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Schon vor vielen Jahren haben es die Fans bereits gemerkt:

AGFA Band aus 1976
das AHA Erlebnis mit dem UHER 630
die Magnet-Schicht löst sich
komplett vom Trägerband ab
BASF Masseband aus 1952

Bei den alten Magnettonbändern treten seltsame Erscheinungen auf. Da bröckelt etwas ab von dem Band und dann ist nichts mehr drauf.

Das ist für einen Archivar oder den Medienbetreuer einer Rundfunkanstalt der Supergau. Und wenn es bei dem Bandmaterial in den Archiven noch nicht eingetreten ist, dann wird es für engagierte Mitarbeiter zum Alptraum.

Denn auch der Profi kommt in arge Zeitnot mit der Überspielung auf irgend ein anderes - meist digitales - Medium. Moderne Datenbänder z.B. ab 1984 kennen dieses Problem nicht. (- oder noch nicht ?)

Juni 2010 - jetzt tritt es vermehrt auf.

Auch in unserem Archiv gibt es die ehemals teuren und guten Revox Bänder, die sich auflösen und jede Menge Magnetstaub produzieren. Bei diesem (unbekannten) Bandmaterial (auf UHER Spulen) haben sich ganze 10cm lange Stücke abgelöst.

Und das, obwohl das UHER 630 beim Umspulen über große Umlenkrollen- Radien verfügt. Wenn das Band dann abgehört werden soll, wird es durch die Omega Umschlingung schon recht eng gebogen und die Schicht löst sich extrem schnell ab.

Einschichtband oder Mehrschichtband ?

Die ersten Anfänge das Magnetbandes waren beschichtete Filme, dann später Papierstreifen, man nannte es damals noch nicht "Band" sondern ein "Film" mit Tönen. Die Streifen waren nur einige 10 Meter lang. Und es funktionierte mit Papier natürlich überhaupt nicht, das riß fast immer.

Dann kam die BASF Ludwigshafen (ehemals IG Farben) ins Spiel
und entwickelte einen Kunststoff, in den man die Magnetpartikel mit einmischte und "goß" das als feine dünne Bahn zu einer dünnen Folie. (Es wurde wirklich gegossen.) Das nannte man dann Masse-Band, weil Trägermaterial und Magnetstaub eine "Masse" darstellten. Wie soetwas funktionierte, steht auf diesen AGFA Seiten und den BASF Seiten.

Doch das Masse-Band hatte auch deutliche Nachteile
und die Chemiker trennten dann wieder das Trägerband und die Beschichtung zum sogenannten Zwei-Schicht-Band.

Und damit fingen die Probleme an.

M5 - Umlenkbolzen ganz außen - sehr (viel zu) enge "Biegeradien"
Die Uher Royal Fühlhebel- immer noch zu enge Radien
Revox A700 - schon recht verträglich
Telefunken M15 -beinahe ideal, wenn da nicht der Fühlhebel wäre ...
Optimal für 18cm Spulen
hier die Details - nahezu geradlinig

Wie fest klebt die Magnetschicht auf dem Trägerband und vor allem, wie lange hält diese Klebung? Es dauerte Jahre, bis man bei Revox gemerkt hatte, daß einer der Lieferanten "Mist" gebaut hatte. Die Magnetschicht löste sich bereits nach wenigen Jahren ab, zwar nicht, wie auf dem Bild, als Ganzes, doch als Pulver direkt an und direkt neben den Tonköpfen.

Der Biegeradius und die Umlenkrollen

Ist ein Bandmaterial als "sensibel" bereits erkannt, muß man auf jeden Fall scharfe Knicke bzw. extrem enge Biegeradien vermeiden bzw. möglichst unterlassen. Verschiedene Bandgeräte mit ganz dünnen Umlenkbolzen scheiden damit sofort aus.

Schaun Sie auf diese ganz dünnen Bandzug-Fühlhebel (rechts im Bild), die teilweise im 3mm Bereich liegen. Da wird sogar gesundes Bandmaterial extrem stark (durch die Biegedehnung) beansprucht. Diese Geräte (aller Hersteller) sind aus unserer Sicht eigentlich alle - bereits von Hause - aus Fehlkonstruktionen. Diese Umlenkbolzen sind hart an der Grenze der Belastbarkeit des Bandes für einen Dauerbetrieb.

Die Hersteller haben ihn (den minimalen Biegeradius der jeweiligen Bandsorte !!!) zwar spezifiziert, aber es hatte sich "Keiner" (von den Entwicklern) daran gehalten. Wir haben aus dem Hause AGFA authentische Zeitzeugen- Tonaufnahmen, daß gerade AGFA darauf hingewiesen hatte, es mit diesen dünnen Umlenkbolzen nicht zu übertreiben. "Sie" haben es aber dennoch getan. Selbst bei Telefunken Studiomaschinen sind solche feststehenden 3mm Stehbolzen, also nicht mal Kugel gelagerte Umlenk-Rollen, konstruiert worden.

Willi Studer dagegen hatte schon frühzeitig auf größere Rundungsradien Wert gelegt. Damit stieg natürlich der Aufwand der Konstruktion deutlich an. Er war aber wirklich der Profi, der an solche scheinbar trivialen Dinge gedacht hatte.
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Also werfen Sie ein Auge auf das letzte Abspielgerät der letzten Bänder und bewachen Sie das Abspielen gleich ganz am Anfang. Vor allem, machen Sie eine Überspielprobe auf ihre digitale Elektronik mit belanglosem Material. Sehr oft - also viel zu oft - haben Sie nur einen einzigen Versuch - fast wie bei einem Raketenstart.

Und hier ein Blick auf die UHER 56x Royal Serie
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Hier ein direkter Blick auf die Umlenkrollen des 561 im Vergleich zum UHER ROYAL.
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