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Was nun ? Die Preise sind weg.

In der Grundig Revue stehen keine Preise mehr drinnen. Auf ganzen zwei Seiten wird es dem (dämlichen?) Konsumenten erklärt, daß er jetzt selbst nach den Preisen schauen müsse. Dafür gäbe es jetzt den autorisierten Grundig Service.

Und es gibt die neue "Qualität 100 Goldmünze" von Grundig. Überall auf den Bildern laufen "Weißkittel" rum und zeigen auf die tollen Zauberspiegel.

Mitten im Text steht dann:

"Und erst dann verleihen wir (uns selbst?) das Prädikat, das .........."
Na ja, ist halt ein Werbespruch. Die Zeiten sind härter geworden nach dem Wegfall der Preisbindung, denn das war es ja, das manchen Wettbewerbern so zusetzte. Stand der Preis erst mal in der Revue, konnten Wettbewerber die Grundig Händler plätten, die diesen Preis unterschritten. Und von nun an ist es wie auf dem Jahrmarkt. Also, wer ist der Billigste ?
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Technik - die Rekorde bricht. (so ?)

Die Werbetexter müssen eine ganze Schublade voller Sprüche gehortet haben, denn in jeder Revue tauchen weitere Slogans auf. Dagegen sind die Waschmittelhersteller und die Pharmazeuten Weisenknaben.

Ok, die berührungslosen Tiptasten für 7 Programme, das war Zukunft. Und die Nixi Anzeigenröhre von 0 bis 9 in einem Glas-Kolben, das war auch ganz lustig, aber das war keine Zukunft (mit der Röhre). Auch die Programmtasten mit einem Flachbahnpotentiometer mit händischem Stellantrieb, na ja, das war vielleicht auf der Höhe der Zeit. Mit vertretbarem Aufwand konnte man jetzt 7 Porgramme speichern und entweder am Gerät oder per Fernbedienung umschalten. Das Ganze nannte man dann Ultra-Electronic.

Die neue Kurzhals-Röhre wurde Realität und es gab 2 weitere ICs auf dem Programmspeicher- Tastensatz. Die Farbgeräte hatten immer noch bis zu 9 Röhren, aber dafür bereits bis zu 8 ICs (und dann nur noch 5 Röhren).

Der Hammer kam (erst) auf Seite 22 - der VCR Farbrecorder.

Der Hammer hieß VR 2000 und er war flach, elegant und sogar intelligent. Eigentlich war er (der Hammer) weltweit der erste brauchbare und bezahlbare Consumer Farb-Kassetten-Recorder für Alle.

Die Videoauflösung war mit 220 Zeilen angegeben. Das klingt nach nicht besonders viel, das da von den 625 Zeilen unseres PAL Fernsehbildes übrig bleiben sollte. Doch bei den meisten Zuschauern kam Zuhause sowiso nur die Hälfte davon an. Der BK100 Spulenrecorder schrumpfte auf 1/3 der einen Seite.

Auf jeden Fall war imHerbst 1971 die Sensation perfekt, Grundig und Philips hatten ein funktionierendes Farbfernseh- Aufzeichnungssystem (erstmal nur vorgezeigt!).
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Bei den Spulenbandgeräte tat sich nichts Neues.

Entweder lief es im Verkauf so gut, daß kein Handlungsbedarf da war oder der VCR Videorecorder hatte alle Ressourcen mit Beschlag belegt. Die Bilder auf den Seiten ware beeindruckend groß geworden und füllten diese somit voll aus, von manchem Gerät gab es auch wieder eine hübsche Schatulle, doch das war es. Bei den anderen Magnetband Produkten gab es auch nur marginale Änderungen.

In das TK600 darf man jetzt schon mal reinsehen, es ist ein Foto ohne Abdeckung zu sehen. Doch außer dem Spruch von der hochwertigen Hifi Technik kann man fast nichts von den neuralgischen Schwächen erkennen.

An dem technisch hervorragendem TK3200, eigentlich mal für den männlichen Möchtegern-Reporter entwickelt, werkelt eine sehr wohl proportionierte junge Amateurin mit Minrock und genießt die Musik aus den Kopfhörern, Mono natürlich.

Ach, da wird ein sehr preiswerter Kassettenrecorder C10 vorgestellt. Eigentlich zeigt sich hier der Anfang vom Ende (von Grundig). Solch ein Billigteil ist im Hochlohnland nicht rentabel herzustellen. Diesen Billigkram hätte man damals bereits weiter im Osten fertigen lassen müssen.

Auch die auch sehr billige Plattenspieler- Steuergeräte- Kombination Studio 310 mit CC Recorder wäre zu überdenken gewesen.

Bei den Kofferadios setzte Grundig immer noch und immer wieder Maßstäbe. So auch mit dem ConcertBoy 1000, dem OcenBoy 1000 und nach wie vor mit dem Satellit 210. Das (also der Maßstab imHigh-End) fehlte bei den Bandgeräten nach wie vor.
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Die Hifi-Receiver wurden überarbeitet.

Bei den Receivern waren natürlich die Fotos in der Revue so richtig hochgezüchtet. In Natura sahen die Dinger nicht mehr so prickelnd aus. Auch 25 Watt Sinus pro Kanal riß nur noch Wenige vom Hocker, zumal bei Fremdboxen mit 8 Ohm nur noch magere 18 Watt Sinus raus kamen. Das war für viele Lautsprecher nicht mehr genug.

Ich hatte damals Heco Boxen mit 6 Ohm, warum auch immer. Je lauter, desto zerrt - war das Ergebnis.

Das Traumstudio 2000 war zwar bei Braun abgekupfert, doch es klang nach Grundig und das war auch zu wenig. Mit 22 Watt Sinus kamen die Audiorama 7000 nicht mehr zum Klingen. Im ebay findet man es heute gar nicht, es war vermutlich ein totaler Flop oder es wurde sogar nie produziert.

Oben rum tat sich Einiges. Der RT200 und der SV200 waren schon beachtliche Gesellen, die mit zwei Audiorama 7000 Hifi sehr erfreulich gut geklungen haben. Und mit einem Dual 1219 waren die meisten dann ganz oben im Hifi- Himmel angekommen.

Das war die Zeit, als Max Grundig und Dual sich noch nicht überworfen hatten. Sonst gab es bei den Boxen immer noch keine Bewegung bzw. neue Produkte.
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Unverständlich und verwirrend -
die Rückseite der Grundig Revue:

Auf der Rückseite wurde (vergeblich?) versucht, das überaus komplizierte Geflecht der gewachsenen Vertriebsstrukturen der Grundig AG dem Konsumenten näher zu bringen. Warum ? fragt man sich heute. Wen interressierte das ? Schade um die wertvolle Rückseite.

Hier begann vielleicht auch das verhängnisvolle Verwirrspiel, wer wirklich zuständig oder gar für Irgendetwas verantwortlich war.


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