Sie sind hier : Startseite →  (4) Historie - Video Technik→  Video-Einblicke→  Grundig SVR 4004

Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Es ist ein Grundig VCR Recorder der 78er Generation.

Aber dennoch kein Revoluzzer, nein, ein "Video" für den seriösen Pappi schon wegen des Preises.

 

Die richtige Bezeichnung hieß (nach dem VR 2000) bei diesem Modell schon SVR für "Super Video Rekorder", vormals vermutet als "Stereo Video Recorder", also hier ein SVR 4004 AV. Die auf dem Typenschild genannten 75 Watt sind schon lustig, denn der dicke Schnittbandkern- Trafo da drinnen kann locker das Dreifache.

Für damalige Geschmäcker ein Schmuckstück.

Die professionell schräge Optik war Grundig like technisch schön und das doch recht hohe Gewicht versprach Solidität vom Feinsten.

 

Die Enttäuschung kam recht schnell, denn laut der Aussagen der alten Grundigler aus den Grundig eigenen Vertrags-Werkstätten haben sie Grundig's VCR Geräte und nicht nur die der ersten Generation (fast) bis zum oder sogar in den Wahnsinn getrieben.

 

Diese "Dinger" hatten leider Macken ohne Ende und Kinderkrankheiten, die ganze Bände (Ordner) von Ergänzungen oder Modifikationen füllte.

 

Nachtrag:

Der Ton wurde zuerst nur auf der Längsspur aufgezeichnet und nicht mit der rotierenden Kopftrommel, die nur 2 Videoköpfe für die Bildaufzeichnung hat. Der SVR (Super Video Rekorder) hatte im Vergleich zu VCR eine längere Bandlaufzeit. (mit LVC 150 jetzt 5 Stunden).

 

Ab 1979 hieß das Folgemodell 4004 EL, dies hatte 2 Schaltzeiten für Timeraufzeichnungen. Der neue hatte dann auch ein anderes Netzteil.

Die Konstruktion ließ die Käufer eigentlich wirklich viel erwarten.

In 1978 wurde bei Grundig schon professionell konstruiert, jedenfalls was die robuste Kunststoff- Gehäuse angeht. Grundig Hatte dazu eigene große Spritzgußmaschinen angeschafft.

 

Ein stabiler Kunststoffrahmen trägt links das Elektronik-Chassis und rechts das Laufwerk-Chasssis. Darunter schützt eine stabile Bodenwanne mit vielen Luftschlitzen das Innenleben, die 4 Standfüße des Kunststoffrahmens schauen durch Löcher durch die Wanne nach unten.

 

Das macht einen wirklich guten stabilen Eindruck. Auch die obere Abdeckung ist robust und schützt den mechanischen Bereich des Laufwerkes. Nach dem Abnehmen der beiden Abdeckungen steht das funktionsfähige Gerät servicefreundlich auf dem Labortisch.

 

Ein Druck auf die mechanische Verriegelungstaste des Kassettenauswurfes hebt den Schacht aus dem Chassis heraus und man kann die VCR Kassette rein schieben und den Schacht herunter drücken. Alles geht mechanisch ab. Ein erneuter Druck (ohne Strom jedenfalls) und der Schacht kommt wieder hoch.

 

Auffallend sind die vielen Hebelchen und Schiebe- mechaniken, um den Kassettenschacht leicht schräg nach oben zu führen. Das sah zwar optisch gut aus, war aber mechanisch recht aufwendig.

Doch jetzt beginnen die Zweifel.

Sowohl in Lindenfels wie auch im Fernsehmuseum Wiesbaden wird auf diese VCR Mechanik auch nur geschimpft. Sie geht einfach nicht mehr. Und das bei einem genialen Antrieb mit 5 Motoren.

 

Das Magnetband wird nach dem Herunterdrücken aus der Kassette gezogen um den Kopf herum gezogen. Dabei wird mit dem 5.ten Motor der gesamte Kopftrommel-Dreh-Schlitten gedreht.

 

Das bedeutet, die Kopftrommel ist nicht stabil mit dem Chassis verschraubt, sondern in einer Art Schlitten drehbar gelagert. Die Mechanik, die dafür notwendig ist, ist einfach irre, also irre kompliziert.

 

Die beiden Spulen, also Abwickel- und Aufwickel-Spule liegen ja bei VCR übereinander. Damit müssen die Umlenkbolzen absolut präzise abgewinkelt sein, damit das Band schräg von oben knickfei um die halbe Trommel herum nach unten geführt werden kann. Diese geforderte mechanische Präzision ließ sich bei einem Massen- Consumer Produkt scheinbar nicht mehr durchgängig erreichen.

 

Die mechanischen Teile, also alle Teile, die sich irgendwie bewegen, waren "gut und reichlich" gefettet, der absolute Tod für jedes Magnetbandlaufwerk. Fett dünstet immer aus und Fettnebel lagern sich überall ab und damit Staub ohne Ende. Auch dieses Gerät war schon recht "eingeschmiert". Das geht natürlich auch recht schnell auf die extrem sensiblen Magnet-Köpfe.

 

Wußte man das damals nicht ?? Ich glaube kaum. Die Techniker wußten sich aber scheinbar nicht mehr zu helfen, wenn das Band weder raus noch rein ging, weil irgendetwas von der wilden (genialen) Mechanik hakte.

Der Trommelmotor - Eigentlich hätte es super laufen müssen . . .

jedenfalls auf dem Labortisch. Fünf so dicke und schwere Motoren müssten doch völlig ausreichen, um das verdammte Band um die Trommel zu wickeln, gleichmäßig vorwärts zu bewegen und am Ende auch wieder da raus zu holen.

 

Von unten sieht man die gewaltige Kraft, die dort eingebaut wurde. Die Motoren sind von unten fotografiert und stehen so also auf dem Kopf.

 

 

Der Trommel-Motor hat eine irre, sicherlich gut ausgewuchtete Schwungscheibe und läuft sicher in präzisen Kugellagern, das werden wir noch prüfen. Man erkenn deninneren Druckgussrahmen und den äußeren Führungsrahmen. Das Chassis selbst ist nur ein an allen Seiten abgewinkeltes dickeres Alublech.

Der eigentliche Bandantrieb ist komplex.

Dadurch, daß die Bandspulen übereinander liegen, müssen sie kompliziert durch ineinander verschachtelte Achsen mit separaten Motoren gegenläufig angetrieben werden.

 

Gelöst hat man das mit zwei gewaltigen Gleichstrommotoren jeweils mit zwei eigenen Riemenübertragungen auf die Doppelachse innerhalb der Kassettenmitte mit zwei unterschiedlichen großen Mitnehmern.

 

Wenn das 1978 wirklich der Stand der Technik war, wie konnten dann die Tonbandleute von Grundig 1971 in ein Grundig TK 3200 einen wirklich tollen Siemens Servomotor einbauen ?

 

Aus den Unterlagen von Ampex Video geht hervor, daß die mit ihrem ersten Schrägspurkopf erheblich Probleme hatten und ein ganzes Produkt wieder auf Quadruplex zurück bauen mußten, um etwas Funktionsfähiges zu verkaufen zu können. Der Schrägspurkopf kam bei Ampex dann erst ganz viel später.

Der Capstan Motor

Auch mit dem Capastan Motor können wir uns nicht so recht anfreunden, denn die eigentliche (Mitnehmer-) Achse ist so dünn, daß sie schnell drehen muß und dazu auch noch schnell verschmutzt. Es ist eine konstruktive Sache, einen präzisen langsam laufenden (elektronisch geregelten) Motor zu entwickeln und die eigentliche (Antriebs-) Welle damit recht groß zu machen.

 

Rechts im Bild der Capstan Motor natürlich auf dem Kopf stehend von unten fotografiert.

Der fünfte Motor

Dieser Motor stellt eines der Hauptproblem dar, und zwar indirekt. Der Motor ging bestimmt immer, jedoch wurde mit 7 mechanischen Mikroschaltern der jeweilige Zustand der Kassette, des Schachtes, des Bandeinzuges, der Umschlingung usw. abgeprüft. Diese Mikroschalter waren zwar Springfeder gesteuerte Umschalter, jedoch offen und so nicht gegen die Fettspritzer der üppigen Schmierung der Gestängemechanik geschützt.

Absolutes Mittelmaß - das Bandzählwerk

Das hätte nun wirklich nicht sein müssen, ein mechanisches Bandlängen- Zählwerk mit einem Gummiriemen auf einem der Wickelmotore.

 

Das ist die Ungenauigkeit in Person. So etwas hätte dort nicht mehr rein gehört, zumal mehrere mehrstellige Ziffernanzeigen eingebaut waren.

Die Elektronik stammt von den Fernsehern.

Vielleicht setzen wir hier den Maßstab zu hoch an, es ist halt nur ein Consumer Gerät. Diese Platinen- Technik macht keinen vertrauensvollen Eindruck. Da inzwischen fast keine VCR Geräte mehr laufen, hat es sich bewahrheitet, daß es billig war.

 

Es ist doch komisch, daß von den 100.000 Revox A77 Bandgeräten riesige Mengen heute noch ohne Probleme laufen, und die stammen noch aus 1967. Auch der extrem leise und geregelte hypermoderne Tonwellen Motor der A77 war wegweisend und auch 1971 sicherlich käuflich.

 

Das Fatale bei der Grundig VCR Technik ist ja, daß mit dieser Wackeltechnik die geduldigtsen Kunden wie auch die treuesten Werkstätten frustiert wurden, zu zweifeln anfingen und daß die allesamt diesem Produkt (und damals alles ohne Internet Bewertungen) den Rücken gekehrt hatten. Der Mißerfolg fing ja in Deutschland an.

 

Es ist dort auch viel zu viel Platz verschenkt worden, insbesondere im Netzteil geht es sehr "luftig" zu.

Das kommt noch mehr auf der Folgeseite

 

Weiter geht es mit den Details der Analyse, den Motoren, der Mechanik, der Elektronik, der Kopftrommel.

 

Nach oben

- Werbung Dezent -
© 2001/2017 - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Germany - Wiesbaden - Impressum und Museums-Telefon - zur RDE-Seite - NEU : Zum Flohmarkt