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Heft 2 • April 1969 • 6. Jahrgang

Es muß eine Menge Kritik an dem Übergewicht der Hörspiel-Lektionen gegeben haben. So viele Interessenten an dieser hochinteressanten aber auch sehr mühsamen und zeitaufwendigen Tätigkeit wird es also nicht gegeben haben. Das war für Karl Breh mit seinem intellektuellen Anspruch sicher sehr schmerzhaft

INHALT

Heinrich Carstensen: Vierspur im Studio? 22
Karl Rahner: Raumakustik - und wie man damit fertig wird 24
Dieter Thomsen: Zur Aussteuerung von Tonaufnahmen 26
Fred Höllmich: Fachausdrücke - leicht gemacht 28
Otto Diciol: Auf dem tonband-Prüftisch: Uher Royal de Luxe 30
Hans-Jürgen Ploetz: Vom Lagerschuppen zum Tonstudio 42
Industrie - Notizen - Bücher 47

Liebe tonband-Freunde

Auf unsere Bitte hin, einmal kritisch zu unseren Hörspielbeiträgen Stellung zu nehmen, erreichten uns neben einer ganzen Reihe ermutigender Briefe natürlich auch einige skeptischer Art. Dies liegt in der Natur der Sache.

Eine Leserschaft wie die des „tonband" ist in ihren Interessen weit gestreut und kann nicht unter einem einzigen Gesichtspunkt gesehen werden. Insgesamt aber scheint die „tonband-szene" doch im Redaktionsprogramm unserer Zeitschrift ihre Berechtigung zu haben - auch in Zukunft.

Die meisten Leser haben sich in ihren Briefen darüber hinaus ganz allgemein mit den Vorstellungen auseinandergesetzt, die sie sich von einer Tonbandzeitschrift gemacht haben und eine ganze Menge brauchbarer Vorschläge unterbreitet. Dafür sagen wir allen, die sich dieser Mühe unterzogen haben, herzlichen Dank.

Sicher wird das eine oder andere Thema in den kommenden Heften behandelt sein, auch einige grundsätzliche Überlegungen werden in die künftige Gestaltung mit Sicherheit einfließen.

Mit dieser Ausgabe haben wir in verstärktem Maße versucht, der Technik wieder etwas mehr Raum zu geben. Sie finden neben einigen unterhaltenden Beiträgen auf den übrigen Seiten dieses Heftes viele praktische Hinweise und Tips, wie zum Beispiel zum Problem der Raumakustik und der Aussteuerung von Tonaufnahmen.

Den meisten Raum nimmt diesmal unser Test ein, verständlich, wenn man bedenkt, daß das geprüfte Uher Royal de Luxe ein universelles Tonbandgerät mit vielen Extras ist, die alle zu beurteilen waren. Es empfiehlt sich, diesen Test aufmerksam zu studieren und sich nicht von den zahlreichen Kurven schrecken zu lassen.

Mit der Berichterstattung über das Gießener Tonstudio setzen wir unsere Dokumentation besonders interessanter Tonbandclubs in der Bundesrepublik fort. Hinweise aus dem Leserkreis, wo ähnliche Unternehmen am Wirken sind, die es verdienen, in dieser Form vorgestellt zu werden, sind uns natürlich willkommen. Auf die Fortsetzung der im letzten Heft begonnenen Artikelserie „Zur Technik des Hörspiels" mußten wir, infolge Überlastung unseres Mitarbeiters, leider für dieses Mal verzichten.

Sollten Sie in diesem Jahr nach Hannover zur Messe 1969 kommen, so würden wir uns über Ihren Besuch in Halle 11, Stand 75, wie immer herzlich freuen.
Ihre tonband-Redaktion

Vierspur im Studio ?

Wer sich ernsthaft mit den verschiedensten Tonbandgeräten, auch professioneller Art, beschäftigt hat, wird diese Überschrift für einen Witz halten. Ist aber keiner.

Es gibt wirklich vierspurige Tonbandmaschinen in Studios, man macht auf ihnen Aufnahmen für Schallplatten und für den Funk. Ja, es gibt auch sechsspurige, achtspurige - und Les Paul, der amerikanische Trickgitarrist, soll eine Magnettonmaschine mit zwölf Spuren besitzen.

Falls jemand skeptisch den Kopf schüttelt und sich gedankenvoll ein Stück Tonband betrachtet: darauf zwölf Spuren ? Nun, auf dem Schnürsenkel, wie die Tontechniker in ihrem Jargon das normale Band nennen, da ist nach wie vor nur eine Vollspur, bei Stereo heute zwei Halbspuren. Aber schauen wir uns doch mal die Geschichte der Mehrspurmaschinen an.

Siegeszug der Magnetophone (teilweise nicht ganz korrekt)

Es fing Mitte der dreißiger Jahre an: Da tauchten die ersten Magnetophone in den Funkstudios auf. Gewiß, man konnte die Aufnahme sofort abhören, man konnte das Band schneiden. Glücklich war man mit diesen Maschinen nicht. Der Gleichlauf ließ noch zu wünschen übrig, der Frequenzumfang war sehr bescheiden, und außerdem rauschten diese Maschinen sehr stark, weil man die Bänder mit Gleichstrom löschte und vormagnetisierte. Man hatte Maschinen, auf denen man Kunststoff- und Wachsfolien schnitt, die waren viel besser.

Und wenn ein Amateur sich mit Tonaufnahmen beschäftigte, dann schnitt er damals Platten. Das änderte sich erst 1941, als durch einen simplen Schaltungsfehler die Hochfrequenzvormagnetisierung mehr entdeckt als erfunden wurde. Das damals in Berlin auf der Funkausstellung vorgeführte Magnetophon war eine Sensation, die Fachwelt überschlug sich vor Begeisterung: Es brachte einen Frequenzumfang von 50 bis 15.000 Hertz, rauschte nicht im geringsten und lieferte eine Dynamik, wie man sie bis dahin weder bei der Schallplatte noch beim Lichtton erlebt hatte.

Trotz des Krieges eroberten sich die Magnetophone die (deutschen) Funkstudios, während gleichzeitig die Folienschneider „aus der Mode kamen". Ja sogar an die Front gelangten kleine portable Geräte in den Händen der Kriegsberichterstatter. Kein Wunder, daß die Alliierten (falsch : es war nur einer, der die Entwicklung verstanden hatte, ein junger amerikanischer Major Jack Mullin mit Weitblick), als "sie" in unseren Funkhäusern diese Wundermaschinen fanden, (wie gesagt, das hier ist falsch!!) sie sofort abschraubten und nach Hause schickten.
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Von der Wachsmatritze zur Bandaufnahme

An der Art und Weise, eine Aufnahme zu machen, änderte sich aber vorläufig nichts. Man holte Musiker und Sänger ins Studio, baute sie vor den Mikrofonen auf, ermittelte in einigen Proben das richtige Mischungsverhältnis und "fuhr" dann die Aufnahme.

Auch die Schallplattenhersteller gingen schnell dazu über, zuerst einmal eine Bandaufnahme zu machen. Wenn die verpatzt wurde, konnte man das Band zurückspulen und neu bespielen. Die Wachsmatritze dagegen war jedesmal auch verpatzt gewesen. War die Aufnahme fertig - die Techniker sagen „gestorben" -, dann wurde sie auf die Matritze umgeschnitten. Wenn wir heute noch bei unseren Bändern vom Schneiden, Mitschneiden und Umschneiden sprechen, dann sind das Fachausdrücke aus der Glanzzeit des Folienschnitts.

Wenn ein Orchester aufzunehmen ist

Nun ist es aber sehr schwierig, einen größeren Klangkörper richtig auf das Band zu bringen. Nehmen Sie ein Violinkonzert: Da ist einmal das aus etwa siebzig Mann bestehende Orchester, von dem jede Instrumentengruppe in angemessenem Anteil aufs Band soll, nicht zu leise und nicht zu laut. Und dann ist da der Solist, den man vor dem Orchester klar und deutlich hören soll - aber er darf auch das Orchester nicht totspielen. Man braucht nun Zeit und Mühe, um die vielfältigen technischen Einrichtungen eines Tonstudios richtig zu schalten, um die vielen Mikrofone untereinander abzustimmen, das heißt, um das richtige Mischungsverhältnis zu ermitteln.

Die Geburtsstunde des Playback

Eines Tages kam "ein findiger Mann" auf das „Playback-Verfahren". Man nahm zuerst das Orchester allein auf Tonband auf. Wenn das gelungen war, kam der Solist. Er bekam die Erstaufnahme per Kopfhörer zugespielt. Gleichzeitig gelangte diese über Mischpult auf ein zweites Bandgerät. Der Solist spielte seinen Teil, der nun per Mischpult dem ersten Teil hinzugefügt wurde. Die meisten Amateure kennen das heute und haben es vielleicht schon selbst mal gemacht. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt auf der Hand: Man hat den Solisten nun ganz allein vor seinem Mikrofon. Man konnte ihn sogar in einem anderen Raum spielen oder singen lassen und auch technisch manipulieren - etwa verhallen.

Die technischen Probleme waren noch lösbar. Wenn man nämlich eine Tonaufnahme von einem Band zum anderen überspielt, so überspielt man leider auch alle Störungen der Apparatur: Verschiebungen im Frequenzband, Klirrfaktor, Verstärkerrauschen, Bandrauschen usw. So wurden die für das Playback-Verfahren benutzten beiden Maschinen auf das sorgfältigste „eingemessen" und aufeinander abgestimmt.

Es gab aber heftige Kopierverluste

Ziemlich bald aber kam jemand auf die Idee, den Playback zu wiederholen, einen Sänger also zwei-, drei- und vierstimmig singen zu lassen. Versuchen Sie das doch mal selbst: Überspielen Sie eine Aufnahme drei- oder gar viermal, und vergleichen Sie dann Original und letzte Überspielung. Sie werden einen deutlichen Unterschied bemerken. Sicher, Studiomaschinen sind besser, ihre Fehler daher geringer. Aber die Ansprüche an das Original für eine Schallplatte sind extrem! Also vollführten die Techniker wahre Saltos mit Entzerrern - froh wurden sie nicht dabei.

Das Magnetband entdeckt den Tonfilm

Inzwischen hatte nun aber das Magnettonband auch den Tonfilm erobert. In seinen Anfängen benutzte der Tonfilm Schallplatten. Ein alter Filmvorführer hat mir haarsträubende Dinge aus jenen Zeiten (des Nadeltons) erzählt. Dann kam der Lichtton. Der Ton wird in Lichtschwankungen umgewandelt und auf einem Randstreifen des Filmes, der Tonspur, fotografiert. Im Projektor läuft der Film, nachdem er ruckweise die Optik passiert hat, durch das Tonteil, durch Schwungmassen beruhigt und zum Gleichlauf gebracht. Dort wird die Tonspur von der Tonlampe durchleuchtet, es entstehen Lichtschwankungen, die wieder in Töne umgewandelt werden. Im Prinzip eine ureinfache Sache. Auch damit haben früher Amateure Tonaufnahmen gemacht.

Die Lichtton Qualität war sehr mau

Nur ist Film teuer und muß entwickelt werden, der Lichtton rauschte, sein Frequenzumfang war knapp, die Dynamik ließ zu wünschen übrig. Das war aber nicht der Grund, warum das Band in die Filmstudios geriet. Man lernte seine Vorzüge dort bald schätzen. Man konnte probeweise Tonaufnahmen machen, die sofort abzuhören waren. Man konnte bei schwierigen akustischen Bedingungen den Ton in einem Tonstudio leichter nachsynchronisieren.

und noch weitere Probleme gab es

Allerdings hatten die Filmtontechniker sich nun mit den gleichen Schwierigkeiten herumzuprügeln, wie die Schmaltonfilmer heute noch, soweit sie das Zweiband-Verfahren anwenden: Die Laufgeschwindigkeiten von Bild- und Tonträger sind extrem verschieden: Das Band hatte eine Bandgeschwindigkeit von 76,2cm/s, der Normalfilm dagegen läuft ungefähr 46cm/s.

Die Filmleute suchten sich einen Ausweg. Sie bauten sich ihre eigenen Magnettonmaschinen, die sie gewissermaßen aus ihren Projektoren entwickelten. Und nicht nur diese, auch das Band wurde aus dem Film entwickelt, es sieht genauso aus wie ein Film, der statt einer Fotoschicht eine Magnetschicht hat.

Das Perfo-Band wird auch "Cord" genannt

Dieses Perfo-Band kann man mit dem Film zusammen laufen lassen, die Perforation sorgt für eine zuverlässige Zwangssynchronisation. War der Ton fertig, so wurde er auf den Lichttonstreifen umgeschnitten - denn die Filmtheater mit Perfo-Ton auszurüsten wäre zu teuer gewesen. Immerhin ist der Lichtton in den letzten Jahren gewaltig verbessert worden, der Störpegel hat ab-, der Frequenzumfang zugenommen.

Bei Fernsehfilmen - deren Ton über die exakte Ultrakurzwelle verschickt wird - verzichtet man in der Regel auf den Lichtton, man läßt Film und Perfoband gemeinsam laufen.

Dann kam der Magnettonfilm

Immerhin hat man doch versucht, den Magnetton (1953/54) in den Filmtheatern einzuführen. Das war die Randspur, wie sie Schmalfilmern gut bekannt ist. Die Sache scheiterte leider an der Unfähigkeit der meisten Vorführer: Eine Magnettonspur ist empfindlich gegen magnetische Einflüsse. Filmspulen und die Projektorteile müssen regelmäßig entmagnetisiert werden. Trotzdem war es nötig, die Randspur der Filmkopie ab und zu neu zu bespielen. Nun reißt aber eine solche Kopie manchmal, und wenn sie dann geklebt wird, fehlt ihr ein Stückchen. Die Vorführer hatten daher Anweisung, in solchen Fällen Schwarzfilmstückchen so einzukleben, daß die ursprüngliche Länge erhalten bleibt. Das macht aber Arbeit - also wurden die Kopien normal geklebt, und bei der nächsten Ton-Neubespielung war die Synchronisation im Eimer. Immerhin waren diese Filme ein Ohrenschmaus. Wer die Monstre-Cinemascope-Spektakels „Das Gewand" und „Die Gladiatoren" gesehen hat, wird sich vielleicht noch daran erinnern. Noch einmal zeigte später im „Windjammer"-Film der Magnetton sein Können.

Wir müssen beachten, das war 1968 !!

Und an elektronische Medien wie CDs und CVDs und Festplatten oder gar USB Datenträger hat niemand - nicht mal im Traum - gedacht

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Die Vierspurmaschine im Schallplattenstudio

Aber zurück zum Thema. Irgendwann fiel einem findigen Techniker auf, daß so ein Perfo-Band ja ganze 35mm breit ist. (Anmerkung : Stimmt auch nur teilweise, in der Regel war das gängige Cord-Band 16mm breit)

Zieht man die Perforation ab, bleiben 24 mm für den Ton. Stellen Sie sich vor: vierundzwanzig Millimeter! Der Gedanke, da vier Tonspuren draufzusetzen, lag doch direkt in der Luft. Der Tonprojektor brauchte nur vierfache Kopfbestückung und vierfache Verstärker. Plötzlich konnte man ohne Kopierverluste vier verschiedene Aufnahmen synchron machen! Binnen kurzem gab es Geräte mit sechs und acht Spuren, und die für diesen Zweck überflüssige Perforation verschwand sehr bald.

Jeder sprach von 1" Band , nicht von 25mm

Die Vierspurmaschine im Schallplattenstudio hat ein 25 mm breites Band. Das heißt, daß wir es hier mit vier Vollspuren zu tun haben. Und nun beachten Sie den Unterschied in der Terminologie: Diese Maschine heißt „Vierspurmaschine", während Ihr Heimtonbandgerät „Viertelspurmaschine" heißt!

Nun teilt man den voluminösen Klangkörper einer modernen Schlageraufnahme in vier Teile. Etwa so: Das Schlagzeug kriegt einen Shutter-Effekt (Ray Conniff !), der O-O-A-A-Chor wird verhallt, die Geigen spielen im großen Saal, die Sängerin kommt in die schalltote Telefonzelle und wird technisch aufgepäppelt.

Diese vier Teile werden nacheinander aufgenommen, per Kopfhörer wird in altbekannter Playbacktechnik für das richtige Zusammenspiel gesorgt. Hinterher, wenn die Musiker nach Hause gegangen sind, fangen die Techniker an zu probieren.

Die Spuren einzeln manipulieren

Jede einzelne Spur kann jetzt ja immer noch technisch manipuliert werden, beim Umspielen auf den Schnürsenkel. Und in aller Ruhe kann das richtige Mischungsverhältnis ausgeknobelt werden.

Das Masterband für die Platte erstellen

Wenn dann alle vier Spuren richtig auf dem Schnürsenkel beisammen sind, kommt dieser auf die Magnettonmaschine mit Steuerteil für den Folienschnitt. Man schneidet ja heute die Schallplatten fast alle mit variablem Rillenabstand. Ist die Musik laut und sind die Auslenkungen des Schneidstichels groß, so wird der Rillenabstand weiter gemacht, ist die Musik leise, werden die Rillen enger. Da hat die Magnettonmaschine Steuerköpfe, mit denen ein Elektronenrechner das Band abhört und den Schneidkopf entsprechend dirigiert.

Aber auch der Tonfilm profitierte wieder von den Mehrspurmaschinen. Oft macht man auf dem mehrspurigen Perfoband getrennte Aufnahmen von Sprache, Geräusch und Filmmusik. Wenn der Film dann später in irgendeiner anderen Sprache synchronisiert wird, braucht man nur den Dialog neu aufzunehmen. Geräusche und Musik können unverändert beibehalten werden. Das bedeutet nicht nur eine enorme Erleichterung, sondern auch große Kostenersparnis. So also lief die Geschichte der Mehrspurmaschine. H. C.
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  • Anmerkung : So kann man das natürlich auch - kreuz und quer - ohne (z.B. Ein Hörspiel-) Konzept zusammenstoppeln. Um es ganz genau zu erklären, so hatte mir mein Vater vor Jahren "die Geschichte des Kinobaus um 1949 "erzählt, als er bereits 95 Jahre !!! alt war und die Reihenfolge einfach nicht mehr in den Griff bekam. Nur hätte Karl Breh (auch) diesen Artikel damals aus dem Verkehr ziehen sollen und zur chronologischen korrekten Reihefolge bzw. Nachbearbeitung zurückgeben sollen. Schade, aus meiner Sicht ist der Artikel verhunzt.

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DIE RAUMAKUSTIK (aus 1969)

Eines der aufreibendsten Probleme, mit denen man sich als Tonbandamateur auseinanderzusetzen hat, ist das der Raumakustik; besonders unangenehm nicht zuletzt deshalb, weil an jedem Aufnahmeort andere Verhältnisse vorliegen, denen man meist mit allgemeinen Regeln nicht beizukommen vermag. Sicher - es gibt eine ganze Reihe von Erfahrungswerten, die auch in der einschlägigen Literatur wiederholt behandelt wurden; den „todsicheren" Tip gibt es jedoch nicht.

Probieren geht über's Studieren

Und so bleibt am Ende immer wieder das Probieren, das hier - und sogar mehr als anderswo - über's Studieren geht.

Dennoch möchte ich versuchen, einige Hinweise zu geben, die möglicherweise dem einen oder anderen zu besseren Aufnahmen verhelfen; daß damit selbstverständlich ausschließlich Mikrofonaufnahmen gemeint sind, versteht sich von selbst, denn bei Überspielungen von irgendwelchen anderen Tonquellen haben sich ja bereits große Geister mit diesen Problemen befaßt und sie - meist - auch befriedigend gelöst - allerdings mit Mitteln, die kaum jemals einem Amateur zur Verfügung stehen dürften.

Selbst das hinlänglich bekannte und genügend oft beschriebene „Eierkartonstudio" läßt sich nämlich leider - wenn überhaupt - meist nur im eigenen Heim verwirklichen, und auch da wird man nicht selten mit seiner besseren Hälfte Schwierigkeiten bekommen, wenn man nicht gerade glücklicher Besitzer eines Bungalows mit mindestens . . ., wenn nicht mehr Räumen ist, die dann die Einrichtung eines eigenen, abgeschlossenen Studios zulassen.

Wer sich dagegen mit einer „Normalverbraucherwohnung" begnügen muß, ist gezwungen, sich auf andere Weise zu helfen und das ist - wie wir gleich sehen werden - nicht einmal ein unlösbares Problem.

Instrumentalaufnahmen

Hier möchte ich nicht die schon so oft erörterte „günstigste" Mikrofonaufstellung bei bestimmten Musikinstrumenten beschreiben, denn leider gelten auch hier wieder für jeden Raum andere Voraussetzungen. Und die müssen in jedem Einzelfall erprobt sein.

Besonders „raumhall-empfindlich" ist leider das Klavier, an das man überdies nicht allzu nahe mit dem Mikrofon herangehen darf, will man nicht eine völlige Klangverfälschung riskieren. Eine gewisse Verbesserung läßt sich mitunter durch eine Wolldecke erreichen, die - über ein entsprechendes Gestell oder auch einfach über zwei Leitern gehängt - einen großen (und damit halligen) Aufnahmeraum akustisch verkleinert. Daß man in halligen Räumen überdies zweckmäßigerweise ein Richtmikrofon verwendet, darf wohl als allgemein bekannt vorausgesetzt werden.

Zu zweit geht es beser

Wer nun als „Interpret" auch noch einen „Tonmeister" zur Hand hat, der das Gerät bedient, tut sich verhältnismäßig leicht. Er entlockt dem Instrument mehr oder weniger harmonische Töne, während der andere, Kopfhörer auf dem schütteren Haupt und Mikrofon in der ausgestreckten Rechten, den besten Aufstellungsort zu ermitteln trachtet.

Er kann so recht schnell „erhören", wo das Mikrofon am besten aufgehoben ist und wie allenfalls Dämpfungsmaterial (Decke o. ä.) angebracht werden kann. Ist man dagegen allein, so hilft nur die „Versuchsreihe".

Skizzieren bzw. dokumentieren

Man sollte dann aber auch nicht versäumen, die einmal gefundene optimale Anordnung maßstabgerecht zu skizzieren, um nicht beim nächsten Mal zu neuen Versuchen gezwungen zu sein.

Übrigens: Wer Stereo-Aufnahmen macht, hat weitaus weniger Schwierigkeiten mit der Raumakustik als der „Mono-Tor". Man kann das auch ohne Stereogerät leicht feststellen, wenn man sich mal ein Ohr ganz fest zuhält, während Mariechen „Das Gebet einer Jungfrau" zum besten gibt. Sobald die Ortungsmöglichkeit wegfällt, tritt die Raumakustik überdeutlich in Erscheinung!

Nun dürften jedoch beim Gros der Tonbandfreunde Instrumentalaufnahmen in der Minderheit sein und überdies meist eher der Kontrolle des eigenen Könnens als der geistigen Erbauung von anderen Zuhörern dienen, so daß es nicht allzu schlimm ist, wenn die Aufzeichnung die letzte Perfektion vermissen läßt.

Weitaus häufiger sind . . . .

Sprachaufnahmen

Aber auch dabei gibt es einige Probleme zu meistern, insbesondere, wenn man nur über einen „Einmannbetrieb" verfügt. In diesem Falle sitzt man nämlich recht dicht am Gerät, das man „so nebenher" bedienen muß, während man sich andererseits aufs Manuskript konzentriert und möglichst „gewählt" zu sprechen bemüht ist.

Hört man hinterher die Aufnahme ab, so ist sie meist vom - zwar recht gleichmäßigen, aber nicht minder störenden - Laufgeräusch des Tonbandgerätes untermalt. Dies mag bei Tonbandbriefen noch angehen - Archivaufnahmen aber sollten „sauber" sein. Und das ist erfreulicherweise sogar recht einfach zu erreichen, wenn man nicht gerade ein Tonbandgerät aus Olims Zeiten sein eigen nennt, dessen Laufgeräusch die Phonstärke eines mittelgroßen Staubsaugers erreicht. (Anmerkung : Zum Beispiel ein Phonorex)

Der Mindestabstand zum Mikrofon

Man braucht nämlich nur die Einsprechentfernung auf das zuträgliche Mindestmaß herabzusetzen, das sich durch einen kurzen Versuch sehr schnell ermitteln läßt. Dabei aber bitte nicht direkt von vorne ins Mikrofon sprechen, sondern leicht seitlich daran vorbei, sonst gibt's bei jedem „f" oder sonstigen Laut, der mit einigem Luftverbrauch verbunden ist, einen vernehmlichen Donner.

Der „zuträgliche" Mindestabstand ist - wieder einmal - von Mikrofon zu Mikrofon unterschiedlich. Besonders geeignet sind allerdings Mikrofone, die sich auf „Sprache" umschalten lassen, da hierdurch einerseits sehr niederfrequente Raumgeräusche unterdrückt werden und andererseits der - besonders dynamischen Mikrofonen anhaftende - „Nahbesprechungseffekt" unterbunden wird.

Es handelt sich dabei um eine Überbetonung der tiefen Tonlagen, die zwar einigen Schlagersängern, die ihre Stimme an der Kasse abgegeben haben, recht nützlich sein mag, die eigene Stimme jedoch wie aus einer Gießkanne „erstrahlen" läßt. Durch die Nahbesprechung wird aber immerhin erreicht, daß man den Aussteuerungsregler recht weit zugedreht lassen kann, wodurch sich ein großer Abstand zwischen Nutz(Sprach)- und Stör(Raumgeräusch)-Pegel einstellt.

Der Vorteil des Richtmikrofons

Bei der - für Innenaufnahmen immer zu empfehlenden - Verwendung eines Richtmikrofons lassen sich überdies die Laufgeräusche durch entsprechende Drehung des Mikrofons auf ein Mindestmaß herabsetzen, je nach Richtcharakteristik und Rückwärtsdämpfung des verwendeten Mikrofons. Die günstigste Stellung läßt sich auch hier wieder am besten im Mithörkopfhörer ermitteln. Also nochmals ganz kurz: je näher der Sprecher am Mikrofon ist, desto weniger stört die „Raumakustik", die keinesfalls immer nur aus dem unvermeidlichen Nachhall zu bestehen braucht.

Was aber ist zu beachten, wenn man den ehrenvollen Auftrag erhält, eine Konferenz oder ein Round-Table-Gespräch
unvergeßlich auf Band zu bannen? Hier kann es kritisch werden, wenn man unüberlegt arbeitet. Eines ist bestimmt nicht zu empfehlen: nämlich ein Gespräch zwischen mehr als zwei bis höchstens drei Personen in einem normal halligen Raum mit nur einem einzigen Mikrofon aufzunehmen. Der gelehrige Fernsehteilnehmer weiß ohnehin, daß dort nicht selten jeder Gesprächsteilnehmer sein eigenes „Lavallier-Mikrofon" um den Hals baumeln hat oder aber zum mindesten eine ganze Mikrofonbatterie auf die entsetzten Sprecher starrt.

Konferenzen brauchen viele Mikrofone

Der Amateur wird sich meist mit einfacheren Mitteln behelfen müssen. Trotzdem aber sollte man dafür sorgen, daß wenigstens so viele Mikrofone zur Verfügung stehen, daß kein Sprecher mehr als zwei Meter von solch einem Dings entfernt sitzt. Im Bedarfsfalle werden einem sicher auch befreundete Amateure hilfreich unter die Arme greifen.

Am besten wäre es natürlich, für diesen Zweck lauter gleiche Mikrofone zu verwenden - aber wer hat die schon? Also muß man sich mit geringfügig voneinander abweichenden Klangcharakteristiken abfinden, die jedoch in einem solchen Falle kaum jemals stören dürften . . .

Auch ein Mischpult ist von Vorteil

Ein zweites notwendiges Übel ist in einem solchen Falle dann ein Mischpult, über das die Mikrofone entsprechend zusammengeschaltet werden können und - last not least - während des Gespräches erhöhte Aufmerksamkeit des „Tonmeisters", dem die ehrenvolle Aufgabe zuteil wird, immer im richtigen Moment das richtige Mikrofon aufzudrehen.

Nur so allerdings wird es gelingen, wirklich befriedigende Aufnahmen zu erzielen, bei denen sich die Diskussion nicht in einem allgemeinen „Rhabarber"-Gemurmel verliert. Darüber hinaus wird man die Gesprächspartner dahingehend zur Disziplin anhalten, daß möglichst immer nur einer den Mund auftut; das gehört zwar nicht direkt zum Thema „Raumakustik", aber doch immerhin zur Erzielung einwandfreier Aufnahmen.

Und gerade bei der Protokollierung einer wichtigen Besprechung kann man nicht pingelig genug sein. Schon manche Aufnahme wurde durch Fingertrommeln auf den Tisch, Geklopfe mit einschlägigem Schreibwerkzeug und demonstratives Papiergeraschel vermasselt.

Überdies sollte vor dem Raum, in dem eine solche Besprechung stattfindet, auch möglichst nicht gerade ein Bagger die Straße aufreißen und so für zusätzliche „Raumakustik" sorgen ...

Kommen wir schließlich noch zu einer weiteren Tätigkeit des „Profis", der . . .

Live-Reportage

Hier dienen - im Gegensatz zu den vorbeschriebenen Fällen - Raumakustik und Raumgeräusche zur Demonstration des Milieus. Die Ansprache des Pfarrers bei der Taufe darf ruhig verhallt sein, damit man hört, daß sie in der Kirche gehalten wird.

Ein zu „trockener" Klang wäre hier verfehlt. Andererseits aber ist gerade in einer Kirche der Raumhall so ausgeprägt, daß man unbedingt möglichst nahe an den Sprecher herangehen muß, soll nicht alles zu einer unverständlichen „Soße" verschwimmen.

Man darf dabei nur nicht zu schüchtern sein und muß notfalls das Mikrofon eben in einem der obligatorischen Bäumchen, die meist in der Nähe des Altars umherstehen, verstecken. Eine vorherige Probeaufnahme ist allerdings auch hier von Nutzen, wenn man nicht später doch noch Ärger bekommen will.

Aufnahmen im Freien

Keine „Raumakustik" gibt es hingegen verständlicherweise im Freien. Dadurch lassen sich allerdings bei einer Reportage auch besondere Effekte erzielen. So wird man ohne weiteres beim Abhören erkennen können, wenn der Sprecher aus einem Zimmer in den Flur (hallig) tritt, um dann das Haus zu verlassen (Klang völlig trocken, jedoch Umweltgeräusche). Doch dies nur nebenbei.

Die häufigste Reportageart dürfte allerdings die Dokumentation irgendwelcher Familienfestivitäten sein und hierbei werden dann auch prompt die meisten Fehler gemacht. Wie oft bekommt man Bänder zu hören, die zwar erkennen lassen, daß es damals recht lustig zuging, die aber ansonsten ein einziges Kuddelmuddel enthalten. Wer dies fünf Minuten lang angehört hat, wendet sich meist mit Grausen.

Dabei ist es gar nicht so schwierig, auch bei solchen Gelegenheiten zu einwandfreien Aufnahmen zu kommen, die später mindestens den gleichen Erinnerungswert besitzen, als (nein, es muß "wie" heißen!!!") eine ganze Reihe von Fotos.

Aus den Fehlern lernen nennt man Erfahrung

Wer also bereit ist, aus eigenen Fehlern zu lernen, wird niemals einfach das Mikrofon einschalten und hoffen, daß „schon was drauf sein" wird. Vielmehr wird er sich bemühen, mit Anwesenden ins Gespräch zu kommen, mehr oder weniger witzige Kommentare zum Geschehen zu geben und auf jeden Fall alles andere in den Hintergrund zu drängen.

Von dem lustigen Getöse ist auch so noch mehr als genug zu hören. Und wenn dann jemand Gedichte vortragen, Kalauer zum besten geben oder erschröcklicherweise möglichst gar drei Wirtinnenverse singen muß, so eile man, mit dem Mikrofon möglichst schnell an den „Tatort" zu gelangen. In einem Wirtshaussaal läßt sich nämlich für oder gegen die Raumakustik gar nichts unternehmen. Ran mit dem Mikro ans Geschehen, heißt hier die Parole (und dabei auf die richtige Aussteuerung achten!).

Fazit bzw. Binsenweisheit :

Probleme der Raumakustik lassen sich - mangels Masse - für den Amateur am einfachsten dadurch lösen, daß er das Mikrofon möglichst nahe dorthin bringt, wo sich das eigentliche „Schallereignis" abspielt. Dies ist eine Binsenweisheit, die leider, wie man an manchen danebengelungenen Aufnahmen immer wieder erkennen kann, oft nicht genügend beachtet wird.

Und noch eines: Wo zusätzliche „Raumakustik" durch türenschlagende, staubsaugende oder kaffeemahlende Familienmitglieder hervorgebracht wird, klopfe man diesen während der „Sendezeit" intensiv auf die Finger oder - noch besser - schicke sie so lange ins Kino. Dann wird's schon klappen. K. R.

ZUR AUSSTEUERUNG VON TONAUFNAHMEN

Die Anfrage eines Lesers zum Problem der Übersteuerung von Tonaufnahmen veranlaßte uns, Herrn Dieter Thomsen aus dem Hause Teldec einmal zu dieser Frage ganz allgemein Stellung nehmen zu lassen.

Thema : Schrille Frauenstimmen

Die Schwierigkeiten, mit denen unser Leser zu kämpfen hatte, traten vor allem auf bei Tonaufnahmen von folkloristischem Gesang besonders schriller Frauenstimmen in Tunesien und in der Südsee.

Obwohl die Aussteuerung des Tonbandgerätes richtig gehandhabt wurde, schienen alle Tondokumente bei der Wiedergabe übersteuert zu sein. Wegdrehen des Mikrofons oder Abdecken mit einem Tuch führte ebenso zu unbefriedigenden Klangergebnissen. Verwendet wurden bei diesen Aufnahmen durchweg Spitzenmikrofone der verschiedensten Hersteller, die alle - bis auf eine Ausnahme - zum selben verzerrten Ergebnis führten.

Die Ausführungen unseres Lesers lassen den Schluß zu, daß eben nicht jedes beliebige Mikrofon für jede beliebige Aufnahme geeignet ist; eine immerhin bekannte Tatsache.

Man(n) müsse da unterscheiden . . . .

Es gilt zu unterscheiden zwischen Innen- und Außenaufnahmen, verwendeten Tonbandgeräten und deren Schaltung, Nieren- oder Kugelcharakteristik und dergleichen mehr - alles Dinge, auf die wir in unserer Serie „Wie funktionieren unsere Mikrofone" auch hingewiesen haben. Auf mögliche Ursachen von übersteuerten Aufnahmen und deren praktische Konsequenzen soll unser Beitrag aufmerksam machen. Red.

Aufpassen bei niedrigen Bandgeschwindigkeiten

Tonbänder lassen sich nicht - vor allem nicht bei niedrigen Bandgeschwindigkeiten - bei allen Frequenzen voll aussteuern. Das ist eine physikalisch und technologisch bedingte Tatsache. Die maximal mögliche Magnetisierung nimmt in Richtung höherer Frequenzen oder, anders ausgedrückt, kleinerer Wellenlängen ab.

Im „Normalfall" einer Aufnahme, z. B. mit europäischer Musik, weisen jedoch die höheren Frequenzen im Klangspektrum einen niedrigeren Energieanteil auf als tiefe, so daß eine Übersteuerung des Tonbandes nicht vorkommt.

Schon bei Tanz- und Effektmusik mit starkem Schlagzeug kann die Sättigungsgrenze des Bandes erreicht werden. Die Hersteller von Heimtonbandgeräten berücksichtigen diese Tatsachen, indem sie die Aussteuerungsanzeige (Magisches Auge oder Zeigerinstrument) nach der in jedem Aufsprechverstärker notwendigen Höhenanhebung anordnen. Stärkere Höhenanteile werden also bevorzugt angezeigt - das Band entsprechend weniger ausgesteuert.

Neue Tonbänder sollens richten (wir haben 1969)

In letzter Zeit liefern die großen Magnetbandhersteller Tonbänder, die im Ganzen höher aussteuerbar und auch in den Höhen übersteuerungssicherer sind (high Output; low noise). Die Magnetisierungsgrenze wurde also auch bei kleinen Wellenlängen angehoben.

Diese Grenze ist nun noch von weiteren Einflüssen abhängig. Mit höherer Bandgeschwindigkeit steigt die Aussteuerbarkeit, denn maßgebend für die Magnetisierung des Tonbandes ist die Wellenlänge der aufzuzeichnenden Frequenz und diese Wellenlänge verdoppelt sich mit doppelter Bandgeschwindigkeit.

Auch aus diesem Grund wird in professionellen Studios immer noch mit 3cm/s Bandgeschwindigkeit gearbeitet, obwohl der erreichbare Frequenzumfang und Rauschabstand schon bei 19cm/s Hi-Fi Ansprüchen genügt.

Die Hochfrequenzmagnetisierung

Bei der Aufnahme fließt außer der aufzuzeichnenden Tonfrequenz noch ein Hochfrequenzstrom durch den Aufsprechkopf. Durch Änderung dieses Stromes stellt man am Aufsprechverstärker den sogenannten Arbeitspunkt ein, d. h. eine optimale Betriebsbedingung für einen bestimmten Bandtyp und den im Gerät vorhandenen Aufsprechkopf.

Heimtonbänder können bei normalen Ansprüchen durchaus ohne Rücksicht auf Fabrikat und Dicke des Bandes (Standard, Langspiel usw.) auf allen Geräten ohne spezielle Änderung des Arbeitspunktes verwendet werden. Bei höheren Ansprüchen empfiehlt sich jedoch das Einstellen des Arbeitspunktes auf ein bestimmtes Band.

Mit einer geringen Änderung des Arbeitspunktes kann man oft, bei unwesentlich ansteigendem Gesamtklirrfaktor, die Aussteuerbarkeit in den Höhen kräftig verbessern. Eine damit zusammenhängende Frage ist natürlich auch die Konstanz des Arbeitspunktes bei extremen Temperaturbedingungen.

Die Spaltbreiten der Aufsprechköpfe

Die Spaltbreite des Aufsprechkopfes beeinflußt zusätzlich die Aussteuerbarkeit des Bandes. Geräte mit nur zwei Tonköpfen verwenden den Aufsprechkopf auch als Wiedergabekopf.

Die Spaltbreite dieses Kombikopfes ist ein Kompromiß zwischen der für eine gute Höhenwiedergabe geringen Spaltbreite und einer für eine kräftige Magnetisierung des Bandes bei kleinen Wellenlängen nötigen größeren. Technisch optimal sind die Spaltbreiten bei Geräten mit getrenntem Aufsprech- und Wiedergabekopf.

Oberwellen und Interferenzprodukte

Bei der Übersteuerung des Bandes entstehen Oberwellen, die im vom Mikrofon gelieferten Klangbild nicht enthalten sind. Diese Oberwellenanteile sind, wenn sie bei höheren Frequenzen entstehen, nicht mehr hörbar.

Hörbar jedoch sind Interferenzprodukte, die durch Überlagerung dieser Oberwellen mit der Vormagnetisierungsfrequenz entstehen - besonders dann, wenn diese Frequenz relativ niedrig ist.

Übersteuerung der Mikrofonverstärker

Verzerrungen können schließlich am Eingang des Tonbandgerätes in der ersten Verstärkerstufe entstehen, wenn die vom Mikrofon abgegebene Spannung zu groß ist. Die Gefahr ist immer dann vorhanden, wenn man den Aussteuerungsregler des Gerätes nur sehr wenig aufdrehen kann, bis Vollaussteuerung erreicht ist.

Mechanische Probleme beim Bandlauf

Bei Tonbandgeräten mit festen Bandführungen (Umlenkstifte anstelle von Umlenkrollen) können beim Vorbeilauf des Bandes an den Köpfen Längsschwingungen mechanischer Art entstehen. Diese äußern sich klanglich durch Nebenspektren des aufgezeichneten Tones - er klingt verwaschen.

Geräte mit Umlenkrollen, besonders mit Beruhigungsrollen zwischen den Köpfen wie bei Studiogeräten, lassen solche Längsschwingungen nicht entstehen. Bei den elastischen und schmiegsamen Bändern mit Polyester-Träger treten diese schon von Natur aus nicht auf.

Wenn sogar das Mikrofon verzerrt

Eine weitere mögliche Ursache für Klirrerscheinungen könnte noch die Erregung der Mikrofonmembran bei bestimmten Eigenfrequenzen bei großen Lautstärken sein, besonders bei hoch liegenden Frequenzen. Die Benutzung des für den Mikrofontyp bestimmten Windschutzes (Schaumstoffhülle, Geflecht oder Vlies) ist bei Außenaufnahmen immer günstig. Tücher, Strümpfe usw. sind ein sehr unvollkommener Ersatz und beeinflussen die Klangqualität.

Zusammenfassung

Für die Praxis ergeben sich folgende Gesichtspunkte:

Die Bandgeschwindigkeit soll so groß wie möglich sein. Bei gleichem Bandverbrauch ist z.B. 19cm/s Viertelspur besser als 9,5cm/s Halbspur. Noch besser ist 38,cm/s.

Gerät(e) auf High-Output-Bänder einmessen lassen. Die Tonbandhersteller veröffentlichen zu jedem Bandtyp auch Diagramme über die Aussteuerbarkeit bei hohen Frequenzen. Nach Möglichkeit ein Gerät mit getrennten Köpfen für Aufsprache und Wiedergabe benutzen. Das bietet außerdem noch die Möglichkeit, gleich während der Aufnahme „über Band" (mit Kopfhörer) mitzuhören und eventuell den Mikrofonabstand zu korrigieren.

Den Mikrofonabstand nicht zu gering wählen. Neuerdings sind Richtmikrofone mit extremer Richtwirkung erhältlich, mit denen man einige Meter vom Sänger entfernt noch einen absolut natürlichen Klangeindruck erhält. Der geringe Aufnahmewinkel schließt auch Umgebungsgeräusche aus.

Wenn der Mikrofonregler am Gerät bei Vollaussteuerung im ersten Drittel steht, ist eine Übersteuerung im Gerät selbst nicht auszuschließen. Abhilfe schafft ein Spannungsteiler am Eingang. Bei Verwendung eines Mischpultes könnte man ein Tiefpaßfilter einfügen, das Frequenzen oberhalb 12 kHz stark bedämpft. Es tritt dabei noch keine merkliche Klangverschlechterung auf. Th.

Fachausdrücke - leicht gemacht
Impedanz, Übertrager, Anpassung, Ohm

Versuchen Sie mal ein Lämpchen aus Gabis Puppenstube in Ihre Küchenlampe zu schrauben. Auch wenn die Lampenfassung entsprechend klein wäre - das Lämpchen würde sofort seinen Geist aufgeben. Es liegt nämlich eine "Fehlanpassung" vor.

Die meisten Anpassungs-Schwierigkeiten tauchen erfahrungsgemäß bei den Mikrofonen auf. - In einem Tauchspulenmikrofon befindet sich als wichtigstes elektrisches Einzelteil die (Tauch-)Spule.

Ihre elektrische Größe (exakt: ihr Scheinwiderstand) bezeichnet man mit Impedanz. Die Größe der Impedanz wird in Ohm angeben. (Wobei die Maßeinheit für Widerstand mit Ohm bezeichnet wird.)

Es gibt niederohmige Mikrofone (Impedanz 200 Ohm), mittelohmige (Impedanz 600 bis 1000 Ohm) und hochohmige (Tauchspul-)Mikrofone (15 bis 80 Kilo-Ohm). Wichtig ist nun, daß Ihr Mikrofoneingang an Bandgerät, Mischpult oder Verstärker der Mikrofon-Impedanz entspricht (im Prospekt oder Bedienugsanleitung angegeben).

Die richtige Anpassung

Stimmt beides überein, ergibt sich die richtige Anpassung. Besitzen Sie aber ein niederohmiges Mikrofon und ist das Bandgerät mit einem hochohmigen Eingang ausgerüstet (bei fast allen Röhrengeräten der Fall), dann kann man sich mit einem Übertrager helfen (Mikrofon-Kabelübertrager). Genau so, wie Gabis Lämpchen mit einem entsprechenden Übertrager (Transformator) auch in der Küchenlampe brennen würde. Folgende Fehler treten bei Fehlanpassungen auf: Starkes Rauschen, geringe Lautstärke, Tiefen oder Höhenverlust.

Auch ein Lautsprecher oder Kopfhörer hat eine Impedanz. Bei Lautsprechern in der Regel 4 bis 16 Ohm. Kopfhörer gibt es sowohl niederohmig (etwa 5 bis 10 Ohm) wie auch hochohmig (etwa 1 bis 2 Kilo-Ohm) (Anmerkung und ab 1990 auch mittelohmig mit ca. 260 Ohm).

Fehlanpassung von Kopfhörern - innerhalb der entsprechenden Gruppe - ist weniger kritisch. Falsch angepaßte Lautsprecher bringen sehr oft Verzerrungen und schlechte Tiefenwiedergabe. Bei Transistor-Verstärkern können sie u. U. sogar die Endstufe „töten". (Anmerkung : Das galt nur für die Verstärker der ersten und zweiten Generation, später galt das nicht mehr.)

Wenn die Spannungen nicht passen

Eine weitere Möglichkeit der Fehlanpassung besteht beim Überspielen von Band zu Band, von Ausgang Gerät I auf Radio-Eingang Gerät II. Mit speziellen Kabeln ist das bei allen Bandgeräten, mit dem normalen Diodenkabel bei manchen Gerätetypen möglich.

Hier hätten wir wieder das Beispiel Puppenstuben-Lämpchen. Die Spannung in der Küchenlampe bzw. am Ausgang von Gerät I ist viel zu hoch für das Lämpchen bzw. den Radio-Eingang in Gerät II. Es kann zwar nichts kaputt gehen, aber es gibt üble Verzerrungen, weil der Radio-Eingang nur für maximal 0,2 Volt ausgelegt ist, der Ausgang aber bis zu 1,5 Volt liefern kann. Abhilfe schafft entweder die Benutzung des Phono-Einganges oder die Verwendung einer speziellen Überspielleitung (Telefunken).

Als letzte Möglichkeit möchten wir noch die Fehlanpassung eines Plattenspielers mit Kristall-System erwähnen. Tiefenverluste treten bei der Zusammenschaltung mit manchen Transistorgeräten auf. Der Eingangswiderstand des Transistorverstärkers ist zu klein. Abhilfe schafft praktisch nur ein Plattenspieler mit (dem besseren) Magnet-System.

Rumpeln

Rumpeln ist ein Störgeräusch, das bei der Schallplattenwiedergabe auftritt. Man könnte es auch als tiefes Brummen bezeichnen. Im Gegensatz zum Brummen aber - welches gleichmäßig in Tonhöhe und Lautstärke bleibt - kann man beim Rumpeln kleine Schwankungen beider Kriterien wahrnehmen. Aus diesem Grunde, und wegen der völlig verschiedenen Ursachen beider Störgeräusche, die unterschiedliche Bezeichnung.

Das Antriebselement eines Plattenspielers ist der Motor. Im Betriebszustand erzeugt er gewisse mechanische Erschütterungen. Da der Motor mit dem Laufwerk, wie auch mit dem Plattenteller
mechanisch verbunden ist, übertragen sich diese Vibrationen über Abtastnadel, Verstärker auf den Lautsprecher.

Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, diese Störgeräusche einzudämmen. Der Motor selbst sollte - um einen möglichst ruhigen Lauf zu erzielen - sehr gut ausgewuchtet gelagert sein. Des weiteren läßt sich zwischen Laufwerk (Motor und Zwischenrollen für die verschiedenen Umdrehungsgeschwindigkeiten) und dem Geräte-Chassis eine mechanische Isolierung, einbauen.

Das ist möglich durch federnde Aufhängung, Gummizwischenlagen oder Schwingmetall-Elemente. (Schwingmetall Rund- oder Vierkantgummi, in dessen Ober- und Unterteil ein Metallstück mit Gewinde "einvulkanisiert" ist. Die Befestigung erfolgt durch beide Gewinde, Kraftübertragung durch den dazwischenliegenden Gummi.)

  • Anmerkung : Das ist eine sehr sehr unglückliche Beschreibung, die so mancher Laie damals wie heute überhaupt nicht versteht. Was ist "einvulkanisiert" und warum muß der Motor über die Gummi-Halterungen Kraft übertragen ? Die Kraft sollte doch über seinen Rotor auf den Plattenteller übertragen werden.
    Aus meiner Sicht hätte das ganz anders fpormuliert werden müssen, damit der Laie das auch versteht.
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Die Plattenteller-Antriebsarten

Weitere Möglichkeiten liegen bei der Konstruktion des Laufwerkes und dem verwendeten Prinzip der Kraftübertragung (Schnecken-, Reibrad-, Riemenantrieb). Schneckenantrieb ist überholt, Reibradantrieb ist die am häufigsten auftretende Form der Kraftübertragung.

Im Hinblick auf die Bekämpfung des Rumpelns ist der Riemenantrieb die beste Lösung. Der Riemen als einzige direkte Verbindung von Laufwerk zu Plattenteller hat auf Grund seiner Flexibilität einen großen mechanischen Isoliereffekt.

Die rumpelfreie Lagerung des Tellers

Auch eine gute Lagerung des Plattentellers ist wichtig. Schon ein kleines Lagerspiel zwischen Welle und Buchse kann über den großen Hebelarm Plattenteller zu unregelmäßigem Lauf führen. Lange Plattentellerachsen, oben und unten gelagert, sind das beste Gegenmittel. Luftdruckschwankungen können ebenfalls Rumpeln erzeugen.

Bei dem geringen Auflagegewicht moderner Abtastsysteme kann bereits ein Tieftonlautsprecher - entsprechend „aufgedreht" - das System durch seine Schallwellen beeinflussen. Kleine Räume, große Lautstärke - der Verfasser hat diese Störungen durch Luftdruckschwankungen selbst erfahren müssen.

Raumvibrationen aller Art - hat aber mit Rumpeln nichts zu tun

Blieben als letzter Punkt noch zu erwähnen die indirekt auftretenden Störungen: Z. B. eine zugeschlagene Tür, Fußbodenvibrationen. Auch das kann durch mechanische Übertragung über das Gehäuse, in welchem das Chassis eingebaut ist, auf das Abtastsystem rückwirken. Aus diesem Grund sind die Chassis immer federnd, d. h. weich im Gehäuse aufgehängt.

Es gibt Leute, die strömen zielstrebig in Richtung Tieftöner, wenn ihnen ein neuer Plattenspieler vorgestellt wird. Bei den Ein- und Auslaufrillen einer Schallplatte sind Rumpelgeräusche wegen der nicht vorhandenen Musik-„Decke" natürlich besonders gut zu hören. In diesen Momenten kriechen jene „Experten" förmlich in den Lautsprecher hinein. Wenn sie wieder herauskommen, kann man an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, wie es mit dem Rumpeln steht.

  • Anmerkung : Das letztere ist natürlich Unsinn, denn gerade die tiefen Frequenzen sind im Raum in jeder Ecke und auch in der Mitte sehr gut zu hören, aber nicht zu orten.

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Klirrfaktor, Klirrgrad, Übersteuerung

Der Klirrfaktor sind Verzerrungen, unsaubere, also klirrende Töne. Hervorgerufen durch Übersteuerung.

  • Anmerkung : Sorry, das ist eine ziemlich unverständliche und blöde Formulierung. So sollte man das nicht formulieren.


Diese Übersteuerung wiederrum tritt dann ein, wenn Sie die Grenze an Ihrer Aussteuerungsanzeige überschreiten. Bei Zeigerinstrumenten also ins rote Feld fahren, bei einer magischen (Aussteuerungsanzeige-) Röhre die Leuchtsektoren übereinander schieben lassen, oder bei der akustischen Aussteuerungshilfe (für Nichtsehende) das Übersteuerungspfeifen im Kopfhörer nicht beachten. Was dann entsteht nennt sich Klirrfaktor oder Klirrgrad bzw. K3.

Ein Vergleich : Sie haben in Ihrem Garten Pfirsiche geerntet. Eine Tasche voll war Tante Frieda versprochen. Da Sie es gut mit ihr meinen, wird in die Tasche gepackt, was nur hinein geht. Das Resultat ist ein „Klirrfaktor" bei Tante Frieda, da alle Pfirsiche zerdrückt sind. Das Resultat Ihrer Überladung bzw. der „Übersteuerung" der Tasche. Nicht nur die paar Pfirsiche, welche die Tasche nicht mehr bequem unterbringen konnte, sondern der ganze Inhalt ist beschädigt.
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Auch diese weitere Erklärung ist nicht "laiengerecht"

Auch das Tonband kann nur eine bestimmte Menge (Pegel oder Lautstärke) aufnehmen. Bei einer „Überladung" ist alles verzerrt. Nicht nur die kleine oder größere Zugabe an Pegel. (Es sei hier noch erwähnt, daß nicht nur das Tonband, sondern auch das Bandgerät und jeder andere Verstärker eine Aussteuerungsgrenze hat.)

Um eine möglichst große Dynamik zu erreichen, liegt die Aussteuerungsgrenze bei unseren Bandgeräten in einem Bereich, "wo" (auch die meine Güte) diese Verzerrungen gerade noch nicht hörbar sind. Die entsprechende Angabe erfolgt in Prozent (vom Gesamt-Pegel). Nach DIN 45 511 sind das bei Heim- und HiFi-Geräten maximal 5%.

VU-Meter

Diesen langen Text lassen wir hier weg. Das hätte Karl Breh dem Autor Herrn Fred Höllmich wieder zum Überarbeiten zurückgeben sollen. Damit wurde und wird die Qualität von "tonband" tief herunter gezogen. Schade.

Auf dem tonband-Prüftisch -
Es war in 1969 ziemlich neu :
Das Uher Royal de Luxe

Uher Stereo-Magnettongerät Royal de Luxe und Royal de Luxe C

Das Royal de Luxe bzw. das Royal de Luxe C sind die Spitzenmodelle der derzeitigen (wir sind im Frühjahr 1969) Uher-Produktion. Der mechanische Aufbau und der Magnettonteil in den beiden einmotorigen Laufwerken ist in allem der gleiche. Während jedoch im Royal de Luxe ein auch separat nutzbarer Stereoverstärker mit einer Ausgangsleistung von 2x10 Watt an 4 Ohm zur Verfügung steht, fehlt dieser im Modell „C". Bei Grundig waren das zum Vergleich die sogenannten TM Typen.

Luxus mit der Plexiglashaube

Um insbesondere die Tonköpfe vor Staubablagerung und den sich häufig hieraus ergebenden Dropouts zu schützen, gehört zum Lieferumfang jedes der beiden Royal de Luxe-Modelle eine Plexiglas-Abdeckhaube,

Es gab breits vorher ein Uher-Royal

Diesen Uher-Tonbandgeräten eilt der Ruf voraus, weitgehend universell nutzbar zu sein. Welche Betriebsmöglichkeiten bieten die Royal-Geräte?

Zunächst vier Bandgeschwindigkeiten, nämlich 19cm/s, 9,5cm/s, 4,75cm/s und 2,4cm/s. Außer dem üblichen Mono-/Stereo Aufnahme-und Wiedergabebetrieb, einer Vorband-/ Überband-Abhörkontrolle gestattet das Gerät auch die Durchführung aller bekannten Trickmöglichkeiten. Desweiteren ist seine Eingangsschaltung so ausgelegt, daß bis zu vier monaurale oder zwei stereofone Modulationsquellen in beliebigem Amplitudenverhältnis miteinander gemischt auf den Eingang des Aufnahmeverstärkers gegeben werden können.

Pilotton-Kopf für Diaprojektoren

Darüber hinaus enthalten beide Uher-Modelle einen sogenannten „Diapiloten". Diese Einrichtung bietet bei den Bandgeschwindigkeiten 19 cm/s bis 4,75 cm/s
und gleichzeitiger Verwendung der heute üblichen Magazin-Diaprojektoren, mit Hilfe eines im Kopfträger vorhandenen Zusatzkopfes und eines im Laufwerk fest eingebauten Pilotverstärkers, noch folgende Nutzungsmöglichkeit: Außer zur Wiedergabe monauraler bzw. bei Vierspur auch stereofoner Bild-Begleitmodulation dient das gleiche Band ohne weitere Zusatzgeräte zur automatischen Steuerung des Bildwechsels.

Austauschbare Kopfträger

Beim Kauf eines Magnettongerätes steht man häufig vor der Entscheidung, ob man eines für Zwei-, d. h, Halbspur, oder Vier-, d. h. Viertelspur erwerben soll. Diese Frage existiert bei den vorgenannten Uher-Spitzengeräten eigentlich nicht. Bei den beiden Royal de Luxe Modellen ist der komplette Kopfträger (Bild 1) nach dem Lösen von nur zwei Rändelmuttern austauschbar, d. h. man kann bei diesem Gerät ganz nach Belieben Viertel- oder Halbspurbetrieb wählen.

Eingebaute Endstufe samt lautsprecher

Wie einleitend bereits gesagt enthält das Royal de Luxe einen Stereo- Endverstärker sowie zwei, in den Seitenwänden eingebaute Abhörlautsprecher. Um das Royal de Luxe in jeder Betriebslage ohne Verschlechterung der von der Mechanik abhängigen Übertragungseigenschaften nutzen zu können, wurde das Laufwerk und insbesondere seine Bandbremsen so konstruiert, daß es lageunabhängig arbeitet. Wem es Freude bereitet das Gerät aufzuhängen, kann auch dieses tun. Hierfür befinden sich in der Geräterückwand zwei entsprechende Ösen. Bei der Verwirklichung dieses Vorhabens sollte man jedoch bedenken, daß das Gerät ca. 13kg wiegt. Trotz seiner stabilen Bauweise dürfte es den Sturz von einer Wand nicht ohne Schäden überstehen.

Funktionshinweise

Sämtliche Bedien- und Kontrollelemente haben im unteren Drittel der Laufwerkfrontplatte ihren Platz gefunden (Bild 2). Obwohl alle Bedienknöpfe deutlich beschriftet sind, erscheint es dennoch sinnvoll, einige Funktionsdetails etwas näher zu beschreiben.

Eingangs wurde bereits erwähnt, daß bei monauralem Betrieb bis zu vier, bei stereofonem zwei Signalspannungen in beliebigem Amplitudenverhältnis gemischt aufgezeichnet oder auch - bei reinem Verstärkerbetrieb - übertragen werden können.

Die Royal de Luxe Modelle sind zum Anschluß folgender Modulationsquellen eingerichtet:Zwei nie-derohmige Mono- oder ein niederohmiges Stereo-Mikrofon mit einem Innenwiderstand von 200 Ohm, Radio (hierbei gegebener Eingangswiderstand des Verstärkers 47 kOhm), Phono I (Eingangswiderstand des Verstärkers 1 MOhm), sowie ein ebenfalls frequenzlinearer Phono-II-Eingang mit einem Eingangswiderstand von 50 kOhm.

Für die vorgenannten Quellen stehen an der Frontseite für den Mikrofonanschluß die beiden 3-poligen Normbuchsen, für die übrigen Quellen auf der Laufwerkrückseite in einem versenkt ausgeführten Anschlußfeld (Bild 3) zwei weitere 5-polige Normbuchsen zur Verfügung. In dem gleichen Feld haben auch die Normbuchsen für den Ausgang des Wiedergabeverstärkers, des Diapiloten, der Ferneinschaltung und die Lautsprecherbuchsen ihren Platz gefunden.

3 Stereoquellen mit 2 Reglern aussteuern

Es dürfte sich für viele unserer Leser die Frage erheben, wie drei Stereo-Signalquellen über nur zwei Normbuchsen und zwei Doppelpotentiometer (Pegel 1 und Pegel 2) definiert auf den Eingang des Aufsprechverstärkers gegeben werden können.

Bei der im rückseitigen Anschlußfeld gelegenen Normbuchse, die mit zwei übereinander gravierten schwarzen Dreiecken gekennzeichnet ist, sind die Kontakte 1 bis 2 bzw. 4 bis 2 mit dem Radioeingang, die Kontakte 3 bis 2 bzw. 5 bis 2 mit dem mittelpegeligen und gleichzeitig hoch-ohmigen Phono I-Eingang belegt. Schaltungsmäßig liegt zwischen dem Mikrofoneingang und den Anschlüssen für Radio und Phono I die auf dem Bedienfeld links unten angeordnete und mit „Mikro" bezeichnete Umschalttaste. Wird sie gedrückt, so gelangt nur die Mikrofonspannung an den Eingang des Vorverstärkers. Befindet sie sich in Ruhestellung, so sind die Spannungsquellen Radio bzw. Phono I über die vorgenannte 5polige Normbuchse und Spannungsteiler mit dem Eingang des Mikrofonvorverstärkers verbunden.

Das an dessen Stereoausgang liegende und mit „Pegel 1" bezeichnete Doppelpotentiometer gestattet die Einstellung der eingespeisten Signalspannung auf ihren Sollwert.

Umschaltung Aufnahme - Wiedergabe

Bei Bandwiedergabe werden die Kontakte 3 bis 2 bzw. 5 bis 2 dieser 5poligen Eingangsbuchse außerdem automatisch mit den Kontakten 1 bis 6 bzw. 5 bis 6 der 6poligen Ausgangsbuchse des Wiedergabeverstärkers verbunden. Damit dieser nicht unzulässig belastet wird, sollte mit dem Phono I-Eingang nur ein Kristalltonabnehmer oder eine andere sehr hochohmige Quelle verbunden werden.

Beachtet man diese Betriebsbedingung nicht, so wird - infolge der Fehlanpassung am Ausgang des Wiedergabeverstärkers - bei der Bandabtastung die mittelpegelige Wiedergabespannung nicht nur verkleinert, sondern auch gleichzeitig deren Klirrgrad vergrößert.

Nun die 2. Eingangsbuchse

Die zweite, mit nur einem schwarzen Dreieck gekennzeichnete 5polige Eingangsbuchse (Kontaktbelegung 3 bis 2 bzw. 5 bis 2) dient zum Anschluß hochpegeliger Quellen, deren Innenwiderstand jedoch relativ klein sein und den Wert von maximal 15 kOhm nicht übersteigen sollte.

Die an diesem Eingang liegende Spannung wird über das mit „Pegel 2" bezeichnete Doppelpotentiometer erst hinter dem Mikrofonverstärker in den Übertragungsweg eingespeist. Die vorstehenden Erklärungen lassen zunächst erkennen, wie mit Hilfe der gewählten Eingangsschaltung und der Regler „Pegel 1" und „Pegel 2" die von verschiedenen Quellen gelieferte Signalspannung beliebig gemischt aufgezeichnet oder mittels des Stereoendverstärkers unmittelbar übertragen werden kann.

Andererseits darf aber auch nicht übersehen werden, daß bei Nichtbeachtung der Gebrauchsanleitung bzw. der vorgenannten Hinweise - infolge der nicht ganz unkritischen Eingangsschaltung - Fehlergebnisse entstehen können.

Eigentlich zu kleine Pegelregler auf der Frontplatte

Wegen des auf der Laufwerkfrontseite nicht allzu reichlich vorhandenen Platzes können zwangsläufig die Knopfhälften der beiden Eingangsmischregler nicht sehr groß sein. Bei der Mischung von mehr als zwei monauralen Quellen benötigt man daher zu deren einwandfreier Bedienung etwas „spitze Finger".

Die beiden Anzeigeinstrumente

Wie alle voll transistorisierten Stereo-Heimmagnettongeräte besitzen auch die beiden Royal de Luxe-Modelle zwei Zeigerinstrumente zur Aussteuerungskontrolle. Ihr Anzeigebereich erstreckt sich von +3dB über Vollaussteuerung bis -20dB unter Vollaussteuerung.

Links und rechts neben den beiden Aussteuerungsinstrumenten haben je zwei blaue bzw. rote Leuchtfelder ihren Platz gefunden. Sie zeigen an, ob das Gerät auf Mono- oder Stereo-, auf Wiedergabe- (=blau) oder Aufnahme-Betrieb (=rot) geschaltet ist.

Die Stereo-Ausgangsbuchsen beider Geräte

Wie bereits gesagt, kann bei Bandwiedergabe die Modulation entweder an den Kontakten 3-2/5-2 der mit zwei schwarzen Dreiecken gekennzeichneten 6-poligen Normbuchse oder an den Kontakten 1-6/5-6 der 6-poligen Buchse abgenommen werden. Letztere ist mit einem schwarzen Dreieck und dem Projektorsymbol gekennzeichnet.

Soll während einer Aufnahme von der Überband- auf die Vorband-Abhörkontrolle umgeschaltet werden, so ist die mit „Monitor" bezeichnete Taste zu drücken. Die Signalspannung hierfür steht aber lediglich an der vorgenannten 6-poligen Buchse oder am Ausgang des Endverstärkers zur Verfügung.

Es erscheint daher betrieblich zweckmäßig, die mittelpegelige Signal-Spannung ausschließlich an dieser, NICHT aber an der mit zwei Dreiecken gekennzeichneten 6-poligen Normbuchse abzunehmen.

„Pegel Multiplay-Echo" und „Dia", etwas kompliziert

Über der Taste „Monitor" befindet sich eine weitere Taste. Ihr ist die Beschriftung „Pegel Multiplay-Echo" und „Dia" zugeordnet. Durch Drehen dieser Taste läßt sich die Intensität einer Multi-play- oder Echoaufnahme regeln. Steht der ebenfalls im Bedienfeld befindliche Betriebsarten-Wahlschalter jedoch in Stellung „Diapilot" und ist das Gerät auf „Aufnahme" geschaltet, so wird bei jedem Drücken dieser Dreh-Taste ein Steuerton auf der unteren Bandhälfte aufgezeichnet. Durch ihn wird, synchron zur vorher auf der bzw. den oberen Spuren aufgenommenen Begleitmodulation, über ein mit dem Diaprojektor verbundenes Steuerkabel, der Bildwechsel an den jeweils gewünschten Stellen vollautomatisch ausgelöst.

Das Royal als Endverstärker betreiben

Der im Royal de Luxe, nicht aber im Royal de Luxe C eingebaute Stereo-Endverstärker kann sowohl bei Magnettonwiedergabe wie auch als hiervon unabhängiger Stereo-Übertragungsverstärker Verwendung finden. Soll er als Übertragungs-, d. h. Vollverstärker benutzt werden, so ist der Betriebsartenwahlschalter in die Position „Verstärker" zu legen.

Der mit „Diskant-Bass" bezeichnete Doppelknopf gestattet eine Anhebung oder Absenkung der Tiefen und Höhen im Endstufenteil. Dessen gehörrichtig arbeitender Lautstärkeregler enthält ebenfalls einen Doppelknopf und dient gleichzeitig zur Balanceeinstellung der Endstufe.

Von den im Royal de Luxe eingebauten Abhörlautsprechern darf naturgemäß keine der DIN 45 500 gerecht werdende Schallabstrahlung erwartet werden. Mittels der Ausgangsnormbuchsen können daher die im Laufwerkgehäuse eingebauten Lautsprecher beim Anschluß von HiFi-Lautsprecherboxen entweder abgeschaltet oder mit diesen zusammen betrieben werden.

Beim gemeinsamen Betrieb ist jedoch darauf zu achten, daß der Wert des Verbrauchswiderstandes für die beiden in jedem Kanal parallel geschalteten Lautsprecher nicht kleiner wird als 4 Ohm.

Den Wiedergabekopf im Kopfträger justieren

Betrachtet man den Kopfträger in Bild 1 etwas genauer, so sieht man in seiner oberen Abdeckplatte eine Bohrung. Unter dieser befindet sich eine Einstellschraube, mit der der Wiedergabekopf auf die für eine optimale Höhenwiedergabe erforderliche exakte Senkrechtstellung eingetaumelt oder im Bedarfsfalle gegenüber dieser etwas geändert werden kann.

Uher will damit dem Besitzer der Royal de Luxe-Modelle die Möglichkeit bieten, bei Abtastung von Fremdbändern, die nicht mit einem genau senkrecht stehenden Aufsprechkopf aufgenommen wurden, die hierdurch entstehende Höhendämpfung zu beseitigen.

Auch nach dem Auswechseln eines Kopfträgers muß die exakte Senkrechtstellung der Aufsprech- und Wiedergabespalte unbedingt gewährleistet sein.

Ein "Lob" auf dieAlu- Druckgußchassis der UHERs

Zur Erfüllung dieser Forderung ist ein präzise gefertigtes, stabiles und unbedingt verwindungsfreies Laufwerkchassis unbedingte Voraussetzung. Ein Blick unter die Abdeckplatte des Bedienfeldes (Bild 4) zeigt, daß die vorgenannte Forderung bei den de Luxe-Modellen durch Verwendung eines verrippten Aluminium-Druckguß-Chassis erfüllt wird. In Bild 4 sind desweiteren die beiden Steckerleisten, welche die Verbindung zu den vier Köpfen im Kopfträger bewerkstelligen, deutlich sichtbar.

  • Anmerkung : Irgendwie hatte Otto Diciol keinen Überblick über die amerikanischen Home-use Bandgeräte. Dort gab es zum Beispiel "Viking"-Modelle, deren Herkunft ich im Military Bereich vermutete. Die sind so simpel "gestrickt" (wir haben hier das Modell Viking 88), daß ich es nicht glauben wollte, was dennoch für eine bei uns gemessene Qualität geliefert wird. Also das mit dem unbedingt notwendigen Alu-Gußchassis war fast schon eine deutsche Werbemasche zur Rechfertigung der höheren Preise. Bei der Revox A77, die allzuoft transportiert werden würde und mußte, war das eine andere Vorgabe. Die UHER Royals standen zu 99,9% im "trauten Heim" auf der Kommode oder einem Schreibtisch.Auch die h´ganzen Japner machte es vor, daß mehrfach gewinkelte bzw. abgekantete Stahlblech-Rahmen die gleiche stabile Platform für deren große Bandmaschinen darstellten, es hatte nur ein par Jahre gedauert.

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Der Einblick

Die Bilder 5 a und 5 b geben einen Einblick in den sauberen, übersichtlichen und gleichzeitig servicefreundlichen Gesamtaufbau dieses Gerätes. Alle von uns an dem Royal de Luxe durchgeführten Prüfungen erfolgten unter Zugrundelegung und genauer Beachtung der hierfür gültigen DIN-Festlegungen.

Da der Endverstärker als selbstständige Übertragungseinheit benutzt werden kann, haben wir die Meßwerte für den Magnettonteil am Ausgang seines Wiedergabeverstärkers (Kontakt 3/2 bzw. 5/2 der Radio-Phono I-Buchse) und - mit einer besonders genannten Ausnahme - nicht am Endstufenausgang bestimmt.

Die Übertragungseigenschaften des letzteren wurden separat untersucht. Soweit in nachstehender Aufstellung zwei durch einen Schrägstrich voneinander getrennte Meßwerte erscheinen, gilt der links vom Schrägstrich stehende für den linken, der rechts davon stehende für den rechten Kanal.

a) Magnettonteil
Die Laufwerkdaten im Vergleich

Der Vergleich zwischen den vom Hersteller genannten Solldaten und den von uns ermittelten Werten ergibt bei allen Bandgeschwindigkeiten eine gute Übereinstimmung.

Ein besonderes Lob verdienen die bei den Bandgeschwindigkeiten 19cm/ bis 4,5cm/s auffallend niedrigen Tonhöhenschwankungen.

Diese waren bei fast leerer Bandvorratsspule sogar noch etwas kleiner als die in unserem Meßprotokoll genannten. Letztere wurden bei voller Bandspule gemessen. Ein ähnliches Lob verdient auch die Auslegung der Bandbremsen bzw. der Bandzugregelung.

Diese von Uher mit „Bandzug-Komparator" bezeichnete Konstruktion schließt selbst bei den etwas empfindlichen, d. h. xtrem dünnen Dreifach-Spielbändern eine mechanische Überlastung praktisch aus.

Trotzdem sind die Bremsen so sauber eingestellt, daß beim Stoppen des Laufwerkes während des schnellen Voroder Rücklaufes und/oder unterschiedlichen Spulendurchmessern keine Bandschlaufen entstehen. Auch die Umspulzeit des Royal de Luxe ist für ein Einmotoren-Laufwerk erfreulich kurz. In bezug auf die Gesamttechnik, deren sauberen und zugleich servicegerechten Aufbau verdienen die beiden Royal de Luxe-Modelle das Prädikat „sehr gut".

Die Magnetton-Übertragungsdaten

Der Vergleich der Magnetton-Übertragungsdaten mit der DIN 45 500, Blatt 4, läßt erkennen, daß deren Forderungen bei den Bandgeschwindigkeiten 19cm/ und 9,5cm/s sicher eingehalten, in einigen Punkten sogar deutlich übertroffen werden. Bei 4,75cm/s und 2,4cm/ darf man bei dem heutigen Stand der Technik naturgemäß noch keine HiFi-Übertragungseigenschaften erwarten. Für Sprachaufnahmen jedoch können diese beiden Bandgeschwindigkeiten gute Dienste leisten.

Der beim Royal de Luxe für Viertelspurbetrieb gegebene Fremdspannungsabstand liegt der von der HiFi-Norm gesetzten unteren Grenze am nächsten. Um für die Fremd-spannungsfotos möglichst große Strahlablenkungen im Oszillografen zu erhalten, haben wir, bei der Bandgeschwindigkeit 19cm/s und geschlossenen Reglern „Pegel 1" und „Pegel 2", die Störspannung nicht am mittelpegeligen Ausgang des Wiedergabeverstärkers, sondern am Endstufenausgang abgenommen. Bild 14 zeigt die hierbei erhaltenen Oszillogramme. Das oberste wurde in der Stellung „Stop" des Motorschalters aufgenommen und zeigt nur eine kleine Rauschspannung. Das mittlere Oszillogramm entstand bei der Stellung „Pause" des Motorschalters und zeigt bereits eine recht beachtliche 50 Hz-Brummamplitude.

Aus dem unteren Oszillogramm, das in der Motorschaltstellung „Start", also bei laufendem Band (Leerteil des DIN-Bezugsbandes), aufgenommen wurde, ist zu erkennen, daß die vom Band herrührende Rauschspannung relativ gering ist, daß aber die Brummamplitude gegenüber dem mittleren Oszillogramm deutlich zunahm. Die Störspannung beim Royal de Luxe besteht also hauptsächlich aus 50H-Brummspannungsanteilen.

  • Anmerkung : Das bedeutet, entweder wird im Netzteil nicht gut genug "gesiebt" oder der Trafo bzw. der Motor streut zu viel.

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b) Verstärkerteil

Infolge seines im Bereich der oberen Höhen eingeengten Übertragungsbereiches entspricht die selbstständig nutzungsfähige Endstufe nicht den Frequenzgangforderungen der DIN 45 500, Blatt 6, Ziffer 2.1. bzw. Blatt 8. Ziffer 2.1. Dagegen werden die in der gleichen Norm genannten Mindestdaten für Klirrgrad, Pegelübereinstimmung beider Kanäle, Übersprechdämpfung, Ausgangsleistung und Dämpfungsfaktor eindeutig übertroffen. Bild 15 läßt erkennen, daß bei voll geöffnetem „Pegel 1-" und „Lautstärkeregler" eine relativ kräftige Rauschspannung gegeben ist. Bei deren Bewertung darf man jedoch nicht übersehen, daß diese für eine Eingangsempfindlichkeit von 0,09 mV gilt.

Rauschen der Eingangsstufen

Die in Bild 15 dargestellte Rauschspannung entsteht infolge der zwischen dem Mikrofon-/Radio-/Phono 1-Eingang und dem Endstufenausgang gegebenen sehr großen Gesamtverstärkung. Rechnet man den Pegel der bei voll geöffneten Reglern „Pegel 1" und „Lautstärke" meßbaren Ausgangsrauschspannung auf den Verstärker-Eingang um, so stellt man fest, daß deren Wert nur etwa 3dB über dem Eigenrauschen des Eingangswiderstandes bzw. -transistors liegt.

Unter normalen Betriebsbedingungen ist die am ersten Transistor des Mikrofonvorverstärkers liegende Steuerspannung jedoch so hoch, daß die vorhandene große Gesamtverstärkung selbst bei Vollaussteuerung der Endstufe - nicht benötigt wird. Durch die in der Betriebsanweisung näher beschriebene technisch richtige Handhabung der Pegel-und Lautstärkeregler wird nicht nur die Signalspannung auf den erforderlichen Wert gedämpft. Gleichzeitig nimmt auch die Rauschspannung in etwa proportional mit der Dämpfung der Gesamtverstärkung ab und liegt dann im Bereich der von der HiFi-Norm geforderten Werte.

Zusammenfassung (im Frühjahr 1969 !!)

Mit dem Royal de Luxe bzw. Royal de Luxe C bieten die Uher-Werke ein universell verwendbares, hochwertiges und dabei preisgünstiges Einmotoren-Stereo-Magnettongerät an, das infolge seines auswechselbaren Kopfträgers sowohl als Zwei- wie auch als Vierspurgerät benutzt werden kann.

Bei den Bandgeschwindigkeiten 19cm/s und 9,5cm/s erfüllt der Magnettonteil mit Sicherheit die Forderungen der HiFi-Norm. Für viele Tonbandfreunde werden die beiden Royal de Luxe-Modelle auch deshalb von Interesse sein, weil sie nicht nur die Realisierung aller bekannten Magnetton-Tricks gestatten, sondern gleichzeitig auch die Möglichkeit bieten, den Bildwechsel bei Diaprojektoren während des Bandablaufes ohne Zuhilfenahme eines Zusatzgerätes automatisch zu steuern.

Bei dem Modell mit eingebauter und selbstständig nutzungsfähiger Stereo-Endstufe wäre jedoch zu wünschen, daß deren Übertragungsbereich bei den oberen Höhen, entsprechend der DIN 45500, Blatt 6. ausgeweitet würde. In der Gesamtbewertung können die derzeitigen Uher-Spitzenmodelle Royal de Luxe und Royal de Luxe C als gute, im Aufbau und in ihrer praktisch universellen Nutzungsfähigkeit konsequent durchdachte Stereo-Magnettongeräte bezeichnet werden. Di.
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  • Anmerkung : Das ist natürlich Larifari, es seien "gute" Magnetbandgeräte. Im Vergleich mit dem Spitzengerät von Grundig, dem TK 320/320 war das UHER Royal de Luxe damals deutlich kleiner und auch besser, mit über 300.- DM mehr aber auch deutlich teurer !!
  • Gewicht des Royal de Luxe 13 kg
  • Preis, einschließlich Gema-Gebühren :
    Royal de Luxe    DM 1.114,44 (mit Endstufen)
    Royal de Luxe C    DM 997,89

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Neuigkeiten - Frühjahr 1969
Fabvideo-Anlagen auf dem deutschen Markt

Seit Frühjahr dieses Jahres (1969) hat die amerikanische Bell &, Howell GmbH in Deutschland eine neue Gruppe ins Leben gerufen. Es handelt sich um die Video Division, deren Aufgabe es ist, Vertrieb, Beratung und Service für die neuen Bell & Howell Farbvideo-Anlagen in der Bundesrepublik zu übernehmen. Damit erscheint Bell & Howell zum ersten Mal als Lieferant von kompletten, netzgebundenen Farbfernseh-Anlagen, mit PAL-Farbkamera, PAL-Recorder, Monitoren, Film-Abtastanlage und Zubehör. Bei Bell &, Howell rechnet man mit einem großen Interesse für dieses Programm. Die günstigen Anschaffungskosten eröffnen für Industrie, Medizin, Krankenhäuser, Universitäten, Werbung und Verkauf viele Einsatzbereiche, die bisher außerhalb der finanziellen Möglichkeiten lagen.

Es waren "natürlich" japanische Videogeräte

Hinzu kommt, daß die Geräte relativ einfach zu bedienen sind und nur ein Minimum an technischem Aufwand erfordern. Auffallend ist die kompakte Bauweise der Anlage, wenn man bedenkt, daß es sich hier um Farbfernsehen handelt. Bei der Kamera handelt es sich um einen sogenannten Eingeräte-Typ, d. h. Kamera und Steuergerät befinden sich in einem Gehäuse. Die Kamera liefert ein vollsynchronisiertes PAL-Signal. Der semiprofessionelle PAL-Recorder beansprucht ein relativ kleines Gehäuse - nicht viel größer als ein hochwertiges Tonbandgerät, er besitzt eine Bandbreite von 5 MHz. Sitz der neuen Video Division ist Friedberg in Hessen. Hier verfügt Bell & Howell seit langem über einen eigenen Fertigungs-Betrieb. Im Werk entsteht zur Zeit ein komplettes Demonstrations- Zentrum, in dem die Anlagen in voller Aktion vorgeführt werden können.

VOM LAGERSCHUPPEN ZUM TONSTUDIO (aus 1969)

Die Geschichte des Tonstudio Gießen :
In Heft 3/68 haben wir erstmals ausführlich über einen privaten Tonbandclub berichtet - die Darmstädter Tonband- und Stereofreunde. Wir bezeichneten damals diesen Club als beispielhaft für die Organisation und Zielsetzung eines solchen Unternehmens. Natürlich gibt es in der Bundesrepublik nicht nur diesen einen Club, der es verdient, solchermaßen herausgestellt zu werden. Wir werden daher in einzelnen Heften auch weiterhin interessante Tonbandclubs vorstellen, wie an dieser Stelle das Tonstudio Gießen, dessen Leiter, Hans-Jürgen Ploetz, wir hier in Form eines Erzählers zu Wort kommen lassen. Einen gewissen Ansporn, ähnliche Unternehmen ins Leben zu rufen, mögen unsere Leser darüber hinaus aus diesen Beiträgen ersehen. Red.

Mit Kisten und Kasten

Plötzlich erschienen auf der Bildfläche mit Kisten und Kasten zwei junge Männer, der eine so alt wie ich, damals 25 Jahre, der andere 10 bis 15 Jahre älter. Wie (es muß bestimm "Als" heißen) die ihre Mikrofone auspackten, brach mir der Angstschweiß aus. Ich dachte, es wäre der Hessische Rundfunk. - Nun diese Blamage! Und ich konnte den Fehler bei mir einfach nicht finden. - Zwei RCA-Bändchen-Mikrofone und ein Altec-Zweiweg-Mikrofon installierten sie auf der Bühne.

Während ich in meiner Ecke den Fehler zu beheben suchte, mehr durch Klopfen, Rütteln und Tastendrücken am Gerät als durch logische Folgerung, sprangen meine Konkurrenten plötzlich wie wild hin und her, eine Lötpistole zückend. Ihr Mischpult hatte anscheinend einen Defekt. Ich dachte schadenfroh, Gott sei Dank, die kommen auch nicht zurande. Dann siegte in mir doch die Neugier, und ich unterhielt mich mit den beiden. Mir wurde dann auch schnell klar, daß es keine Leute vom Hessischen Rundfunk waren. Sie gaben mir aber einen guten Tip.

Der gute Tip : denk an die Übertrager . . .

Tatsächlich: in meinem Mikrofon-Kabel fehlte der Übertrager. Das Ende vom Liede war, daß meine Aufnahme mit dem Magnetofon 85 von Telefunken recht ordentlich wurde, während meine „Rivalen" vom Pech verfolgt wurden.

Als ich vor rund fünf Jahren die Jubiläumsveranstaltung eines Gießener Gesangvereins aufnahm, ahnte ich noch nicht, daß dieses der Grundstein zu einer neuen, sehr erfolgreichen Tonbandfreundschaft werden sollte.

Der Leiter des Gesangvereines kannte meine Ambitionen und bat mich, mit seinem Gerät die Aufnahmen zu machen. Zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung fand ich mich in der Universitätsaula ein und begann mit dem Aufbau. Die Zeit verging rasend und was nicht funktionierte, war die Vereinsapparatur. Meine innerlichen Flüche kann man sich leicht vorstellen, zumal das Tonbandgerät immer in Ordnung war.

Der Stöckelschuh war an allem schuld!

Zunächst klappte es auch bei ihnen, doch plötzlich brummte in ihrer Stereo-Aufnahme ein Kanal ganz fürchterlich. Die Armen wurden vor Entsetzen ganz bleich. War das selbstgebastelte Mischpult oder das TK 46 defekt? Es war jedenfalls wie das k.o. eines Boxkampfes für die beiden. Nach dem Konzert stellten wir dann fest, daß eine schwergewichtige Dame des Chores mit ihrem Stöckelschuh ein Mikrofonkabel durchgetreten hatte. Einer von den beiden Tonbandfreunden lud mich nun zu sich nach Hause ein und dort wurde gefachsimpelt. - Noch ein Tonbandirrer, meinte ich aus den Blicken seiner jungen Frau zu entnehmen. Die zwei Tonbandler hatten in den letzten zwei Monaten bis in die späte Nacht im Wohnzimmer der kleinen Zweizimmerwohnung geschuftet.

. . . und dann der Stereo-Test!

Aus den 15 m2 Wohnfläche hatten sie ein kleines Tonstudio mit Steuertisch, Boxen, dem obligaten Kabelgewirr und dergleichen gemacht; und dann der Stereotest! Zu allem Übel machte ich noch ausfindig, daß man mit einem UKW-Dipol die Stereo-Testsendung des WDR II recht gut empfangen konnte. Jetzt war das Stereo-Fieber vollends ausgebrochen. Der Empfang hing natürlich sehr von der Witterung ab. Der Sender Nordhelle ist immerhin ca. 90 km entfernt und strahlt nur mit 15KW-Leistung.

Bevor die Musiksendungen begannen, wurden die heute allen bekannten Stereo-Testsignale ausgestrahlt. Davor hörte man dann immer Töne, ähnlich dem Besetztzeichen des Telefons. Einmal in dem einen, dann in dem anderen Kanal.

Die kleine Tochter meinte jedesmal, der Kuckuck sei wieder da (tut-tut war der Kuckuck). Jetzt arbeiteten wir schließlich zu dritt auf engstem Raum. Die Lage wurde für uns zusehends brenzliger. Durch Zufall erfuhren wir von einem leerstehenden Lagerraum in der Nachbarschaft. Heute haben wir denselben zu unserem Privatstudio ausgebaut, und jeder der zu uns kommt, staunt nicht schlecht.

Mit fanatischem Einsatz gegen Gerumpel und Dreck

Wie (auch hier sollte es "Als" heißen !) ich damals diesen Schuppen zum ersten Mal von innen sah, bin ich bald in Ohnmacht gefallen. Man konnte sich vor lauter Gerumpel und Dreck kaum bewegen. Ein Lastwagen wurde von Bekannten gechartert und der ganze Krempel aufgeladen und fortgefahren. Endlich hatten wir eigene Räumlichkeiten. Das war aber im Moment auch alles. Rund 70 m2 Nutzfläche, aufgeteilt in einen 35m2 großen Raum, einen Flur, WC und zwei kleine Zimmer, waren unser "Eigentum"; wir waren überglücklich.

Wir gingen mit fanatischem Eifer an die Arbeit. Sofort nach Dienstschluß ging es zu dritt ans Werk, bis spät in die Nacht. Manchmal wurde es zwei Uhr. Der große Raum sollte unser Aufnahmestudio werden. Zunächst mußte eine Hängedecke aus Dämmplatten gezogen werden, denn der Raum endete oben in häßliches Balkenwerk, welches ein Pappdach trug. Die unansehnliche Untersicht des Daches mußte natürlich beseitigt werden. Was tun? 35 m2 Dämmplatten, T-Eisen, Lichtleitungen, Fassungen, Dekorationsstoffe, Rauhfasertapete wurden gekauft. Es entstand eine Hängedecke, nach hinten leicht ansteigend, mit eingebautem Licht, das in verschiedenen Stufen, teilweise sogar farbig, geschaltet werden kann.

Die Fenster wurden innen mit Glaswolle und Brettern abgedichtet. Von außen taten wir das gleiche mit Eternit-Platten. So wurde der Verkehrslärm der B49 wirksam unterdrückt. Die Wände bespannten wir mit Stoff auf 10cm Luftpolster. Den Sockel beklebten wir mit Holztapete. Wir erhielten so einen schönen akustisch trockenen Aufnahmeraum.

Mit Geschenken und Spenden ausgestattet

Von Bekannten und Freunden bekamen wir alte Polstermöbel, Tische und Teppiche. Am Ende des Flures war ein kleines Kabuffchen, welches wir zunächst verputzten und dann ein WC darin installierten. Auch die Garderobe, die nebenan entstehen sollte, mußte verputzt werden. Wasserleitungen wurden gelegt und ein Waschbecken angeschlossen. Ein Bekannter stiftete den Fußbodenbelag für den Flur und die Garderobe und ließ ihn auch legen.

Wohin mit dem Brumm?

Ein kleiner Raum, der rechts neben dem Flur liegt und von der Garderobe aus zu erreichen ist, diente uns zunächst für ein Jahr als Regieraum. Wir lebten hier auf ca. 6 m2 in sehr beengten Verhältnissen. Tonbandgeräte, Verstärker, Mischpult und dergleichen mußten also sehr sinnvoll aufgebaut werden. Wenn wir Aufnahmen machten, waren oft bis zu acht Personen als Zuschauer mit dabei, die dieses Schauspiel miterleben wollten. Und wenn es dann irgendwo brummte, wurde es ungemütlich für die Anwesenden. In der Regel verschwanden sie auch meistens still und leise, bis der Fehler behoben war. Der Brumm war anfänglich unser größtes Problem. Wie soll man auch als blutjunger Anfänger wissen, woher der Brumm überall kommen kann. Oftmals gab es auch Krach, weil ich einen Brumm zu hören glaubte und meine Freunde nicht. Im Kopfhörer brummte es leicht, aber in den Lautsprechern nicht. Das lag aber an der mangelhaften Tiefenwiedergabe dieser Lautsprecher. Also wurden 90 Liter Lautsprecherboxen gebaut und mit dem PH 2132/25/11 und zwei Hochtöner HM10 von Isophon, die gewinkelt angeordnet
wurden, ausgerüstet. Und siehe da, der Brumm war jetzt deutlich zu hören.

Jetzt wurden alle Mikrofonleitungen einzeln untersucht und der Kontakt 2 mit dem Steckergehäuse verbunden. Die gesamte Anlage war nur noch an einem Punkt, am Verstärker, geerdet und der Brumm damit beseitigt. Als Mikrofone dienten uns zwei RCA-Bändchen-Mikrofone, ein Altec und das D77 Stereo-Mikrofon von AKG. Als Aufnahmegerät hatten wir das TK 46 und ein Magnetofon 77, als Mischpult benutzten wir den Regiemixer M/S von Saba, die Mikrofonkabel, die wir uns selbst angefertigt hatten, verlegten wir vor jeder Aufnahme. Bei Veranstaltungen brauchten wir ja jeden Meter, und unsere Kasse war damals arg strapaziert. Zur Wiedergabe benutzten wir den HF10L mit dem NF20 von Grundig.

Man wird aufmerksam ...

Die Lokalpresse interessierte sich schließlich für uns, und es erschienen 19685 einige ermutigende Berichte. Der Hessische Rundfunk machte eine Reportage, die in der Sendung „Unterwegs in Hessen" gesendet wurde. - Wir waren im Gespräch und das gab uns natürlich mächtig Auftrieb. Der Regieraum wurde uns zu klein, und die Geräte genügten unseren gestiegenen Ansprüchen nicht mehr. Wir begannen wieder zu bauen. Der letzte Raum, der noch mit Baumaterialien, Gerumpel und altem Mobiliar gefüllt war, sollte zum endgültigen Regieraum ausgebaut werden.

Wieder ging es mit Elan an die Arbeit. Das war 1965. - Eine Revox G36 in Halbspurtechnik, ein Telewatt VS 71 und ein Tuner FM 20 für UKW-Stereo-Empfang hielten jetzt bei uns Einzug. Das Dach zierte eine von Hand drehbare UKW-Antenne mit 8 Elementen, und in unserem Aufnahmeraum befanden sich neue Stative mit 4 MD 421.

Riesengebrüll im Stadttheater für König Drosselbart

Für unser Stadttheater konnten wir nun für verschiedene Stücke Bandaufnahmen mit Geräuschen machen. Unser größter Erfolg war das Gebrüll eines Riesen für das Märchen „König Drosselbart". Ein Schauspieler mimte den brüllenden Riesen, und wir machten eine herrliche Trickaufnahme. Der Spielleiter und die Beteiligten sprangen vor Begeisterung im Studio herum. Das Märchen wurde über vierzigmal gespielt und überall hörte man dann in der Stadt die Kinder das Riesengebrüll imitieren. Neben dem Gebrüll wurde unter anderem auch noch ein schauriger Donner benötigt. Diesen erzeugten wir mit einem Donnerblech, begleitet von Klavierakkorden; diese Geräuschkulisse nahmen wir mit 19cm/s auf und spielten sie mit 9,5cm/s ab, nachdem wir sie noch ein bißchen in den Hall gehängt hatten. Der Donner war so wirkungsvoll, daß die Kinder während der Vorstellung den Atem anhielten und unser Donner sogar in der Kritik gewürdigt wurde.

Einmal mußten wir aus einer 15s dauernden Aufnahme, die aus Grillenzirpen bestand, 10 Minuten machen. Mit allen erdenklichen Tricks haben wir auch das geschafft. Das Zirpen der Grille künstlich zu erzeugen ist uns bis jetzt noch nicht gelungen. Versuche mit Styropor, Korken und Glas waren nicht befriedigend. Dabei wäre alles so einfach gewesen. Bei uns im Theater saß nämlich wochenlang ein Heimchen im Keller in einem Heizungsschacht und zirpte in den schönsten Tönen. Einem nervösen Menschen ging das so auf die Nerven, daß er den Hausmeister mit Insektenspray ausrüsten ließ, und dieser brachte dann das Heimchen zum Verstummen. Es war ja auch immerhin November und da haben natürlich die Grillen nicht zu zirpen!

Grillenzirpen bei Windstärke 12

Das Theater ließ sich aber zunächst das Grillenzirpen von einem Staatstheater schicken. Was machten aber dort die armen Techniker in ihrer Not? Ganz einfach: sie servierten flott einen Kurzwellenquerschnitt mit seinen Pieptönen und unterlegten das Ganze mit einem Orkan, erzeugt von einer Theaterwindmaschine mit Windstärke 12. Nur zirpen Grillen bei Windstärke 12 leider nur im warmen Heizungskeller.

Berühmt sind wir für unsere fliegenden Einsätze. Einmal bekamen wir an einem Sonnabend nachmittag um 15.00 Uhr einen Anruf, im Saalbau war die Übertragungsanlage ausgefallen. Natürlich sprangen wir sofort ein. Pünktlich um 16.00 Uhr konnte dann die Tagung beginnen. Das ist auch mit ein Grund, warum wir unsere Anlage nicht fest in einen Regietisch eingebaut haben. Die Tonbandgeräte und Verstärker müssen sofort griffbereit zum Verladen sein. Durch Steckverbindungen ist alles in Minutenschnelle lösbar. - Unser Aktionsradius hat sich inzwischen auf einen Umkreis von 30km ausgedehnt. Blaskapellen, Mandolinenorchester, Mundharmonika-spieler und Gesangvereine kommen zu uns oder wir zu ihnen.

Viele Beatgruppen und Solisten waren schon in unserem Studio. Sie bewerben sich mit den bei uns gemachten Aufnahmen beim Fernsehen oder der Schallplatte und hatten teilweise auch ganz schönen Erfolg. Hin und wieder machten wir auch Opernoder Operetten-Mitschnitte für die mitwirkenden Künstler hier am Theater. Wenn die Aufnahmen dann bei uns im Studio abgehört werden, sind alle des Lobes voll. Solche Life-Mitschnitte sind ja immer eine riskante Sache. Fällt z. B. ein Kabel durch einen Defekt aus, so war alle Mühe umsonst.

Im Service: UKW-Sendertabelle

Oft werden wir auch gefragt, wo man den oder den UKW-Sender auf der Skala findet. So haben wir in langen Empfangsversuchen eine UKW-Sender-Tabelle speziell für unseren Raum entwickelt. Auf elf Seiten mit Text und Landkarten haben wir alles dargelegt, was man über den Stereo- und UKW-Empfang wissen muß. Sogar ein Kompaß gehört zu dem Heft. Es ist kaum zu glauben, aber wir haben hier in Gießen schon über 50 verschiedene UKW-Sender empfangen.

20.000 historische Aufnahmen im Zugriff

Besonders stolz sind wir, daß ein passionierter Schallplattensammler aus Gießen sich mit uns sehr verbunden fühlt. Er ist stolzer Besitzer einer Sammlung von wohl 20.000 Titeln, hauptsächlich Vokalmusik. Von Schaljapin, Caruso, Nellie Melba über Kipnis, Roswaenge und Tiana Lemnitz, um nur einige Große zu nennen, sind alle Künstler vertreten, die einmal Rang und Namen hatten. Als Helge Roswaenge vor zwei Jahren in Gießen weilte und unser Theater besuchte, durften wir von dem Empfang einen Mitschnitt machen. Durch die stereophone Aufzeichnung (die Gäste saßen zu beiden Seiten eines langen Tisches) ist jedes Wort auf Band zu verstehen, was bei Mono nicht der Fall gewesen wäre, zumal auch oft durcheinander geredet wurde.

Große Freude macht uns die Bearbeitung von alten Aufnahmen, die zum Teil noch nicht veröffentlicht sind, von Tiana Lemnitz, die ebenfalls schon in Gießen weilte. Frau Lemnitz vervollständigt zur Zeit ihr Archiv und war von unserem Studio sehr angetan, das von Tag zu Tag mit immer neuen Aufgaben betraut wird.

INDUSTRIE - NOTIZEN - BUCHER
Blaupunkt-Cassetten-Tonbandgeräte 1969

Die Blaupunkt-Cassetten-Tonbandgeräte arbeiten mit der bewährten Compact-Cassette und gestatten jeweils eine maximale Aufnahme und Wiedergabe von zwei Stunden pro Cassette. - Aha, wie interessant . . .

Das sind auch wieder keine Neuigkeiten, das sind Verkaufssprüche. die wir hier gepflegt übergegen.
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INDUSTRIE - NOTIZEN - BUCHER
Optacord 440 - ein neues Loewe Opta-Cassetten-Tonbandgerät

Klein und leicht, volltransistorisiert für Batterie- und Netzbetrieb, so stellt sich das neue Loewe Opta-Tonbandgerät für die Compact-Cassette vor -- usw. . . . . .

Kann man auch getrost vergessen.

INDUSTRIE - NOTIZEN - BUCHER
Neuer Windschutz von Beyer

Wie der Titel schon sagt, ein absolut langweiliges Thema fast ohne Informationsgehalt.
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INDUSTRIE - NOTIZEN - BUCHER
Eigener Grundig-Vetrieb in Österreich

Der zwischen der Grundig Verkaufs-GmbH, Fürth, und der Elektra Bregenz GmbH, Bregenz, geschlossene dreijährige Vertretungsvertrag ist am 31. Dezember 1968 zu Ende gegangen. Elektra Bregenz konnte in dieser Zeit den Umsatz der Grundig-Erzeugnisse in Österreich verfünffachen und damit einen beachtlichen Marktanteil gewinnen. Mit dem 1. Januar 1969 übernahm die Grundig Austria GmbH in Wien den Vertrieb der Grundig Rundfunk-, Fernseh-, Tonband- und Diktiergeräte in Österreich.

  • Anmerkung : Entweder wurde Elektra Bregenz vom Erfolg überrollt oder sie haben Knartsch mit dem alten Max bekommen, weil er noch mehr Steigerung haben wollte. Diese Info ist für den Endkonsumenten oder gar den Tonbandamteur völlig wertlos.

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Jetzt kommt wieder die etwas einfältige Glosse:

Hallo Freunde von der Senkelfakultät!

Also das mit dem Streit mit der Karola, was nicht nur im Karneval meine Freundin war, sondern was mein Stammzahn ist, also, das mit dem Streit, ob es hifi, heifi oder heifei heißt, daß haben wir zum Jahresende geregelt. Das ist schon eine tolle Kiste das, ich meine das mit dem hifi und den dazugehörigen Kopfhörern, den Stereo-Kopfhörern. Da kann man also einen ganzen Beatabend oder ein Konzert oder auch ein Hörspiel in Stereo hören, ohne damit jemanden zu stören, von wegen der Lautstärke.

Wenn man da so den Empfänger, ich meine das Steuergerät, auf Vollgas stehen hat, ob vom Band oder vom Sender, das stört keinen mehr. Will man doch Mensch sein und die lieben Nachbarn nicht stören, wo die Wände bei den Neubauten doch wegen der Kostenersparnis für die Baufirmen immer so dünn sind. Kann man volle Pulle geben und genießen, so in Stereo und hifi - und falls man einen Sender drin hat und der Ansager oder die Dame vom Dienst säuseln etwas von Zimmerlautstärke, da kann man ja nur still vor sich hinlachen.

Nix Zimmerlautstärke! Und wenn die Haustürklingel oder das Telefon rappeln - hört man auch nicht. Man ist eben nicht zu Hause. Man ist so ganz privat, ganz dem Hören hingegeben, sozusagen Superhören. Das ist schon eine schicke, in Österreich würde man wohl sagen fesche Erfindung, diese Stereo-Kopfhörer. Und da hat man jahrelang behauptet, der Kopfhörer sei tot. Es lebe der Kopfhörer!

... einen großen Teil habe ich ausgeschnitten, es ist zu dämlich ...

Glaubt's liebe Tonbandbastler: Es lebe der Kopfhörer - man kann allem Streit damit aus dem Wege gehen. Karola zum Beispiel kann mit den Kopfhörern fernsehen, und ich kann mein Band mit Kopfhörern hören und beide sind wir dann sehr einträchtig, das heißt zweihörig. Alsdann, spart schön auf die großen Ohrwatscheln, die Stereohörner, meine natürlich Hörer. Gut horch! Ihr Toni Bändchen

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