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"tonband" - Heft 6 • Dezember 1971 • 8. Jahrgang
Thema Nr.1 in 1971
"Das neue Video-System Bildplatte"

Die AEG-Telefunken- und Teldec-Ingenieure Gerhard Dickopp, Hans-Joachim Klemp, Horst Redlich und Eduard Schüller schufen eine schöne, runde Sache: einen audiovisuellen Programmträger, der sich die unbestreitbaren Vorteile der Schallplatte nutzbar macht - leichte Bedienbarkeit und geringe Antriebskosten. Die Bildplatte wird in einer günstigen ?? mechanischen Anordnung abgespielt und überträgt bewegte farbige Bilder mit dem dazugehörigen Klang auf ein Heimfernsehgerät.

Dichtspeichertechnik

Außerordentlich schwierig war es für die Erfinder, 3 bis 4 Millionen Bild- und Ton-Schwingungen (bisher 15.000 Ton-Schwingungen auf der anlogen Vinyl-Scheibe) pro Sekunde in die spiralförmige Plattenrille zu bringen.
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  • Anmerkung : Wieder wird mit keinem Wort erwähnt, daß die Japaner bereits mit 35.000 Hz auf der Vinyl-Scheibe experimentierten und die Quadro-Platte konzipierten.

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Mit einer neu entwickelten Tiefenschrift werden 140 Kreisrillen pro Radius-Millimeter graviert (bisher 10 bis 13 Tonrillen pro Millimeter).

Bild- und Ton-Signale werden in eine extrem dünne, flexible PVC-Folie gepreßt. Die Teldec-Fabrik Nortorf hat dafür schnelle und präzise Fertigungsverfahren entwickelt.
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Die Wiedergabe

Mit Hilfe eines Bildplattenspielers werden die gespeicherten Bild- und Ton-Signale auf den Bildschirm eines normalen Fernsehgerätes übertragen (über den Antenneingang). Dieser Bildplattenspieler arbeitet nach dem ebenfalls "neu entwickelten" mechanischen Prinzip der Druckabtastung. Der abtastende Diamant wird nicht, wie bisher üblich, durch die Rillenauslenkung bewegt, sondern empfängt in starrer Lage von der sich elastisch verformenden Bildplatte Druckimpulse im Rhythmus der gespeicherten Signale.

Ein Druckwandler setzt diese Signale so um, daß sie im Heimfernsehgerät sichtbar werden.

  • Anmerkung : Das klingt in etwa so : Ein Auto ist ein Ding, "wo fährt", weil irgendwas da drinnen dreht und fürchterlich Krach macht. - Wirklich, eine tolle aussagekräftige Erklärung.

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Funktion

Der Fernsehnorm angemessen muß die Bildplatte in Deutschland 25 Bilder pro Sekunde übertragen; in 60 Sekunden also 1500 Bilder. Daraus ergibt sich, daß der Bildplattenspieler mit 1500 Umdrehungen pro Minute arbeiten muß (gegenüber 3373 oder 45 Umdrehungen bei einem Schallplattenspieler). Die Bildplatte rotiert dabei auf einem Luftpolster. Für ein Fünfminuten-Programm ist eine etwa 3 Kilometer lange "Spiralrille" nötig.

Trotz so ungewöhnlicher Funktionen sind Bildplattenspieler kinderleicht zu bedienen. Ihr Abtaster kann die Platte nicht zerkratzen. Jede Bildplatte kann mehr als 1000 mal abgespielt werden, ohne daß eine Qualitätsminderung deutlich wird. Mit einer Stoptaste kann man den Fortlauf des Abtasters blockieren; einzelne Bildsequenzen lassen sich auf diese Weise beliebig oft wiederholen.

Farbe

Um die Bildplatte farbtüchtig zu machen, wandten die Erfinder soviel technische Fantasie an, daß sie sich schließlich zwischen sechs verschiedenen Möglichkeiten zu entscheiden hatten. Immer wieder wurde die günstigste Kodierungsart praktisch und theoretisch erprobt.

„Grundsätzlich", so erklärt Teldec-Ingenieur Horst Redlich, „wußten wir, daß wir die von uns entwickelte Dichtspeichertechnik noch lange nicht genügend ausgenutzt hatten. So ließ sich also ein Weg finden, um den bisher schon untergebrachten Ton- und Bildpunkten noch weitere Informationen hinzuzufügen: Farbpunkte!"
Die Farbinformationen werden, genau wie beim Schwarz-Weiß-Verfahren, in die Plattenrille graviert. „Dabei kann die Farbe", so wieder Horst Redlich, „stabil wiedergegeben werden, wie wir es vom Farbfernsehsystem PAL her gewohnt sind."

Normen

Die farbtüchtige Bildplatte von AEG-Telefunken, Teldec und Decca London bietet sich für alle internationalen Farbsysteme an, vorausgesetzt, daß Zeilenzahl und Bildwechselfrequenz richtig eingestimmt sind.

Der Bildplattenspieler muß der Norm des Fernsehgerätes angepaßt sein. Doch darin steckt für den Konsumenten kein Problem: Bildplatte und Bildplattenspieler werden in den einzelnen Ländern normgerecht angeboten. Das System ist grundsätzlich kompatibel. Das heißt: ein Farbspieler kann an ein Schwarz-Weiß-Fernsehgerät und ein Schwarz-Weiß-Spieler auch an einen Farbfernsehempfänger angeschlossen werden.

Spieldauer

Mit der Farbtüchtigkeit zugleich konnte auch das Problem der verlängerten Spieldauer gelöst werden.

  • Amerkung : So ein Quatsch. Die Spieldauer von 10 Minuten in schwarz weiß wurde auf 5 Minuten in Farbe "verlängert" ?? Soso . . . . da habe ich doch den Sinn von "verlängern" falsch verstanden.

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Die Bildplatte wird in einer Hülle angeboten. Durch eine Art Briefkastenschlitz wird diese Hülle in den Bildplattenspieler "gegeben" (Anmerkung : bei unseren beiden Spielern mit Gewalt reingeschubst) und nach Programmende fertig verpackt wieder ausgestoßen. (Anmerkung : recht oft aber nicht immer)

Die Bildplatte selbst braucht niemals berührt zu werden. Die Spieldauer einer Bildplatte beträgt bis zu 5 Minuten. Verlängerte Spielzeiten werden mit Hilfe eines Magazin-Systems realisiert, das eine variable Anzahl von Platten fast pausenlos nacheinander abspielt. Die Magazine können beliebig bestückt werden: von Minuten- bis zu Stunden-Programmen.
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Marketing-Sprüche, leider sind sie zu dumm

Ein entscheidender Vorteil der Bildplatte liegt in der Tatsache, daß die Spieldauer dem thematischen Aussagewert angepaßt werden kann. Wie jeder weiß, gibt es genügend Programme, die nicht unbedingt auf 50 Minuten ausgewalzt werden sollten, nur weil das Video-System so konstruiert ist. Die Bildplatte treibt "kein künstliches Blow up". Sie arbeitet mit unterschiedlichen Spielzeiten - aussagegerecht.
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  • Anmerkung : In unserer Museums-Redaktion haben wir bestimmt hunderte von DEMO VHS-Kassetten mit nur 5 oder 10 oder 30 Minuten Spielzeit (oder einem "krummen" Wert) und keinem Zentimeter Band zuviel und das sogar aus England. Also es geht bei fast jedem modernen Medium.

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