Das Auftreten von Schall ist stets an das Vorhandensein von Materie (Gas, Flüssigkeit, Festkörper) gebunden. Die uns geläufigste Erscheinungsform ist die Ausbreitung des Schalls in Luft, mit der wir uns hier ausschließlich beschäftigen wollen.
Seinem Wesen nach besteht der Schall aus rhythmischen Schwingungen der Luftmoleküle um ihre Gleichgewichtslage, etwa vergleichbar mit Pendelschwingungen, deren Ursache in jedem Fall von einer Schallquelle herrührt. Diese Schwingungen der Luftpartikelchen bewirken Luftverdichtungen und Luftverdünnungen, also Luftdruckschwankungen, die sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit, der Schallgeschwindigkeit, vom Entstehungszentrum aus nach allen Seiten im Raum ausbreiten.
Um das Wesen der akustischen Vorgänge besser verstehen zu können, betrachten wir zunächst eine einfache Erscheinung, den Knall: Bei der Explosion eines Sprengkörpers entsteht durch das plötzliche Freiwerden einer größeren Gasmenge ein Zentrum hohen Luftdruckes. Dieser plötzlich auftretende Druck gleicht sich nach allen Seiten hin aus, so daß man von einer sich kugelförmig ausbreitenden Druckwelle sprechen kann. Erreicht die Druckwelle, die man in hinreichend großer Entfernung vom Entstehungsort als ebene Welle bezeichnen kann, unseren Beobachtungspunkt, so stellen wir einen plötzlichen Druckanstieg fest.
Der Druckanstieg verschwindet sofort wieder, wenn die Druckwelle vorübergezogen ist. Die Luftmoleküle am Beobachtungsort erfahren beim Eintreffen der betrachteten Druckwelle eine Bewegung in deren Fortschreitungsrichtung und sobald das Maximum des Druckes überschritten ist, eine rückläufige Bewegung in Richtung auf das Entstehungszentrum; sie vollführen also eine einmalige Pendelbewegung. Eine am Beobachtungsort befindliche Membran erfährt durch die Druckwelle eine einmalige Auslenkung; das Ohr vernimmt einen Knall.
Bei einer periodischen Erregung der Luft durch eine schwingende Membran, eine schwingende Saite oder dergleichen, vollführen die Luftpartikelchen gleichfalls periodische Pendelbewegungen, und zwar im gleichen Rhythmus. Die sich ergebenden Druckschwankungen breiten sich auch hier nach allen Richtungen gleichförmig mit Schallgeschwindigkeit aus. An unserem Beobachtungspunkt werden Druckanstieg und Druckfall in wechselnder Folge wahrgenommen. Eine hier befindliche Membran erfährt - im Gegensatz zum Knall - eine ständige rhythmische Bewegung; das Ohr vernimmt einen Ton.
Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß die Pendelbewegung der Luftpartikelchen nichts mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Druckwelle zu tun hat. Die Auslenkung der Luftmoleküle, also ihr Pendelweg um die Gleichgewichtslage ist äußerst gering; er liegt in der Größenordnung von Millimetern bis Zehntelmillimetern. Der Pendelweg ist abhängig von der Größe der Druckschwankungen, also von der Lautstärke und von der Frequenz, also von der Tonhöhe.
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalls (Schallgeschwindigkeit) hingegen ist konstant und beträgt in Luft etwa 330 m/s. Die empfundene Höhe eines Tones hängt von seiner Schwingungszahl ab, d.h. von der Anzahl der Schwingungen, die in einer bestimmten Zeit ausgeführt werden. Man bezeichnet diese Größe als "Frequenz" (f) und mißt sie in Schwingungen pro Sekunde oder was das gleiche ist, in Hertz (Abkürzung: Hz).