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Heft 5 • Oktober 1967 • 4. Jahrgang
BERICHT über die
25. Große Deutsche Funkausstellung im August 1967

Die Berliner Jubiläums-Funkausstellung scheint alle Hoffnungen erfüllt zu haben: Die Hersteller von Farbfernsehgeräten ließen verlauten, ihre Lager seien geräumt und die laufende Fertigung disponiert; außerdem habe das Geschäft mit Schwarz-Weiß-Fernsehgeräten eine nicht erwartete Wiederbelebung erfahren.

Und schließlich zeigten sich alle Firmen, die sich ganz oder teilweise der Phonotechnik und High Fidelity gewidmet haben, äußerst befriedigt über das Interesse von Publikum und Handel.

Bleibt nur zu hoffen, daß dieser positive Eindruck durch die Umsätze der kommenden Monate eine entscheidende Bestätigung findet.

Beim Farbfernsehen ist noch Einges im Argen

Was das Farbfernsehen betrifft, dem unsere Aufmerksamkeit nur am Rande galt, darf man folgendes festhalten:

Die Qualität der erzeugten Farbbilder verschiedenster Fabrikate ist im allgemeinen nicht schlecht, es sind aber doch erhebliche Unterschiede festzustellen. Kaum zwei Geräte stimmten in den Farbwerten überein, was natürlich auch an der Einstellung gelegen haben mag.

Am überzeugendsten ist zur Zeit die Bildqualität der Philips-Geräte. Nicht sehr geglückt war eine live-Demonstration während einer Pressekonferenz, denn ein lila Kleid erschien auf den Monitoren in reinstem Blau.

Selbstverständlich hängt die Farbqualität des Bildes auch von der Beleuchtungstechnik während der Aufnahme ab. In dieser Beziehung scheint die ARD vorläufig noch einen Vorsprung gegenüber dem ZDF zu haben.

Insgesamt gesehen darf man den Start des Farbfernsehens als gelungen bezeichnen. Wer es mit der Anschaffung eines Farbfernsehgerätes eilig hat, darf schon jetzt in die Qualität der auf dem Markt befindlichen Geräte einiges Vertrauen setzen.

Wie jedoch die Preisentwicklung verlaufen und wie es um die Wartung durch den Fachhandel aussehen wird, kann im Augenblick noch niemand bündig voraussagen. Sicher ist nur, daß Farbfernsehgeräte aus technischen Gründen immer teurer sein werden als Schwarzweiß-Geräte.

Soviel zum Start ins bunte Bild.

Der Riese Grundig muß auch CC Geräte anbieten

Weniger bunt und vielfältig zeigte sich die Situation auf dem Tonbandgeräte-Sektor. Ein grundsätzlicher Vorspann erübrigt sich, da Berlin keine Sensationen zu bieten hatte, sieht man von der Tatsache ab, daß Grundig nun ebenfalls mit einem in Berlin erstmals gezeigten Kassettengerät den Anschluß an die Compact-Cassette sucht.

Damit dürfte die paradoxe Situation zweier Cassetten-Systeme endgültig zugunsten der vorteilhafteren Compact-Cassette entschieden sein, nachdem ja AEG-Telefunken bereits zur Hannover-Messe diese Konzession machte. Überhaupt scheinen sich die System Philips CC Cassetten-Recorder immer mehr durchzusetzen und als universelle Tonträger Anklang zu finden.

AB hier kommt die große Liste der Geräte bzw. Neuigkeiten

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AEG-TELEFUNKEN
Kleinstudio-Tonbandgerät Magnetophon M 28

Bereits zur Hannover-Messe stellte AEG-TELEFUNKEN das Kleinstudio-Tonbandgerät M28, mit dem es in die gehobene Klasse der semiprofessionellen Geräte stößt, vor. Das M28 setzt die Tradition des bekannten Kleinstudiogerätes M24 fort und ist für den reinen semiprofessionellen Anwendungsbereich konzipiert, worauf schon sein stolzer Preis von rund 4.000,- DM hinweist.

Das Magnetophon M28 (Bild 1) besitzt ein 3-Motoren-Laufwerk für die Bandgeschwindigkeiten 9,5 und 19cm/s (eine „Rundfunkausführung" mit 19 und 38cm/s befindet sich in Vorbereitung). Die Verstärker sind vollständig mit Silizium-Planar-Transistoren bestückt und in gedruckter Schaltung aufgebaut.

Das Gerät ist sowohl für Mono-Aufnahmen in Halbspur als auch für Stereo-Aufnahmen bestimmt. Es enthält ein eingebautes Mischpult mit vier Schiebereglern, so daß bei Stereo-Aufnahme zwei und bei MonoAufnahme sogar vier Quellen (durch Zusammenschalten der Regler auf einen Eingang) gemischt werden können. Zwei VU-Meter sind zusammen mit dem Kopfhörerausgang Vor- und Hinter-Band umschaltbar, wodurch die unmittelbare Kontrolle der Bandaufzeichnung über den getrennten Wiedergabekopf möglich ist.

Bei Karl Beh im Labor bereits getestet und ausgemessen

Aufgrund unserer Meßergebnisse für den Test dieses Gerätes in der Zeitschrift „HiFi-Stereophonie" können wir sagen, daß mit dem M28 ein Tonbandgerät zur Verfügung steht, das infolge seiner mechanischen und übertragungstechnischen Gesamtkonzeption, auch bei harter Beanspruchung, im beweglichen und ortsfesten Einsatz unter anderem seine hohe Betriebssicherheit beweisen dürfte.

Die gesamten Solldaten entsprechen dem hohen Aufwand und fanden ihre volle Bestätigung. Es ist daher keine Übertreibung, wenn AEG-Telefunken das Magnetophon M28 als semiprofessionelles Tonbandgerät bezeichnet, das sich besonders für die Verwendung in Film- und Werbestudios, in Lehranstalten und Instituten sowie für die Bühnen- und Theatertechnik eignet.

  • Anmerkung : Da fast Zeitgleich die Revox A77 für ganz knappe 2000.- in den Handel kam, hatten es die AEG Macher wirklich schwer, ihre 4000.- DM am Markt zu plazieren. Welche Stückzahlen von der M28 wirklich gebaut wurden, ist uns nicht bekannt. Von der Revox A77/B77 sollen es an die 470.000 (vierhundert und siebzigtausend) gewesen sein.

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Neue BRAUN-Tonbandgeräte für höchste Ansprüche

Nicht nur studioreife Aufnahme und Wiedergabe, sondern auch eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten und hohen Bedienungskomfort versprechen die neuen Braun-Tonbandgeräte der HiFi-Klasse (Bild 2):

TG 502 ist ein Zweispur-Gerät,
TG 504 ein Vierspur-Gerät, und beim
TG 502-4 gestattet ein zusätzlicher Vierspur-Wiedergabekopf das Abhören von Vierspur bespielten Bändern.

Die Geräte sind nach wie vor mit drei Motoren ausgerüstet, werden über schnell ansprechende Relais geschaltet, können horizontal und vertikal betrieben werden und gestatten alle Trickmöglichkeiten sowie Hinterbandkontrolle.

Neu ist dabei, daß sowohl bei Vor- wie bei Hinterbandkontrolle Pegelgleichheit gewährleistet ist.

Die wichtigste Verbesserung gegenüber dem Vorgänger TG 60 ist darin zu sehen, daß bei den neuen Geräten die Radio- und Phonoeingänge mit dem Mikrofon-Eingang mischbar sind - und dies auch bei Stereobetrieb.

Die Preise: TG 502 2160.- DM, TG 504 1995.-DM, TG 502-4 2270.- DM.

  • Anmerkung : Das ist nur die halbe Wahrheit. Die "neuen" Geräte sind lediglich transistorisierte Weiterentwicklungen des ursprünglichen Röhrengerätes TG 60, das mit einer immensen Hitzeausstrahlung zu kämpfen hatte.

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Messe-Sensation: (zum Verdruß des Chefs Max Grundig)
Ein Grundig Compact-Cassettengerät

Unter der Typenbezeichnung C200 stellte Grundig nun als letzte große Firma ein Tonbandgerät für Compact-Cassetten den Berliner Messebesuchern vor. Es handelt auch beim C200 (Bild 3) um ein Gerät für Batterie- und Netzbetrieb in der gebräuchlichen Kleinkofferform.

Sämtliche Lauffunktionen werden mit Einknopf-Bedienung (Schiebe-Drehschalter) gesteuert. Zu dieser Einknopf-Bedienung gehört auch eine Schalterstellung „Cassetten-auswurf", in welcher man die Cassette bequem aus dem abdeckbaren Einlegefach entnehmen kann. Getrennte Pegelregler gestatten für Aufnahme und Wiedergabe ebenfalls einfachste Handhabung. Für die Aussteuerungsanzeige ist ein Drehspulinstrument eingebaut, das bei Wiedergabe als Batteriespannungskontrolle wirksam ist.

Grundig Tonbandkoffer TK 2200

Ebenfalls neu ist der Batterie-Netz-Tonbandkoffer TK 2200 (Bild 4) mit den Bandgeschwindigkeiten 4,75 und 9,5cm/s, wodurch sich bei Verwendung der maximal möglichen Spulengröße von 13cm mit 360 Metern Duoband eine Spielzeit von vier Stunden ergibt. Die Geschwindigkeits-umschaltung erfolgt durch Drucktasten, die zwischen den Spulentellern angeordnet sind. Als Tonquellen können am Universal-Eingang wahlweise Mikrofon, Rundfunkgerät oder Plattenspieler angeschlossen werden. Ausgänge sind zur Wiedergabe über Rundfunkgerät sowie für Außenlautsprecher oder Kopfhörer vorhanden. Eine Mithörkontrolle während der Aufnahme ist über den eingebauten Lautsprecher oder Kopfhörer möglich.

Erweiterung der GRUNDIG Meisterklasse

Zur Funkausstellung erweiterte Grundig auch sein Angebot bei den zweitourigen Tonbandgeräten der Meisterklasse durch zwei neue volltransistorisierte Viertelspur-Modelle.

Tonbandkoffer TK 241 de luxe (Bild 5) heißt das Monogerät in Vierspurtechnik. Ein eingebautes Mischpult für zwei Eingänge sowie eine Tricktaste bieten vielfältige Aufnahmemöglichkeiten. Das Gerät arbeitet mit den Bandgeschwindigkeiten 4,75 und 9,5cm/s und verfügt über einen maximalen Spulendurchmesser von 18cm.

Der Stereo-Tonbandkoffer TK 247 de luxe (Bild 6) ist ein Vollstereogerät für Aufnahme und Wiedergabe mit den Bandgeschwindigkeiten 9,5 und 19cm/s Sekunde.

NEU: Als Aussteuerungsanzeige findet bei diesem Gerät ein Drehspul-Doppelinstrument Verwendung, das die Pegel der beiden Aufnahmekanäle getrennt anzeigt. Vier eingebaute Lautsprecher ermöglichen jederzeit die Stereowiedergabe. Im übrigen gleicht der neue Stereo-Tonbandkoffer in seiner Gesamtkonzeption den bekannten Modellen der Meisterklasse.

Neben den Röhren einen Transistor pro Anzeigeinstrument

In weiterentwickelter Ausführung mit beleuchtetem Drehspulinstrument zur Aussteuerungsanzeige bietet Grundig nunmehr die röhrenbestückten Automatic-Tonbandgeräte der Meisterklasse TK 220 de luxe, TK 240 de luxe, TK 245 de luxe sowie das Einbauchassis TM 245 de luxe an. Die sonst unverändert gebliebenen Geräte weisen außerdem eine zusätzliche Silizium-Transistorstufe für die Verstärkung der Anzeigespannung auf.

  • Anmerkung : Damals war es wirklich so bekoppt wichtig. Auf den Prospekten wurde in großen Lettern quer über die ganze Seite gedruckt :
    In diesem Gerät ist jetzt ein Transistor !!

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KUBA hat auch ein Tonband-Kassetten-Gerät

Cartridge-Recorder TC1004 heißt das neue Tonband-Kassettengerät der Firma Kuba aus Wolfenbüttel (Bild 7). Der neue Recorder für Compact-Cassetten, in seiner Konzeption den übrigen Geräten dieses Systems verwandt, verfügt über Drucktastenbedienung für alle Funktionen, Anschluß für Fernbedienung, einen Ohrhörer und eine externe Spannungsquelle, ein Meßinstrument zur Aussteuerungskontrolle und Kontrolle der Batteriespannung, einen dynamischen Lautsprecher, DIN-Buchsen für einen zweiten Lautsprecher und den Anschluß eines Radios sowie eine automatische Löschsperre.

Neue Mikrofone von Mikrofonbau GmbH

Ein sehr preiswertes ??? (365.- DM) Transistor-Mikrofon für HiFi- und Musikeranlagen hat MB unter der Typenbezeichnung MB C527 (Bild 8) herausgebracht. Der reine NF-Verstärker ist mit einem hochwertigen Feldeffekt-Transistor als Eingangsstufe und einem Silizium-Transistor in Emitter-Schaltung als Ausgang ausgestattet. Die Empfindlichkeit des MB C527 wurde so ausgelegt, daß Verstärker, die für Musiker- und HiFi-Anlagen üblicherweise Verwendung finden, nicht übersteuert werden. Es handelt sich um ein Mikrofon mit Nierencharakteristik, einer elektrischen Impedanz von 500 Ohm und einem Abschlußwiderstand größer als 2000 Ohm. Der Klirrgrad bei 120/(bar soll kleiner als 0,5% sein.

Neu sind ebenfalls ein dynamisches Tauchspulenmikrofon MB 207 (Bild 9) mit Nierencharakteristik und ein dynamisches Tauchspulenmikrofon MB 115 (Bild 10) mit Kugelcharakteristik, das den Anforderungen in Rundfunk- und Fernsehstudios entsprechen soll. Alle genannten Mikrofone sollen den Mindestanforderungen von DIN 45 500 genügen oder diese übertreffen.

Zwei neue, äußerst preiswerte dynamische Kopfhörer zeigte Mikrofonbau ebenfalls in Berlin. Der MB K 61 (Bild 11) ist eine Neuentwicklung, die für einen Preis von rund 40.- DM einen Übertragungsbereich von 20 bis 16 000 Hz bieten soll. Für die ebenfalls preiswerte Type MB K 68 (Bild 12) nimmt der Hersteller HiFi-Qualität in Anspruch. Einige wichtige Konstruktionsmerkmale wurden aus dem bekannten MB K 600 abgeleitet. Die Besonderheiten des MBK68 sind: bruchfester, ermüdungsfreier Stahlbügel, kugelgelenkartige Aufhängung der beiden Kopfhörer-Gehäuse, doppelwandige, flüssigkeitsgefüllte, asymetrische ovale Ohrmuscheln, auswechselbare Kabel mit zwei Lautsprecher- Kombinations-Steckern nach DIN. Dadurch ist es möglich, eine beliebige Anzahl Hörer für Mono- oder Stereo-Betrieb parallel zu schalten.

  • Anmerkung : Der letzte Satz war wiederum praktisher Unsinn. Das kam überhaupt nicht vor, daß mehrere Hörer über Kopfhörer - dann auch noch alle mit der gleichen Lautstärke - irgend etwas abgehört hätten. Also reines Markting Gewäsch, um die Zeilen zu füllen.

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Neues Nordmende-Tonbandgerät in Hifi-Qualität

Beachtliche Anstrengungen auf dem HiFi-Sektor hat die Firma Nordmende entwickelt. Sie zeigte in Berlin erstmals das neue Steuergerät 8001/ST, das Tonbandgerät 8001/T, die Lautsprecher LB 60, den Plattenspieler und -Wechsler 8001/P und das Stereomikrofon 8001/M. Damit bietet Nordmende eine komplette Stereo-Anlage an.

Das uns interessierende Drei-Motoren-Tonbandgerät 8001/T (Bild 13) besitzt getrennte Aufnahme- und Wiedergabe-Stereotonköpfe und macht insgesamt einen sehr guten Eindruck. Es verfügt über einen eingebauten 2x3 Watt Stereo-Verstärker mit Kontrollautsprechern, vier mischbare Eingänge für Platte, Radio und 2 Mikrofone (davon zwei als Tandemregler) und gestattet alle Möglichkeiten für Playback, Multiplayback, Echo-Effekt, Hinterband- und Mithörkontrolle sowie Fernbedienung, Geschwindigkeiten 4,75, 9,5 und 19cm/s, maximaler Spulendurchmesser 18cm.

Die Umspulzeit beträgt für 750 m Band nur 105 s. Das Drucktastengesteuerte Gerät kann vertikal und horizontal betrieben werden. Ein Klarsichtdeckel schützt das Gerät vor Staub. In Bauhöhe und Design passend zum Steuergerät 8001/St und zum Plattenspieler 8001/P, hinter dem sich der Dual 1019 verbirgt. Ebenfalls dem Stil der Gesamtanlage angepaßt präsentiert sich das Stereomikrofon 8001/M, das wir mit Bild 14 vorstellen.

  • Anmerkung : Auch wenn es wirklich solche super tollen Eigenschaften gehabt habe "sollte", wir Jungspunde der Highfidelity haben es keines Blickes gewürdigt. Grundig war das Maß der Dinge und dann kam Revox mit der neuen A77. BRAUN war zu teuer und die Japaner zu schlecht. Das wars.

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Philips-Stereo-Tonbandgerät 4408 mit Suchautomatik

Jeder Tonbandamateur kennt die Mühe, die notwendig ist, um eine bestimmte Stelle im Tonband genau wiederzufinden. Bei dem neuen Philips-Stereo-Tonbandgerät 4408 (Bild 15) ist dieses Problem mittels einer sogenannten Suchautomatik angegangen worden. An einem Vorwählzählwerk wird die gewünschte Bandstelle eingestellt. Nach Drücken der Taste für schnellen Vor- und Rücklauf läuft das Band bis zu der gewählten Stelle und stoppt dort automatisch.

Neben dieser Neuerung verfügt dieses Gerät über ein der HiFi-Klasse angepaßtes Gesamtkonzept mit drei Geschwindigkeiten (4,75, 9,5 und 19 cm/s), maximalem Spulendurchmesser von 18 cm, einem Lösch- und einem Kombikopf, zwei VU-Metern, volltransistorisiertem Verstärker, je einem Lautsprecher im zweiteiligen Deckel, Leuchtanzeige der jeweiligen Betriebsart und der gewählten Spur sowie optische Anzeige der Überspielrichtung bei Multiplay. Das Gerät kann vertikal und horizontal betrieben werden.

Die Situation auf dem Gebiet der Tonbandcassette

Zur Situation auf dem Gebiet der Tonbandcassette gab Philips auf einer Pressekonferenz bekannt, daß der kleine batteriebetriebene Cassetten-Recorder, der die technische Sensation der Berliner Funkausstellung 1963 war, nach inzwischen erfolgten technischen Verbesserungen nach wie vor ein „Bestseller" sei.

Bis Ende 1967 dürfte Philips etwa 2 Millionen Cassettengeräte verkauft haben. Rund 70 Firmen in aller Welt haben sich mittlerweile für das von Philips entwickelte Compact-Cassetten-System entschieden, darunter die namhaftesten Tonbandgerätehersteller.

Neben 5 Millionen verkaufter unbespielter Cassetten (alle Angaben nach der Philips-Pressekonferenz) scheint die Musicassette immer mehr an Beliebtheit zu gewinnen. Insgesamt sind heute schon über 70 Labels auf den Musicassetten verfügbar.

Seit Frühjahr gibt es ja bekanntlich die Musicassetten in Stereo und sei kurzem auch die sogenannte EP-Cassette mit vier Titeln zum Preise von 9.- DM. Ebenfalls neu vorgestellt wurde die Compact-Cassette C-120 mit einer Spieldauer von 2x60 Minuten.

Gewissermaßen Zukunftsmusik machte Philips mit einigen, vielleicht schon bald zu erwartenden Cassetten-Prototypen:

Cassetten-Electrophon 2200 speziell für den jugendlichen Käufer gedacht, Stereo-Wiedergabegerät 2500 zum Anschluß an Heimradios, Cassetten-Wechsler 2401 für Stereo-Aufnahme und -Wiedergabe, der sechs Cassetten abspielt und wechselt. Die kaum vorstellbare Dauer-Musikberieselung wird mit diesem Gerät möglich sein: 9 Stunden!

Revox A 77 - ein völlig neues Tonbandgerät
"Tradition in moderner Technik"

Viel Aufsehen erregte das volltransistorisierte, halbprofessionelle Tonbandgerät Revox A77 (Bild 16). Es ist als wichtiger Baustein des vollkommen neu entwickelten Revox HiFi-Systems zu betrachten, zu dem der volltransistorisierte 2 x 50 Watt Stereoverstärker V50, ein hochwertiger Rundfunkempfangsteil und in Form und Leistung dazu passende Boxen gehören werden. Neben den für Revox-Geräte bereits traditionellen Eigenschaften, wie 3-Motoren-Laufwerk, große Bandspulen (26,5 cm), 9,5 und 19 cm/s Geschwindigkeiten, photoelektrischem Bandendabschalter und massivem Kopfträger mit drei Stereo-Ringkernköpfen, weist das neue Gerät eine ganze Reihe wichtiger Vorzüge auf:

Beim Laufwerk wird höchste mechanische Stabilität durch ein massives Leichtmetall-Druckgußchassis und robuste Druckguß-Seitenwände erreicht. Eine elektronische Regelung überwacht laufend die Drehzahl des neuartigen Capstan-Motors, eines Wechselstrom-Motors, der ohne Umbau mit Speisespannungen von 50 und 60 Hz betrieben werden kann. Die Drehzahlumschaltung für die Geschwindigkeiten 19 und 9,5 cm/s erfolgt elektronisch.

Weitere Details zur neuen A77

Der starre Druckguß-Kopfträger trägt Stereo-Aufnahme und -Wiedergabetonköpfe in professioneller Vollmetall-Ausführung. Die Lösch- und Vormagnetisierungsfrequenz beträgt 120 kHz, wodurch die Gefahr von Interferenztonbildungen erheblich herabgesetzt wird.

Alle Verstärker sind steckbar und mit Silizium-Planar-Transistoren bestückt. Zwei zusätzliche Endverstärker, mit je 8 Watt Dauertonleistung, sind ebenfalls vollständig mit Silizium-Planar-Transistoren ausgerüstet. Kabelanschlüsse können über Steckverbindungen gelöst werden. Steck- und Umschaltkontakte sind in professioneller Ausführung unter der Goldkontaktschicht mit einer Hartnickelschicht versehen. Die Mikrofon-Eingänge über Cinch- und Jackbuchsen lassen sich für hoch- und niederohmige Typen umschalten. Die Wiedergabe-Entzerrung ist umschaltbar (NAB/IEC).

Die Laufwerkfunktionen sind relaisgesteuert, elektrisch verriegelt und voll fernsteuerbar. Die Aussteuerungsanzeige erfolgt mit beleuchteten und exakt nach ASA-Normen geeichten VU-Metern. Das Netzteil liefert elektronisch stabilisierte Spannungen für die gesamte Elektronik. Beim A77 wird das praktische Arbeiten auch dadurch erleichtert, daß man das Band bei abgestellten Motoren zum Aufsuchen einer bestimmten Stelle abhören kann.

Die Ausführungen des Revox A 77 umfassen ein Chassis-Modell mit (1640.- DM) oder ohne (1440.- DM) Endverstärker, ein Zargen-Modell (Holzgehäuse) mit (1770.- DM) oder ohne (1570.- DM) Endverstärker und ein Koffermodell mit Endverstärkern und vier eingebauten Lautsprechern, in 2- oder 4-Spurtechnik, zum Preis von 1860.- DM. Alle genannten Preise sind als unverbindliche Richtpreise zu verstehen.

Besonders lobend zu erwähnen ist das zum neuen Modell von Revox herausgebrachte und mitgelieferte Handbuch, das in vorbildlicher Weise eine Kurzanleitung, eine ausführliche Bedienungsanleitung und eine vollständige Beschreibung der Trickmöglichkeiten enthält.

Uher Royal de luxe arbeitet mit Papierschlangen

Freilich kann man damit keine Aufnahmen machen, aber Uher demonstrierte auf diese Weise die extreme Schonung, (Anmerkung : man zeigte die Funktion der beidseitigen mechanischen Hebel-Bandzugregelung, die bei mir aber nach 30 Jahren undbestimtm 10 Geräten ganz schön ruppig zur Sache geht) die das neue Royal de luxe (Bild 17) den Tonbändern angedeihen läßt.

Alle Betriebsarten, auch der schnelle Vor- und Rücklauf, wurden während der Funkausstellung am Uher-Stand anstatt mit Tonbändern mit Papierschlangen vorgenommen, ohne daß diese gerissen wären. Das durch Austausch der Tonköpfe von 2- auf 4-Spur umstellbare Gerät ist mit vier Bandgeschwindigkeiten von 19 bis 2,4 cm/s augestattet.

Es kann liegend und stehend betrieben werden. Hierfür wurde eine neue Bandzugautomatik, der sogenannte Bandzugkomperator, entwickelt. Da das Gerät mit getrennten Aufsprech- und Wiedergabeköpfen sowie getrennten Aufnahme-und Wiedergabeverstärkern ausgerüstet ist, bietet es sämtliche Trickmöglichkeiten einschließlich Mithören vor oder hinter Band auch bei Stereobetrieb.

Die eisenlosen Gegentaktendstufen von 2x10 Watt Dauertonleistung können bei abgeschaltetem Motor auch als HiFi-Verstärker benutzt werden. Eine organisch eingebaute Steuerautomatik für Diaprojektoren macht auch für diese Betriebsart jedes Zusatzgerät überflüssig. Die Stromversorgung ist stabilisiert, der gesamte elektrische Teil ist mit Silizium-Planar-Expitaxial-Transistoren bestückt.

Die mechanischen und elektrischen Eigenschaften sollen in allen Punkten die Anforderungen von DIN 45500 erfüllen oder übertreffen.

Das neue Uher Stereo-Report 4000 und 4400

Stereo-Aufnahmen auch unterwegs bietet das neue Uher Stereo-Report 4000 in Halbspurausführung und 4400 in Viertelspurausführung (Bild 18), das die Tradition des bekannten Mono-Gerätes nun „stereophon" fortsetzt. Es verfügt über alle derzeit üblichen Bandgeschwindigkeiten. Ein Kontrollautsprecher zum Abhören ist eingebaut. Die eingebauten beiden Endstufen ermöglichen den Anschluß sowohl von Stereokopfhörern wie auch Stereo-Lautsprecherboxen. Ein Fernbedienungskabel mit Start-Stop-Taste wird mitgeliefert. Zur Stromversorgung dienen entweder Trockenbatterien, ein aufladbarer Akkumulator oder ein getrenntes Netzgerät. Selbstverständlich kann man mit diesem Gerät auch Aufnahmen in der üblichen Mono-Technik machen.

Nun noch ein Loblied auf die UHER Serie 700

Das in Hannover 1967 erstmals gezeigte Tonbandgerät Uher 742L wird jetzt ausgeliefert. Dieses Gerät ist ein Modell der bewährten Baureihe 700, das sich insgesamt durch eine für diese Klasse hervorragende technische Ausstattung auszeichnet. Das 742L (Bild 19) verfügt über zwei Bandgeschwindigkeiten (9,5 und 19 cm/s). Es ist ein Vierspur-Gerät, das mit Hilfe eines Zusatzverstärkers auch die Möglichkeit der Aufzeichnung von Synchroplay-Auf-nahmen und die Wiedergabe bespielter Stereobänder bietet. Es faßt Spulengrößen bis zu 18 cm und kostet (unverbindlich) 398.- DM.

UHER Sprachlehranlagen

Als weitere Ergänzung des Fertigungsprogrammes von Sprachlehranlagen zeigte Uher ein neues Lehrgerät für alle Arten des programmierten Unterrichts. Das Uher Universal-Lehrgerät (Bild 20) arbeitet im Parallelspurverfahren, d. h. die eine Spur enthält das Lehrprogramm (obere Spur), während die zweite (untere) Spur zur Aufnahme der Schülerübung dient. Das Gerät ist für die Verwendung fertig aufgenommener Lehrbänder bis zu 15 cm Spulengröße eingerichtet. Man kann mit diesem Universal-Lehrgerät alle Arten von Tonaufnahmen durchführen und es darüber hinaus auch als Diktiergerät mit Steuerung aller Betriebsfunktionen vom Mikrofon aus verwenden.

Verbesserte Bandtypen von Agfa und BASF

Schon seit längerer Zeit kursiert der Begriff „Low noise" in der Tonband-Fachwelt. Die Funkausstellung in Berlin trug ihn jetzt auch in die breitere Öffentlichkeit. Was ist damit gemeint?

Jedes Tonband erzeugt beim Abspielen ein Grundrauschen, das bei einer genügend hoch eingestellten Wiedergabelautstärke hörbar gemacht werden kann. Bei der richtigen Aussteuerung einer Bandaufnahme ist es dagegen in Tonpausen nur ganz leise zu hören. Die Praxis zeigt allerdings, daß dieses Rauschen bei kleineren Bandgeschwindigkeiten und geringeren Spurbreiten etwas stärker in Erscheinung tritt. Und dem soll jetzt das sogenannte Low noise-Band entgegenwirken.

Mit dem Lownoise-Effekt (= geringes Grundrauschen) läßt sich also das Rauschen zurückdrängen. Vergleicht man nun aber seine bisherigen Aufnahmen akustisch mit Aufnahmen auf dem neuen Low noise-Band, so wird man oft etwas enttäuscht sein, da man kaum einen Qualitätsunterschied hören kann. Dies liegt an dem Grundrauschen der Heimtonbandgeräte, und nur bei Geräten mit geringem Eigenrauschen kann daher der Low noise-Effekt voll zur Geltung kommen.

Die BASF hat daher bei ihrem neuesten Bandtyp, dem LH-Band (Low noise - High Output), neben der Verringerung des Grundgeräusches des Bandes gleichzeitig dessen Aussteuerungsbereich angehoben, d.h. den Spielraum der unverzerrt aufzeichenbaren Tonstärke.

Die BASF bietet das neue Band unter der Bezeichnung PES 35 LH auf den Spulengrößen 15, 18, 22 und 27cm an. Es gestattet bei geringerer Geräuschspannung des vormagnetisierten Bandes (Gewinn etwa 4dB) und bei gleichem Klirrgrad eine um etwa 4dB höhere Aussteuerung - dies entspricht einem Dynamikgewinn von etwa 8dB.

AGFA hatte natürlich auch solch ein „Low noise" Tonband

Das Gegenstück der Agfa-Gevaert AG ist das Studioband PER 525. Bei diesem Band ist gegenüber früher eine um 4,1dB (man beachte : BASF kann +4,0dB und AGFA kann mit +4,1dB exakt +0,1dB mehr !!!!!!!!) höhere Aussteuerung möglich, ohne daß dies mit einer Erhöhung des Klirrgrades verbunden ist.

Damit ist es möglich, den Aussteuerungsverlust bei einer Stereoaufnahme wegen der Trennspur gegenüber einer Vollspuraufnahme um 1,1dB sowie den Lautstärkeverlust einer Mono abgespielten Stereoaufnahme von 3dB zu kompensieren. Wir vermuten allerdings, daß diese Fortschritte hauptsächlich im professionellen Bereich zum Tragen kommen, denn der Amateur wird in den wenigsten Fällen mit seiner Aussteuerung so hart an die Grenzen des Möglichen vorstoßen. Br./se.

  • Anmerkung : Weiterhin ist (war) dem Amateur der ganze Zirkus mit den nun wieder mal teueren Bändern wurscht. Und was die angeblichen 0,1 dB da sollen, war richtige dümliche Schaumschlägerei. Bekannt war bei den wirklichen Studio-Profis nach 1970, daß AGFA wirklich die besseren Bänder hatte, nur das AGFA Marketing war nicht in der Lage, das glaubhaft rüber zu bringen.

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