Fülle der Meldungen nur folgende:

Story No. 1

William Owens, Professor an der Columbia-Universität in New York, reiste mit einem Tonbandgerät durch Texas, um das Material für eine „Geschichte der Petroleumindustrie" zusammenzutragen. Die amerikanische Petroleumindustrie ist noch nicht einmal hundert Jahre alt. Manche Männer, die selbst bei ihrem Aufschwung kurz nach der Jahrhundertwende dabei waren, leben noch. Der Gedanke lag nahe, sich die Augenzeugenberichte dieser Männer zu sichern, solange dazu noch Zeit war. Ein Institut für Geschichtsforschung, das „Eugene Barker Texas History Center" an der Universität von Texas, lud daher Professor Owens ein, sich mit möglichst vielen Männern aus der Anfangszeit der Petroleumindustrie in Verbindung zu setzen und Unterhaltungen mit ihnen auf Tonband festzuhalten.

Professor Owens hat beispielsweise schon Interviews mit Pattillo Higgins, AI Hamill und Curt Hamill aufgenommen, den Entdeckern der berühmten „Spindletop"-Petroleumfelder, die später zum Symbol für die ganze Industrie werden sollten. Bisher haben die Tonband-Interviews mit Arbeitern, Bohrunternehmern und vielen anderen an der Entwicklung der Industrie beteiligten Personen eine Gesamtdauer von mehreren hundert Stunden.

Story No. 2

Die Organisation „Recording for the Blind" stellt seit Jahren Bandaufnahmen für Blinde her; in der Regel handelt es sich dabei um Aufnahmen von Büchern. Die Arbeit wird von vielen Privatleuten unterstützt, die sich bemühen, Blinde auch über Tagesereignisse auf dem Laufenden zu halten. Zum Beispiel läßt ein junger Telefoningenieur in Los Angeles jede Woche fast den ganzen Inhalt der Wochenzeitschrift „Newsweek" auf Tonband aufnehmen.

Regelmäßig beginnt er, wie die Zeitschrift selbst, mit der „Wochenumschau"; darauf folgen internationale und amerikanische Meldungen, Berichte aus dem Wirtschaftsleben, Artikel über Medizin und andere wissenschaftliche Nachrichten. Die Laufzeit des Tonbandes ist auf zwei Stunden begrenzt. Der Ingenieur stellt drei Kopien des Bandes her; eine schickt er an die „Oakland Orientation for the Blind", die beiden anderen an Alvin C. Meyer, den Leiter einer Blindenberatungsstelle für den Bezirk Los Angeles. Jedes Band wird Gruppen von je 50 Blinden vorgespielt. Die Aufnahmekosten werden von dem Ingenieur aus eigener Tasche bezahlt.

Story No. 3

Ein hochinteressantes Projekt wird vom MSU-Zentrum für Verkehrssicherheit durchgeführt. Dieses Institut für Unfallverhütung stellt Tonbänder für Lehrzwecke her. Der erste Teil des Tonbandes enthält die sogenannte „Situation", entweder eine Tonaufnahme des Unfalls selbst, eine Bestandsaufnahme auf der Polizei, eine Gerichtsverhandlung oder eine Sammlung von Augenzeugenberichten. In jedem Falle werden Tatsachen geboten, aus denen sich der Hörer ein genaues Bild des Unfalls machen kann.

Dann wird im Kursus das Vorspielen des Bandes unterbrochen. Die Kursteilnehmer werden gebeten, sich zum Tatbestand zu äußern. Wenn es sich um ein juristisches Problem handelt, werden sie um ein Urteil ersucht. Nachdem sie ihre Meinung abgegeben haben, wird das Tonband mit der „Lösung" zu Ende gespielt, und die Kursteilnehmer erfahren, wie der Fall tatsächlich entschieden worden ist.

Story No. 4

Die Anfangsbuchstaben DOT bedeuten „Dictation on Tape". DOT ist in Washington und einigen anderen Städten ein Dienst für die Vermittlung von „Tonband-Sekretärinnen". Arzte, Geschäftsleute, Architekten, die eine Sekretärin nur wenige Stunden in der Woche beschäftigen können, kaufen oder mieten ein Tonbandgerät von DOT. Dann diktieren sie dem Gerät ihre Briefe; der Aushilfssekretärin werden die Tonaufnahmen durch einen Abholdienst zugestellt.

Sie schreibt sie auf das Briefpapier des Kunden ab und läßt sie ihm auf schnellstem Wege wieder zukommen. Daraus ergeben sich Vorteile für beide Teile: der Kunde vermeidet die in den USA recht erhebliche Schwierigkeit, sich eine zuverlässige Mitarbeiterin nur für wenige Stunden die Woche zu sichern; die Sekretärinnen selbst - vielfach Hausfrauen, die vor ihrer Ehe selbständig waren, sich aber auch heute noch Geld nebenbei verdienen möchten - sind meist an keine feste Arbeitszeit gebunden und haben eine recht gute Nebeneinnahme.

Story No. 5

Die amerikanische Gesellschaft zum Studium von Herzkrankheiten (American Heart Association) hat kürzlich die wichtigsten Vorlesungen aus einem Symposium von Herzspezialisten in Utah auf Tonband aufnehmen lassen. Die Aufnahmen werden amerikanischen Fachärzten zur Verfügung gestellt.

Story No. 6

Eine Linoleumgesellschaft ist dazu übergegangen, auf gedruckte Gebrauchsanweisungen für die Befestigung von Bodenbelag zu verzichten und dem Kunden statt dessen Tonbandaufnahmen anzubieten, in denen genau beschrieben wird, was er tun muß.

Story No. 7

Eine große Teppichfirma versucht, mit Hilfe von Tonbandaufnahmen eine möglichst zuverlässige Vorschau auf die Marktentwicklung zu erhalten. In regelmäßigen Abständen werden die wichtigsten Vertreter dieser Firma telefonisch angerufen und gebeten, ihre Eindrücke über die Lage auf dem Teppichmarkt und über die zu erwartenden Aufträge auf Band zu schildern. Die Tonbandaufnahmen werden auf der nächsten Vertreterkonferenz allen Anwesenden vorgespielt. Da sich dabei unweigerlich Widersprüche ergeben, haben alle Vertreter Gelegenheit, hierzu Stellung zu nehmen und, falls nötig, ihre Beurteilung der Sachlage zu revidieren.

Story No. 8

Eine ebenso lustige wie ungewöhnliche Verwendungsmöglichkeit für Tonbänder wurde vor einiger Zeit von der Zeitschrift „Scientific American" gemeldet. Zwei Gruppen von Ornithologen, eine amerikanische und eine französische, waren übereingekommen, Aufnahmen von Vogels-timmen auszutauschen, um sie auf der anderen Seite des Ozeans einem geeigneten „Publikum" vorzuspielen. Man wollte auf diese Weise feststellen, ob ein Vogel in Frankreich den Ruf eines Vogels derselben Art in Amerika versteht. Die Ergebnisse waren widerspruchsvoll.

Story No. 9

Französische Krähen ignorierten den Warnruf amerikanischer Krähen, während ungefähr die Hälfte der französischen Krähen dem Lockruf der amerikanischen Krähen auf Tonband Folge leistete. Umgekehrt wurden die Rufe französischer Krähen von den amerikanischen Krähen überhaupt nicht beachtet. Manche Seemöven verstanden nur französisch, andere nur englisch. Dagegen scheint es für Hühner keine sprachlichen Grenzen zu geben.

Story No. 10

Viele amerikanische Psychiater und Psychoanalytiker verwenden jetzt Tonbandaufnahmen, um ihre geschriebenen Aufzeichnungen zu ergänzen. Bei der Niederschrift der Mitteilungen eines Patienten kommt es sehr oft nicht nur auf den wörtlichen Inhalt an, sondern auch darauf, wie der Patient die Tatsachen vorbringt, ob er etwa leise oder laut spricht, langsam oder schnell, welche Mitteilungen er betont. Da der Arzt auch den Ausdruck, die Gesten und das sonstige Verhalten des Patienten festhalten muß, bedeutet die Verwendung des Tonbandes für ihn eine große Erleichterung, entweder bei der Behandlung selbst oder auch bei Diagnose und Prognose. Dr. Stanley H. Eldred, ein Washingtoner Psychoanalytiker, teilte mit, daß Tonbandaufnahmen als Hilfsmittel bei der Prognose ihm die erfolgreiche Behandlung von vier schizoiden Patienten mit Selbstmordtendenzen ermöglichte. Beim Abhören des Tonbands konnte er Nuancen des sprachlichen Ausdrucks erfassen und richtig deuten.

Herz-liches Schlafmittel

Diesen Beitrag verdanken wir Rosemarie Hasemann, Hannover.

Manuela ist mit ihren 1 1/2 Jahren ein quecksilbriges, äußerst lebhaftes Geschöpf. Sie tollt den ganzen Tag umher; man sollte glauben, sie sei abends todmüde. Aber noch bis vor kurzem ging es erst richtig los, wenn sie ins Bett gelegt wurde: Sie rief nach Mami, Omi, Vati, Schneewittchen, Rotkäppchen und anderen wirklichen oder von ihr erfundenen Personen. Immer mußte jemand lange an Manuelas Bett sitzen, etwas erzählen und ihr Händchen halten, bis sie einschlief.

Vati, wie üblich Klügster der Familie, kam schließlich auf eine großartige Idee: Er legte auf das Tonbandgerät eine Endlos-Kassette und nahm über ein Herzschallmikrofon Muttis Herztöne auf. Dann wurde an den Lautsprecher- Ausgang des Tonbandgeräts ein Kopfkissen-Lautsprecher angeschlossen und unter das Kissen gelegt. Sobald Manuela zu Bett gebracht und das Gerät auf Wiedergabe geschaltet worden war, schmiegte sich Manuela an das Kopfkissen. Sie sagte kein einziges Wort mehr und war schon nach fünf Minuten eingeschlafen. Seitdem brauchen Mami, Omi, Vati, Schneewittchen und Rotkäppchen abends nicht mehr bemüht zu werden.

Protokolle mit Hertz

Das Kongreß-Zentrum in der Wiener Hofburg ist mit allen Schikanen modernster Nachrichtentechnik ausgestattet. Es verfügt beispielsweise über drahtgebundene und drahtlose Dolmetscher-Anlagen für sechs Sprachen. In der Hauptverstärker- Zentrale, die unser Foto zeigt, stehen etliche Tonbandgeräte für Aufnahme und Wiedergabe von Ansprachen und Vorträgen sowie für den Dolmetscherdienst. Als Bandmaterial wird ausschließlich MAGNETOPHONBAND BASF verwendet.

Standort des Mikrofons

Brillante Geräuschaufnahmen ohne Nebengeräusche erfordern geringen Abstand zwischen Mikrofon und Schallquelle, je nach Stärke des Geräusches 10-25cm. Bei Sprach- und Musikaufnahmen soll das Mikrofon mindestens 50cm bis 1m vom Tonbandgerät entfernt stehen und der Schallquelle direkt zugewendet sein. Nur dann kommen Lauf- und Brummgeräusche des Geräts mit Sicherheit nicht mit auf das Band.
Der Reflexionsschall der Zimmerwände stört nicht so sehr, wenn man mehrere Kissen um das Mikrofon stellt (siehe Foto).

Heute und vor 27 Jahren

In den Ausstellungshallen drängen sich die Menschen. Sie stauen sich auch vor den Ständen der Tonbandgeräte- und Tonbandhersteller. In den Gesprächsfetzen, die man im Vorbeigehen hört, tauchen immer wieder Begriffe auf wie Stereo, Frequenzbereich, Zweispur, Vierspur, Videoband, Playback, Instrumentation use. Wer länger hinhört, muß den Eindruck gewinnen, als sei das Tonband im Begriff, ein fester Bestandteil unseres Daseins zu werden - falls es das nicht schon geworden ist. So schien es uns auf Messen und Ausstellungen der letzten Zeit. Warum sollte es auf der Deutschen Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Ausstellung 1961 in Berlin anders sein? -

Funkausstellung Berlin 1934.

Auch damals drängten sich in den Ausstellungshallen die Menschen. Sie stauten sich hauptsächlich vor einem (einzigen) Stand (der AEG !!, also nicht der BASF !!).

Dort waren die ersten Tonbandgeräte und die ersten Tonbänder ausgestellt: eine technische Sensation.

Anmerkung : Tonbänder waren überhaupt nicht explizit ausgestellt, das ist Unsinn, denn das Gerät stand im Mittelpunkt !!

Zweispur, Vierspur, Playback, Stereo? Das alles gab es noch nicht. Die wesentlichen Grundbegriffe unserer heutigen Fachsprache kannte man aber schon.

Hinweis auf ein Artikel der I.G. Farben

Als Beispiel eine Veröffentlichung der I.G. Farbenindustrie AG für die Versammlung der Technisch-Literarischen Gesellschaft in Berlin:

„Auf der Funkausstellung wird ein Apparat mit dem geschützten Namen ,Magnetophon' zu sehen sein, der in langjähriger Arbeit bei der AEG entwickelt worden ist und dessen Fabrikation nunmehr aufgenommen wird. Es handelt sich um eine Protokolliermaschine, die nach folgendem Verfahren arbeitet: die Schallwellen werden mittels Mikrophon und Verstärker in Wechselströme umgewandelt und diese dann einer Magnetspule, dem Sprechkopf, zugeführt. An dem Sprechkopf wird das Sprechband, ein Film mit einer Schicht von fein verteilten Eisenteilchen, vorbeigezogen. Die Eisenteilchen werden entsprechend den Schallwellen magnetisiert und behalten diese Magnetisierung bei. Das Sprechband ist sofort - ohne jede Zwischenoperation - zur Wiedergabe geeignet. Bei der Wiedergabe läuft das Band an einer zweiten Magnetspule, dem Hörkopf, vorbei, wodurch in dieser Wechselströme induziert werden, die nach Verstärkung im Lautsprecher oder Telephon hörbar gemacht werden können.

Die Magnetisierung kann durch einen anderen Magneten gelöscht und das Band beliebig oft verwendet werden.
Das grundsätzlich neuartige an dieser Konstruktion ist das Sprechband, das von der AEG und der I.G. Farbenindustrie gemeinsam nach Patenten von Ingenieur Pfleumer entwickelt wurde und das von der I.G. in Ludwigshafen hergestellt wird.

Das Band besteht aus einem Träger-Film, auf den ein Spezialeisenpulver aufgebracht ist.

(Warum kein Wort von Schüllers Magntekopf ?)

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Anmerkung : Ohne die Erfindung 193x von Eduard Schüller mit dem Ringkern-Magentkopf hätte das alles nie funktioniert !!
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Erst durch Verwendung dieser Metallegierung von besonderer Feinheit und besonderen magnetischen Eigenschaften - ebenfalls bei der I.G. (in Oppau)(Anmerkung : Oppau war damals noch ein Ort in der Nähe Ludwigshafens, heute in Vorort) hergestellt - ist eine lautstarke und störungsfreie Wiedergabe möglich."

  • a) Betriebsarienschalter
  • b) Aussteuerungsanzeige
  • c) Glimmlampe
  • d) Löschkopf (daneben Sprechkopf)
  • e) Hörkopf
  • f) Gummiandruckrolle (darüber Tonrolle)
  • g) Antriebsrolle (für „i" bzw. „h") bei Rücklauf
  • h) Vorratsspule
  • i) Aufwickelspule
  • k) Tonband
  • I) Umschalthebel für Rücklauf


Übrigens: die „I.G. in Ludwigshafen" heißt heute BASF. Oppau ist ein Werksteil davon; dort wird auch heute noch das „Spezialeisenpulver" - es ist jetzt magnetisierbares Eisenoxyd - hergestellt.

Eins der ersten AEG-Tonbandgeräte aus dem Jahr 1934 zeigt unser Foto. Der Apparat, damals ein Wunderwerk modernster Technik, hat heute schon Museumswert.
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Tonbandfreunde fragen - Bandello antwortet

Kann man eine Aufnahme von einem Zweispurgerät auf ein Vierspurgerät überspielen? Ja, ohne weiteres. Man verbindet den Ausgang des Wiedergabegeräts mit dem (Phono-)Eingang des Aufnahmegeräts. Nicht alle Geräte können allerdings durch das normale Verbindungskabel mit dem runden dreipoligen Normstecker an beiden Seiten aneinandergeschlossen werden. In diesen Fällen ist eine besondere Oberspielleitung nötig. Man kann sich aber auch mit zwei Anschlußleitungen behelfen, die auf einer Seite den Normstecker und auf der anderen drei Bananenstecker haben. Das richtige Zusammenschalten der sechs Bananenstecker mit drei Kupplungshülsen ergibt ein Versuch. Im übrigen sind beim überspielen die Hinweise in der Bedienungsanleitung für die Geräte zu beachten.

Ist es wirtschaftlich, aus einem Band mehrere kürzere zu machen? Nein, es lohnt auf keinen Fall, beispielsweise ein 730m-Standardband auf Wickelkern auf vier Spulen 13 umzuwickeln. Spulen, Kassetten, Vorspannband und Schaltband für diese vier Bänder kosten nämlich auch Geld, und schließlich sind die vier umgewickelten Bänder teuerer geworden als vier 13/180m LGS 52, die man im Fachgeschäft gekauft hat. Zudem ist die Gefahr groß, daß ein Band auf Wickelkern beim Umwickeln auf Spulen beschädigt oder verschmutzt wird. Der Umgang mit einem freitragenden Bandwickel will nämlich gelernt sein.

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