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Heft 2 • Mai 1966 • 3. Jahrgang
DER PERFEKTE TONMEISTER
Zum Thema Mitschneiden und Überspielen

Am 1.Januar 1966 ist das neue Urheberrechtsgesetz in Kraft getreten. Es erlaubt das „Minschneiden" (wie der Fachmann sagt) von Rundfunksendungen für den persönlichen Gebrauch. Für den versierten Tonbandamateur ist ein derartiger Mitschnitt nicht allzu schwer, der Anfänger aber macht häufig Fehler, die nicht nötig sind.

Das Mikrofon vor dem Radio-Lautsprecher

Die einfachste Art, eine Rundfunksendung aufzunehmen, ist die, das Mikrofon des Tonbandgerätes vor den Lautsprecher des spielenden Rundfunkgerätes zu stellen. Das wird nie eine technisch gute Aufnahme ergeben. Man sollte das nur bei einem Hörspiel machen, bei dem z. B. ein Familienidyll mit Rundfunkmusik als Hintergrundgeräusch aufgenommen werden soll. Auch bei Verwendung guter Lautsprecherboxen und hochwertiger Mikrofone wird der Klang, nicht zuletzt durch die Akustik des Aufnahmeraumes, stark verfälscht. Außerdem wird natürlich jedes Störgeräusch (Räuspern, Telefon, Straßenlärm usw.) unbeabsichtigt mit aufgenommen.

Gute Aufnahmen funktionieren nur über ein Kabel

Gute Aufnahmen von Rundfunksendungen werden also nicht über diesen akustischen Umweg, sondern elektrisch vorgenommen. Dazu wird das Tonbandgerät über ein (spezielles) Kabel mit dem Rundfunkgerät verbunden.

Zuvor aber noch ein wenig Theorie. Ein Rundfunkgerät, gleich welcher Art und Größe, besteht in seinem Innenleben aus zwei Teilen, dem Hochfrequenz- und dem Niederfrequenzteil mit der Endstufe. Bei modernen HiFi-Geräten sind diese beiden Teile meist auch äußerlich getrennt. Der Hochfrequenzteil des Rundfunkgerätes erhält aus der Antenne eine Vielzahl von Sendungen. Mit Hilfe der Sender-Abstimmung suchen wir uns den gewünschten Sender aus, und der HF-Teil verstärkt ihn und gibt das Signal an die „Dioden" (damals hießen diese Röhren so und heute sind es meist Transistoren) weiter. Hier wird die bisher nicht hörbare Sendung in hörbare Niederfrequenz umgewandelt und an den Niederfrequenzteil weitergegeben.

Hier steht es : Diodenbuchse und Diodenkabel

Der Niederfrequenzteil beginnt meist mit dem Lautstärkeregler. Dann folgen eine oder mehrere Röhren zur Verstärkung und der oder die Klangregler. Einfache Geräte haben nur eine Tonblende. Mit ihr kann man lediglich die hohen Töne absenken, das Klangbild wird dann dumpf.

Größere Rundfunkgeräte und Verstärker besitzen zwei Klangregler, mit denen die hohen und die tiefen Töne getrennt angehoben und abgesenkt werden können. Das Niederfrequenzteil endet mit der sogenannten Endstufe, die den oder die Lautsprecher speist.

Fast alle (bessseren) Rundfunkgeräte haben heute an der Rückseite eine Anschlußbuchse für den Anschluß von Tonbandgeräten. Bild 1 zeigt eine derartige sogenannte „Diodenbuchse" nach DIN 41524, wie diese Buchsen meist genannt werden.

Bis vor einigen Jahren baute man dreipolige Buchsen ein. Heute sind es, auch bei Mono-Rundfunkgeräten, meist fünfpolige Buchsen, wie auch auf dem ersten Bild deutlich zu erkennen ist.

  • Anmerkung : Da es damals noch keine anderen "niederpegligen" Ton-Verbindungen gab, war der Begriff des 3Pol- oder 5Pol-DIN Kabels noch nicht vorhanden. Der kam erst mit der amerikanischen und japanischen Invasion.

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Die Buchsen am Tonbandgerät

Eine gleiche (oder mehrere) Buchse hat auch unser Tonbandgerät, dem außerdem ein Verbindungskabel mitgeliefert wird. Dieses sogenannte „Diodenkabel" hat an seinen beiden Enden je einen Diodenstecker, wie ihn Bild 2 in dreipoliger Ausführung zeigt.

Mit Hilfe dieses Diodenkabels wird das Tonbandgerät mit dem Rundfunkgerät (oder dem Verstärker) verbunden. Damit ist aber nicht nur die elektrische Verbindung zwischen Tonband- und Rundfunkgerät für Rundfunkaufnahmen, sondern auch für die Wiedergabe von Tonbandaufnahmen über das Rundfunkgerät hergestellt.

Möglichst das Rundfunkgerät zum Abhören benutzen

Da die meisten Tonbandgeräte aus preislichen und räumlichen Gründen nur eine einfache Endstufe und einen kleinen Lautsprecher besitzen, ist dessen Klang bei Tonbandwiedergabe nicht besonders befriedigend. Es lohnt sich also immer, Tonbänder über das Rundfunkgerät oder den Verstärker abzuhören.

Das Innenleben des „Diodenkabels"

Endstufe und Lautsprecher der Tonbandgeräte sind nur zur Kontrolle der Aufnahmen und für anspruchslose Wiedergabe der Tonbänder gedacht. Unser „Diodenkabel" enthält also zwei elektrische Wege, den Aufnahme- und den Wiedergabeweg. Der Nulleiter ist für beide Wege gemeinsam. Darum kommt man bei Mono-Geräten auch mit dreipoligen Steckverbindungen aus.

Stecker und Buchsen sind mechanisch so gebaut, daß der Stecker nur in der richtigen Polung eingeführt werden kann. Die Belegung der einzelnen Stecker- und Buchsenstifte ist nach DIN 41 524 genormt. Bild 3 zeigt die Kontaktbelegung bei Mono- und bei Stereo-Rundfunk- bzw. Tonbandgeräten.

Eine Diodenbuchse nachträglich einbauen

Besitzt ein Rundfunkgerät keine Diodenbuchse zum Anschluß eines Tonbandgerätes, so läßt sich diese unschwer nachträglich einbauen. Bild 4 zeigt die Prinzipschaltung einer Mono-Diodenbuchse. Durch den Spannungsteiler von 2 MOhm und 50 kOhm wird die Spannung auf den erforderlichen Wert (maximal 100 mV) herabgesetzt. Der kleine Kondensator von 10 pF gleicht Verluste der hohen Töne aus.

Falls der Amateur den Einbau nicht selbst vornehmen kann oder will, kann das jeder Fachhändler tun. Es gibt auch fertige Bausätze (Telefunken), bei denen die Buchse bereits beschaltet und mit markierten Anschlußdrähten versehen ist.

Vorsicht bei Fernsehgeräten ist allerdings geboten

Nur beim Anschluß des Tonbandgerätes an eine nach Bild 4 angeschlossene Diodenbuchse erhält man einwandfreie Rundfunkaufnahmen. Bei Aufnahmen des Tons von Fernsehgeräten ist allerdings Vorsicht geboten. Ist hier keine Diodenbuchse vorhanden, sollte man den nachträglichen Einbau unbedingt dem Fachmann überlassen.

Es gibt von Telefunken und Grundig entsprechende Bausätze, die den Einbau einer Diodenbuchse in Fernsehgeräte ermöglichen. Sie enthalten einen unbedingt erforderlichen Trenntrafo, der das Tonbandgerät von dem (teilweise sehr hohe) Spannung führenden Chassis des Fernsehgerätes trennt.

Aufnahme über Lautsprecheranschluß

Als in den fünfziger Jahren die ersten Heimtonbandgeräte auf dem Markt erschienen, hatten die Rundfunkgeräte noch keinen Diodenanschluß. Wollte man damals eine Rundfunkaufnahme machen, mußte man das Tonbandgerät an den Anschluß für den zweiten Lautsprecher des Rundfunkgerätes anschalten. Das wird von manchen Amateuren leider auch heute noch getan.

Diese Anschlußart hat verschiedene Nachteile.

Einmal muß das Rundfunkgerät in einer bestimmten Lautstärke spielen. Man darf also während der Aufnahme den Lautstärkeregler des Rundfunkgerätes nicht betätigen. Bei Aufnahmen über die Diodenbuchse kann dagegen der Lautstärkeregler des Rundfunkgerätes ganz zugedreht werden, weil die Aufnahmespannung ja "vor" ihm abgenommen wird.

Dann muß bei der Aufnahme vom zweiten Lautsprecheranschluß der Klang an den betreffenden Reglern neutral eingestellt werden. Das heißt, Höhen und Tiefen dürfen weder angehoben noch abgesenkt werden. Es gibt sonst Verfälschungen bei der Aufnahme. Diese neutrale Einstellung nur nach dem Gehör ist aber nicht einfach. Stellt man einfach beide Klangregler in die Mittelstellung, so läßt sich meist doch noch eine Höhen- oder Tiefenbeeinflussung hörbar feststellen. Die Mittelstellung der Klangregler ist nämlich leider nur selten die neutrale Stellung. Außerdem besitzen fast alle Rundfunkgeräte in ihrem Niederfrequenzteil eine fest eingebaute, nicht beeinflußbare Tiefenanhebung, die häufig noch von der gerade eingestellten Lautstärke des Rundfunkgerätes abhängig ist. Letztens bringt die Endstufe eines Rundfunkgerätes leicht Verzerrungen und Verfälschungen in die Aufnahme.

Aufnahme über die Diodenbuchse

Aus diesen Gründen greifen wir da Aufnahmesignal (die Aufnahmespannung), wie schon erwähnt, über die Diodenbuchse, aber vor dem Lautstärkeregler, also an der „Diode" des Rundfunkgerätes ab.

Damit wird jeder Einfluß des Lautstärkerreglers, der Klangregler und der Endstufe des Rundfunkgerätes bei der Tonbandaufnahme ausgeschaltet. Nebenbei können wir die aufzunehmende Sendung über das Rundfunkgerät mit beliebiger Lautstärke und beliebiger Klangregelung anhören. Das Tonbandgerät erhält seine Tonspannung mit der originalen linearen Frequenzkurve, wie sie der Rundfunksender liefert.

Nur UKW-Sender liefern ein störungsfreies Programm

Gute Tonbandaufnahmen von Rundfunksendungen kann man natürlich nur von UKW-Sendern machen. Nur UKW-Sender liefern ein störungsfreies Programm, das auch dem Frequenzumfang unseres Tonbandgerätes entspricht. Die „klassischen" Wellenbereiche des Rundfunkgerätes (Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle) sind aus Gründen der Trennschärfe in den Höhen derart beschnitten, daß sich eine Aufnahme kaum lohnt. Es sei denn, es handelt sich um einmalige Sendungen, Sammlung von Pausenzeichen oder Jagd auf Kurzwellensendungen usw.

Wahl der Bandgeschwindigkeit

Welche Bandgeschwindigkeit bei der Aufnahme gewählt wird, ist eine Sache des Anspruchs und des Tonbandgerätes. Der HiFi-Fan wird immer mit 19cm/s aufnehmen, selbstverständlich nur UKW-Sendungen und über eine erstklassige Wiedergabeanlage abspielen. Nur so kann die Qualität dieser hohen Bandgeschwindigkeit voll ausgenutzt werden. Schon aufgrund der längeren Spieldauer und des niedrigeren Bandverbrauchs werden wir meist die Bandgeschwindigkeit 9,5cm/s wählen. Werden dabei alle obigen Hinweise beachtet, erhält man eine Qualität, die auch hohe Ansprüche befriedigt.

Die Bandgeschwindigkeit 4,75cm pro Sekunde sollte nur bei Wortsendungen über LW/MW/KW benutzt werden. Dabei kommt es dann meist nur auf den Inhalt und nicht auf den Klang an. Das Gleiche gilt, im nochmals verminderten Maße, für 2,4cm/s.

Aussteuerung

Nicht unwichtig ist die richtige Aussteuerung bei der Aufnahme von (musikalischen) Rundfunksendungen. Wir müssen uns dabei ja nach der lautesten Stelle richten. Die zeigt sich meist aber erst während der Aufnahme, wenn es also zu spät ist.

Der Tonmeister im Rundfunkstudio hat es da leichter. Einmal macht er Probeaufnahmen und pegelt seine Anlage dabei ein. Außerdem hat er während der Aufnahme die Partitur des aufzunehmenden Musikstückes vor sich. Er sieht also aus den Noten, wann laute oder leise Stellen kommen.

Allmählich und damit „unhörbar" kann er kurz vor diesen Stellen die Lautstärke etwas absenken oder anheben. Er engt damit die Dynamik (Verhältnis zwischen lautesten und leisesten Stellen) ein, die sonst auch sein Studio-Tonbandgerät und der Sender nicht verkraften könnten.

Wir können da nur Erfahrungswerte sammeln, die je nach Tonbandgerät, Sender und Musikart verschieden sind. Ein Regeln während der Aufnahme sollte tunlichst vermieden werden, falls wir das aufzunehmende Musikstück nicht sehr genau kennen. Dann können wir, wie der Tonmeister, vor den lauten Stellen allmählich etwas mit der Lautstärke zurückgehen.

Abhör- und Mithörkontrolle

Die nun folgenden Betrachtungen über die Abhör- oder Mithörkontrolle gelten auch für die noch folgende Anleitung für Überspielungen auf ein zweites Tonbandgerät.

Es wurde schon erwähnt, daß beim Anschluß des Tonbandgerätes an die Diodenbuchse des Rundfunkgerätes die laufende Sendung in gewohnter, beliebiger Lautstärke und Klangregelung über den Lautsprecher des Rundfunkgerätes abgehört werden kann. Das dürfte in den meisten Fällen die einzige oder beste Mithörkontrolle sein. Bei manchen Tonbandgeräten ist nämlich bei der Aufnahme die Endstufe und damit der Lautsprecher nicht in Betrieb. Bei diesen Geräten wird die Endröhre bei der Aufnahme für andere Zwecke benötigt (Erzeugung der Hochfrequenz für die Vormagnetisierung). Zwar haben diese Geräte dann eine Anschlußmöglichkeit für Kopfhörer zum Mithören bei der Aufnahme, aber deren Klang ist nicht befriedigend. Aus technischen Gründen lassen sich hier nur magnetische Kopfhörer (Telefonklang!) anschließen, und der Klang ist außerdem durch die bei der Aufnahme erforderliche Höhenanhebung im Tonbandgerät unnatürlich hell und spitz.

Besser sind da schon die Besitzer von Tonbandgeräten dran, deren Endstufe auch bei der Aufnahme arbeitet. Zwar ist, wie schon erwähnt, der Klang des im Tonbandgerät eingebauten Lautsprechers in den meisten Fällen schlechter als der des Rundfunkgerätes. Dafür kann man diesen Lautsprecher dann aber abschalten und stattdessen einen Kopfhörer zum Mithören anschließen. Der fortschrittliche Amateur benutzt heute als Kopfhörer nicht mehr die aus der Anfangszeit des Rundfunks bekannten magnetischen Typen. Es werden heute dynamische Kopfhörer angeboten (AKG, Beyer, MB), die klanglich auch gute Lautsprecher übertreffen. Bild 5 zeigt einen derartigen dynamischen Kopfhörer der Firma Mikrofonbau GmbH in der Preisklasse um DM 60.-.

Diese dynamischen Hörer lassen sich an den zweiten Lautsprecherausgang des Tonbandgerätes anschließen und ergeben eine sehr gute Abhörkontrolle. Umweltgeräusche stören dabei nicht, und man kann sich ganz auf die laufende Sendung konzentrieren. Außerdem werden im gleichen Raum anwesende Personen nicht gestört.

Spitzengeräte haben akustische Kontrollmöglichkeiten

Am idealsten (kann man "ideal" steigern ? eigentlich nicht.) aber sind die akustischen Kontrollmöglichkeiten, die die ganz großen Tonbandgeräte bieten. Diese Spitzengeräte haben einen Aufnahmekopf mit eigenem Aufnahmeverstärker und einen Wiedergabekopf, ebenfalls mit eigenem Verstärker. Man benutzt hier also nicht einen Kombikopf mit umschaltbaren, Aufnahme-/Wiedergabeverstärker. Mit diesen Kleinstudio-Tonbandgeräten ist es möglich, vor und hinter Band (Monitor) abzuhören. Das Abhören „vor Band" ist mit jedem Tonbandgerät möglich. Es bedeutet, daß die laufende Aufnahme am Tonbandgerät abgehört wird, bevor sie über den jetzt als Aufnahmekopf arbeitenden Kombikopf auf das Tonband aufgenommen wird.

Die „hinter Band" Abhörkontrolle

Interessanter ist aber die Abhörkontrolle „hinter Band". Da bei den großen Tonbandgeräten auch ein spezieller Wiedergabekopf mit eigenem Wiedergabeverstärker vorhanden ist, kann die laufende, soeben vom Aufnahmekopf auf das Tonband aufgenommene Sendung über den Wiedergabekopf abgehört werden. Das geschieht natürlich mit der zeitlichen Verzögerung, die das Tonband braucht, um vom Aufnahmekopf zum Wiedergabekopf zu gelangen. Wir können also noch während der Aufnahme die Sendung „hinter Band", oder über das Band, so abhören, wie wir sie später bei der Wiedergabe hören.

Diese Spitzentonbandgeräte haben dann noch eine Umschaltmöglichkeit für den Gerätelautsprecher oder angeschlossenen Kopfhörer. Damit ist es möglich, während der Aufnahme beliebig vor oder hinter Band mitzuhören.

Es ist dadurch also ein akustischer Vergleich zwischen der noch nicht und der bereits auf Band fixierten Sendung möglich. Genauso wird es auch beim Rundfunk gemacht.

Überspielungen von Gerät zu Gerät

Beim Anlegen eines Tonbandarchivs bemerkt man bald, daß ein zweites Tonbandgerät viele Vorteile bietet. Man kann dann z. B. durch Überspielung auf das zweite Gerät die Aufnahmen des ersten Gerätes auf die verschiedenen Archivbänder verteilen.

Ist es von vornherein klar, daß eine Tonbandaufnahme auf ein anderes Band überspielt werden soll, so sollte diese Aufnahme mit der höchstmöglichen Bandgeschwindigkeit gemacht werden. Da bei der Überspielung von Band zu Band immer Qualitätsverluste auftreten, sollte man diese dadurch so niedrig wie möglich halten.

Jedes Tonbandgerät hat die oben schon erwähnte Diodenbuchse zum Anschluß an das Rundfunkgerät. Bei dieser Buchse ist (siehe Bild 3) der Kontakt 3 (bei Mono) die Wiedergabeleitung. Sie gibt bei der Tonbandwiedergabe eine Ton-Spannung von etwa 1Volt ab. Diese Diodenbuchse, mit ihrem Kontakt 3 und 2, benötigen wir bei dem abspielenden Tonbandgerät zur Speisung des aufnehmenden Tonbandgerätes bei der Überspielung.

Wie das Überspielkabel beschaltet sein sollte

Wir brauchen nun beim aufnehmenden Tonband eine Eingangsbuchse, der wir, natürlich ebenfalls über die Kontakte 3 und 2, die Ton-Spannung von 1Volt zuführen können. Die auch beim aufnehmenden Tonbandgerät vorhandene Diodenbuchse für den Anschluß des Rundfunkgerätes ist natürlich hierfür so nicht geeignet.

Würden wir diese beiden Buchsen durch ein Diodenkabel miteinander verbinden, so würden wir auch Punkt 3 mit Punkt 3 verbinden. Das ist aber, wie erwähnt, die Wiedergabeleitung.

Theoretisch könnte man nun das Kabel der Diodenleitung „kreuzen". Dann wäre, ganz richtig, der Pol 3 des abspielenden mit dem Pol 1 des aufnehmenden Tonbandgerätes verbunden. Der auf Pol 2 liegende Nullpunkt liegt sowieso immer richtig.

Die Ton-Spannungen stimmen aber vom Pegel her nicht überein

Wir sagten, daß man das theoretisch machen könnte. Wir würden nämlich das aufnehmende Tonbandgerät restlos übersteuern, d. h. es würde eine nicht zu verkraftende Tonspannung erhalten. Das abspielende Gerät gibt nach Norm bis zu 1 Volt am Pol 3 ab, das aufnehmende Gerät kann am Pol 1 der Rundfunk-Diodenbuchse aber maximal 100 mV unverzerrt verarbeiten.

Es nützt auch nichts, den Lautstärkeregler des aufnehmenden Tonbandgerätes weiter zuzudrehen. Dieser Regler sitzt im Tonbandgerät nämlich erst hinter der ersten Röhre oder dem ersten Transistor. Trotz Regelung der Lautstärke würde die Eingangsstufe also bereits übersteuert werden.

Eine Diodenbuchse für den Anschluß eines Plattenspielers

Einfach haben es die Tonbandfreunde, deren Tonbandgerät eine Diodenbuchse
für den Anschluß eines Plattenspielers hat. Sie verbinden die Rundfunk-Diodenbuchse des abspielenden mit der Phono-Diodenbuchse des aufnehmenden Gerätes. Diese Phonobuchse besitzt laut Norm bereits die richtige Polung, nämlich auch 3 und 2, wir können also das übliche Diodenkabel benutzen. Außerdem hat man den Phonoeingang der Tonbandgeräte unempfindlicher gemacht, er kann also gut Tonspannungen von 1 Volt verarbeiten. Bei einigen Tonbandgeräten ist diese Phonobuchse aber nicht vorhanden. Hier müssen wir uns eine sogenannte Ton- und Überspielleitung (Telefunken) beschaffen.

Die Schaltung für Mono und Stereo zeigt Bild 6. Die Widerstände von 2 MOhm stellen die „Kreuzung" der Polung her und setzen gleichzeitig den Pegel auf den zulässigen Wert herab. Sie sind in einem der Stecker untergebracht. Die Verbindung der Pole 2 (Nulleiter) wird übrigens meist nicht durch einen gesonderten Leiter, sondern durch das Abschirmgeflecht des Kabels hergestellt. Alle diese Diodenkabel haben ja um ihre isolierten Leiter ein metallisches Abschirmgeflecht, das am Nullpunkt liegt. Nur dadurch kann ein Brummen durch Einstreuungen auf das Kabel vermieden werden.

Mit einer derartigen „Ton- und Überspielleitung" werden nun einfach die beiden Rundfunk-Diodenbuchsen des abspielenden und des aufnehmenden Tonbandgerätes miteinander verbunden. Die Aussteuerung wird dann, wie üblich, am aufnehmenden Tonbandgerät vorgenommen. Die Abhörkontrolle wurde bereits beschrieben.
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Überspielung mit Mischpult

Besonders elegant ist die Überspielung über ein Mischpult. Das abspielende Tonbandgerät wird an den dafür bezeichneten Eingang des Mischpultes (Grundig, Saba, Telefunken, Uher) angeschlossen. Der Ausgang des Mischpultes kommt an den Rundfunk-Eingang (Diodenbuchse) des aufnehmenden Tonbandgerätes. An einen weiteren Eingang des Mischpultes kann nun noch ein Mikrofon angeschlossen werden. Während der Überspielung kann dann durch entsprechende Betätigung der Regler am Mischpult eine Zwischenansage eingeblendet werden.

Bei der Benutzung des Mischpultes können die normalen Diodenkabel zur Verbindung benutzt werden. Die Ein- und Ausgänge des Mischpultes sind bereits entsprechend gepolt und für die betreffenden Tonspannungen geeignet.

Spezielle fertige Zwischenstücke

Für den fortgeschrittenen Tonbandfreund gibt es beim Fachhandel Zwischenstücke, die von Telefunken und Hirschmann hergestellt werden. Sie haben an der einen Seite einen drei- oder fünfpoligen Diodenstecker und an der anderen Seite eine drei oder fünfpolige Diodenbuchse.

Sie werden zwischen das Tonband- oder Rundfunkgerät und das Diodenkabel gesteckt. Äußerlich sind diese Zwischenstücke gleich, ihr „Innenleben", d.h. die Beschaltung, ist aber unterschiedlich. Aus Bild 8 wird der interessierte Amateur unschwer erkennen, daß man mit diesen Zwischenstücken viel anfangen kann, zumal man auch mehrere miteinander kombinieren kann.

Zum Beispiel sind damit Überspielungen von einem Stereo-Plattenspieler auf ein Stereo-Tonbandgerät, von einem Stereo-Plattenspieler auf ein Mono-Tonbandgerät, von einem Stereo-Tonbandgerät auf ein Mono-Tonbandgerät, Rundfunkaufnahme von einem Mono-Rundfunkgerät auf ein Stereo-Tonbandgerät usw. möglich.

Wer sich dafür interessiert, findet die Beschaltungen der genormten Eingangs- und Ausgangsbuchsen der Tonband- und Rundfunkgeräte sowie der Plattenspieler, die betreffenden Normen und den Tonspannungsbedarf bzw. die Tonspannungsabgabe der wichtigsten Geräte im „tonbandTASCHEN-BUCH 1966", das im Verlag dieser Zeitschrift erhältlich ist.
H.G.

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