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Philips »Kontakte« 54 / August 1981
"Trends und Tendenzen in der Entwicklung von Videorecordern"

Dr.-Ing. A. Seibt, Leiter der Entwicklungsabteilung im Videowerk Wien, sprach auf einem Presseempfang über die technischen Perspektiven in diesem Bereich. Der folgende Beitrag ist eine Zusammenfassung seiner Ausführungen.

Die Produkt-Entwicklung des Videowerkes Wien zählt zur Zeit etwa 240 Mitarbeiter. Weitere 120 Mitarbeiter der Apparatefabrik Krefeld, die gegenwärtig auf Videorecorder-Fertigung umgestellt wird, sind bereits größtenteils in laufende Video-Entwicklungsvorhaben eingeschaltet.

Darüber hinaus wird im Rahmen der Vorentwicklung in Eindhoven an den nächsten Geräte-Generationen gearbeitet. Ein zutreffendes Bild vom Entwicklungsaufwand für Videorecorder bei Philips kann man sich allerdings erst dann machen, wenn die große Zahl von Ingenieuren hinzugerechnet wird, die in vielen europäischen Werken die notwendigen Spezialbauteile konstruieren, ohne die ein moderner Videorecorder nicht denkbar ist, zum Beispiel:
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  • • Integrierte Schaltungen der verschiedenen Technologien,
  • • Motoren,
  • • Ferrite für Videoköpfe,
  • • Audioköpfe,
  • • Dickfilmschaltungen,
  • • Aktuatoren für die automatische Spurnachführung (DTF),
  • • komplette Tuner für verschiedene Normen,
  • • Filter und andere Bauteile.

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Die Entwicklung und Fabrikationseinführung eines neuen Videorecorders erfordern Investitionen in der Größenordnung dreistelliger Millionen-DM-Beträge.

Erweiterung der Produktfamilie Video 2000

Im Rahmen der Produktfamilie Video 2000 sind im wesentlichen folgende Neuerungen zu erwarten, wobei die Reihenfolge der Aufzählung nicht im Zusammenhang mit der zeitlichen Einführung steht:

Stereo

Ähnlich wie bei der Audio-Cassette können bei der Video-Cassette innerhalb der vorhandenen Mono-Tonspur zwei Spuren für eine Stereoaufzeichnung genutzt werden. Hierbei bleibt die Kompatibilität in beiden Richtungen erhalten, das heißt, es können sowohl Monoaufnahmen auf einem Stereogerät als auch Stereoaufnahmen auf einem Monogerät abgespielt werden (Bild rechts).
Bewußt wurde beim Video-2000-System darauf verzichtet, auf den beiden Stereospuren auch die beiden unterschiedlichen Informationen des neuen Zweitonverfahrens aufzunehmen, da dann die vorhandene Übersprechdämpfung den hierfür erforderlichen hohen Ansprüchen nicht genügt.

Zweitonbetrieb

Im Gegensatz zum UKW-Stereorundfunk werden die beiden Tonkanäle beim Fernsehen völlig getrennt gehalten. Damit wird eine sehr hohe Freiheit von Übersprechen erzielt und im Prinzip sogar eine bessere Tonqualität ermöglicht. Man wird dies künftig benutzen, um z. B. bei Filmen den Originalton und die Übersetzung gleichzeitig auszustrahlen, so daß der Zuschauer wählen kann. Recorder des Systems Video 2000 werden daher automatisch entweder eine Stereosendung auf der dann zweigeteilten Tonspur oder eine Zweitonsendung auf der ungeteilten Tonspur und der sogenannten und bis jetzt nicht benutzten »Cue-Spur« aufzeichnen. Der Zuschauer kann dann bei der Wiedergabe das jeweils gewünschte Tonsignal einschalten.
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Automatische Spurumschaltung

Das System Video 2000 ermöglicht einen ununterbrochenen 8-Stunden-Betrieb bei
selbstverständlich gleichbleibender Qualität; hierzu benötigt man lediglich ein etwas aufwendigeres Laufwerk und eine Kopftrommel mit vier Köpfen. Dieses Verfahren ist im Prinzip seit Anfang der 1950er Jahre von Tonbandgeräten her bekannt und wird als Auto-Reverse-Betrieb bezeichnet.

Codierung auf dem Band

Die schon erwähnte Cue-Spur ist außerdem dazu gedacht, um Spezial-Informationen aufzunehmen, wie z.B.Programmnummern, Editiermarken, usw. Damit kann ein Gerät dann beispielsweise selbsttätig Programme aufsuchen und abspielen.

Multispeed-Funktionen

Obgleich Stehbild sowie Zeitlupe und Zeitraffer vorwärts und rückwärts bei allen Videorecorder-Systemen möglich sind, so erlaubt doch erst die im Video-2000-System erstmals bei einem Heimgerät konsequent eingesetzte automatische Spurnachführung (DTF), alle diese Betriebsarten mit einem einwandfreien, ungestörten Farbbild auszuführen.

Tragbare Geräte

Für den Kundenkreis, der mit einer Videokamera eigene Aufnahmen machen möchte, wird eine tragbare Ausführung des Systems Video 2000 zur Verfügung stehen, bei der Recorderteil und Empfängerteil mit Timer in getrennten Gehäusen untergebracht sind, wobei der Recorder mit angeschlossener Kamera aus einem eingebauten Akkumulator versorgt werden kann.

Erhöhte Zuverlässigkeit

Komplexität und Anzahl der Bausteine eines Videorecorders sind weitaus größer als etwa bei Farbfernsehgeräten. Allein aus dieser Tatsache ist auch die Störanfälligkeit größer. Mit der Einführung von modernen Bauteilen, vor allem hochintegrierter Schaltungen, wird sich daher auch die Zuverlässigkeit erhöhen. Wegen der vielen bewegten Teile, und hier sei besonders auf die sich im Betrieb abschleifenden Videoköpfe hingewiesen, muß man bei Videorecordern stets mit einem gewissen Wartungsaufwand rechnen. Es sei aber daran erinnert, daß bei allen Bandgeräten, ganz gleich ob im Audio- oder Videobereich, abgenutzte Köpfe, im Gegensatz zu einer abgenutzten Tonabnehmernadel, vorhandene Aufnahmen nicht beschädigen.

Programmkennung

Gegenwärtig werden Vorschläge diskutiert, die eine Programmkennung vorsehen, welche gleichzeitig mit dem Fernsehprogramm ausgestrahlt wird. Sind solche Verfahren einmal eingeführt, wird eins der Hauptprobleme bei der automatischen Aufnahme gelöst sein, nämlich der zu frühe oder zu späte Start des Videorecorders bei Nichteinhalten des Sendetermins.

Assemble (-Schnitt)

Hierunter versteht man das lückenlose und störungsfreie Aneinanderreihen von Video-Aufnahmen. Das Gerät muß hierzu das Band jeweils ein Stück automatisch zurücktransportieren, um den exakten Anschluß an die vorhergehende Aufnahme zu ermöglichen.

Ausblick auf zukünftige Geräte

Einige Firmen haben bereits Versuchsmuster von Videorecordern der nächsten Generation vorgestellt. Sie werden zumeist als »Kamera-Recorder« bezeichnet, weil bei ihnen eine Videokamera und ein Recorderteil in einem Gehäuse von der Größe einer Schmalfilmkamera zusammengefaßt sind. Obgleich noch einige Jahre vergehen werden, bis die Serienproduktion derartiger Geräte beginnt, so schälen sich doch heute schon folgende Merkmale heraus:

Kleinere Cassetten

Technologisch teilweise völlig neuartige Bänder werden eine so beträchtliche Steigerung der Aufzeichnungsdichte erlauben, daß man den Bandvorrat für einige Stunden Spielzeit in einer Cassette von der Größe des bekannten Audio-Formats wird unterbringen können.

Bessere Bildqualität

Keines der heute auf dem Markt verbreiteten Videorecorder-Systeme erreicht die Qualität einer Direktsendung. Es ist zu erwarten, daß man den Gewinn durch die neuartigen Bänder zumindest teilweise der Bildqualität zugute kommen läßt. Hierfür gibt es auch noch einen praktischen Grund: ein ausgesprochener Kamera-Recorder dürfte nur über die Aufnahmemöglichkeit mit einer Kleinstkassette verfügen, die aber nicht in ein Heimgerät paßt. Man muß sie also auf das Heimgerät überspielen. Um den Qualitätsverlust hierbei akzeptabel zu halten, muß man von vornherein von einer höheren Qualität ausgehen.

Audiorecorder

Jeder Videorecorder ist grundsätzlich geeignet, um mit einer angepaßten Elektronik und einer von keinem anderen Verfahren auch nur annähernd erreichbaren Qualität Tonaufnahmen zu machen. Man darf also hier neue »Super-HiFi-Tonbandgeräte« auf der Basis der üblichen oder kommenden Videosysteme erwarten, die dann die herkömmlichen Spitzentonbandgeräte verdrängen könnten.

Die hohe Qualität wird auf technisch geradlinigem und einwandfreiem Wege erzielt, ohne daß Kompander-Expander-Systeme oder ähnliche Verfahren bemüht werden müßten. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß man mit verhältnismäßig geringem Mehraufwand einen kombinierten Video-Audio-Recorder entwickeln kann.

Digitale Aufzeichnung

Seit Jahren wird in einschlägigen Forschungslaboratorien an der digitalen Bild-und Tonaufzeichnung gearbeitet. Sie wird auch bei der neuen Bildplatte »Laser Vision« und der neuen Schallplatte »Compact Disc« verwendet. Ihre Einführung bei Bandgeräten ist aber schwieriger und zur Zeil auch noch viel teurer, jedoch nichtsdestoweniger wünschenswert. Einige wichtige Vorteile seien herausgegriffen:
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Bessere und stabilere Bildqualität

Die digitale Aufzeichnung bringt nicht automatisch eine bessere Qualität, sondern nur bei entsprechendem technischen Aufwand. Jedoch wäre ein derart durchgreifend neuer Standard nicht zu vertreten, würde dabei nicht ein der Laser-Vision-Platte vergleichbares Qualitätsniveau erreicht werden, an dem sich Videorecorder künftig werden messen lassen müssen.

Fast ebenso wichtig wie die höhere Qualität ist die Gleichmäßigkeit und Stabilität im Zeitablauf. Veränderungen der Aufzeichnung auf dem Band, wie sie allen Magnetbändern eigen sind, äußern sich bei konventionellen Videorecordern u. a. durch Schärfeverlust.

Bei einer digitalen Aufzeichnung bleibt die Bildqualität dagegen solange völlig unverändert, wie die Elektronik bei der Wiedergabe noch einwandfrei zwischen den beiden auf dem Band vorkommenden Magnetisierungszuständen »Null« und »Gesättigt« unterscheiden kann.

Fehler innerhalb bestimmter Grenzen können durch entsprechende elektronische Korrekturschaltungen automatisch erkannt und kompensiert werden. Eine derartige Aufzeichnung unterscheidet sich daher nicht wesentlich von einer Datenaufzeichnung bei Computern.

Perfekte Kopien

Bei der Kopie einer analogen Aufzeichnung ist ein Qualitätsverlust unvermeidbar. Bei einer digitalen Überspielung, auch bei einer mehrfachen, ist dies jedoch nicht der Fall, solange die bei der Wiedergabe des Originals auftretenden Fehler noch innerhalb der Wirksamkeitsgrenzen der erwähnten Fehlerkorrekturschaltung liegen. Die Kopie unterscheidet sich daher nicht vom Original, weil die Signale bei der Aufzeichnung vollständig regeneriert werden.

Niedrigerer Herstell- und Serviceaufwand

Bei den heutigen Geräten werden verschiedene elektronische Bauteile verwendet, die der Großintegration und damit der Kosteneinsparung und Miniaturisierung "unzugänglich" (???) sind. Ferner werden sehr viele hochgenaue Bauteile eingesetzt, und es müssen zahlreiche teure Einstellarbeiten vorgenommen werden. Bei digitaler Arbeitsweise besteht die Elektronik überwiegend aus hochintegrierten Computerschaltkreisen, die weder justiert werden müssen, noch sich zeitlich verändern und damit auch keinen Service erfordern.

Bessere Tonqualität

Bei einem Digitalverfahren wird man auch den Ton digital aufzeichnen und somit auch beim Videorecorder zur HiFi-Wiedergabe kommen, die heute aus einfachen technischen Gründen nicht möglich ist.

Bild
Die Videospuren sind beim Video-2000-System nur 22,6um breit und werden ohne Rasen aufgezeichnet. Ihre Länge beträgt rund 102 mm. Die Audiospuren liegen an den Rändern des Bands, sind 0,65mm breit und auch für Stereowiedergabe geeignet (Spurbreite 2x0,25mm). In der Bandmitte befinden sich zwei Cue-Signalspuren von je 0,3mm Breite, auf denen die zweite Zweitonspur aufgezeichnet wird.

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