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August 1982 - wieder ein großer Sprung

Die August-Ausgabe der Fernseh-Revue liegt vor mir. Die anderen Revuen fehlen noch. So ist halt die Chronologie unterbrochen, aber wir arbeiten dran.

Die VCR/SVC Geschichte ist bereits tot und abgehakt. Es war leider ein Flop, ein teurer großer Flop. Na dann probieren wir es doch gleich nocheinmal. Mir war natürlich aufgefallen, daß ich nur ganz am Anfang von VCR mal etwas Detailliertes über die echte Bildauflösung (von möglichen 220 Linien - nicht Zeilen) gelesen hatte, und dann nie wieder. Na ? Hat das nicht ein Geschmäckle ?

Jetzt zu Video 2000, einem europäischen Videosystem. Von der Robert Bosch Fernseh GmbH in Darmstadt, also von den inzwischen pensionierten Mitarbeitern, weiß ich, daß die Herstellung von Scannern, das sind die Schrägspur- Kopftrommeln und deren Magnetköpfe, überhaupt nicht trivial ist. Also bewegte sich Grundig mit der ganzen Recorder Fabrikation auf ganz dünnem Eis - selbst mit Philips zusammen. (Die konnten es auch nicht !)

Philips ist im Profibereich der Recorder mehrfach eingebrochen und hat letztendlich kapituliert. Die Bosch Fese hatte einen gewaltigen feinmechanischen Hightech-Aufwand getrieben, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Eine Studio Videorecorder- Anlage kostete etwas über 250.000 D-Mark. Davon konnte man schon Entwickeln und Ausprobieren.

Also VCR war tot, es lebe Video 2000. Was dachte der Kunde darüber ? Der hörte sich um, las die Zeitschriften, sogar die Tageszeitungen und die Fachzeitschriften und hörte fast nur das konfuse Zeug von inkompetenten Lokalredakteuren. In den Fachblättern wie auch in der FAZ stand im Wirtschaftsteil schon drinnen, wie und wo sich Sieger profilieren müssen. 

Der Markt wird in den USA entschieden, orakelten die Spezialisten. Wer geht also in die USA? Philips oder Grundig ? Keiner von beiden, es war zu teuer. Eigentlich war der Kampf um die Vormacht bzw. das Monopol von VHS damit schon entschieden.
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Doch der Max war hin und wieder ein Starrkopf.

Er wollte dann wenigstens Europa mit seinem Video System beglücken, in das er so viele Millionen gesteckt hatte. Dabei waren die knipsenden Japaner auch auf seinen Messeständen direkt unter seinen Augen und haben geknipst, bis der SLR- Klapp-Spiegel glühte.

Es sind also 2 Video 2x4 Recorder auf dem Markt und beide baute Grundig, auch für alle Anderen, die sich beteiligten. War der Max schon blind für den Auslandsmarkt, so galt das nicht für die anderen "Partner". Die beäugten den Weltmarkt wesentlich aufmerksamer als Max Grundig. Und man hörte die Nachtigall aus der Ferne trapsen. Die Japaner von JVC köderten die VHS Lizenznehmer mit unglaublich niedrigen symbolischen Lizenzpreisen. Grundig wollte dagegen zuviel Geld haben.

Und, was er auch noch verkannte, die echten technischen Daten interessierten nur die Spinner und Gurus (und die Redakteure), die restlichen 99,9% der potentiellen Kunden interessierte nur noch der Nutzen und die Kosten.

Wo bekomme ich die Software günstig, also die Videos. Komischerweise ist der Pornomarkt ein Schlüsselmarkt für Marktforschungen dieser Art. Und dort wollte Grundig auf keinen Fall einsteigen. Er wollte den guten sauberen Deutschen Pappi locken. Am Ende war es keine gute Idee, nicht auf den Rat mancher Freunde zu hören und viel zu lange den moralischen Saubermann hervorzukehren.
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Auch das nächste Produkt ging den Bach runter, der VP 100.

Dieser dritte Recorder sollte der mobile Teil der Flotte werden. Basierend auf einem japanischen Funai Chassis sollte auf einer Art Compactcassette mit 1/4" Band ein 30 Minuten Video aufgezeichnet werden.

Wir haben solch ein Chassis hier (zwar mit Siemens Aufkleber, aber Grundig produzierte für Siemens). Es ist ein Unding, mit einem einzigen Motor diese komplexe Mechanik länger als ein paar Stunden am Leben zu erhalten. Und in Deutschland galt bereits die gesetzliche Garantie von 6 Monaten. Es wäre der vorzeitge Ruin von Grundig gewesen, wären sie wirklich voll eingestiegen. Bereits VCR hatte alle Reserven aufgefressen, wie wir heute wissen.

Wie wir heute wissen, war die Bildqualität der herausgegebenen Geräte schlicht und ergereifend "beschissen". Der Prospekt sagt etwas über eine sichtbare Bildauflösung von 3 Mhz -7db. Es war im Klartext aber verklausuliert, denn das Teil macht nicht mal 1,5 MHz Bandbreite und das sind keine 180 Linien, also weniger als Vorkriegsfernsehen. Wer konnte sich bei Grundig auf solch einen Mist einlassen ?

Na ja, bei der Bosch Fernseh wurden ab 1984 auch mehrere Millionen D-Mark (vermutlich 90 Millionen) mit dem Quartercam Projekt versenkt. Es war auch ein Funai Laufwerk und es hatte auch nie funktioniert.
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Jetzt kommt das FAC 1900 (Fernauge Color) auch aus Tokio

Vermutlich war das Verhältnis mit Philips zerrüttet, wie man bei Ehepartnern kurz vor der Scheidung sagt. Man hätte besser ein Philips Produkt entwickeln lassen sollen, denn das konnten die Philips-Ingenieure dort in Breda wirklich gut. Nein, es mußte wieder eine Kamera von einem Schlitzauge werden. Sie riecht nach Panasonic, also Matsushita. Und diese völlig baugleiche Kamera nur mit anderem Namen stand für mehrere hundert D-Mark weniger nur ein Regal weiter. Auch das wurde ein vorausschaubarer selbstgemachter finanzieller Reinfall - wie bei SABA auch.
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Nachdem Cinema 9000 tot war, kam Cinema 9030

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