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Heft 4 • Dezember 1964 • 1. Jahrgang

Jetzt steht schon eine Menge drinnen, vor allem, die Messeberichte, also welche neuen Geräte es damals gab.
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Inhalt

Was paßt zu was? Zur heiklen Frage des Mikrofonanschlusses 58
Belohntes Hobby - 13. NWT 1964 60
Die UNO der Tonjäger 63
Das goldene Tonband von Zürich 65
Tonbandler bei der Arbeit 67
Wie man Tonbandfreunde gewinnt 68
Grundsteinlegung zu einem BASF-Zweigwerk 71

Liebe tonband-Freunde

diese letzte Nummer des ersten Jahrgangs von tonband haben wir dem Hauptthema „Tonbandwettbewerbe" gewidmet. Wir finden, daß es gut wäre, wenn durch bessere Beteiligung Ihrerseits etwas frischer Wind in alle diese Tonbandkonkurrenzen hineinbliese.

Vielleicht können wir einiges dazu beitragen. In diesem Sinne möchten wir diejenigen unter unseren Lesern, die schon Erfahrung mit dem Tonbandeln haben, besonders auf den Artikel „Tonbandler bei der Arbeit" hinweisen. Es wäre sicher nützlich, wenn ein Teil des Inhaltes dieser Zeitschrift von ihren Lesern selbst bestritten werden würde. Sie wäre dann ein richtiges Forum des Austausches von Erfahrungen und Anregungen zwischen Tonbandamateuren.

Um diesem Anstoß den richtigen Nachdruck zu verleihen, haben wir dieses Mal Peter und Sabine sozusagen beurlaubt. Es würde uns auch mal interessieren, wie Ihnen diese unterhaltsame Form „tonbandlerischer Unterweisung" eigentlich gefällt. Überhaupt können Sie dadurch, daß Sie uns Ihre Meinung über tonband mitteilen, Einfluß auf die zukünftige Gestaltung dieser Zeitschrift nehmen, von der wir hoffen, daß Sie ihr auch im kommenden Jahr die Treue halten. Damit verbleiben wir mit den besten Wünschen für die Festtage

herzlichst Ihre tonband-Redaktion
(ui ui, schon wieder "herzlichst")

"Belohntes Hobby"

13. Deutscher Nationaler Wettbewerb der besten Tonaufnahmen 1964
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  • Anmerkung aus Mai 2017 : Erinert sich noch irgendwer an den "NWT" ????

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Alljährlich findet der Deutsche "Nationale Wettbewerb der besten Tonaufnahme" (NWT) als Vorentscheidung zum Internationalen Wettbewerb der besten Tonaufnahme (IWT) statt.

Der NWT wird vom RING DER TONBANDFREUNDE, der alleinigen Vertretung der deutschen Tonbandamateure in der Föderation des
Chasseurs de Son (FICS), in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI), Fachverband Phono-technik, ausgerichtet. Am Nationalen Wettbewerb kann jeder Besitzer eines Tonbandgerätes teilnehmen. Im Rahmen des NWT bestehen folgende Kategorien:

  • A) Montagen (Hörfolgen, Hörspiele, Sketche usw.), Maximaldauer 15 Minuten
  • B) Dokumentaraufnahmen und Reportagen, Maximaldauer 10 Minuten
  • C) Musikalische oder gesprochene Aufnahmen (Solisten, Orchesterwerke, Chöre, Volkslieder, Monologe, Gedichte, Imitationen usw.), Maximaldauer 4 Minuten
  • D) Einmalige Tondokumente (Schnappschüsse aus dem Leben, berühmte oder seltene Stimmen, außergewöhnliche Begebenheiten usw), Maximaldauer 4 Minuten
  • E) Trickaufnahmen oder technische Montagen, Maximaldauer 4 Minuten


Außerdem gibt es eine Schulkategorie für Schulen, die Tonaufnahmen im Rahmen ihrer pädagogischen Tätigkeit anwenden. Die Maximaldauer für diese in diesem Jahr leider nicht beschickte Kategorie ist 10 Minuten. In allen Kategorien können auch Stereoaufnahmen eingereicht werden, die dann gesondert bewertet werden.

Die Deutsche Philips richtet die Veranstaltung aus

Der 13. NWT fand in diesem Jahr unter dem Patronat der Deutschen Philips GmbH am 26. und 27. September 1964 in Berlin statt. Der Jury unter dem Vorsitz von Heinz Runge (RDT) gehörten zehn Herren der Industrie, des ZVEI, der Fachpresse, des Rundfunks und der Tonbandamateure an.

Zur Verteilung gelangten 150 Preise im Gesamtwert von DM 9000.-. Wie die Güte der Technik einer zum NWT eingereichten Tonaufnahme eine „conditio sine qua non" sein sollte, so war sie es auf jeden Fall bei den verwendeten Abhörgeräten bei der Jury-Sitzung.

Drei Tonbandgeräte verschiedener Fabrikate erlaubten das Abspielen der verschiedensten Tonaufnahmen. Von der Bandgeschwindigkeit 4,75 cm/sec, Mono und Stereo, Vierspur, Halbspur und Vollspur, alle Variationen waren in bestmöglicher Qualität vorhanden.

Die Tonbandgeräte waren vor dem Wettbewerb eingemesst und geprüft worden; so war z. B. eine eindeutig senkrechte Kopfspaltstellung selbstverständlich. Alle Geräte wurden der Jury laut Reglement vor Beginn der Abhörsitzung mit einwandfreien Musterbändern und preisgekrönten Aufnahmen des vorjährigen NWT zur gehörmäßigen Begutachtung vorgeführt.

Danach durfte an der Klangregelung nichts mehr verändert werden. Lediglich die Lautstärke wurde den unterschiedllichen Einsendungen angepaßt.

Im Abhörraum der Jury waren weiterhin zwei 60-Watt-Verstärker mit eisenloser Endstufe eingesetzt, die auf zwei 250-Liter-Tiefton-Lautsprecherboxen und 4 Hochton-Lautsprecher arbeiteten. Da laut Reglement die Abhörsitzung öffentlich ist, andererseits aber die Jury ungestört arbeiten soll, wird für die Zuhörer jeweils ein gesonderter Abhörraum hergerichtet.

Dieser Zuhörerraum wurde akustisch durch zwei 30-Watt-Verstärker und ebenfalls zwei 250-Liter-Boxen versorgt.

Hypermodern mit Fernsehkamera übertragen

Außerdem stand im Juryraum eine Fernsehkamera, die auf einem im Zuhörerraum aufgestellten Fernsehapparat das Geschehen auch optisch übertrug. Der eine der zwei Techniker bediente die schwenkbare Fernsehkamera unter Beobachtung des übertragenen Bildes auf einem weiteren, als Monitor geschalteten Fernsehapparat im Raum der Jury.

Letztlich wurde die Ansage der vorzuführenden Wettbewerbsaufnahmen über eine Mikrofonanlage in den Zuhörerraum übertragen. Die genaue Aufzählung dieser aufwendigen Technik soll dem Einsender einer Aufnahme zeigen, daß einerseits jede Feinheit seiner Arbeit unbestechlich wiedergegeben, andererseits aber auch jede Schwäche, wie Brummen oder Rauschen, aufgezeigt wurde.

Um gleich bei der Technik der eingereichten Aufnahmen zu bleiben: sie war sehr unterschiedlich. Technisch rundfunkreifen Aufnahmen standen andere gegenüber, die eine Zumutung waren. Rauschen, Brummen, Schaltknackse und störende Hintergrundgeräusche sowie dumpfe Aufnahmen ohne Höhen durch falsche Spaltstellung dürfen einfach nicht sein.

Daß man Stereoaufnahmen nur mit zwei Richtmikrofonen machen sollte, sofern man kein spezielles Stereomikrofon besitzt, müßte auch bekannt sein. Schlechte technische Qualität dürfte mancher Einsendung unnötige Minuspunkte eingebracht haben.

Jeder Juror konnte bis zu 60 Punkten pro Aufnahme vergeben. Diese 60 Punkte wurden aufgeteilt in je 20 Punkte für

  • a) Idee und künstlerischen Wert oder Originalität der Aufnanme,
  • b) Gestaltung und Interpretation und
  • c) technische Ausführung der Aufnahme.


Die Jury machte es sich nicht leicht, obwohl sie teilweise unter Zeitdruck stand. In zwei Tagen etwa 20 Stunden lang 87 Tonaufnahmen kritisch abhören, darüber diskutieren und dann bewerten, ist physich und psychisch eine Anstrengung. Durch gute organisatorische Vorarbeit des ausrichtenden RING DER TONBANDFREUNDE und vorzüglich klappende Technik und Betreuung durch die Deutsche Philips GmbH wurde die Arbeit der Jury erleichtert.

Die Regeln, die Regeln, die Regeln - richtig Deutsch

Obwohl jeder Teilnehmer vor der Einsendung seiner Aufnahme zum NWT außer dem erforderlichen Begleitzettel auch das Reglement erhielt, mußten bei einer Vorentscheidung im Beisein eines Notars auch in diesem Jahr wieder sechs Aufnahmen wegen Formfehler ausgeschieden werden. Diese Formfehler (Nennung des Autors, Überschreitung der vorgeschriebenen Höchstzeit, zu kurzes Vorspannband usw.) lassen sich vermeiden, wenn die Einsender sich nur das Reglement durchlesen würden. Die genaue Einhaltung dieser Regeln ist keineswegs Pedanterie. Das Reglement ist international und wohl überlegt, es gilt gleichfalls auch für den IWT.

Über die Kategorien

Die Jury machte von ihrem Recht Gebrauch, für eine bestimmte Kategorie eingereichte Aufnahmen in eine andere Kategorie einzustufen. Nach dieser Umgruppierung verteilten sich die 87 Aufnahmen auf die einzelnen Kategorien:

  1. Kategorie A = 27 Aufnahmen,
  2. Kategorie B = 11 Aufnahmen,
  3. Kategorie C = 25 Aufnahmen,
  4. Kategorie D = 7 Aufnahmen,
  5. Kategorie E = 12 Aufnahmen und
  6. 5 Stereoaufnahmen der verschiedensten Kategorien.


Der jüngste Einsender war 15 Jahre alt, der älteste 65. An Berufen war ein bunter Querschnitt vorhanden; es war keineswegs so, daß die geistigen Berufe überwiegend vertreten waren. Sehr in der Minderheit sind nach wie vor die weiblichen Tonbandamateure.

Über die Qualität und die Bandgeschwindigkeiten

Die von den Einsendern angegebene Herstellungsdauer reichte von 4 Minuten für die Aufnahme eines Platzkonzerts bis zu 3 1/2 Monaten für ein Hörspiel. Interessant sind die technischen Daten, mit denen die Aufnahmen eingereicht wurden. Dabei ist leicht zu erkennen, daß der anspruchsvolle Tonbandamateur die noch wirtschaftlich vertretbare höchstmögliche Qualität bei derartigen Aufnahmen bevorzugt.

Ganze 4 Aufnahmen wurden in Viertelspurtechnik eingereicht (davon aber 2 Aufnahmen mit 19 cm/s), dagegen 74 in Halbspur- und sogar 9 Aufnahmen in Vollspurtechnik. Noch überraschender ist die Gegenüberstellung der verwendeten Bandgeschwindigkeiten.

Während sich im Vorjahr noch 9,5 und 19 cm/s etwa die Waage hielten, wurden in diesem Jahr 24 Aufnahmen mit 9,5 cm/s, 61 Aufnahmen mit 19 cm/s und 2 Aufnahmen mit 38 cm/s Bandgeschwindigkeit eingereicht. Die Bandgeschwindigkeiten 2,4 und 4,75 cm/s fehlten gänzlich.

Eine gute Idee die beste Vorbedingung für einen Preis

Erfreulich war in diesem Jahr, daß der unbekannte Amateur in die Spitzenpositionen gelangte und damit teilweise die „alten Hasen" verdrängte. Es zeigte sich immer wieder, daß eine gute Idee die beste Vorbedingung für einen Preis ist. Wie schon erwähnt, muß die Technik gut sein, man darf sie überhaupt nicht bemerken.

Vielen Einsendern fehlte die Selbstkritik. Es genügt eben für einen derartigen Wettbewerb nicht, eigene Gedichte vorzulesen. Viele Einsendungen hätten durch radikale Kürzungen wesentlich verbessert werden können. Bei den Hörspielen und Reportagen fiel zum Teil eine schlechte Sprechtechnik auf. Nicht jeder Tonbandamateur ist auch ein guter Sprecher. Keineswegs darf man hören, daß er seinen Text abliest.

Der erste Platz

Den ersten Platz belegte Heinz Bluthard aus S mit seiner in der Kategorie E eingereichten Aufnahme „Guter Mond, du gehst so stille". Für diese 2'28" dauernde Aufnahme benötigte er 15 Stunden, unter Verwendung von zwei Tonbandgeräten, einem Mikrofon, einem Mischpult und einem Entzerrer. Es handelt sich um eine gekonnt gesungene und gegurgelte Musikaufnahme in Playback-Technik, die mit viel Humor und guten Gags produziert worden war. Der Einsender erhielt dafür ein Telefunken-Tonbandgerät M300 mit Aku und Netzladegerät (er ist 27 Jahre alt und von Beruf Textilkaufmann).

Auf den zweiten Platz kam Karl Duschek aus B mit der Aufnahme in Kategorie C „Das alte Schloß von Baskerville", 3'40" lang. Er benötigte zur Herstellung nur 1 1/2 Stunden und setzte ein Tonbandgerät und ein hochwertiges Mikrofon ein. Diese eigene Komposition, mit eigenem Text versehen, wird von einer Amateur-Band gespielt, der Text von einem Amateur-Sänger gesungen. Der Einsender, 41 Jahre alt und von Beruf Lackierermeister, hat mit dieser Arbeit manche Schlagerplatte der Industrie in bezug auf Idee und Technik übertroffen. Er wurde mit einem Uher-Tonbandgerät 711 automatik belohnt.

Der dritte Platz wurde von dem 34jährigen Techniker Georg Schreier aus M mit seiner 2'28" dauernden Aufnahme „Improvisationen mit der Tonleiter" belegt, für deren Herstellung er 8 Stunden benötigte. Unter Einsatz von vier Kondensatormikrofonen, einem Kleinstudio-Tonbandgerät und einem Mischpult ist diese auf Vollspur mit 38 cm/s gemachte Aufnahme einer Amateur-Band durchaus als rundfunkreif zu bezeichnen. Der verdiente Preis war ein Perpetuum-Ebner Plattenspieler PE 34 HiFi.

Platz 4 erreichte ein „alter Hase", Wilhelm Gluckert aus M, Kaufmann und 34 Jahre alt, mit seiner 7'40" dauernden Aufnahme „Heinrich Band, der Erfinder des Bandoneons". Diese Aufnahme mit zwei Tonbandgeräten und einem Mikrofon kostete 8 Stunden Arbeit und wurde mit einem Dynacord-Verstärker MV 17 bedacht. Es handelt sich um ein interessantes Hörbild mit guten Einblendungen von seltenen Bandoneon-Aufnahmen.

Auf den fünften Platz kam wieder ein Stammgast unter den Preisträgern aller Tonband-Wettbewerbe, der 32jährige Journalist Carl Schütze aus H. Er schuf in 32 Stunden das 3 Minuten dauernde Hörbild „Morgen" in der Kategorie E. Dafür verwendete er drei Tonbandgeräte, ein Hallgerät und ein Mikrofon. In eindringlicher Weise wird hier mit gekonnter Technik an die Folgen der Atombombe in Hiroshima erinnert. Die Belohnung war ein Philips-Autorecorder 3300.

Den sechsten Preis, eine Microport-Junior-Anlage der AEG, gewann der 32-jährige Inspektor der Bundesbahn Bodo Keil aus M in der Kategorie B. Er gestaltete in vier Stunden mit zwei Tonbandgeräten und einem Mikrofon die 9'01" dauernde Reportage „Die Drehorgel". Eine amüsante Reportage mit eingeflochtenem Interview und Originalaufnahmen einer alten Drehorgel.

Der Rundfunk müsste eigentlich helfen

Es wären noch viele Aufnahmen zu besprechen, die dem Berichterstatter aufgefallen sind, doch würde der Umfang dieses Heftes dann nicht ausreichen. Die ausländischen Tonbandamateure sind da glücklicher dran. Ihre Rundfunksender haben regelmäßig Sendungen in ihren Programmen, in denen interessante Tonaufnahmen der Amateure vorgeführt werden. Der diesjährige NWT würde die Sender für Monate mit lohnenden Aufnahmen für diese Sendungen versorgen können, die sicher auch interessierte Hörer finden würden.

Zusammengefaßt bot der 13. NWT ein gestiegenes Niveau mit einer Fülle guter Ideen. Das Tonband-Hobby ist als Freizeitgestaltung noch jung, seine Möglichkeiten sind leider noch viel zu wenig bekannt. Hier ist oft nur durch gute Team-Arbeit technisch, künstlerisch und sprechtechnisch interessierten Amateuren etwas zu erreichen.

Viel Selbstkritik, rapide Straffungen, eine gute Idee, einwandfreie Technik und ein wenig Mut zur Beteiligung sollten dem NWT im nächsten Jahr zur doppelten Anzahl noch besserer Einsendungen verhelfen.

DIE UNO DER TONJÄGER

Ein Bericht über den FICS-Kongreß und den 13. Internationalen Wettbewerb der besten Tonaufnahme 1964 in Lausanne.

Wieso UNO der Tonjäger? Nun, der Vergleich hinkt, wie alle Vergleiche. In der UNO gibt es z. B. keine deutsche Vertretung wie im FICS-Kongreß, dafür sind natürlich in dieser einige Staaten (darunter nicht gerade unbedeutende) mehr
ertreten als in der FICS. Trotzdem war der Kongreß der "Föderation Internationale des Chasseurs du Son", oder zu deutsch des "Internationalen Tonjägerverbands", eine sehr internationale Angelegenheit.

Im großen Konferenzsaal im Studio von Radio Lausanne

Da gab es den großen Konferenzsaal im Studio von Radio Lausanne (Bild 1), da gab es das Präsidium, bestehend aus zwei Präsidenten, einer, Mr. Monat, präsidierte dem Kongreß in seiner Eigenschaft als Präsident des Internationalen Tonjägerverbandes, der andere, Mr. Paul Vallotton, Vizedirektor von Radio Lausanne, war der gewählte Präsident der internationalen Jury (Bild 2).

Da gab es die hufeisenförmige Anordnung der Tische, bis zu vierköpfige Delegationen aus acht Ländern, eine Simultanübersetzungsanlage für die drei offiziellen Sprachen englisch, französisch und deutsch, die technisch prachtvoll, menschlich gesehen jedoch nur selten funktionierte, und es gab schließlich - und eben da hört der Vergleich auf zu hinken - das verkleinerte Spiegelbild der aktuellen politischen Spannungen.

Auch hier die kleinen Animositäten ....

Natürlich spielte der Getreidepreis keine Rolle, auch nicht die Frage der MLF, sehr wohl jedoch das gespannte Verhältnis zwischen Frankreich und Großbritannien, ein gewisser, oft durchaus berechtigter Führungsanspruch der Franzosen, deren Tendenz, die nunmehr existierenden diplomatischen Beziehungen zu Rotchina mit, wenn auch noch so unbedeutenden Realitäten auszufüllen, die absolut starre Haltung der Schweiz, irgend etwas zu tolerieren, was auch nur entfernt nach kommunistischer Propaganda roch, die Reserve der Franzosen gegenüber Westberlin (entgegen der offiziellen Diktion) und schließlich das peinliche Festhalten der Deutschen an vereinbarten Spielregeln und Satzungsparagraphen, nach der Art wirklicher Musterdemokraten, was wiederum den anderen sichtlich auf die Nerven ging, die ganz gerne ein Auge des Reglements zugedrückt hätten, wenn es sich darum handelte, die Prozedur zu erleichtern oder Meinungsverschiedenheiten zu vermeiden.

Eine wichtige Gelegenheit zu Begegnungen

Der naive Tonbandamateur wird sich mit Recht fragen, was das alles mit seinem Hobby zu tun hat. Aber sobald irgend eine menschliche Tätigkeit organisiert, institutionalisiert und internationalisiert wird, stellen sich diese Schwierigkeiten ganz automatisch ein. Das alles vermindert nicht im geringsten den Wert dieser internationalen Wettbewerbe, im Gegenteil, sie bieten Gelegenheit zu Begegnungen und zum Training von Geschicklichkeiten am kleinen Objekt, deren Vorhandensein in der großen Politik von überragender Wichtigkeit ist. Man sollte sich nur davor hüten, diese Dinge tierisch ernst zu nehmen.

Für den Tonbandamateur bleibt das Tonbandeln eine spielerische, schöpferische Freizeitbetätigung, und die meisten Kongreßdelegierten und Jurymitglieder sahen es nicht anders, wenn auch gewisse Probleme mit Ernst diskutiert werden mußten.

Fast überall gibt es Sendungen für Amateure

Auf einige davon wollen wir hier kurz eingehen. Hauptsächlich in Frankreich, aber auch in Belgien, Holland und Großbritannien, haben die Rundfunkanstalten Sendungen eingerichtet, in denen ausgewählte Amateuraufnahmen gesendet werden.

Etwas - für Deutsche - übertriebene Preisgelder

Für die Programmgestalter dieser Sendungen hört, zumindest in Frankreich, der Spaß auf und fängt der Ernst des Lebens an. So wurden beispielsweise die wertvollsten Preise von der RTF (Radio Television Francaise) und von französischen Industrievereinigungen gestiftet, so zum Beispiel die zum großen Monopreis deklarierte dreiwöchige Seereise an Bord des Luxusdampfers France in die USA oder der Geldpreis von 1.500 NF.

Die Höhe dieser Preise stellt nun für die französische Delegation offenbar nicht nur eine Verpflichtung zur Qualität der prämierten Aufnahmen, sondern darüber hinaus zur Selektion nach Gesichtspunkten der Sendbarkeit dieser Aufnahmen dar.

Der große Monopreis sollte derjenigen Aufnahme zuerkannt werden, welche die höchste Punktzahl erreichte. Dies wurde vor Beginn des Wettbewerbs festgelegt.

Wenn dann ein Engländer gewinnt . . . .

Nun stellte sich heraus, daß die höchste Punktzahl von dem Engländer R. S. King mit seiner „Sink Symphony", zu deutsch „Waschbecken-Symphonie", erzielt wurde. King, ein viel reisender Tonbandamateur, hatte entdeckt, daß jedes Waschbecken beim Vorgang des Entleerens seine eigene „Musik" entfaltet. Diese Feststellung dokumentierte er mit Aufnahmen einiger illustrer Beispiele, wobei nicht nur diese vielfältigen Geräuschentwicklungen, sondern ebenso der gesprochene Kommentar von hinreißender, typisch englischer Komik waren.

Diese, von rund 40 Juroren mit der Note 17,16 am höchsten bewertete Aufnahme, erschien den ansonsten nicht eben als puritanisch, prüde, humorlos oder engstirnig bekannten Franzosen als nicht salon- bzw. sendefähig.

Warum eigentlich nicht? Die Holländer wollten sie gerne senden, wie der dafür zuständige M. J. Smits an Ort und Stelle bekannt gab, die BBC hatte sie schon gesendet, und in England war man eben dabei, eine Schallplatte davon anzufertigen.

Kein Zweifel, daß diese Platte ein Bestseller werden wird. Die Franzosen betrachteten ein solches Thema nicht als repräsentativ genug für die hohe Idee der Tonbandjägerei.

Gesunder, sauberer, hinreißender Humor ist offenbar kein oder nur ein Kulturgut minderen Ranges. Und dies, obwohl die Franzosen in ihren Rundfunksendungen täglich das Gegenteil beweisen. Jean Thevenot, Vorsitzender des französischen Tonjägerverbandes, und unter anderem verantwortlicher Leiter der Amateursendungen im RTF (!) versuchte jedenfalls mit Mitteln, die nicht mehr mit dem Reglement zu vereinbaren waren, die Briten dazu zu bewegen, die Übertragung des Grand Prix Mono auf eine andere englische Aufnahme zu akzeptieren.

Dieser Versuch scheiterte nicht nur am entschlossenen Widerstand der Engländer, sondern auch an der Unterstützung, welche diese aus den Reihen der holländischen, deutschschweizerischen, dänischen und deutschen Delegationen erhielten.

In Frankreich gibt (gab) es eben "Zwänge", die .....

Unserer Meinung nach war der sympathische Jean Thevenot aufgrund seiner beruflichen Interessen in die mißliche Situation versetzt worden, solches tun zu müssen; schon aus taktischen Gründen, um den Antrag durchzubringen, die Durchführung des IWT zukünftig einem Kommitee zu übertragen, in dem im Endeffekt der französische Rundfunk tonangebend wäre. Dann würden die Franzosen auch in Zukunft wertvolle Preise stiften.

Ohne wertvolle Preise jedoch, würde der IWT an Anziehungskraft verlieren. Um diese Argumentationskette zu zerreißen, schlug der Expräsident des FICS, der Deutschschweizer Fredy Weber, vor, die Preise durch Medaillen zu ersetzen.

Die Anziehungskraft habe von den mit interessanten Preisen bestückten nationalen Wettbewerben auszugehen. Dort können die Franzosen dann ihre eigenen Maßstäbe ungehindert anlegen.

Damit wurde der für den weiteren Bestand des FICS nicht ganz ungefährliche französische Antrag einem Arbeitsausschuß überwiesen, in dem auch der Ring der Tonbandfreunde vertreten ist. Sicher ist, daß man, wie dieses Beispiel eindeutig zeigt, bestrebt sein muß, den IWT und alles was damit zusammenhängt, von beruflichen, staatlichen oder auch nur halbstaatlichen Einflüssen und Interessen frei zu halten.

Es gab da noch mehr Kuriositäten

Es gab noch andere Vorgänge auf dem NWT in Lausanne, die geeignet waren, Zweifel daran aufkommen zu lassen, ob die Ideale internationaler Tonjägerei nationalem Ehrgeiz auch wirklich übergeordnet werden. Erstaunt war man jedenfalls, feststellen zu müssen, daß ausgerechnet einer der für ihr fair play bekannten Engländer der Schweizer Stereoaufnahme Contrapunctus, die immerhin das Sieb der nationalen Jury erfolgreich passiert hatte, die Note Null (höchste Note 20) erteilt hatte.

Trotzdem erzielte diese Aufnahme mit der Note 14,23 den großen Stereopreis, was die Entscheidung des britischen Jurymitgliedes in seltsamem Lichte erscheinen ließ. Anders die Entscheidung von Fredy Weber, der einer technisch ausgezeichneten Aufnahme aus Peking mit dem eindeutigen Titel „Triumphlied des Wasserwerkes" und einem Inhalt, der nicht weniger dreist propagandistisch war, eine Null verpaßte, weil er der Überzeugung war, daß diese Arbeit (mit 38 cm/s!) keine Amateurleistung sein konnte. Im Gegensatz zu den Briten bekannte er sich sofort und freimütig zu seinem Urteil.

Auch Erfolge für Deutschland

Nun wollen wir über diese im Grunde eher amüsanten Randerscheiungen die erfreulichen Seiten der Veranstaltung nicht vergessen. Dazu gehörte in erster Linie die großartige Gastfreundschaft des Schweizer Tonjägerverbandes, der
Schweizer Rundfunkanstalten, insbesondere von Radio Lausanne, die reibungslose organisatorische Abwicklung und die einwandfreie Abhörtechnik im Studio von Radio Lausanne.

Auch die Erfolge der deutschen Tonbandamateure seien nicht verschwiegen. Die Bundesrepublik holte sich den vom holländischen Tonjägerverband für die beste nationale Auswahl gestifteten Pokal sowie einen ersten Preis in der Kategorie C Mono. Letzteres ist das Verdienst von Georg Schreier mit seiner Aufnahme „Improvisationen mit der Tonleiter".

Er wurde mit 250 SF belohnt, die von Radio Lausanne gestiftet worden waren. Den zweiten Preis in dieser Kategorie erhielt Karl Duschek mit seiner Aufnahme „Das alte Schloß von Baskerville", von der schon im Zusammenhang mit dem NWT in diesem Heft die Rede ist.

Es war keineswegs ein abschreckend hohes Niveau

Wenn auch der Rahmen dieser Veranstaltung beachtliches Format hatte und ein erstaunlicher Aufwand getrieben wurde, und wenn es auch zutrifft, daß aus Rotchina, Amerika, Japan und Ländern hinter dem eisernen Vorhang Einsendungen vorlagen und somit die Konkurrenz weltweit war, so muß doch festgestellt werden, daß das allgemeine Niveau der Aufnahmen dieses IWT für Anfänger keineswegs abschreckend hoch zu nennen war.

Eine gute Idee, Phantasie, ein gewisses Minimum an technischem Können und ein bißchen Mut sind die besten Voraussetzungen für den Erfolg. Der Weg zum IWT führt über die Teilnahme am Nationalen Wettbewerb der besten Tonbandaufnahme. Wir werden in tonband dazu einladen. Mit rund zwei Millionen Besitzern von Tonbandgeräten müßten wir eigentlich in der Lage sein, einen erfreulichen und beachtlichen Beitrag zur internationalen Tonjägerei zu liefern.

Karl Breh.

Das goldene Tonband von Zürich

Der „beste internationale Tonjäger" wird seit 1962 jedes Jahr mit dem "GOLDENEN TONBAND VON ZÜRICH" und 2000 Schweizer Franken in bar aus der Stiftung der AGFA-GEVAERT AG Leverkusen belohnt.

Francis Jeannin heißt der Sieger des Wettbewerbs 1964. Dieser junge Schweizer Uhrmacher aus La Chaux-de-Fonds erhielt für seine Studienarbeit „Polyester" in einer Feier im Züricher Stadthaus aus der Hand des Stadtpräsidenten Dr. Emil Landolt den begehrten Preis.

Internationale Einsendungen

Die Einsendungen kamen aus Deutschland, Belgien, Österreich, Dänemark und aus der Schweiz in deutscher, französischer, englischer, spanischer, dänischer und sogar in japanischer Sprache.

Es beteiligten sich Studenten und Schüler, Ingenieure, Büroangestellte, Techniker, Freiberufliche und Frauen. Das Thema war freigestellt.

Die Aufgabe lautete: „Gestalten Sie eine Drei-Minuten-Geschichte ernster oder heiterer Art, musikalisch untermalt mit eigenen Mitteln".

Die Themen und die Gewinner

Als Themen wurden Probleme der Angst, Weltraumflug, Krimi, Tiergeschichten oder human relations bevorzugt, dann Zeitnot, Todesangst und Straßenverkehr. Die Liebe rangierte an letzter Stelle.

Die Jury setzte sich auch diesmal wieder aus unabhängigen Fachleuten zusammen: Max Adam (Akustiker, Musikakademie Basel), Hans Jedlitschka (Dramaturg, Radio Zürich), Hans Rohrer (Kapellmeister, Opernhaus Zürich), Heinz Wehrle (Programmleiter, Radio Zürich). Jeder von ihnen hörte zu Hause für sich allein die Einsendungen ab, verglich sie miteinander und gab sein Urteil ab.

Francis Jeannin's Arbeit „Polyester" wird als vorbildlich bezeichnet: „Mit einfachen Mitteln hat er eine köstliche, vollkommene Tonjägerarbeit geschaffen."

Als zweitbeste Arbeit wurde „Lucky" des Schweizers Bernhard Pichon aus Etagniere VD prämiiert. Josette Franquet aus Antwerpen steht mit „Respice finem" an dritter Stelle. Isaie Goldman, Apotheker in Genf, Sieger des Wettbewerbs 1962, kam diesmal mit „Mirliton" auf den vierten Platz. Die nächsten in der Bestenliste sind: Günther Schweinsberg aus Hamburg mit „Enten", Carl Schütz aus Hamburg mit „Werbung", Werner Quack aus Oedekoven bei Bonn mit „Mondo ruinalis", Reinhold Römhild aus Köln mit „Teamwerker", Jules Vercammen aus Antwerpen mit „Anno 1978" und Ingeborg Dubs aus Wettingen AG in der Schweiz mit „Einen Moment bitte'"' an 10. Stelle.

Die Aufgabe für 1965

Alle Tonjäger im In- und Ausland sind aufgerufen, sich am nächsten Wettbewerb zu beteiligen. Kurt Pfändler hat wie in den Vorjahren auch für 1965 die Studienaufgabe gestellt: „Gestalten Sie eine Drei-Minuten-Geschichte, vertont mit der Melodie eines traditionellen Weihnachtsliedes. Als Klangkörper darf nur Glas verwendet werden (Trinkgläser, Glasgefäße, Glasröhren, Glasstücke), unter keinen Umständen dürfen andere Musikinstrumente gehört oder verwendet werden. Bewertet wird diese Studienarbeit in technischer, dramaturgischer, musikalischer, ideenmäßiger und sprachlicher Hinsicht. Es darf in jeder Weltsprache gesprochen werden."

Jeder Bewerbung hat das Manuskript in Originalsprache und in deutscher Sprache beizuliegen. Bandanfang und Bandende sind mit dem Titel der Arbeit und einer Kennzahl zu beschriften. Die Idee muß eigens für die Studienarbeit geschaffen werden.

Monoaufnahmen, Halbspur (Zweite Spur gelöscht) mit 19 cm/s Bandgeschwindigkeit. Wo Teamarbeit notwendig ist, zählt der Autor als Einsender. Bis Ende Juni 1965 müssen die Einsendungen vorliegen. Um die neutrale Beurteilung zu garantieren, darf dem Tonband weder Adresse beigelegt noch Absender vermerkt sein. Die Adresse des Autors ist zusammen mit dem Titel der Arbeit und der Kennzahl gleichzeitig einzusenden an:

Jeder Teilnehmer wird schriftlich nach der Entscheidung der Jury verständigt. Die Preise sollen im Herbst 1965 in einer Feier in Zürich überreicht werden. Der Wanderpreis, DAS GOLDENE TONBAND VON ZÜRICH, ist eine schwervergoldete, massive, aus Metall gefräste Magnetonspule von 18 cm Durchmesser, auf rotem Leder, mit Goldprägeschrift zwischen den beiden Leuen des Zürcher Stadtwappens.

Industrie :
Grundsteinlegung zu einem neuen BASF-Zweigwerk Willstätt

Die Badische Anilin- und Sodafabrik AG hat am 27.11.1964 in Willstätt, Landkreis Kehl, den Grundstein zu einer Magnetophonband-Fabrik gelegt. Der Vorsitzende des Vorstandes der BASF, Prof. Dr. Carl Wurster, unterstrich die große wirtschaftliche Bedeutung, die das Magnetophonband, das vor 30 Jahren in der BASF erfunden wurde, inzwischen erlangt hat.

  • Anmerkung : Das war und ist historisch FALSCH. Das Magnetband wurde bei der AEG in Berlin aufgrund des Pfleumer Patentes erfunden (beser gesagt : entwickelt) und nicht bei den IG Farben in Ludwigshafen. Dort wurde es verbessert, aus Papier wurde PVC.

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Und gleich ein Sprung nach 1963

Allein die in Ludwigshafen im Jahre 1963 hergestellten Tonbänder würden, aneinandergereiht, ausreichen, um einen Rundfunksender 2000 Jahre lang ohne Unterbrechung die Aufnahme von Musik zu gestatten. Wenn wir annehmen, daß man bei der Berechnung dieser Zahl die Rundfunk-Bandgeschwindigkeit von 38cm/s zugrundegelegt hat, so entspricht diese Angabe einer Jahresproduktion von 23.967.360km. Ein Band dieser Länge könnte man rund 600mal um die Erde legen, oder es würde 62mal die Entfernung zwischen Mond und Erde überbrücken.

Trotz dieser enormen Produktion allein in der Landwigshafener Fabrik mußte die BASF in Gien, im Loiretal (Frankreich), eine zweite Fabrikationsstätte in Form einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft eröffnen, obwohl schon eine andere, zusammen mit französischen Partnern, in der Nähe von Paris betrieben wird.

Für die Zukunft planen

An dieser dynamischen Entwicklung läßt sich der gegenwärtige und von der Industrie in Zukunft erwartete Bedarf an Tonbändern mühelos erkennen. Nach den Ausführungen Prof. Wursters sind die beiden größten Gebiete des Tonbands das sogenannte Heimtongebiet, also dasjenige der privaten Tonbandbenutzer, und der technische Sektor.

Auf dem Letztgenannten spielen die Magnetbänder für elektronische Rechenanlagen eine große Rolle. Um an diesem ungeheuer schnell expandierenden Geschäft sofort partizipieren zu können, hat die BASF erst in diesen Tagen in den USA die Firma COMPUTRON Inc. in Waltham bei Boston als ebenfalls hundertprozentige Tochter erworben.

Willstätt - eine Investition von 83 Millionen DM

Die in Willstätt entstehende Fabrik wird in der ersten Ausbaustufe eine Investition von 83 Millionen DM erforderlich machen. Sie wird die fünfte und größte Tonbandfabrik der BASF sein.

Die Fabrik (siehe unser Bild) wird eine ganz moderne Einteilung mit einem klaren Produktionsfluß erhalten. Willstätt wurde aus verschiedenen Gründen als Standort gewählt.

Eine hervorragende Lage

Einmal ist das Oberrheingebiet um Kehl infolge der Grenznähe unterindustrialisiert und verfügt allein schon wegen des Wandels der Agrarstruktur über die notwendigen Arbeitskräfte.

Im Zuge des Entstehens des europäischen Wirtschaftsraumes liegt das zukünftige Werk verkehrstechnisch äußert günstig an der Autobahn und Europastraße. Das früher hemmende Argument der Grenznähe kehrt sich heute eher in einen Vorteil um. Dann gibt es in Willstätt ausreichend Wasser, und schließlich ist die Luft in diesem Gebiet noch einigermaßen sauber, was den strengen Forderungen nach höchster Sauberkeit in den Produktionsräumen entgegen kommt.

Alle Honoratioren sind gekommen

Zur Grundsteinlegung war die Mehrzahl der leitenden Herren des Unternehmens erschienen, wodurch die Bedeutung unterstrichen werden sollte, welche dieser neuen Fabrikationsstätte beigemessen wird. Die Landesregierung wurde von Wirtschaftsminister Dr. Leuze vertreten.

Prof. Furier, Vizepräsident des Europaparlamentes, legte in seiner kurzen Ansprache ein glühendes Bekenntnis zur europäischen Einigung ab, indem er auf die wirtschaftliche und politische Bedeutung dieser neuen Industrieansiedlung in unmittelbarer Grenznähe hinwies. Die BASF, die schon seit ihrer Gründung vor 100 Jahren den Namen Baden im Firmentitel führt, erbaut nun erstmals auf badischem Gebiet eine Produktionsstätte, nachdem sich die Mannheimer Bürgerschaft seinerzeit einer Niederlassung der Firma in Mannheim widersetzte und die BASF daher nach Ludwigshafen in die Pfalz ausgewichen war.

Wir gratulieren der BASF zu dieser neuen Unternehmung und wünschen ihr einen reibungslosen und glatten Ablauf der Bauphase.

Karl Breh

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