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Ein Probeheft - Dezember 1963 - Noch eine neue Zeitschrift ?

diese hier gab es schon

Als der G. Braun Verlag zum Ende 1961 begann, die Hifi- Stereopraxis aus der Taufe zu heben, sprossen natürlich weitere Gedanken - bereits zu dieser frühen Zeit, nämlich - diesen neuen Verlagsbereich "Audio, Stereo, Hifi" weiter auszubauen. Themen gab es damals bereits genügend.
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Doch weder Karl Breh als der Initiator als auch der Verlagsleiter Dr. Knittel machten sich detaillierte Gedanken, wer das denn alles betreuen sollte. Irgendwer mußte doch die Artikel ins Reine schreiben und vor allem, vorher die Informationen und die Daten genau recherchieren. Und das kostete damals sehr viel Zeit. Die Redaktion hatte gerade mal die persönlichen Kontakte, das Telefon und den Fernschreiber zur Verfügung. Und auch dort hatte der Tag nur 24 Stunden. Der Start began im November 1963 und endete abrupt nach der "Januar 1973" Ausgabe.

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Lieber Tonbandfreund, . . .

Die Probeausgabe Nov. 1963
Zu viele Buchstabenwüsten
in der Probeausgabe

. . . wenn Sie diese Zeitschrift "DAS TONBAND" für einen guten Gedanken halten, so unterstützen Sie diesen bitte dadurch, daß Sie beiliegende Bestellkarte mit Ihrem Abonne- mentvermerk in den nächsten Briefkasten werfen. Die Rechnung für das Jahresabonnement geht Ihnen erst nach dem Erscheinen der zweiten regulären Nummer, also Mitte 1964, zu. Von Ihrer Entscheidung hängen Erscheinen und Entwicklung dieser Zeitschrift ab. Wir hoffen auf Ihre Mithilfe.

Der Verlag - Karlsruhe, im November 1963

Editorial :
"Das Tonband" - warum und wozu?

Die magnetische Schallaufzeichnung und ihre Anwendung in preiswerten Heimtonbandgeräten gehören zu den technischen Errungenschaften des zweiten Viertels unseres Jahrhunderts.

Wie faszinierend die dadurch für jedermann gebotene Möglichkeit ist, Schall - neben dem visuellen der wichtigste menschliche Sinneseindruck - zu speichern und das Aufgenommene jederzeit wiedergeben zu können, geht schon aus der Tatsache hervor, daß es in der Bundesrepublik Deutschland heute schon weit über eine Million Besitzer von Tonbandgeräten gibt; damit liegen wir übrigens an der Spitze der europäischen Länder.

Im Vergleich zu den Verhältnissen bei der allerdings um etwa fünfzig Jahre älteren Fotografie, benutzt jedoch nur ein relativ kleiner Prozentsatz die Geräte regelmäßig, und noch geringer ist die Zahl derjenigen, die eine oder mehrere der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten dieser kleinen Wundermaschinen zum freizeitgestaltenden Hobby ausgebaut haben.

Das ist eigentlich bedauerlich, denn gerade in einer Zeit, die einer dauernd wachsenden Zahl von Menschen im Bereich ihrer täglichen Arbeit keinen Spielraum für schöpferisches Tun mehr einräumt, bietet der Umgang mit dem Tonbandgerät eine Fülle von Betätigungsmöglichkeiten, welche der Phantasie eines jeden und dem natürlichen Drang nach gestaltender Tätigkeit freie Entfaltung gestatten.

Und anders als die zahlreichen anderen, oft zur Eigenbrötelei führenden Hobbys, eröffnet der Umgang mit dem Tonbandgerät die zusätzliche Chance, die Familie teilweise oder ganz an dieser Art Freizeitgestaltung zu interessieren. Voraussetzung hierfür ist jedoch die Überwindung einer gewissen Scheu sich mit der Handhabung eines Gerätes vertraut zu machen, dessen Prinzip die Herstellung einiger Steckverbindungen und die sachkundige Bedienung einer bestimmten Anzahl von Knöpfen oder Drucktasten erforderlich macht.

Diese Scheu überwinden zu helfen und auf allgemein verständliche Weise alle Anregungen zum ersprießlichen Umgang mit Tonbandgeräten zu vermitteln, sind Ziel und Zweck dieser Zeitschrift "DAS TONBAND", von der wir, dank der freundlichen Hilfe der BASF, einer großen Zahl von Tonbandamateuren im deutschsprachigen Raum, diese Einführungsnummer vorlegen dürfen.

DAS TONBAND soll ab 1964 einmal im Quartal, also viermal jährlich, zum Jahresabonnementspreis von DM 3.60 erscheinen.

Im Unterschied zu der im gleichen Verlag erscheinenden Monatszeitschrift HIFI-STEREOPHONIE, die sich mit dem gesamten Gebiet der hochwertigen Musikwiedergabe in einer Weise befaßt, die ein gewisses Interesse an technischen und künstlerischen Fragen voraussetzt, wird DAS TONBAND, ohne technischen Ballast, ausschließlich den vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten mit Geräten aller Preisklassen und unter Verwendung des gesamten Zubehörs gewidmet sein.

In diesem Sinne bringt die Einführungsnummer einen Überblick über den Teil des deutschen Tonbandzubehörs, der sich mit allen auf dem Markt befindlichen deutschen Geräten verwenden läßt. Gleichzeitig werden einige Anleitungen und Anregungen zur erfolgreichen Verwendung des Zubehörs gegeben, denn erst das geeignete Zubehör erschließt alle Anwendungsmöglichkeiten der Heimtonbandgeräte, ohne allzugroße Kosten zu verursachen. Dabei sind allerdings die Mikrofone ausgelassen, deren Angebot so reichhaltig ist, daß wir diesen eine der kommenden Nummern ausschließlich widmen werden.

Die erste reguläre Nummer dieser Zeitschrift wird in ähnlicher, tabellarischer Weise mit entsprechenden Erläuterungen, wie das hier bei den externen Mischpulten geschehen ist, einen Überblick über alle auf dem Markt befindlichen deutschen Tonbandgeräte, deren Funktionen und Preise geben.

Die späteren Nummern werden sich dann gründlich mit allen Sparten der spielerischen und beruflichen Anwendungen befassen und Neuheiten ausführlich vorstellen. Wie sich Umfang und Aufmachung der Zeitschrift künftig entwickeln werden, hängt davon ab, inwieweit sie einem wirklichen Bedürfnis der schon aktiven Tonbandamateure und dem großen Kreis der Interessenten entspricht. Die Einführungsnummer ist in dieser Hinsicht noch nicht als endgültig zu betrachten.

So wird z. B. die Titelseite der regulären Ausgabe zweifarbig gestaltet sein. Wir hoffen mit dieser Zeitschrift die Initiative zu einer regelmäßigen Publikation ergriffen zu haben, die geeignet sein wird, zahlreichen Tonbandgerätebesitzern die Freude an dieser schönen Errungenschaft moderner Technik voll zu erschließen.

Karlsruhe, im November 1963
Die Redaktion
(Anmerkung : - die anfänglich nur aus Karl Breh bestand)
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Einführung und Perspektive :
Das Tonband - kurze Betrachtung über ein vielseitiges Thema

Schon seit grauer Vorzeit versucht der Mensch, die ihm durch seine Sinne offenbarte Umwelt festzuhalten. Dieses Bestreben hat seit den ersten, in die Eiszeit zurückreichenden Anfängen im Verlaufe der Menschheitsentwicklung zu einer ganzen Reihe von Kunstgattungen wie Malerei, Bildhauerei und Literatur geführt.

Während das optische Bild der Umwelt mehr oder weniger vollkommen und durch wechselnde Kunstauffassungen beeinflußt, schon immer festgehalten und überliefert werden konnte und dieser Vorgang noch im 19. Jahrhundert durch die Fotografie mechanisiert, von künstlerischen Fähigkeiten unabhängig und damit der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden konnte, blieb das Beschreiben von akustischen Vorgängen bis in die jüngste Vergangenheit der Literatur vorbehalten.

Nur im Bereich des organisierten Schallereignisses, der Musik, konnte über den genialen Weg der Notenschrift Schall bis in Einzelheiten reproduzierbar gemacht werden.

Das Heim-Bandgerät für alle ist 1963 erst 13 Jahre alt

das AEG K15 von 1951

Die Möglichkeit, Schall beliebiger Art auf eine Weise aufzunehmen und wiederzugeben, die apparativ und in der Handhabung ähnlich einfach ist wie die Fotografie, wurde "der Allgemeinheit" !! erst vor rund 13 Jahren (etwa 1951) durch das Heimtonbandgerät geboten.

Seither sind die Filmkamera und das Tonbandgerät zwei einander entsprechende Möglichkeiten optische bzw. akustische Vorgänge aufzunehmen, zu speichern und wiederzugeben, wann immer es gewünscht wird. Es ist daher kein Wunder, daß diese beiden großartigen technischen Errungenschaften sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, wobei die Fotografie aufgrund ihres höheren Alters natürlich einen Vorsprung hat.

Ein interessanter Vergleich

Wir wollen nun diese beiden analogen (Anmerkung : "analog" hier im Sinnen von ähnlich / gleichartig) Aufzeichnungsmöglichkeiten ein bißchen miteinander vergleichen. Dabei muß man jedoch beachten, daß es wohl stehende Bilder gibt oder die Möglichkeit einen bewegten Vorgang durch eine Momentaufnahme in ein stehendes Bild umzuwandeln, aber kein statisches Schallereignis.

Schall besteht seiner Natur nach aus einer zeitlichen Abfolge von verschiedenen Schwingungen. Die Möglichkeit einer Momentaufnahme ist hier ausgeschlossen. Man kann daher, wenn man schon versucht, die beiden Aufzeichnungsverfahren, z. B. bezüglich der Kosten, miteinander zu vergleichen, dem Tonbandgerät nur die Filmkamera als optisches Gegenstück gegenüberstellen.

Über den dokumentarischen Wert

Geht man nun von der Voraussetzung aus, daß der dokumentarische Wert der akustischen Komponente eines beliebigen Vorgangs von ähnlicher Bedeutung ist wie die optische - beide zusammen ergeben freilich erst das umfassende Dokument des Tonfilms - so folgt aus der Betrachtung der Kosten, bezogen auf die gleiche Zeitdauer der optischen und akustischen Aufnahme, daß die Schallaufzeichnung bei weitem die wirtschaftlichere ist, das Tonbandgerät daher unabhängig von der Filmkamera oder als Ergänzung dazu, die besten Aussichten auf eine weitere Zunahme seiner ohnehin schon starken Verbreitung hat.

Diese Behauptung wollen wir im folgenden näher begründen.

Ein Kostenvergleich von Film und Ton

Die Doppelachtspule mit einer Länge von 2 x 7,5 Metern ergibt bei einer Bildfolge von 16 Bildern je Sekunde eine Laufzeit von 4,1 Minuten. Bei einem Ladenpreis, einschließlich Entwicklungskosten, von 9.90 DM für den Schwarzweiß-Film, errechnet sich ein Preis je Filmminute von 2.41 DM. Beim Farbfilm ergibt sich ein Preis von 4.85 DM je Filmminute.

Die Spielminute eines Tonbandes hingegen kostet bei einer Geschwindigkeit von 4,75 cm/s unter Verwendung eines handelsüblichen Langspielbandes (z. B. LGS 35 15/360) bei Viertelspurbetrieb 0,03 DM und bei Halbspurbetrieb 0,06 DM.

Bei der auch für Musikwiedergabe schon geeigneten Geschwindigkeit von 9,5 cm/s verdoppeln sich die Kosten. Somit ist die Minute Filmaufnahme in schwarz-weiß 80mal so teuer wie die Viertelspuraufnahme der gleichen Zeitdauer mit 4,75 cm/s und immer noch 20mal so teuer wie die Halbspuraufnahme mit 9,5 cm/s. Die Farbfilm-Minute ist entsprechend sogar 160- bzw. 40mal teurer als die Tonbandminute. Der Vergleich gilt
natürlich nur, wenn sowohl beim Film als auch beim Tonband nicht geschnitten werden muß. Dieser Vergleich betrifft sozusagen nur die laufenden Kosten.

Nun zu den einmaligen Ausgaben. Hier ist zunächst zu bemerken, daß das Tonbandgerät, anders als die Filmkamera, sowohl zur Aufnahme als auch zur Wiedergabe dient, während das Vorführen eines Filmes einen Filmprojektor erforderlich macht. Schon das Projizieren von Dias setzt einen Projektor voraus. Hier entstehen, wenn man das Mikrofon berücksichtigt, beim Filmhobby schon mindestens die drei- bis fünffachen Anschaffungskosten. Selbst die Einzelbildfotografie verursacht beträchtlich mehr Kosten, sobald sie sich zum ernsthaften Hobby ausweitet. Denn dann setzt sie ein Vergrößerungsgerät und die elementarsten Ausrüstungsgegenstände einer Dunkelkammer voraus.

und noch etwas Zubehör wird gebraucht

Für Tonmontagen hingegen benötigt man im einfachsten Falle eine unmagnetische Schere, eine Klebepresse und wenn man anspruchsvoller wird, ein Mischpult oder ein Hallgerät. Bei Geräten der oberen Preisklasse sind die wichtigsten Trickmöglichkeiten, vom Multiplayback über das Mischen mehrerer Tonquellen bis zum Verhallen (Anmerkung : das war natürlich nicht korrekt, es war etwas Nachall in Form von Echos möglich), schon eingebaut.

Auch die Analogien zum Belichtungsmesser, zum Blitzlichtgerät oder den Fotolampen entfallen bei der Tonjägerei. Diese wenigen Hinweise mögen bereits genügt haben, um klarzustellen, daß sie im Vergleich zum Filmen oder zur ernsthaft betriebenen Einzelbildfotografie denkbar wenig Aufwand erforderlich macht und dabei an Vielseitigkeit kaum zu überbieten ist.

Von der Bedeutung des Tondokumentes

Mancher wird nun vielleicht einwenden, daß das stehende oder bewegte Bild eben doch mehr Erinnerungs- oder Dokumentarwert beinhaltet als das akustische Pendant. Diese Frage läßt sich allgemeingültig nicht beantworten. Inwieweit ein Bild, ein Filmstreifen oder eine Tonbandaufnahme am besten geeignet ist, einen Vorgang, eine Persönlichkeit oder ein Ereignis zu charakterisieren und festzuhalten, hängt ebenso vom speziellen Fall ab wie von der Geschicklichkeit des Aufnehmenden, dem Ereignis den für das benutzte Aufzeichnungsverfahren größtmöglichen Informationsgehalt abzugewinnen.

Die sich von Monat zu Monat ändernde Ausdrucksweise eines Kleinkindes gibt z. B. mindestens ebensoviel Aufschluß über dessen Entwicklung wie eine Folge von Einzelbildern im entsprechenden Zeitabstand oder entsprechende Filmstreifen. Es kommt in diesem Falle darauf an, worauf man das Schwergewicht legt, auf die körperliche oder geistige Entwicklung.

Die Stimme als Dokument der Entwicklung

Auch das Wesen eines Erwachsenen offenbart sich mindestens ebenso sehr durch seine Stimme, seinen Tonfall, seine Sprechweise, wie durch das bloße optische Porträt. Ein festliches Ereignis im Familienkreis kann durch eine Tonbandaufnahme mit nachfolgender geschickter Tonmontage wahrscheinlich besser festgehalten werden als durch eine Reihe von Fotos. (Anmerkung : Dieser Vergleich scheint recht weit hergeholt.)

Tonmontagen

Die Tonmontage wird gewiß nicht weniger von der Stimmung einfangen können als ein Filmstreifen oder eine Serie von Einzelbildern. Neben einer Anzahl von Objekten, denen man nur optisch beikommen kann, z. B. Pflanzen und dergleichen, gibt es ebensoviele, die einen wichtigen Teil ihres Wesens erst durch die akustische Aufnahme verraten, z. B. Singvögel.

Darüber hinaus gestattet das Tonbandgerät eine Fülle von spielerischen und beruflichen Anwendungen, die seine ureigenste Domäne darstellen. Sie reichen von der Selbstkontrolle beim Erlernen eines Musikinstrumentes oder einer Fremdsprache über Aufnahmen von Hausmusik, bis zur Anfertigung von Märchenspielen für die Kinder, wobei durch einfache Trickmöglichkeiten der schöpferischen Phantasie kaum Grenzen gesetzt sind.

Mit der Band-Geschwindigkeit spielen

So kann man z. B. durch Aufnahme mit halber oder doppelter Geschwindigkeit und anschließende Montage in ein Band, das mit der normalen Geschwindigkeit abläuft, die Stimme eines Riesen ebenso immitieren wie die einer flinken Micky-Maus.

Geräuschkulissen aller Art können zu Hilfe gezogen und die Kinder selbst als handelnde Personen in das Spiel einbezogen werden. Vom Kriminalhörspiel über das tönende Gästebuch, vom Tonbandbrief bis zum Tonquiz, dem Mundartensammeln bis zur Dia- oder Filmvertonung, vom ungebundenen Spiel mit Geräuschen und Klängen bis zum akustischen Tage- oder Notizbuch reichen die Anwendungsmöglichkeiten des Tonbandgerätes, wobei es dem Erfindungsreichtum eines jeden überlassen bleibt, neue Spielereien oder Arbeitsmöglichkeiten mit dem Tonband zu entdecken.

Über das Archivieren

Wie bei allen anderen Hobbys stellt sich auch beim Umgang mit dem Tonbandgerät eine dauerhafte Freude erst ein, wenn mit etwas Systematik an die Sache herangegangen wird. Eine der wichtigsten Voraussetzungen hierzu ist das übersichtliche Archivieren der bespielten Bänder. Hierbei wird man durch die Beachtung einiger Spielregeln nicht nur mehr Vergnügen und Nutzen aus diesem Hobby ziehen, sondern auch beträchtlich an Kosten sparen.

Die wichtigste Regel betrifft die richtige Zuordnung von Spieldauer und Bandlänge. Wer sich zum Beispiel für Hörspielmontagen eine Sammlung von Geräuschkulissen zulegen will, wird jedes neue Geräusch auf die erste Spur eines 45m-Bandes aufzeichnen und in sein Lautarchiv einordnen. Bei einer Geschwindigkeit von 9,5cm/s bietet es eine Spieldauer von 7,5 Minuten je Spur, was für die überwiegende Mehrzahl aller Kurzaufzeichnungen ausreicht (s. Tabelle der Bandlängen und Spielzeiten).

Tabelle der Bandlängen und Spielzeiten

Bandlängen      
Meter 4,75 cm/s 9,5 cm/s 19 cm/s
  Spielzeiten in Minuten
45 15 7,5 3,75
65 22 11 6,5
135 44 22 11
180 60 30 15
270 90 45 22,5
360 120 60 30
540 180 90 45
730 240 120 60
1080 390 Min. 180 Min. 90 Min.

Tabelle der Bandlängen und Spielzeiten in Minuten je Spur.

Es gibt da zum Beispiel ein Briefband

Für diese verwendet man daher vorteilhafterweise ein Briefband (Bild 1), das auf einer 6cm-Kleinspule vorliegt und dessen Kerndurchmesser von 35mm auf allen Heimtongeräten noch einen einwandfreien Gleichlauf gewährleistet. Ein weiterer Vorteil ist die Beschriftbarkeit der Spule. Diese Briefbandspulen werden am übersichtlichsten in den 8cm-fünffach-Archivboxen aus Kunststoff archiviert (Bild 2), die von der Industrie auch leer angeboten werden. Hat man nun ein anderes Mal ein Geräusch der gleichen Kategorie aufzunehmen, dessen Spieldauer ebenfalls unter 7,5 Minuten liegt, so kann man die zweite Spur damit bespielen. Es wäre jedoch sinnlos, auf einem 540-Band eine ganze Serie derartiger Geräusche zu sammeln, weil ein vernünftiges Archivieren dadurch unmöglich und der schnelle Zugriff verhindert würde.

Bei der Archivierung die Spieldauer überlegen

Was immer man auch aufnehmen will, man wird sich immer erst die erforderliche Spieldauer überlegen und eine Spule mit der passenden Bandlänge benutzen, die eine Spur spielen und die andere bis zur nächsten Aufnahme der gleichen Spieldauer freilassen.

Für die Archivierung stehen, entsprechend der unbeschränkten Haltbarkeit der Bänder, Mehrfachkassetten für die Spulendurchmesser 8 bis 18 cm aus Kunststoff zur Verfügung, die das übersichtliche Archivieren auf kleinstem Raum schon deswegen gestatten, weil sie stapelbar sind (Bild 3).

Die Beschriftung der Bänder

Auf das Etikett jeder Kassette wird als erste Zahl der Spulendurchmesser und als zweite die laufende Nummer des Tondokuments geschrieben. Zu jedem Bandarchiv gehört eine Kartei. Die entsprechenden Karteikarten kann man sich nach eigenem Gutdünken anlegen, bequemer ist es jedoch, die beim Fachhandel kostenlos erhältlichen BASF-Archivmappen zu benutzen, die vorgedruckte Karteikarten enthalten (Bild 4).

In das Feld oben rechts setzt man die Abkürzung für das Sachgebiet der Aufnahme; daneben kann dieses ausgeschrieben oder spezifiziert werden. Die verwendete Bandgeschwindigkeit wird unterstrichen. Das Kreuzchen bedeutet, daß die zweite Spur noch frei ist. Links in das doppelt umrahmte Feld setzt man zuerst den Spulendurchmesser und unter den Schrägstrich die laufende Nummer der Spule und Kassette. Da man die Archivkartei natürlich nach Sachgebieten ordnet, nicht unbedingt aber die Bänder, erleichtert die Angabe des Spulendurchmessers in der Karteikarte das schnelle Auffinden der Bänder.

Man bespielt zweckmäßigerweise . . . .

Bei Viertelspurtechnik bespielt man zweckmäßigerweise zuerst die äußeren Spuren und erst dann die inneren, um die Aufnahmen, wenn erforderlich, auch auf einem Halbspurgerät wiedergeben zu können. Jede noch freie Spur vermerkt man durch ein Bleistiftkreuzchen in der Karteikarte. Dieser band- und zeitsparende Grundsatz, für jede Aufnahme die ihrer Dauer angemessene Bandlänge zu verwenden, setzt von dem Augenblick an, da man den Wunsch hat, eine Reihe von Dokumenten oder Aufnahmen, z. B. die abgeschlossene Entwicklungsgeschichte eines Kindes, zu einem Sammelband zusammenzubauen, die Praxis des Schneidens und Klebens voraus.

Keine Angst vor dem Schneiden!

Man darf - so glauben wir - die Tonbandamateure in Anfänger und Fortgeschrittene danach unterteilen, ob sie die Praxis des Schneidens und Klebens beherrschen und ausüben oder nicht.

Eine weitere Einstufung des Tonbandlers bis zum Meister kann aufgrund der darin entwickelten Fertigkeiten vorgenommen werden. Wenn es ihm gelingt, aus einem Wort sauber einen Buchstaben herauszuschneiden, z. B. aus „klein" „kein" zu machen, so hat der Tonbandamateur die oberste Sprosse auf der Leiter zur Tonbandler-Meisterschaft erklommen.
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Auf den Millimenter genau

Will man nämlich aus dem Wort klein das "l" sauber herausschneiden, so müssen bei einer Bandgeschwindigkeit von 9,5 cm/s, je nachdem ob ein Preuße oder ein Schwabe gesprochen hat, rund 1,5cm, und zwar fast auf den Millimeter genau, herausgeschnitten und die zwei Bandenden ebenso exakt wieder zusammengeklebt werden. Bei einer Geschwindigkeit von 19 cm/s sind es 3cm; man sieht, je größer die Bandgeschwindigkeit ist, desto leichter wird die Sache. Der Tonmeister im Studio hat es natürlich wesentlich leichter als der Amateur, denn bei einer Geschwindigkeit von 38cm/s nimmt das "l" immerhin eine Bandlänge von etwa 6cm ein.

Mit ein paar Tricks keine Hexerei - die Erklärung

Aber auch für den Amateur ist das Schneiden oder Cuttern und das anschließende Kleben keine Hexerei, sofern er sich der richtigen Hilfsmittel bedient. Wie also wird's gemacht? Zum genauen Auffinden der herauszuschneidenen Bandstelie ist es am einfachsten, ein für allemal den Abstand zwischen dem Wiedergabekopf und z. B. dem rechten Führungsdorn auszumessen. Dafür muß man allerdings die Kopfabdeckung abnehmen, die in den meisten Fällen jedoch nur festgeklemmt ist.

Sucht man jetzt die erste Schnittstelle, so bringt man bei Wiedergabe das Band ungefähr an der Stelle mit der Schnellstopptaste zum Stehen, an der der erste Schnitt erfolgen soll. Dann dreht man mit eingerasteter Schnellstoptaste von Hand die beiden Spulen so, daß das Band sich vor dem Wiedergabekopf von links nach rechts bewegt, um die Schnittsteile genau vor den Wiedergabekopf zu bekommen.

Jetzt markiert man das Band am rechten Führungsdorn mit dem Signierstift. Dann wird das Band in die meist vorhandene Klebeschiene des Tonbandgerätes gelegt; der einmal gemessene Abstand zwischen Kopf und Dorn wird nach links abgetragen und an der Stelle geschnitten. Bei kurzen Schnittstellen sucht man auch die zweite Schnittstelle nach dem gleichen Verfahren vor dem Schneiden auf. Wenn jedoch das herauszuschneidende Bandstück 10 oder 15 cm beträgt (z. B. ein ganzes Wort), so kann man das auf der linken Spule befindliche Band von Hand am Wiedergabekopf vorbeiführen, um die zweite Schnittstelle festzustellen.

Nun wird mittels einer unmagnetischen Schere (Bild 5) geschnitten; die beiden Bandenden werden dann in der Klebeschiene des Tonbandgerätes mit einem Stückchen, 6,1 mm breiten Klebeband zusammengeklebt. Dabei ist darauf zu achten, daß die Bandrückseite in der Klebeschiene nach obei schaut, damit nicht etwa die Schichtseite beklebt wird. Die Klebestelle wird mit dem Fingernagel glattgestrichen und eventuell überstehendes Klebeband säuberlich abgeschnitten.

Noch einfacher mit einer Klebepresse

Noch einfacher geht das Kleben, wenn man dazu die halbautomatische Klebepresse benutzt, die neben weiterem Schneid- und Klebezubehör in der BASF-Cutter-Box enthalten ist (Bild 6). Diese Klebepresse macht das Kleben sehr einfach, um so mehr als ihr eine leicht verständliche Gebrauchsanleitung beiliegt.

Aufpassen bei mehreren Spuren

Wenn man Aufnahmen mit der Absicht macht, sie später für Tonmontagen zu verwenden, ist es sinnlos, mehr als eine Spur zu bespielen. Die freie Spur kann dann nach erfolgter Tonmontage bespielt werden, wenn sichergestellt ist, daß keine Schnitte mehr erforderlich sind. Das Schneiden und Kleben beim Tonbandeln ist für die Tonaufnahme das, was die Dunkelkammerarbeit (Vergrößern, Spielen mit Papiersorten und Belichtungseffekten) für die Einzelbildfotografie und das Schneiden und Kleben beim Film ist. Erst wenn man die Scheu vor dem Raffen, Auswählen und Kombinieren und damit die Scheu vor dem „Cuttern" verloren hat, darf man sich mit einigem Anspruch „Tonbandler" nennen. So gesehen, ist das Cuttern die Würze dieses Hobbys.

1963 - Welches Band für welches Gerät?

Der Blick in den Prospekt eines Tonbandherstellers lehrt, daß es für den Amateurbedarf grundsätzlich vier Bandtypen gibt:

  1. das Standard-,
  2. das Langspiel-,
  3. das Doppelspiel- und
  4. das Dreifachspielband.


Wir wollen daher abschließend noch kurz klarstellen, für welche Geräteklassen welche Bänder in Frage kommen.

Das Band für ein Heimstudiogerät - was immer das ist

Bei einem Heimstudiogerät mit getrennten Aufnahme- und Wiedergabeköpfen ist der Aufnahmekopf so ausgelegt, daß er eine dicke Magnetschicht, wie sie beim Standard- und Langspielband vorliegt, voll auszunutzen gestattet. Da das Langspielband bei gleicher Schichtstärke (13 tausendstel Millimeter) gegenüber dem Standardband den Vorteil hat, daß es dünner und daher schmiegsamer ist und auf die gleiche Spulengröße 50% mehr Band untergebracht werden kann (siehe auch Tabelle) als beim Standardband, sind für Heimstudiogeräte in erster Linie Langspielbänder zu verwenden.

Das Band für ein normales Heimtonbandgerät

Bei einem normalen Heimtonbandgerät mit sogenanntem Kombikopf (kombinierter Aufnahme- und Wiedergabekopf mit geringer Spaltbreite) ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Wiedergabequalität ein besonders dünnes und schmiegsames Band. Aus diesem Grunde empfiehlt sich für ein Heimtonbandgerät das Arbeiten mit Doppelspielbändern.

Die Bandarten von 1963 im Vergleich

Durchm. Standard band Langsp. band Doppelsp. band Dreifachsp. band  
                   
6cm     45m 7,5min          
8cm     65m 11min 90m 15min 135m 22min  
9cm         135 22min      
10cm     135m 22min 180m 30min 270m 15min  
11cm         270m 45min 360m 60min  
13cm 180m 30min 270m 45min 360m 60min 540m 90min  
15cm 270m 45min 360m 60min 540m 90min 730m 120min  
18cm 360m 60min 540m 90min 730m 120min 1080m 180min  
22cm 540m 90min 730m 120min 1000m 165min      
25cm 730m 120min 1000m 165min          
26,5cm - - - - - - - -  

Tabelle der Spulendurchmesser, Bandlängen und Spielzeiten je Spur bei verschiedenen Bandtypen für eine Bandgeschwindigkeit von 9;5 cm/s.
(Anmerkung : Die 26,5cm Spule war 1963 noch nicht weiter verbreitet.)
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Die DIN-Vorschriften zum Einmessen

Die deutschen Heimtonbandgeräte werden übrigens fast ausschließlich nach der DIN-Vorschrift eingemessen. Zum Einstellen der Geräte dienen sogenannte DIN-Bezugsbänder.

Diese Bezugsbänder für die beim Heimtonbandgeräten üblichen Bandgeschwindigkeiten von 4,75 und 9,5cm/s, haben für Erstaufzeichnung und Einstellung der aus der Produktion kommenden Geräte einen Leerbandteil eines Doppelspielbandes (LG26 Charge 110 211), während für die bei Heimstudiogeräten übliche Geschwindigkeit von 19cm/s ein Stück Leerband eines Standardbandes LGS52 Charge 22138 verwendet wird.

Ein Dreifachspielband sollte immer da eingesetzt werden, wo längere Spielzeiten benötigt werden und der maximale Spulendurchmesser der Heimtonbandgeräte die erforderliche Bandlänge nicht zuläßt. Dies ist schon deshalb zu empfehlen, weil das Dreifachspielband wegen seiner extrem geringen Dicke bei großen Spulendurchmessern, insbesondere beim Um- und Rückspulen, schwieriger zu handhaben ist. Überdies ist die gleiche Länge Dreifachspielband teurer als Doppelspielband.

Abwägen der Vor- und Nachteile

Zusammenfassend wäre also zu sagen, daß ein Standardband auf einem Heimstudiogerät gegenüber dem Langspielband keine Vorteile bringt, auf Vierspurgeräten außerdem wegen seiner geringeren Schmiegsamkeit nicht zu empfehlen ist.

Das Langspielband ist im Grunde universell verwendbar, also für Heimstudiogeräte ebenso wie für normale Heimtonbandgeräte mit Zwei- oder Vierspurtechnik.

Ein Doppelspielband bietet wegen seiner hohen Schmiegsamkeit gerade bei Heimtonbandgeräten mit Kombiköpfen die bestmögliche Aufnahme- und Wiedergabequalität. Das Dreifachspielband auf großen Spulendurchmessern sollte jedoch, wie gesagt, für besonders lange Spielzeiten vorbehalten bleiben.

Damit wollen wir diesen ersten Überblick über die Anwen-dungsmöglichkeiten des Tonbands, Fragen des Archivierens und Schneidens und der Verwendung des richtigen Bandtyps abschließen. Jede dieser Fragen, die wir hier nur streifen konnten, werden wir in den kommenden Nummern dieser Zeitschrift noch ausführlich behandeln.

Kalr Breh im November 1963
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Redaktion:

Karl Breh, Verlag G.Braun, 75 Karlsruhe, Karl-Friedrich-Straße 14-18, Postfach 129, Tel. 26951-55. Verlag und Gesamtherstellung G. Braun (vorm. G. Braunsche Hofbuchdi uckerei und Verlag) GmbH, Karlsruhe, Karl-Friedrich-Straße 14-18, Postfach 129, Tel. 26951-55, Telex Künstlerbund Karlsruhe 0782873. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Rolf Feez. Das Tonband erscheint viermal jährlich. Preis des Abonnements jährlich DM 3.60 zuzüglich Zustellgebühren.

Für unverlangt eingereichte Manuskripte wird keine Haftung übernommen Nachdruck und fotomechanische Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit Zustimmung des Verlages.

Die Aufnahme von urheberrechtlich geschützten Werken der Musik und Literatur ist nur mit Einwilligung der Urheber bzw. deren Interessenvertretungen und sonstigen Berechtigten, z. B. GEMA, Verleger, Hersteller von Schallplatten usw., gestattet.

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