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Die DHFI-Kassette - wie sie entstand und wie sie funktioniert

Heft 09 aus 1982 -Seite 1102

Karl Breh als langjähriger Chefredakteur und eigentlich auch Initiator der Hifi-Stereophhonie (bereits um 1962) hatte so einige Ideen und auch die Möglichkeit, diese Ideen bis zum Ende durchzuziehen bzw. zuende zu führen.

In vielen ernsthaften Tests hatte Karl Breh zusammen mit seinem Laboringenieur Arndt Klingelnberg die bescheidene Qualität der allermeisten Kassettenrecorder hautnah mitbekommen (und sich bei der abschließenden Bewerteung rhetorisch ganz schön "verbogen", um ja niemandem auf die Füße zu treten).

Da die Hifi-Norm nur wirklich unterste Qualitätsmerkmale spezifizierte, wollte er (unter anderem) den Herstellern einen Wink mit dem Zaunpfahl, besser mit dem ganzenZaun andienen. So sollten sie ihre neuen Geräte erst mal mit dieser Kassette - selbst - bewerten, ehe sie sie zum Test nach Karlsruhe ins Labor schicken würden.

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DHFI High-Fidelity Institut e.V. - Nachrichten

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DHFI-Cassette neu aufgelegt

Nachdem das Deutsche High Fidelity Institut zusammen mit dem Verlag G. Braun bereits eine größere Anzahl von Test- und Vorführschallplatten herausgegeben hatte, wurde schon vor einiger Zeit der Wunsch nach einer Test- und Vorführ- Cassette laut.

Zur 1980er Messe hifi '80 in Düsseldorf konnte dann die erste DHFI-Cassette vorgestellt werden. Bei der Herstellung hatte man sich für eine damals (aber auch heute noch) avantgardistische Technik entschieden. Die Cassette wurde nicht mit Schnellkopieranlagen, sondern bei Originalgeschwindigkeit direkt von einem digitalen PCM-Mutterband überspielt.

Dieses Verfahren kann eine außerordentlich hohe Qualität bieten, was dann auch auf der Seite 1 mit kritischen Testsignalen wie auch auf der Seite 2 mit keineswegs einfach zu speichernden Musikprogrammen ausgenutzt wurde.

Manche Tücken und Stolperfallen

Jedes avantgardistische Verfahren hat seine Tücken. So konnten damals zur Messe lediglich gut hundert Cassetten produziert werden. Da jede Cassette individuell ausgemessen und demzufolge auch numeriert wird, ist die Herstellung sehr personal- bzw. kostenintensiv. Durch die starke Auslastung der Mitarbeiter im Testlabor ergaben sich dann leider in der Folge auch des öfteren arge Lieferengpässe, für die wir an dieser Stelle nochmals um Verständnis bitten.

Zur 1982er Messe hifivideo '82 wird nun bereits die dritte Auflage der DHFI-Testcassette angeboten, Lieferschwierigkeiten sollten trotz der derzeitigen großen Nachfrage vorläufig nicht eintreten.

Wozu dient die DHFI-Cassette?

Das Digital Testlabor in Karlsruhe
Jede Cassette wird individuell gemessen. Hier werden unter anderem Gleichlauf, Geschwindigkeit, Pegel und Azimut überprüft.
Die Überspielanlage im Testlabor der HiFi-Stereophonie. - Programmquelle: ein Hitachi-PAL-Videorecorder mit dem PCM-Adapter Sharp RX-1. - Aufgenommen wurde mit 13 modifizierten, speziell eingemessenen Recordern Dual C 820.
An diesem (fast) automatischen Meßplatz wird der Frequenzgang jeder Cassette mit besonders gespreizter, also genauer Skala geschrieben.

Die DHFI- CC-Test-Kassette ist für Fachwerk- stätten, Vorführstudios und natürlich auch besonders für einen Musikfreund zuhause gedacht. Die Qualität eines Cassettenrecorders kann damit auch ohne Meßgeräte in wesentlichen Punkten überprüft werden.

Man kann die Qualität mehrerer Geräte vergleichen, man kann beurteilen, ob man die Qualität des vorhandenen Gerätes erhöhen kann, indem man es zum Nachjustieren in eine Service-Werkstatt gibt, und man kann einige Prüfungen durchführen, die es erlauben, die Aufnahmequalität zielstrebig zu erhöhen. Nicht nur das Cassettengerät, sondern auch andere Komponenten der HiFi-Anlage lassen sich mit dem Testmaterial überprüfen.
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Es gibt 7 Tests

Folgende Eigenschaften können mit den Prüfsignalen der DHFI-Cassette gehörmäßig überprüft (oder mit entsprechenden Geräten auch gemessen) werden:

  • 1. Gleichlaufeigenschaften
  • 2. Bandgeschwindigkeit
  • 3. Wiedergabefrequenzgang (und Frequenzgang der gesamten HiFi-Anlage)
  • 4. Eigenschaften der Aussteuerungs- anzeige wie Grundeinstellung, Gleichrichterart und dynamische Schnelligkeit
  • 5. Exakte Funktion des Dolby-Systems
  • 6. Lautsprecherpolung
  • 7. Stereomitten- und Seitenabbildung


Zusätzlich wird demonstriert, wie sich der Klang bei Übersteuerung verschlechtern und wie früh bereits die Übersteuerung auf dem Band einsetzen kann.

Die Musikseite erlaubt die gehörmäßige Beurteilung des Cassettenrecorders, dabei kann die Qualität direkt mit dem Plattenspieler verglichen werden, da den Musikstücken das gleiche digitale Mutterband zugrunde liegt, von dem die DHFI-Platte Nr. 6 (Digitalaufnahmen) geschnitten wurde. (Und hierbei muß die DHFI-Cassette keineswegs schlechter abschneiden!)
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Die dritte Auflage

Vieles an der DHFI-Testcassette konnte bis heute zur dritten Auflage verbessert werden. Die Toleranzen im mittleren Frequenzbereich konnten wir entscheidend verringern, was eben auch zur Folge hatte, daß der Frequenzgang insgesamt sehr viel besser in das von uns gesetzte Toleranzfeld paßt, der Ausschuß (an fertig aufgenommenen und geprüften Kassetten) also mittlerweile geringer geworden ist.

Wir haben während der Produktion sehr viel über Frequenzgangmeßbänder gelernt, und sind uns - der richtige Frequenzgang ist ja so eine Art Glaubensfrage - bei unserer jetzigen Erfahrung recht sicher, daß wir uns auf den richtigen Baß-, Präsenz- und Höhenfrequenzgang „eingeschossen" haben.

Heutige Meßbänder haben weniger starke Höhen als früher, das hat zur Folge, daß alte 120µs Meßbänder (Fe) heute fast als Cr-Frequenzgang- Bezugsbänder (70µs) benutzt werden können.
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Viel gelernt über Murphys wichtigste Regel

Während des ganzen Produktionszeitraums haben wir auch viel über PCM gelernt, und wir haben Bekanntschaft mit den Murphyschen Gesetzen gemacht.

Murphys wichtigste Regel heißt, daß der Fehler in jedem Fall an der Stelle am allerschlimmsten auftritt, an der die Eigenschaften der Geräte über jeden Zweifel erhaben sind.

Auch tritt der Fehler immer dort an den Stellen auf, an denen die Teile besonders schlecht erreichbar sind oder nach menschlichem Ermessen gar nicht korrigiert werden können.

Um hohe Genauigkeit im Azimut zu erreichen, mußten wir zu Feinmechanikern werden. Nicht, daß der zum Überspielen eingesetzte Gerätetyp von Dual in diesem Punkt schlecht gewesen wäre, nein - wir hatten hier etwas anstrengend hohe Anforderungen gesetzt, Anforderungen aber, die für den Anwender besonders wichtig sind.

Bei den Tests und auch bei Messungen während der Testcassetten-Herstellung haben wir gelernt, daß Azimut-Meßbänder zu allem möglichen taugen, nur üblicherweise nicht zum Justieren des Azimuts.

Eigene Standards konsequent einsetzen

Mittlerweile gibt es nur noch ein Meßband in unserem Labor, das sich in einem Originalgehäuse befindet, und auch dies nicht ohne Modifikation:

Das Testband wurde umgelegt, d. h. es läuft mittlerweise auf Seite B statt auf Seite A.

Wir haben gelernt, die Bandführungen von Cassettengehäusen zu messen und die Azimutmeßbänder in besonders selektierte Gehäuse einzulegen. Nicht, daß diese Bänder dann fehlerfrei wären, aber die Fehler streuen dann in geringerem Maße, und die Bänder sind zuverlässiger. Zusätzlich kennen wir gewisse typische Abweichungen der verschiedenen Bänder.

Den Profis ebenbürtig

Nach Kenntnis der professionell bespielten Meß-Bänder, die wir in ausgesuchte Gehäuse eingelegt haben, können wir nicht umhin zu sagen, daß die Qualität der Azimutjustage bei unseren vergleichsweise doch viel einfacher produzierten Bändern durchaus mithalten kann. Rein preislich gesehen sind wir sogar um einiges überlegen.

Für höchste Genauigkeitsansprüche könnte man sich als Perfektionist mehrere DHFI-Testcassetten leisten, so daß dann individuelle Restfehler durch Mittelung weiter verringert werden würden. Für das genaue Ausmessen unserer Meßrecorder im Azimut verwenden wir z.B. mindestens fünf professionelle, auf Meßbandmaschinen hergestellte Meßbänder in ausgemessenen Cassettengehäusen.

Leider muß bei der Cassettentechnik die Anforderung an die Bandführung und an die Azimutjustage so extrem hoch sein. Der Azimut wirkt einfach in der Praxis zu stark frequenzgangbeeinflussend.

Und jetzt sogar grundsätzliche Messungen an Hifi-Geräten

An die Testcassette haben wir uns schon so stark gewöhnt, daß wir Aussteuerungsanzeigen auch bei Endstufen und ähnlichen Geräten - also nicht nur bei Magnetbandgeräten - mit der Testcassette ausmessen.

Gerade zum Messen des Frequenzganges haben wir uns öfter dieser Testcassetten bedient, insbesondere auch bei der Messung von Autocassettenspielern und transportablen Musikanlagen für unser Sonderheft „Mobil".

Wegen der besonders hohen Zuverlässigkeit benutzen wir auch gerne das speziell entwickelte Rausch-Signal zum Überprüfen der Lautsprecherphase. Das andere Rauschsignal zum Überprüfen der Dolby-B-Schaltkreise wirkt durchaus sehr sensibel und hat z.B. sofort solche Pseudo-Dolby-Schaltungen wie DNR enttarnt.

Nicht alles ist optimal

Eines ist uns noch nicht ganz gelungen - man möge es uns nachsehen - die Aufnahme des Glockenspiels erreicht nicht ganz die Qualität, die wir uns vorstellten. Hier hatten wir uns zu sehr an die Grenze der bei Cassetten möglichen Technik herangewagt. Spulengeräte können das besser.

Bei der Musikseite nehmen wir gern einen Vergleich mit der Schallplatte an. Ob man Schallplatte oder Cassettenwiedergabe vorziehen soll? Hier sind die Meinungen geteilt. Vielleicht sollten Sie das selbst ausprobieren. Die neue Cassettenerfahrung lohnt sich.
a.k.

NACHTRAG :
DAS MURPHY'SCHE GESETZ

Ein gewisser Edsel Murphy ging bei seinen Überlegungen von dem Basisgedanken aus:

„Wenn etwas schiefgehen kann, dann wird es auch schiefgehen."

  1. § 1 Ein Gerät hält seine Werte und Daten über lange Zeit konstant, zumindest gerade so lange, um die Eingangskontrolle zu überstehen.
  2. § 2 Fehler an einem Gerät treten erst dann auf, wenn es die Ausgangskontrolle längst passiert hat und mit dem Käufer in Berührung kommt.
  3. § 3 Die vom Hersteller genannten Daten sind stets mit dem Multiplikator 0,5 bis 2,0 zu versehen. Bei Verkäufern gelten die Multiplikatoren 0,1 oder 10,0, je nachdem, welche Faktoren die optimistischeren Werte ergeben.
  4. § 4 Maße werden stets in den am wenigsten gebräuchlichen Ausdrücken angegeben, Geschwindigkeit z.B. in Achtelmeilen pro Vierzehntagen.
  5. § 5 Identische Geräte, die unter identischen Bedingungen identische Prüfergebnisse brachten, sind nicht identisch im praktischen Gebrauch.
  6. § 6 Wenn ein Prototyp fehlerfrei funktioniert, sind die nachfolgenden Produktionsmodelle mangelhaft. (siehe UHER SG630)
  7. § 7 Die Wahrscheinlichkeit, daß in einem Schaltbild oder einer Anleitung Teile oder Datenangaben ausgelassen wurden, ist direkt proportional zu deren Wichtigkeit.
  8. § 8 Die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls eines Gerätes oder eines Teils davon ist umgekehrt proportional zur Leichtigkeit der Reparatur oder des Austausches.
  9. § 9 Austauschbare Teile heißen nur so.
  10. § 10 Ist ein Stromkreis so konstruiert, daß er nicht zusammenbrechen kann, so tut er es trotzdem.
  11. § 11 Eine speziell geschützte Schaltung zerstört andere.
  12. § 12 Ein durch eine schnelle Sicherung geschützter Transistor schützt die Sicherung, indem er zuerst durchbrennt.
  13. § 13 Wenn ein eindeutig fehlerhaftes Teil bei einem Gerät mit nur zeitweisen Störungen ersetzt wird, so tritt der Fehler erst wieder auf, wenn das Gerät die Werkstatt verlassen hat. Die Ursache war eine völlig andere. (siehe Grundig VCR Videorecorder sowie UHER SG630)
  14. § 14 Ein aus der Hand gleitendes Werkzeug landet stets dort, wo es den größten Schaden anrichtet (Gesetz der selektiven Erdanziehung).
  15. § 15 Die Sicherheit von Lieferdaten ist umgekehrt proportional zur Festigkeit des Versprechens und zur Dringlichkeit des Bedarfs.
  16. § 16 Preisangebote sind stets mit dem Multiplikator 3 zu versehen.
  17. § 17 In Datenblättern trifft das Murphy'sche Gesetz im Gegensatz zum Ohmschen Gesetz immer zu.
  18. § 18 Gesunder Menschenverstand ist lediglich gesunder Menschenverstand, das Murphy'sche Gesetz aber ist immer das Murphy'sche Gesetz.


Mit freundlicher Genehmigung von AEC / Audio Intl., überarbeitet.

a.k.

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