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Aus einer internen Publikation der BASF vermutlich 1964

G) Die technischen Daten von Magnettonbändern

Aus "Einführung in die Technik des Magnetbandes" von 1964/66

Dieses Kapitel stützt sich im Besonderen auf unsere Broschüre "MAGNETOPHONBAND BASF - Technische Daten" und soll zum tieferen Verständnis der darin gemachten technischen Angaben dienen.

1. Mechanische Eigenschaften

Bei Acetatbändern (die unter anderem von Filmherstellern wie AGFA, GEVAERT, FERRANIA hergestellt werden) ist die relative Luftfeuchtigkeit kritisch. Sie darf weder zu gering (Sprödigkeit des AC-Bandes), noch zu hoch sein (Aufquellen des AG-Bandes), denn Acetylzellulose ist hygroskopisch (feuchtigkeitsempfindlich). PVC und Polyester reagieren bei normalen Temperaturen (bis ca. 50° C) nicht auf Feuchtigkeitseinflüsse.
Anmerkung: Das wußten die auch und haben diese Produktionen recht früh eingestellt.

Ergänzend zur Banddicke ist zu erwähnen, daß das neue Dreifachspielband eine Trägerstärke von 12µm und eine Schichtdicke von 6µm aufweist. Hinsichtlich der elektroakusrischen Eigenschaften soll vorweggenommen werden, daß die Schichtdicke je nach Spaltbreite des Aufnahmekopfes den Wert der Klirrdämpfung (siehe dort) beeinflußt.

Bänder mit dickerer Schicht ergeben allerdings lediglich bei Tonköpfen mit breiterem Spalt (über etwa 10µm hinaus) günstigere Werte für die Klirrdämpfung. Bei den üblichen Heimtongeräten mit einer Spaltbreite von etwa 3-4 µm bringen Schichtstärken über 6-8µm keine Vorteile bezüglich Klirrdämpfung mehr. Andererseits erreicht man jedoch mit Bändern dünnerer Schicht bei breitem Aufnahmespalt nicht die günstigen Verhältnisse hinsichtlich der Klirrdämpfung als bei Bändern mit dickerer Schicht.

Da heute der größte Teil der Tonbänder des BSAF Sortiments, vor allem aber die Bandtypen LGS 35, LGS 26, PES 35 und PES 26 auf Heimtongeräten benutzt werden, ist die Verwendung von Schichtstärken über 10 > µm nicht von Bedeutung. Aus diesem Grunde wurden auch die Schichtstärken, besonders bei dünneren Bändern, weiter verringert, da letztere ohnehin praktisch ausschließlich für Heimtongeräte gedacht sind.

2. Magnetische Eigenschaften

Über dieses Gebiet wurde vor allem im Teil I "Physikalische Grundlagen" berichtet. Es sei hier besonders auf den Abschnitt "Magnetische Begriffe" hingewiesen. Um einen qualitativen Zusammenhang zwischen diesen Werten und den elektroakustischen Eigenschaften (siehe dort) zu zeigen, sei folgendes gesagt:

a) Die Koerzitivkraft hat einen Einfluß auf den Arbeitspunkt, d.h. auf den für die günstigen Betriebsbedingungen benötigten Hochfrequenz- Vormagnetisierungsstrom (siehe dort). Je höher die Koerzitivkraft, um so mehr Vormagnetisierungsstrom braucht ein Band, um beispielsweise die maximale Empfindlichkeit für eine bestimmte Wellenlänge A = y (Quotient aus Bandgeschwindigkeit = v und Frequenz = f) zu erreichen. Bänder mit niederer Koerzitivkraft benötigen daher wenig Vormagnetisierung, ergeben jedoch einen schlechteren Frequenzgang, d.h. eine geringere Aufzeichnungsstärke hoher Frequenzen. Solche "weichmagnetischen" Bänder wurden in den Anfangsjahren der Magnettontechnik benutzt (z.B. L-Band von 1943).

Mit Erhöhung der Koerzitivkraft läßt sich auch der Frequenzgang bis zu einem gewissen Maße verbessern, wobei jedoch eine Begrenzung hinsichtlich der Aufzeichnungsstärke sehr kurzer Wellenlängen (sehr hoher Frequenzen) auftritt, die vor allem durch die unvermeidliche Schicht- und Tonkopfrauhigkeit und dem dadurch gegebenen - wenn auch mikroskopisch geringen - Abstand zwischen Schicht und Tonkopfspiegel bedingt ist. Die meisten Tonbänder neuerer Fertigung liegen in ihrer Koerzitivkraft zwischen 270 Oe bis 300 Oe (Oerstedt) und werden als hartmagnetische Bänder bezeichnet. Sie erlauben auch die Aufzeichnung hoher Frequenzen bei geringeren Bandgeschwindigkeiten, d.h. kleine Wellenlängen, (Amateurbereich). Aufgrund des Vorerwähnten ist eine besondere Steigerung der Koerzitivkraft ohne großen praktischen Nutzen, zumal man auf die Arbeitspunkteinstellung der vielen, auf dem Markt befindlichen Heimtongeräte Rücksicht nehmen muß.

Eine weitere Konsequenz der höheren Koerzitivkraft zeigt sich in der schweren Löschbarkeit der Tonbänder. Auch aus diesem Grund werden höhere Werte der Koerzitivkraft als etwa 300 Oe zumindestens bei normalen Anwendungen kaum in Frage kommen.

mikroskopische Überprüfung der Magnetisierung

b) Der remanente Sättigungsfluß ist ein Maß für die zu erwartende magnetische Aussteuerbarkeit des Tonbandes, wenn ein bestimmter Verzerrungsgrad zu Grunde gelegt wird. Dieser magnetische Wert hängt neben den spezifischen Eigenschaften der Schicht (Sättigungsremanenz, Füllgrad) auch von deren Stärke ab. Im Kapitel I können weitere Ausführungen darüber nachgelesen werden.

c) Die Sättigungsremanenz ist ein magnetisches Maß der Schichteigenschaften, bei der die Schichtdicke selbst nicht von Einfluß ist. Eine hohe Sättigungsremanenz ergibt sich durch dichte Füllung der Schicht mit Eisenoxydpartikel-chen (hoher Füllgrad), was wiederum zu einem erweiterten Aussteuerbereich des Bandes führt. Vor allem bei Benutzung von Tonköpfen mit schmalem Spalt spielt bei der Aufzeichnung die Sättigungsremanenz eine wesentliche Rolle, da die Schicht nicht in ihrer ganzen Stärke durchmagnetisiert wird.

Bei Verwendung eines breiten Aufnahmespaltes, bei dem die Schicht weitgehend durchmagnetisiert wird, ist der remanente Sättigungsfluß eine maßgebende Größe. In allen Fällen jedoch ist für die Qualität der Wiedergabe der aufgezeichnete Bandfluß (die gleiche physikalische Größe wie der remanente Sättigungsfluß) von Bedeutung, denn er bestimmt die Lautstärke im Wiedergabekopf.

Die Verhältnisse lassen sich leicht an einem Beispiel erklären:
Unser Bandtyp LR 56 weist eine Sättigungsremanenz von 900 Gauß auf, während die anderen LGS-Bänder mit 850 Gauß angegeben sind. Man sieht hieraus, daß der Bandtyp LR 56 nach dem bereits Gesagten bei Verwendung eines ziemlich schmalen Ton köpf Spaltes (keine volle Durchmagnetisierung der ganzen Schichtdicke) gegenüber dem normalen LGS-Band praktisch keine Vorteile bietet. Ist der Spalt des Aufnahmekopfes hingegen breit, z.B. 18/um bei Studiomaschinen, so ist der remanente Sättigungsfluß maßgebend.

Beim Vergleich zwischen den Bändern LR 56 und LGS erkennt man dann die Überlegenheit des Arbeitsbandes LR 56, da aufgrund des Vorgesagten ein Rückschluß auf den in der Praxis erreichbaren Bandfluß bei Vollaussteuerung gezogen werden darf (siehe elek-troakustische Eigenschaften).

3. Elektroakustische Eigenschaften

Auch hier sollen wieder die in unserer Broschüre "Technische Daten" gemachten Angaben zugrunde gelegt werden. Zunächst sei bemerkt, daß fast alle elektroakustischen Eigenschaften von dem Vormagnetisierungsstrom abhängig sind. Dies bezieht sich im wesentlichen auf die Werte Empfindlichkeit, Frequenzgang, Klirrdämpfung, Rauschspannungsabstand sowie den Bandfluß bei Vollaussteuerung.

Aufgrund dieser Verhältnisse wurden von uns Kurvenblätter herausgegeben, die die Abhängigkeit dieser Größen von der Vormagnetisierung darstellen. Bei allen Kurven ist die waagrechte Achse ein Maß für den Vormagnetisierungsstrom, der relativ (in dB) angegeben ist.

Diese Art der Darstellung wurde vor allem deshalb gewählt, weil die Angabe von Stromwerten für den Aufnahmekopf wenig Sinn hat, da selbst bei gleicher Spaltbreite des Aufnahmekopfes, die übrigens wesentlich in diese technischen Kurven eingeht, der Strombedarf des Tonkopfes für die Vormagnetisierung nicht der gleiche sein muß. Die relative Angabe des Vormagnetisierungs- stromes in dB bezieht sich auf die Stromgröße, bei der der Leerbandteil des betreffenden DIN-Bezugsbandes der bei der Messung zugrunde gelegten Bandgeschwindigkeit sein Maximum an Empfindlichkeit für eine Tonfrequenz von 1000 Hz aufweist.

Die in den "Technischen Daten" angegebenen Einstellungen für die HF-Vormagnetisierung für optimale Betriebsbedingungen stellen einen Vorschlag dar, bei dem sich ein vernünftiger Kompromiß zwischen den durch die Kurve dargestellten elektroakustischen Eigenschaften ergibt.

a) Die Empfindlichkeit des Bandes ist ein Maß dafür, wie stark das Band auf eine definierte Aufnahmestärke im Aufnahmekopf reagiert; sie wird relativ zu der eines Bezugsbandes angegeben, das für die betreffende Bandgeschwindigkeit vom Fachnormenausschuß Elektrotechnik (FNE) als Meßnormal festgelegt wurde.

Ein empfindliches Band benötigt eine geringere Signalstärke am Aufnahmekopf als ein unempfindliches Band, um bei der Wiedergabe die gleiche Lautstärke zu ergeben (gleicher Bandfluß). So ist beispielsweise bekannt, daß das frühere AGFA-Band PE 41 gegenüber unserem LGS 26 auf Heimtongeräten etwa um 2,5 dB unempfindlicher ist.

Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, daß dieses Band aufnahmeseitig stärker ausgesteuert werden mußte, um bei der Wiedergabe den selben Bandfluß und damit die gleiche Lautstärke zu erreichen. Aufgrund dieser Tatsache wurde von uns auch die sog. "Übersteuerungssicherheit11 des AGFA-Bandes in "Übersteuerungsbedürftigkeit" umgewandelt.

Dem Wert der Empfindlichkeit kommt nur insofern Bedeutung zu, daß bei Verwendung von Bändern mit verschiedener Empfindlichkeit eine jeweilige Einstellung der Anlage auf das betreffende Band erfolgen müßte. Besonders wäre bei Heimtongeräten der Aussteuerungsmesser (magisches Auge) auf die jeweils zu verwendende Bandsorte abzustimmen. Eine Beeinflussung der Tonqualität kann aus dem Zahlenwert für die Empfindlichkeit zunächst nicht abgeleitet werden, wenngleich ihre Größe im Zusammenhang mit den im weiteren zu besprechenden elektroakustischen Eigenschaften steht.

b) Der Frequenzgang bestimmt das Verhalten des Bandes bei der Aufzeichnung einer vorgegebenen hohen Frequenz. Das Tonband hat nämlich die Eigenart, daß die remanente Magnetisierung auf dem Band bei gleichem Tonstrom im Aufnahmekopf bei ansteigender Tonfrequenz immer kleiner wird. Die Angabe des Frequenzganges gibt Aufschluß über die Empfindlichkeit des Bandes bei hohen Frequenzen relativ zu der des Bezugsbandes. Bei einem positiven Frequenzgang (z.B. +2 dB) wird ausgedrückt, daß das untersuchte Band bei gleichen Meßbedingungen eine höhere Empfindlichkeit bei einer hohen Aufzeichnungsfrequenz, z.B. 10 kHz, aufweist, als das für die Geschwindigkeit betreffende Leerband des Bezugsbandes. Dabei muß allerdings beim Vergleich der Empfindlichkeiten zwischen dem zu testenden Band und dem Bezugsband der Empfindlichkeitsunterschied beider Bänder, der bei einer tiefen Frequenz ermittelt wurde, entsprechend korrigiert werden. Daraus geht hervor, daß das Verhältnis eines Verhältnisses gebildet werden muß (Doppelbruch).

Dies soll an einem Beispiel veranschaulicht werden:
Das zu testende Band zeige bei konstantem Tonstrom des Aufnahmekopfes für die vorgegebenen Meßbedingungen (definierter Arbeitspunkt, definierte Bandgeschwindigkeit) bei 1 kHz und 10 kHz die Pegel P 1T und P 10T. Entsprechende Bezeichnungen sollen für das DIN-Leerband gelten (P 1L und P 10L. Dann findet man für den absoluten Frequenzgang des zu testenden Bandes den Wert P 10T zu P 1T, den absoluten Frequenzgang des Leerbandes zu P 1L. Der relative Frequenzgang, der sich auf das Leerband bezieht und ausschließlich interessiert, ist dann durch den folgenden Doppelbruch gegeben:

Man erkennt aus dem Zahlenverhältnis, daß bei gleicher Empfindlichkeit (P 1T = P 1L) der Frequenzgang unmittelbar durch das Zahlenverhältnis der Wiedergabepegel bei 10 kHz gegeben ist.

Zum Frequenzgang ist grundsätzlich zu sagen, daß er für ein bestimmtes Band vor allem vom Arbeitspunkt (Vormagnetisierungsstrom im Aufnahmekopf) und der Spaltkante dieses Kopfes abhängt (sogenannte ablaufende Spaltkante). Da der Frequenzgang stets relativ zu einem Leerband angegeben wird, spielen die Eigenschaften des Wiedergabekanals für die Bestimmung dieser Werte keine Rolle, da sie in beiden Fällen die Messung in gleicher Weise beeinflussen.

Beim Band stehen Schichtdicke und Frequenzgang im Wechselspiel mit der Klirrdämpfung (siehe dort). Dicke Schicht = gute Klirrdämpfung = schlechterer Frequenzgang, Dünne Schicht = guter Frequenzgang = schlechtere Klirrdämpfung. (Diese Betrachtungen gelten für die Benutzung eines relativ breiten Aufnahmespaltes und ein Band mit definiertem Füllgrad).

Grundsätzlich wird ein guter Frequenzgang angestrebt, um die von den heutigen Heimtongeräten geforderten Eigenschaften einhalten zu können. Wie schon oben angegeben, beeinflußt auch die Oberflächenbeschaffenheit des Bandes wegen des Band-Kopf-Kontaktes den Frequenzgang. Überdies ergeben Bänder mit guter Oberfläche und hoher Schmiegsamkeit einen gleichmäßigeren Wiedergabepegel bei hohen Frequenzen und damit eine einwandfreie Wiedergabe. Der Band-Kopf-Kontakt spielt besonders bei Geräten mit schmaler Spur, schmalem Aufnahmespalt und geringer Bandgeschwindigkeit eine ganz erhebliche Rolle.

c) Der Bandfluß bei Vollaussteuerung gibt an, wie weit das Band im vorgeschlagenen Arbeitspunkt über den Bezugspegel ausgesteuert werden kann, wenn man einen Klirrfaktor von 3 % bei der Geschwindig- keitsklasse 38 cm/s bzw. einen Klirrfaktor von 5 % bei den Geschwindigkeitsklassen 19 cm/s, 9,5 cm/s und darunter zuläßt. Je höher der erreichte Wert ist, umso günstiger liegt das Band hinsichtlich seiner verfügbaren Dynamik.

Vergleicht man beispielsweise den Bandtyp LGR und LR 56, wobei die Messungen jeweils für 38 cm/s gelten, so erkennt man in diesen Werten einen Unterschied von 5 dB, der auch typisch für das Arbeitsband LR 56 ist.

Dies erklärt sich daraus, daß der Bandfluß letztlich ein Maß für den Wiedergabepegel im Wiedergabekopf darstellt und seine Größe damit die Dynamik entscheidend beeinflußt. Die Erfahrung hat gezeigt, daß das Grundgeräusch eines Bandes bei gleichem magnetischen Material von seiner Empfindlichkeit (Schichtdicke, Füllung) fast unabhängig ist. Andererseits wächst jedoch die Aussteuerfähigkeit (Bandfluß bei Vollaussterung) bei Verwendung eines breiten Aufnahmespaltes mit höherer Schichtdicke bzw. stärkerer Füllung mit magnetischem Material.

Da sich die Dynamik einer Tonbandaufzeichnung aus dem Verhältnis der maximalen Tonamplitude zum Grundgeräusch der gesamten Anlage einschließlich Band ergibt, sieht man sofort ein, daß die Dynamik mit höherem Bandfluß ansteigt. Untersuchungen hinsichtlich des Betriebsgeräusches bei BASF MAGNETOPHONBAND ergaben, daß dieses ca. 58 dB unter dem Bezugsbandfluß (200 mM) liegt.

d) Der Betriebsgeräuschabstand beträgt damit insgesamt 58 + 5 = 63 dB. Beim LR 56 wird ein Bandfluß bei Vollaussteuerung von + 10 dB gemessen. Das Betriebsgeräusch hat hier, wie erwähnt, wieder eine Stärke von 58 dB unter Bezugspegel, so daß sich also hier ein Betriebsgeräuschabstand von 68 dB ergibt.

Man erkennt also beim Vergleich des Betriebsgeräuschabstandes von LGR und LR 56 wieder die Differenz von 5 dB, die sich auch beim Bandfluß für Vollaussteuerung ergeben hat. Diese Werte sind deshalb gleich, weil das Betriebsgeräusch bei beiden Bändern (LGR und LR 56) in gleicher Stärke auftritt (-58 dB). Diese Verhältnisse werden noch einmal in der Skizze 34 verdeutlicht.

Man erkennt zunächst das Betriebsrauschen, das für Arbeitsband und Normalband gleich hoch angesetzt ist. Die durchgezogenen senkrechten Linien stellen in ihrer Länge die Stärke des Tonstromes im Aufnahmekopf dar. Die gestrichelte Linie hingegen zeigt, wie hoch der dazugehörige Bandfluß ist. Die Stromwerte für die Beispiele A, B, C und D (Bezugsbandfluß) für Tonstrom und Bandfluß stimmen überein.

Beim Bandfluß für Vollaussteuerung kann man sehen, daß der Bandfluß etwas geringer ist als dies dem Tonstrom entsprechen müßte. Diese Abweichung, die sich bei größeren Werten als starke Verzerrung zeigt, ist hier noch zulässig. Man sieht aus dem Bild deutlich, daß der Bandfluß bei Vollaussteuerung für das Normalband (E) kleiner ist als der Bandfluß für Vollaussteuerung beim Arbeitsband (G). Daraus ergibt sich auch, daß die Dynamik beim Arbeitsband größer ist als beim Normalband (letztere eingezeichnet).

Die Klirrdämpfung bei Bezugspegel gibt an, wie hoch die Verzerrungen im vorgeschlagenen Arbeitspunkt sind. Diese Angabe interessiert vor allem Studiobetriebe, weil dort die Aussteuerung der Bänder auf Bezugspegel vorgenommen wird (wegen Austauschbarkeit zwischen verschiedenen Studios). Auch hier ist man an einer möglichst hohen Klirrdämpfung des Bandes im gewünschten Arbeitspunkt interessiert (Normalwert für Studiobetrieb (200 mM Bandfluß) zwischen 34 und 40 dB).

f) Der Gleichfeldrauschspannungsabstand ist ein Maß für die Homogenität der Schicht und die Güte des Band-Kopf-Kontaktes. Die Messung des Gleichfeldrauschspannungsabstandes, die nach DIN 45 519 erfolgt, interessiert vor allem beim Einsatz des Bandes in Studiobetrieben. Der Gleichfeldrauschspannungsabstand darf nicht mit dem Betriebsgeräuschabstand verwechselt werden.

Zur Erklärung sei kurz gesagt, daß das Betriebsgeräusch, das oben mit 58 dB unter Bezugspegel angegeben wurde, sowohl während der Aufzeichnung als auch in den Aufzeichnungspausen vorhanden ist. Das Gleichfeldrauschen hingegen tritt nur zusammen mit dem Ton der Aufzeichnung auf. Es ist selbstverständlich nicht im Tonstrom enthalten, sondern wird erst bei der Wiedergabe feststellbar, da es durch das magnetische Aufzeichnungsverfahren bedingt ist. Gehörmäßig kann sich ein schlechter Gleichfeldrauschspannungsabstand besonders bei der Aufzeichnung reiner Töne (elektronische Musik) oder bei bestimmten Instrumenten-Gattungen (Holzbläser) als etwas rauhe oder ungleichmäßige Tonwiedergabe äußern.

Es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, daß der Gleichfeldrauschspannungsabstand, Pegelschwankungen und letzten Endes drop outs in ihren physikalischen Ursachen verwandt sind. So entstehen z.B. Pegelschwankungen oder drop outs und damit auch ein schlechter Gleichfeldrauschspannungsabstand durch auf der Schichtseite verschmutztes Tonband oder mechanische Deformationen des Bandes.

Die oben beschriebenen, fünf elektroakustischen Eigenschaften eines Tonbandes sind in den technischen Kurvenblättern über der Vormagnetisierung aufgetragen. Man erkennt beispielsweise beim Bandtyp LGS 52, daß sich die maximalen Empfindlichkeiten für verschiedene Frequenzen (1, 10, 15 kHz) über der Vormagnetisierung gesehen, nicht decken, d.h. man müßte für hohe Frequenzen eine niedere Vormagnetisierung, z.B. -5 dB, für tiefe Frequenzen z.B. 0 dB einstellen, um das jeweilige Empfindlichkeitsmaximum zu erhalten. Andererseits müßte für einen möglichst günstigen Bandfluß bei Vollaussteuerung (A) der Vormagnetisierungswert etwa +2 dB entsprechen. Das gleiche gilt in etwa für die Klirrdämpfung bei Bezugspegel und den Gleichfeldrauschspannungsabstand.

Durch dieses Zahlenbeispiel ist zu verstehen, daß die Arbeitspunkteinstellung meist mit Rücksicht auf den Frequenzgang niederer erfolgen muß, als dies aufgrund der Klirrdämpfung und des Gleichfeldrauschspannungsabstandes günstig wäre. Deshalb wurde für das Beispiel LGS 52 in den Technischen Daten ein Arbeitspunkt von + 1 dB vorgeschlagen, obwohl sich auch damit noch kein optimaler Frequenzgang erreichen läßt. Andererseits würde ein zu niederer Arbeitspunkt (beispielsweise -5 dB) nicht mehr diskutable Werte für die Klirrdämpfung, den Rauschspannungsabstand und den Bandfluß bei Vollaussteuerung ergeben.

Auch bei den anderen Kurvenblättern verlaufen die Diagramme stets ähnlich, so daß immer ein Kompromiß hinsichtlich der erzielbaren elektroakustischen Eigenschaften bei der Einstellung des Arbeitspunktes im Tonbandgerät gewählt werden muß.

Zu den elektroakustischen Eigenschaften gehören noch die Angaben für Löschdämpfung und Kopierdämpfung, sowie die Zeitabhängigkeit der Kopierdämpfung. Diese technischen Eigenschaften sind unabhängig von dem Vormagnetisierungsstrom.

g) Die Löschdämpfung wird unter Studiobedingungen mit einem Doppelspaltlöschkopf gemessen (38 cm/s, 1000 Hz). Hier passiert das Tonband 24 Stunden nach erfolgter Aufnahme zunächst einen breiten und dann einen etwas schmaleren Spalt, wodurch sich die Wirkung des normalen Löschkopfes mit einem einfachen Spalt erhöhen läßt. Die Angabe von 70 dB in den technischen Daten besagt, daß der "Restton" kleiner als o,3 o/oo des ursprünglich aufgezeichneten 1000 Hz-Tones ist. Löschdämpfungswerte über 70 dB sind für alle Anwendungszwecke des Tonbandes ausreichend.

h) Die Kopierdämpfung wird entsprechend der Beschreibung in den technischen Daten nach den DIN-Vorschriften bei einer Bandgeschwindigkeit von 38 cm/s und einem 1000 Hz-Ton ermittelt. Da die Kopierdämpfung überdies von der Lagerzeit und der Temperatur abhängig ist, wird sie vereinbarungsgemäß nach 24 Stunden bei Raumtemperatur (20°C) ermittelt. Werte unter 50 dB können als unzureichend, Werte zwischen 50 und 55 dB als ausreichend und Werte über 55 dB als gut bezeichnet werden.

Die physiologische Störwirkung des Kopiereffektes hängt in weitem Maße von dem Charakter und der statistischen Zusammensetzung des aufgenommenen Klangbildes ab. Am stärksten wird der Kopiereffekt bei reiner Sprachaufzeichnung (Hörspiel) empfunden. Am geringsten stört er bei Musik mit geringer Dynamik (Rhythmische Musik, z.B. Tanzmusik).

Diese Zusammenhänge leiten sich daraus ab, daß bei Sprache sehr große Lautstärkeunterschiede auftreten, die dadurch bedingt sind, daß zwischen Worten und Sätzen immer wieder akustische Lücken eingeschaltet sind. In diesen Pausen wird ein evtl. Kopiereffekt wegen der fehlenden sonstigen Tonanteile in der Aufzeichnung in seiner vollen Stärke empfunden. Handelt es sich jedoch um ein zeitlich kontinuierliches Klanggebilde, wie z.B. rhythmische Musik u.a., so tritt zwar der Kopiereffekt rein physikalisch in gleicher Weise auf, jedoch wird er physiologisch durch den sogenannten Verdeckungseffekt des menschlichen Ohres weit weniger oder überhaupt nicht empfunden.

Dieser Verdeckungseffekt besteht darin, daß das menschliche Ohr beim gleichzeitigen Vorhandensein mehrerer Geräusche oder Töne bei großen Intensitätsunterschieden der einzelnen Anteile die leisen Geräusche und Töne nicht vernimmt. Würden bei dem genannten Beispiel jedoch die Geräuschoder Tonanteile hoher Intensität fehlen, so könnte man die schwachen akustischen Anteile vernehmen.

i) Die Zeitabhängigkeit der Kopierdämpfung gibt an, um welchen Betrag sich die Kopierdämpfung verschlechtert, wenn die Bnwirkungszeit um den Faktor 2 vergrößert wird.

Dazu ein Beispiel:
In den technischen Daten ist die Kopierdämpfung für MAGNETOPHONBAND BASF Typ LGS 52 mit 58 dB angegeben. Dieser Wert bezieht sich, wie gesagt, auf eine Lagerzeit von 24 Stunden. Würde man die Lagerzeit auf 48 Stunden ausdehnen, so ginge die Kopierdämpfung auf den Wert 57,35 dB zurück, wie sich aus der Subtraktion der Werte 58 und 0,65 dB ergibt. Vergrößert man die Lagerzeit des gewickelten Bandes wieder um den Faktor 2, so daß man somit eine Lagerzeit von 96 Stunden (4 Tage) erhält, so geht die Kopierdämpfung schließlich auf den Wert 56,7 dB zurück. Diese Verhältnisse der Zeitabhängigkeit des Kopiereffektes sind in den Technischen Informationen der Magnetophonband-Prüfstelle Nr. 3 vom Dezember 1959 graphisch für verschiedene Bänder dargestellt. Dort können auch noch weitere Einzelheiten nachgelesen werden.

Die technischen Daten von Heimtonbändern bei Benutzung eines engen Aufnahmespaltes sind auf einem getrennten Blatt in der Broschüre "Technische Daten" wiedergegeben. Bei diesen Messungen wurde auf die Rauschspannungskurve verzichtet, da sich propagandistisch ungünstige Werte ergeben. Dies ist weniger eine spezielle Eigenschaft der Bänder, sondern auf den ungünstigeren Verlauf des magnetischen Feldes vor dem Aufzeichnungskopf zurückzuführen (kleine Wirkungstiefe der magnetischen Feldlinien bezüglich der magnetischen Schicht).

Bei den technischen Daten für Tonbandgeräte mit engem Aufnahmespalt ist besonders charakteristisch, daß die Klirrdämpfungskurve einen ungünstigen Verlauf aufweist. Da man bei den Heimtongeräten einen Klirrfaktor von 5 % zuläßt, das entspricht einer Klirrdämpfung von 26 dB, wird man beispielsweise bei Verwendung von LGS 26 oder PES 26 mit einem Bandfluß von maximal 160 mM arbeiten dürfen, wenn ein Arbeitspunkt von -1 dB eingestellt wird.

Dieser nach der Klirrfaktorkurve ungünstige Arbeitspunkt wird jedoch in vielen Fällen bevorzugt, da gerade bei Heimtongeräten und niederer Bandgeschwindigkeit sonst Schwierigkeiten bei Erreichung des geforderten Frequenzganges entstehen. Somit ist man gezwungen, mit Rücksicht auf die fallende Empfindlichkeit des Tonbandes bei hohen Frequenzen einen Vormagnetisierungswert zu wählen, der diesem Umstand Rechnung trägt.

Im allgemeinen pflegen die Hersteller von Heimtongeräten (z.B. Telefunken) ihre Tonbandgeräte auf das Empfindlichkeitsmaximum für 1000 Hz einzustellen (9,5 cm/s). Diese Kurve ist in den technischen Daten für einen engen Aufnahmespalt nicht eingetragen, ihr Maximum liegt für LGS 26 etwa auf einem Vormagnetisierungswert von -1 dB.

In dem besprochenen Kurvenblatt stellen die Kurven für LGS 26, PES 26 den Verlauf der Bezugscharge für den Leerbandteil LGS 26/110 211 dar; für LGS 35, PES 35 und LGS 52 wurde der Produktionsmittelwert herausgegriffen. Um einen Vergleich mit der früher üblichen Leerbandcharge des DIN-Bezugsbandes 9 anstellen zu können, wird auch noch der Kurvenverlauf der Charge 22138 gezeigt, die heute nur noch für das Bezugsband 19 gültig ist (Bezugsbänder siehe Technische Informationen Nr.11)•

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