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Heft 1 • Februar 1969 • 6. Jahrgang

Ein (1) Leser findet die ganzen langatmigen Hörspiel-Anleitungen fehl am Platze. Da lag er gar nicht so flasch. Das sind wirklich marginale Intressensgebiete für Spezialisten.

Inhalt

Oskar Stürzinger: Vom Stahldraht zur Kompakt-Kassette 2
Karl Rahner: Cutten - nur mit der Schere?(nicht enthalten) 4
Günther Binnewies: Kreuzschienenverteiler im Amateurstudio(nicht enthalten) 6
Fred Höllmich: Fachausdrücke - leicht gemacht 8
Oskar Stürzinger: Auf dem tonband-Prüftisch: National Cassetten-Recorder RQ-210S(nicht enthalten) 10
Siegfried Meyer zu Hoberge: NF-Kondensator-Mikrofone 16
Erich Gruber: Zur Technik des Hörspiels (I)(nicht enthalten) 20

Liebe tonband-Freunde

Die Anfrage eines Lesers, unsere Reihe „die tonband-szene" betreffend, veranlaßt uns, noch einmal zu den von uns abgedruckten Hörspielszenen Stellung zu nehmen. Die Überzeugung unseres Lesers, übrigens der Einzige, der sich hierzu bislang kritisch äußerte, ist es, daß die Ausbreitung der tonband-szene von den meisten Beziehern unserer Zeitschrift abgelehnt wird.

Ob er mit dieser Ansicht allein auf weiter Flur steht oder zahlreiche Zustimmung erntet - wir wissen es nicht. Jedenfalls sind wir der Überzeugung, daß diese Szenen in einer Fachzeitschrift, die dem Tonbandamateur sein Hobby interessanter machen will, auf alle Fälle ihren Platz haben sollen. Denn auf Dauer gesehen, kann sich ein ernsthaft arbeitender Amateur nicht allein mit technischen Finessen zufrieden geben.

Das war die Vorstellung der Redaktion zum Niveau

Nach einer gewissen Zeit wird auch er die eigenschöpferische Betätigung erfahren und schätzen lernen wollen. Da wir annehmen, daß die Leser dieser Zeitschrift ernsthafte und zugleich geübte Amateure sind, denen die Technik nicht allein reiner Selbstzweck ist, bieten wir Ihnen mit unseren Szenen die Möglichkeit, sich an Hand literarisch einwandfreier Texte auf dem Gebiet der tontechnischen Gestaltung zu erproben.

Sollte der Wunsch nach einem solchen Angebot allerdings nicht bestehen, so hätten wir uns in der Einschätzung unseres Leserkreises arg getäuscht. Es wäre schön, einmal zu dieser Frage bei Gelegenheit einige Leserbriefe zu erhalten.

Darüberhinaus beabsichtigen wir, die bis jetzt veröffentlichten Szenen zur Grundlage einer Neuausschreibung unseres Tonbandwettbewerbes zu machen. Mehr darüber in einem der nächsten Hefte.

Ebenfalls zum Thema Hörspiel beginnt in diesem Heft eine neue Artikelserie unter dem Stichwort „Zur Technik des Hörspiels", für die unser Mitarbeiter Dr. Erich Gruber, Dozent an der Akademie Remscheid, verantwortlich zeichnet. Ansonsten finden Sie in diesem Heft neben der bewährten Mischung aus Technik und Unterhaltung nochmals einen Beitrag zum Thema Cutten, der eine ungewöhnliche Methode des „Schneidens", und zwar durch Umkopieren, schildert. Auch dies eine reizvolle Variante des unausschöpflichen Tonbandhobbys. In diesem Sinne
Ihre tonband-Redaktion

vom Stahldraht zur Kompaktkassette
Rückblick

Seit Leon Scott im Jahre 1875 die ersten erfolgreichen Versuche zur mechanischen Aufzeichnung rascher Vorgänge unternahm, die in der von Edison 1877 realisierten Form des Phonographen der Tonaufzeichnung zu einem enormen Aufschwung verhalf, ist diese Art der Registrierung und Speicherung hauptsächlich in der später von Berliner gewählten Plattenform immer noch gang und gäbe. Für den Laien, der keine aufwendigen Apparate und Maschinen besitzt, ist allerdings die mechanische Aufzeichnung eh und je mit erheblichen Mühsalen verbunden gewesen, und erst durch die magnetische Aufzeichnung nach Poulsen, der 1900 erste positive Versuche aufgrund von Vorarbeiten von Smith aus dem Jahre 1888 realisierte, war es möglich, ein anderes System der Sprachaufzeichnung zu verwirklichen.

Die Geburtsstunde des Magnetophons

Poulsen arbeitete bekanntlich mit einem massiven Stahldraht, den er schraubenförmig auf eine Messingtrommel setzte, da ihm bekannt war, daß hochlegierter Stahl lokal magnetisiert werden kann. Das von ihm entwickelte „Telegraphon" zeigt das obere Bild auf Seite 2. Smith hatte diese Eigenschaften nicht gekannt und die Idee gehabt, feinst gemahlenes Eisenpulver auf irgend eine Art in eine Textilkordel hinein zu bringen.

Er ist also der eigentliche Vorbote des von der AEG "und" !! der Badischen Anilin- und Sodafabrik (sie nannten sich IG Farben Ludwigshafen) im Jahre 1935 lancierten Magnetophons (Bild 1), wenigstens was den Tonträger anbetrifft!

Ein wenig lancierte Geschichte

Die Idee des Magnetophons lag in den 30er Jahren in der Luft, wurde doch auch im Jahre 1937 von den Bell Laboratories zusammen mit Brush ein analoges Gerät entwickelt, das mit einem Vicalloy-Band und 40cm pro Sekunde Laufgeschwindigkeit gegenüber den ursprünglichen aus der Poulsenschen Idee hervorgegangenen Stahlband- und Drahtgeräten von Lorenz erhebliche Vorteile aufwies.

  • Anmerkung : Das ist nur die halbe Wahrheit aus den USA. Der Deutsche Jude Beguin war so intelligent, vor dem Holocaust (und seiner Verhaftung) nach USA auszuwandern und bei der Brush Development für das amerikanische Militär seine AEG Magnetband Entwicklungen - er war auch in den AEG Labors - weiter zu führen.


Dieses Band wurde in Amerika von der 3M-Gesellschaft weiterentwickelt, und, nachdem 1945 (nach dem verlorenen Weltkrieg) sämtliche deutschen Rechte, was das Material angeht, der 3M und was die Geräte betrifft, der Bell-Brush Gemeinschaft, übertragen wurden, ging die Entwicklung der Magnettongeräte mit Riesenschritten voran.
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Die Volksausführungen des „Wire-Recorders"

Zuerst tauchten in Europa die „Wire-Recorders", eigentliche „Volksausführungen" der Lorenzschen Stahltonmaschine auf, wurden dann aber bald von den Bandgeräten abgelöst.

Als gegen Ende der 50er Jahre die Patentlage in Europa ebenfalls klar wurde (in der Weise, daß die ursprünglichen deutschen Patente verjährt waren) - (falsch, sie waren für ungültig erklärt worden, wurden aber vom deutschen Patentamt für Deutschland wieder reaktiviert), kam auch bei uns die Entwicklung von Kleinmagnettongeräten auf und hat inzwischen auf dem ganzen Weltmarkt einen enormen Aufschwung erlebt, der speziell durch die japanischen kleinen, handlichen Geräte gefördert wurde.

Der Schritt zur geschlossenen Kassette

Das etwas unhandliche Einfädeln und der ewige Streit mit den Tonbändern waren aber nach wie vor ein großes Hindernis für den wenig gewandten Amateur. Erst die geschlossenen Kassetten, wie sie in USA von Bell/TRW (nicht zu verwechseln mit Bell Laboratories) unter dem Namen „Bellcanto" und „Bellomatic" lanciert wurden und schon von Lorenz bei den Stahldrahtmaschinen realisiert worden waren, gaben dem weiteren Publikum die Möglichkeit, eigene Aufnahmen vernünftig lagern und wieder abspielen zu können und andererseits bespielte Kassetten zu beziehen, ohne dabei die Gefahr einzugehen, solche teuren Aufnahmen irgendwie unbeabsichtigt zu zerstören.

  • Anmerkung : Das war ein (1) Satz !


Die Kassetten-Idee wurde im folgenden von verschiedenen europäischen Firmen ebenfalls aufgenommen, wobei gleichzeitig die dauernde Verbesserung des Trägermaterials die Möglichkeit bot, einerseits die Spurweite und andererseits die Bandgeschwindigkeit erheblich zu senken.

So gelang es Mitte der 60er Jahre (1963) dem Philips-Konzern, mit den Kleingeräten für Kompaktkassetten einen ganz neuen Markt zu eröffnen.
Der geniale Wurf von Philips lag wohl etwas in der Luft und zwang die zur gleichen Zeit ebenfalls mit der Entwicklung eines Kassettensystems beschäftigte Firma Grundig zur Handlung (wobei erwähnt sei, daß dazwischen auch Saba ein Gastspiel mit einem Kassettengerät gegeben hatte, das sogar vor Philipps auf den Markt kam).

Grundig brachte danach, fast gleichzeitig mit Philips, Kassettengeräte mit Magazinen leicht veränderter Dimensionen unter dem Namen „DC-System International" auf den Markt, wobei hier nicht untersucht sei, wer zuerst welches System serienreif hatte.

Ein Vergleich mit der Foto Technik

Analoge Situationen sind ja in letzter Zeit auch auf dem Fotomarkt aufgetaucht, wo als Gegenaktion gegen das Instamatic-System von Kodak die übrigen Firmen sich zum Rapidsystem zusammengetan haben. Heute ist die Situation so, daß von den meisten Lieferanten auch alle üblichen wichtigsten Filmpackungen erhältlich sind, mit dem Nachteil der doppelten Lagerhaltung.

Eine Gratislizenz für die Japaner

Philips erteilte ziemlich rasch den japanischen Firmen eine Gratislizenz für das Kompaktkassetten-System, war doch Philips während rund einem Jahr überhaupt nicht in der Lage, der (Anmerkung : unerwartet weltweite gigantische) Nachfrage zu genügen, so daß sämtliche Propaganda für das kleine Kassettengerät unterblieb. Damit dürfte auch das baldige „Verschwinden" der DC-Kassette zu erklären sein.

  • Anmerkung : Sie (bei Philips) hatten das nie erwartet und auch nicht genug nachgedacht - bei Philips. Das war der Anfang vom Ende der europäischen Produktionsstätten. Es war ein gewatiges Eigentor von Philips, wie sich relativ schnell herausgestellt hatte.

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Wenn die Kunden nie zufrieden sind . . . .

Der einzige Nachteil, den man diesen Geräten vorwarf, kaum publik geworden, ist die Größe. Das Publikum ist bekanntlich nie zufrieden mit dem, was angeboten wird. Hat man ein kleines handliches Gerät, so beginnt man bereits daran herum zu meckern, sobald man sich damit etwas abgefunden hat, und findet es nun schon wieder zu groß. Nun ist zu sagen, daß die elektronischen Bauteile, die für die Realisation der Verstärker und Steuerelemente notwendig sind, in den letzten Jahren wohl rapid immer kleiner wurden, aber eine bestimmte Mindestgröße ist nun einmal nicht zu unterschreiten, da diese Bauteile ja irgendwie auch plaziert und verdrahtet werden müssen.

Durch integrierte Schaltungen zu immer kleineren Geräten

Den großen Schritt in dieser Richtung brachte die Technik der integrierten Schaltung („Integrated Circuits", kurz IC genannt, die sogenannte Mikroelektronik, die vor einigen Jahren in den USA für Raketensteuerungen entwickelt wurde und seither in verschiedensten Zweigen der Industrie und Fernmeldetechnik (Satelliten) bereits mit großem Erfolg eingesetzt wird.

Diese integrierten Schaltungen bildeten die dritte Generation der Elektronik. In ihr werden quasi bei „Geburt" nicht nur Transistoren und andere Halbleiter, sondern gleich komplette Schaltungen mit einem oder mehreren Arbeitsgängen in der Fabrik aufgebaut, so daß später keine Manipulationen der Einzelbauelemente mehr notwendig sind.

20 Transistoren auf 2mm x 4mm !! (das war 1968 !!)

Ein integrierter Schaltkreis kann auf einer Kristallfläche, die bei allen Halbleitern das Grundelement bildet, von 2x4 mm bis zu 20 Transistoren mit den zugehörigen Widerständen beinhalten. Die Kristallplatte wird dann in ein kleines Kästchen eingebettet, das für militärische Zwecke aus Keramik besteht (Fiatpack) und die Maße 1,1x3,8x6,5 mm besitzt, für zivile Zwecke in einem Kunstharzkästchen von 19 mm Länge und 6,5x8,6 mm Querschnitt (Dual-In-Line, kurz DIL).

Die Japaner wollte keine Lizenzen bezahlen

Die diesbezüglichen Patente liegen in erster Linie bei der Texas Instruments, und die Elektronik-Industrie Japans hat mit Texas einen jahrelangen Streit ausgefochten, um hier ebenfalls einsteigen zu können.

Sie entwickelte sehr rasch eigene integrierte Schaltungen und setzte solche in die großen Rechenanlagen, in Hörgeräten und weiteren Produkten ein, wo einerseits die große Zuverlässigkeit oder andererseits die große Dichte von Komponenten nach solchen Schaltungen verlangte.

Kürzlich sind nun die entsprechenden Verhandlungen zu einem positiven Abschluß gekommen. Texas hat mit Sony ein Abkommen getroffen, derart, daß Texas nun den Japanern, wenigstens in bezug auf die Patentfrage, den amerikanischen Markt nicht verschließen kann. Geräte japanischer Herkunft mit integrierten Schaltungen können nun vom patentrechtlichen Standpunkt aus auch nach Amerika exportiert werden.

Es ist klar, daß die Industrie von Tonbandgeräten hier schon lange bereit war, sofort groß einzusteigen, da ja bei den kleinen tragbaren und speziell den Kassettengeräten eine große Platzersparnis durch die Verwendung integrierter Schaltungen ermöglicht wurde. Als erste Firmen sind Sony und Matsushita (Handelsname in Europa: National) auf dem Markt erschienen. Sony mußte begreiflicherweise zuerst die Amerikaner bedienen. Matsushita hat dies ausgenutzt und einen ersten Schub Kassettengeräte mit integrierten Schaltungen nach Europa geliefert, wo die schweizerische Vertretung den Typ RQ-210S im Nu abgesetzt hat. In unserer Reihe „Auf dem tonband-Prüftisch" stellen wir dieses Gerät in einer ausführlichen Beschreibung erstmals vor. St.

"cutten" nur mit der Schere ?

Ein sehr langatmiger Artikel, auf den wir hier verzichten.
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KREUZSCHIENENVERTEILER IM AMATEURSTUDIO

Ein Kreuzschienenverteiler bringt den Vorteil, Leitungen gleicher oder ähnlicher Art "im Vielfach" ??? übersichtlich zu schalten. Die Voraussetzung ist eine gewisse Vereinfachung in der Leitungsführung.

Meist aber ist diese Voraussetzung gegeben und sie wird somit zum Vorteil. Zum Beispiel sind mehrere Verstärker und Lautsprecher vorhanden und die Verstärker sollen wahlweise auf die Lautsprecher geschaltet werden, so ist die Voraussetzung der Vereinfachung, d. h. für einen Kreuzschienenverteiler gegeben. Es sind gleiche bzw. ähnliche Leitungen vorhanden (abgeschirmte oder unabgeschirmte, symetrische oder unsymetrische usw.). Für diesen Fall eignet sich unter Umständen auch schon die in Bild 3c dargestellte Schaltergruppe, wobei die Senkrechten für die verschiedenen Lautsprecher und die Waagrechten für den Verstärkerausgang vorgesehen sind oder umgekehrt.

Etwas Theorie

Ein Kreuzschienenverteiler besteht aus waagrechten und senkrechten Leitungsführungen (Anmerkung : jedenfalls in Theorie der Zeichnung). Die Kreuzungspunkte dieser gedachten Linien (in der Praxis sieht das manchmal etwas anders aus) sind die Schaltpunkte, "wo" - mit denen die entsprechende waagrechte Linie mit der entsprechenden senkrechten Linie verbunden werden kann.

Dei Praxis

Nun gibt es in der Praxis hunderte von Anwendungsbeispielen, der Amateur muß sich aber in seinem kleinen Studio nach seinem Geldbeutel richten. Es gibt aber zum Glück auch soviel Möglichkeiten einen Kreuzschienenverteiler herzustellen wie Anwendungsbeispiele.

In einem Amateurstudio gibt es auch viele Möglichkeiten zu sparen, denn nicht jeder Kreuzungspunkt muß praktisch eine Verbindung darstellen. So kann man einen Kreuzschienenverteiler vereinfacht aufbauen, indem man nur die Punkte schaltungstechnisch ausbildet, die auch benötigt werden.
Bild 1 ist ein Beispiel für einen ausbaufähigen Kreuzschienenverteiler für heiße Leitungen, d. h. für amateurmäßig hoch-ohmige abgeschirmte Verbindungen (Plattenspieler - Tonbandgerät, Radio - Tonbandgerät, oder Überspielleitungen zwischen mehreren Tonbandgeräten zu sehen. Hierzu gehören die in Bild 2b dargestellten Stecker.

Um eine optimale Übersicht zu bekommen, können die Kreuzungspunkte auch so gelegt bzw. eingebaut werden, wie es bedienungstechnisch am günstigsten ist, z. B. auf die eine Seite alle Tonbandeingänge und auf die andere Seite alle Tonbandausgänge die vom bzw. zum Mischpult laufen.
Soweit die Möglichkeiten für die Anwendung. Nun ein paar Tips für die praktische Ausführung.

Ganz leicht kann "Brummen" aufkommen

Für abgeschirmte Leitungen, die in einem Amateurstudio wohl am häufigsten vorkommen bzw. am häufigsten wahlweise geschaltet werden müssen, ist es am schönsten und praktisch am günstigsten, wenn der Geldbeutel professionelle Studioschalteinrichtungen erlaubt. Es gibt da zum Beispiel die Schalteinrichtungen der Firma Tuchel, die in Bild 2b gezeigten Klinkenstecker mit den dazugehörigen Buchsen (Bild 1).

Siehe hierzu auch in Heft 6/67 den Beitrag auf Seite 142. Aber man kann sich die Sache auch einfacher und billiger gestalten, indem man Diodenbuchsen verwendet und in den Diodenstecker Kurzschlußbrücken einbaut, die sogar unabgeschirmt ausgeführt werden können, wenn keine Mikrofonleitungen darüber laufen. Ansonsten könnte sich ein leichtes Brummen einstellen. Bei unabgeschirmten Leitungen ist das sehr viel einfacher, da können Bananenstecker (Bild 2d), Kurzschlußbügel (Bild 2e), Flachstecker, Schalter (Bild 2h), Tasten (Bild 2f) und auch Relais (Bild 2g) Anwendung finden. Für unabgeschirmte Leitungen gibt es ebenfalls von der Firma Tuchel fertige Kreuzschienenverteiler (Bild) 4 mit zusätzlichen Schaltmöglichkeiten durch Stecker mit Schaltbetätigungsstiften (Bild 2a). Da die Verbindungen meist zweipolig ausgeführt werden, können für einmaliges Schalten nur Flachstecker, Schalter, mehrpolige Tasten und Relais in Frage kommen.

Komfortabler geht es mit Tasten

Tasten eignen sich sehr gut für kurzzeitiges „Reinhören" in die verschiedenen Sendewege. Besonders auch mit Bananensteckern und Flachsteckern hat man zwei interessante Möglichkeiten, die sich gerade für den Selbstbau eignen: Es können Buchsen auf Blechen hintereinander angeordnet werden, wie es vereinfacht auf Bild 2d mit dem Bananenstecker gezeigt ist. Eine bessere Lösung bieten rechteckige Messingflachprofile. Die Löcher müssen nur sehr genau gearbeitet werden. Am einfachsten ist es, wenn man die waagrechten und senkrechten einfach aufeinander packt, sie allerdings durch eine Isolierschicht (Kunststoff, Isolierpapier) elektrisch voneinander trennt, sie mit Kunststoffschrauben zusammen schraubt und dann die Löcher bohrt. Wenn man mit Buchsen auskommen will, so eignen sich:
Bananenstecker für Hintereinanderbuch-sen, Kurzschlußbügel für Nebeneinander-, buchsen, zweipolige Flachstecker (ohne Kurzschlußbrücke) für Hintereinander-buchsen.
Vielleicht lassen sich mit etwas Phantasie noch bessere Lösungen finden oder andere Teile hierfür zweckentfremden.
G. B.

FACHAUSDRUCKE LEICHT GEMACHT

In stark vereinfachter Form werden wir in loser Folge an dieser Stelle die wichtigsten Fachausdrücke aus der Tonbandpraxis vorstellen und erläutern. Wir beschränken uns dabei jeweils auf die elementarsten Grundlagen, die zum Verständnis erforderlich sind. Randerscheinungen und Folgeeffekte können darüberhinaus nicht immer mit dargestellt werden. Red.

DIN-Normen - was ist das ?

Im Grunde ist die Überschrift Nonsens, obwohl diese Wortkombination sehr oft verwendet wird. Nicht abgekürzt würde dies bedeuten: Deutsche-Industrie-Norm- Normen. - Norm ist gleich Richtmaß, Regel, Vorschrift.

An Vorschriften sind wir in unseren Landen nicht arm. Das wird oft beklagt und mag stimmen. Im Fall DIN aber sind diese Vorschriften recht segensreich. Wir alle ernten jeden Tag die Früchte dieser Normung. Bierflaschen, Schrauben, Kugelschreiberminen, Glühlampen, Autoreifen - das alles ist genormt.

DIN schreibt Maße, Formen und spezifische Eigenarten vor. Sie können eine Glühlampe in Aachen kaufen, sie paßt in Berlin in die Fassung. Man hat sich an diese Normung auf allen Gebieten des täglichen Lebens gewöhnt - es ist selbstverständlich, daß die Lampe paßt. Natürlich gibt es gewisse Typen-Unterschiede, das muß sein. Es leuchtet jedem ein, daß man für Puppenstube, Taschenlampe und Kronleuchter verschiedene Lampentypen haben muß. Aber auch diese Unterschiede sind festgelegt. Darüber hinaus versucht man, die Typenreihen möglichst klein zu halten. - Das Angenehme im Falle dieser Vorschriften ist die Tatsache, daß sich die entsprechenden Hersteller ohne jeden Druck, aus eigenem Interesse daran halten. Die nach DIN hergestellte Glühlampe für den Kronleuchter (Typ E27) hat einen Gewindedurchmesser von 27mm. Hersteller XYZ aber macht seine Lampen 30mm, weil das so ein schönes rundes Maß ist. Er wird sie nicht verkaufen können, weil kein Mensch die entsprechende Lampenfassung hat.

Für alle Beteiligten von Vorteil

Normung ist für alle Beteiligten von Vorteil, wobei der größte Vorteil in diesem Falle beim Endverbraucher liegt. Er kauft seine Taschenlampe vom Fabrikanten Müller, die Batterie aber im Japan-Shop, weil sie da am billigsten ist.

Trotzdem paßt die Batterie zur Lampe - weil beides genormt ist. Hier ist aber nicht mehr nur DIN zuständig, sondern IEC (International Elektrotechnical Commission).

Rückblick auf die Ton-Verbindungen

Normung ist also eine feine Sache, aber das war nicht immer so. Es ist keine 8 Jahre her, da gab es z. B. noch keine Norm für Lautsprecher-Stecker und -Buchsen. Diodenstecker, Bananenstecker, Klinkenstecker und einige Spezialtypen fanden sich in bunter Reihe.

Austauschbarkeit war praktisch nicht möglich. Da setzte sich der Normenausschuß Elektrotechnik zusammen, das sind Fachleute aus dem Bereich dieses Industrie-Zweiges. Zuerst versuchte man - und das ist bei derartigen Beratungen immer der Fall - eine auf dem Markt befindliche, zweckmäßige, weitverbreitete Stekkertype zu finden. Weitverbreitet waren nun Diodenstecker und Bananenstecker.

Der Diodenstecker hatte andere Aufgaben und schied wegen der Verwechslungsgefahr aus. Bananenstecker war nicht zweckmäßig. Es ist damit keine „idiotensichere", richtige Polung möglich. (Bei Mono spielt das keine Rolle. Im Stereo-Betrieb mit zwei Lautsprecher-Einheiten müssen beide richtig zueinander gepolt sein. Es ist nicht egal, in welches der beiden Löcher der eine oder andere Stekker gesteckt wird).

Also mußte eine neue Type her - der Lautsprecher-Stecker war geboren.

Der kleinste gemeinsame Nenner

Auch wenn das, was uns die Industrie da in der Plastik-Hülle anbietet, alles andere als stabil ist - wir haben wenigstens eine einheitliche Type. Tonbandgerät, Radio und Plattenspieler bieten noch eine Fülle von Norm-Beispielen. Die Schallplatten-Durchmesser, Umdrehungszahl, das System der Stereo-Rille, Durchmesser des Mittelloches beim Plattenspieler. Beim Radio ist es vor allem das System der Pilotton-Rundfunk-Stereofonie - da gibt es nämlich noch eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten für zweikanalige Übertragung.

Beim Bandgerät sind es vor allem die genormten Bandgeschwindigkeiten. Aber auch die Breite des Tonbandes, Durchmesser und Form sowie Größe des Dreizack-Aufnahme-Loches bei den Spulen. Zu erwähnen wären noch die Anschlußbuchsen aller drei Geräte. Deren Type, Stiftbeschaltung, Empfindlichkeit, Aus- und Eingangsimpedanz. Ganz abgesehen von den drei Netzsteckern, die nur dann in die Steckdose passen, wenn Stiftdurchmesser und Stiftabstand festgelegt sind. Aber auch dann könnte es noch Probleme geben, wenn nicht die Spannung und Frequenz des Netzes (220 V - 50 Hz) mit den Erfordernissen der Geräte übereinstimmen.

DIN-Blätter, Vorschriften, Entwürfe, Publikationen und Auskünfte über erfolgte und vorgesehene Normung sind übrigens jedermann zugänglich. Im Falle Elektrotechnik über den Fach-Ausschuß-Elektrotechnik, 1 Berlin 30, Burggrafenstr. 4-7. Ein verwandtes Gebiet der Normung sind die VDE-Vorschriften. VDE-Verband Deutscher Elektrotechniker ist zuständig für Prüfvorschriften, vor allem aber für Sicherheitsnormen an elektrischen Geräten. Das VDE-Zeichen an einem solchen Gerät besagt, daß es den vom Verband Deutscher Elektrotechniker aufgestellten Sicherheitsbestimmungen entspricht.

Auf dem tonband-Prüftisch
NATIONAL CASSETTEN-RECORDER RQ-210S

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  • Anmerkung : Damals war das sensationell, das mit der Größe. Der SONY "Walkman" war noch nicht geboren. Der war dann später noch kleiner.

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Das Gerät, wie es im Titel zu sehen ist, hat die unter „Technischen Daten" aufgeführten Abmessungen. Verglichen mit der Kompaktkassette ist die beanspruchte Grundfläche ungefähr zweimal so groß. Man wird bestätigen müssen, daß es viel kleiner nicht mehr gut geht, da ja immerhin noch eine beträchtliche Mechanik in das Gerät miteinzubauen ist und diese ganz einfach nicht mehr kleiner gemacht werden kann, soll sie nicht in erheblichem Maße eine Kostensteigerung mit sich bringen.

Im Hinblick auf die konzentrierten Abmessungen wurde trotzdem von der Matsushita auch der mechanische Teil total neu konzipiert. In Japan sind bekanntlich einige Firmen, die sich ganz speziell auf die Lieferung des mechanischen Teiles für Kassettengeräte-Bauer eingespielt haben, welche dann je nach Wunsch des Kunden verschiedene Gerätegehäuse und Steuerorgananordnungen um diese mechanischen Grundelemente bauen.

Matsushita hat grundsätzlich wegweisend wieder andere Realisationen gefunden, die zum Teil aufgrund der Erfahrungen mit den früheren Versionen getroffen worden sind.

Die Stromversorgung

Zur Speisung dienen vier Stabzellen (IEC Norm R6). Auch hier wurde also Platz gespart; waren bisher fünf Mediumzellen (R17) notwendig, so kommt man jetzt mit vier Zellen aus. Die Festlegung der Spannung auf 6V hat den Vorteil, daß das Gerät an der Unterseite mit einer Klinke (9) versehen ist, die ermöglicht, das Gerät aus 6V Fremdspannung zu speisen, eine Finesse, die bei vielen japanischen Tonbandgeräten vorhanden ist. Zum Beispiel kann es im Auto an eine 6V-Batterie angeschlossen werden oder über einen kleinen Steckervorsatz auch an eine 12 V-Batterie.

Äußeres

Die äußere, sehr elegante Aufmachung erinnert an die klassische Disposition von Kleinbildkameras, wie sie in Japan auch noch heute aus der Tradition der deutschen Foto-Industrie übernommen wurde:

Große schwarze Flächen mit ziselierter Haut aus Kunststoff, helle gebürstete Metallseitenwände mit einigen dezenten, glänzenden Randlinien.

Die Vorderseite wird zur Hälfte ausgefüllt durch das metallene Abdeckgitter des Lautsprechers, der trotz seines kleinen aktiven Durchmessers von nur rund 5mm einen guten Ton abgibt. Die Rückseite wird zum größten Teil beansprucht durch das Kassettenfach, das durch einen Klappdeckel abgeschlossen ist, der in der Mitte ein kleines Fenster hat, durch das die beiden Tonbandwickel sichtbar werden.

Der Klappdeckel öffnet sich durch einen kleinen Riegelverschluß oder aber nach Betätigung des Auswurfknopfes, durch den gleichzeitig die Kassette zur Entnahme hochgedrückt wird (Pos. 7, im Titelbild nicht sichtbar). Auf der oberen Stirnseite sind sämtliche Bedienungselemente wie folgt angeordnet: (1), (2): Kipphebel für die Hauptfunktionen. Niederdrücken von (1): Normalvorlauf, Niederdrücken von (2): Schnell-Lauf. Richtungsumschalter (4) für Schnell-Lauf, entsprechend den englisch angegebenen Beschriftungen. Der Hebel (1/2) und der Knopf (7) sind gegenseitig mechanisch verriegelt. (3): Aufnahmetaste, die in der üblichen Weise durch die Kassette verriegelt werden kann, falls dort ein entsprechender Steuernocken ausgebrochen ist.

Sie ist rot und muß betätigt werden, bevor der Kipphebel bei (1) niedergedrückt wird. (5): Lautstärkeregler für Aufnahme und Wiedergabe. (6): Anzeigeinstrument für a) Aufnahmepegel, b) Batteriespannung in Stellung „Wiedergabe". (8): Doppelsteckdose nach japanischer Art für Mikrofoneingang und Laufwerk-Ein-Ausschaltung. Am Fuß bei (9) befindet sich, nebst der oben erwähnten Fremdspeiseklinke, eine solche für Miniaturkoaxialstecker, die erlaubt, sowohl bei Aufnahme wie bei Wiedergabe mittels Kopfhörer eine Tonkontrolle durchzuführen.

Eine raffinierte Bedienung

Die Anordnung der Bedienungsorgane ist physiologisch raffiniert ausgedacht und das Gerät läßt sich für Aufnahme und Wiedergabe in der mitgelieferten Bereitschaftstasche (aus flexiblem schwarzem Kunststoff mit Reißverschluß) bedienen, ohne diese zu öffnen. In einem Seitenfach dieser Tasche, die das Gerät satt umfaßt, befindet sich ein Bleistift-Mikrofon mit Schalttaste und ein kleiner Kunststoffhalter, der als Tischständer dient. Bemängelt wird ein kleiner Klips, der gestatten würde, das Mikrofon in der Brusttasche oder am Rockaufschlag eines Reporters zu befestigen.

Elektrischer Aufbau

Das Blockdiagramm des Cassetten-Recorders läßt erkennen, wie durch die Verwendung integrierter Schaltkreise der Materialaufwand an elektronischen Bauteilen zusammengeschrumpft ist.

Für die Aufnahme wie für die Wiedergabe finden vier integrierte Schaltungen Verwendung: für den Vorverstärker, den Frequenzausgleich, den Zwischenverstärker und den Treiberverstärker. Bei der Aufnahme kommt ein fünfter I.C. für die Hochfrequenzvormagnetisierung dazu. Die I.C. sind dabei noch relativ groß, ca. dreimal die „Dual In-Line"-Form, wie sie weiter vorn dargestellt wurde, handelt es sich doch dabei um sogenannte Hybridtypen, also nicht um eigentliche monolytische Kreise. (Die kommenden Entwicklungen werden wohl in dieser Richtung noch allerhand Überraschungen bringen, wenn erst einmal die „echten" I.C. zum Einsatz gelangen!) Der Gleichstrommotor wird elektronisch geregelt und ist kippbar gelagert, damit er mit der raffiniert ausgeklügelten Mechanik entsprechend gesteuert werden kann.

Nachdem es leider bis heute noch nicht gelungen ist, große Kapazitäten ebenfalls in konzentrierter, kleinster Form zu realisieren, sind nebst den erwähnten I. C. immer noch allerhand, relativ große Kondensatoren in der Schaltung festzustellen, die nebst einigen größeren Widerständen und zwei, drei Spulen die einzigen nicht in den I. C. befindlichen Schaltelemente darstellen (wenn man von den beiden Leistungstransistoren für den Lautsprecher und den drei Transistoren für die Motorregelung absieht).

Allgemeiner Eindruck

Das Gerät besticht durch seine Eleganz und überraschend einfache Bedienung. Bei Niederdrücken des Kipphebels (1) auf „Wiedergabe" ist zuerst kurz ein Brummton hörbar, worauf nach ca. 1 Sekunde mit sachte ansteigender Lautstärke der Bandinhalt zum Vorschein kommt. Der Brummton liegt bei rund 100 Hz und rührt wahrscheinlich von der Motorregelung her (es ist ja keine Netzspeisung da).

Die verzögert einsetzende Tonwiedergabe hat aber den großen Vorteil, daß diese erst dann voll da ist, wenn das Band sicher auf die richtige Geschwindigkeit gebracht wurde. Beim Zurückstellen des Hebels (1/2) ist festzustellen, daß das Getriebe intern auf die Abwickelspule einen kurzen Gegenstoß durch den auslaufenden Motor abgibt, so daß das Band in der Kassette immer etwas gespannt bleibt, wodurch unangenehme, eventuell immer noch mögliche Verwicklungen vermieden werden.

Die Mechanik als solche ist nach dem Reibradsystem aufgebaut, wobei der Motor in Längsrichtung quer zu den Hauptachsen der Kassette liegt und über ein Kegelrädchen auf ein erstes Schwungrad gekoppelt wird. Je nach Drehsinn und Geschwindigkeit werden dann entsprechende weitere Reibräder an dieses angeschlossen.

Eine relativ gute Tonwiedergabe

Der innere Aufbau ist sehr übersichtlich und besteht neben der eigentlichen Mechanikplatte lediglich aus einer gedruckten Schaltung, auf der die verschiedenen Elemente eingesetzt und von Hand einzeln eingelötet sind.

Das Überraschendste am ganzen Gerät ist die für seine Größe relativ gute Tonwiedergabe. Eine Gegenüberstellung dieses Gerätes mit einem Philips-Original-modell läßt dieses stumpf und dumpf erscheinen, und zwar sowohl mit der in Japan bespielten Musterkassette wie auch mit auf verschiedenen Philips-Geräten aufgenommenen europäischen Kassetten.

WIR STELLEN VOR: (ein klein Bißchen Werbung ist dabei)
NF-KONDENSATORMIKROFONE (von 1968)

Seit dem Beginn der Schallaufzeichnung und -Übertragung versuchen Ingenieure und Techniker den Ton so naturgetreu wie möglich zunächst in elektrische - und später wiederum in Luftschwingungen umzuwandeln.

Während die Verstärker- und Übertragungsprobleme weitgehend gelöst wurden, bedürfen die „Wandler", also die Mikrofone (Schallschwingungen in elektrische Schwingungen) und die Lautsprecher bzw. Kopfhörer (Umwandlung der elektrischen Schallschwingungen) doch noch einer gewissen Weiterentwicklung.

Um eine völlig naturgetreue Wiedergabe eines Schallereignisses zu erreichen, ist man gezwungen, Unsummen für die einzelnen Geräte auszugeben; denn das schwächste Glied bestimmt bekanntlich die Stärke einer Kette, und um bei unserem Beispiel zu bleiben, nur ein verfälschendes Glied im Übertragungsweg des Tones würde den Genuß einer akustischen Darbietung erheblich beeinträchtigen.

Kondensatormikrofone zum günstigen Preis

Es ist daher besonders zu begrüßen, daß der Firma Mikrofonbau GmbH in Neckarelz die Entwicklung von Kondensatormikrofonen in NF-Schaltung gelungen ist, die zu einem äußerst günstigen Preis angeboten werden können. Die naturgetreue Umwandlung des Schalls in elektrische Schwingungen ist aus physikalischen Gründen etwas problematisch.
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Der Schallwandler

Die Luftschwingungen müssen auf jeden Fall zunächst eine Membrane in mechanische Bewegung versetzen. Ob diese Membrane nun wie beim Tauchspulmikrofon eine Spule in einem Magnetfeld bewegt und die so induzierte Spannung weiterleitet, oder ob sie selbst als hauchdünnes Bändchen in einem Magnetfeld schwingt und in ihr selbst eine Spannung induziert wird (Bändchenmikrofon), oder ob die Membrane gar, wie in unserem konkreten Fall, als veränderliche „Kondensatorplatte" die Kapazität proportional dem Schallereignis ändert: in jedem Fall erfolgt erst eine Umwandlung (des Schalls) in eine mechanische Bewegung.

Über die Schwächen vonMikrofonen

Da durch die „mechanische Trägheit" der Membrane der „Einschwingvorgang" verzögert wird, kann bei hohen Frequenzen oder großen Amplituden eine Verfälschung gegenüber dem Originalton eintreten. Greifen wir von vielen anderen nur noch zwei weitere Schwierigkeiten heraus: Hört ein Ton auf, schwingt die Membrane nach (Ausschwingvorgang) und verfälscht erneut das Klangbild. Durch die Materialstärke und die Eigenresonanz der Membrane und des Gehäuses werden nicht alle auftretenden Frequenzen gleichmäßig in elektrische Schwingungen umgewandelt, es ergibt sich gegenüber dem Originalton eine Abweichung. In der „Frequenzgangkurve" können späterhin diese Unterschiede abgelesen werden. Nun ist das Kondensatormikrofon von je her der beste „Wandler", aber auch mit Abstand der teuerste gewesen.

Der eigentliche Wandler

Der eigentliche Wandler, auch Kapsel genannt, besteht aus einer verhältnismäßig kleinen, stramm eingespannten, dünnen Metallfolie, die in äußerst geringem Abstand zu einer zweiten, hiervon isoliert montierten Platte sitzt. Diese Metallfolie schwingt praktisch trägheitslos ein und aus und überträgt durch ihre mechanische Beschaffenheit linear von den tiefsten bis zu den höchsten Frequenzen innerhalb des hörbaren Bereiches alle Schallereignisse.

Die feste Platte und die bewegliche Membrane bilden eine veränderliche Kapazität. In den früheren Jahren wurde diesem „Kondensator" eine sehr hohe Gleichspannung zugeführt, wodurch ein im Takt des Schallereignisses sich änderndes, elektrisches Feld zur Verfügung stand.

Dieses sehr hochohmige Gebilde mußte direkt an eine Verstärkerröhre montiert werden, um geringe Leitungskapazitäten zu erhalten und um Brummeinstreuungen zu vermeiden. Dadurch wurden die Kondensatormikrofone sehr groß (Neumann-Flaschen) und störanfällig, da die Kapsel-Spannung einerseits bis kurz unter die Durchschlagsspannung gewählt wurde, um ein hohes elektrisches Feld zu gewinnen, und andererseits die Spannungen für die Röhrenheizung, die Anodenspannung und die eben erwähnte Polarisationsspannung über die oft langen Zuleitungen mitgeführt werden mußten.

Es war an der Tagesordnung, daß Kapseln durchschlugen, Kabelbrüche oder Überschläge in Kabeln auftraten, und die stabilisierten Netzgeräte mit den hohen Spannungen ausfielen.

Jetzt mit Transistoren

Im Jahre 1947 wurden die Transistoren erfunden und traten einen ungeahnten Siegeszug an. Es wurden von einer deutschen Firma Kondensatormikrofone in sogenannter HF-Schaltung gebaut, d. h. die Kondensatorkapsel ist Bestandteil eines HF-Schwingkreises, so daß sich die Schwingkreisfrequenz im Takt des Schallereignisses ändert und nach der Demodulation die reine Tonfrequenzspannung übrigbleibt.

Dieses Prinzip in Verbindung mit Transistoren erlaubt eine sehr kleine Bauform. Die Mikrofone sind im Aufbau jedoch etwas aufwendig und empfindlich gegen Temperaturänderungen. Als jedoch die sogenannten Feldeffekt-Transistoren auf den Markt kamen, hat MB die Entwicklung einer Schaltung begonnen, die heute, voll ausgereift, ein einmaliger Erfolg wurde.

aber mit Feldeffekttransistoren

Der Feldeffekttransistor zeichnet sich besonders durch seinen hochohmigen, leistungslosen Eingang und sein quadratisches Kennliniendiagramm aus. (Aha, was ist denn das ??) Somit bietet sich dieser Transistor als Impedanzwandler an. - Bei allen drei von MB entwickelten Kondensatormikrofonen werden Kapseln mit einer Kapazität von ca. 38pF verwendet, die über einen Widerstand von etwa 200MOhm ihre Vorspannung erhalten. Dem Feldeffekttransistor 2N3819 nachgeschaltet sind bei den Mikrofontypen MB C 510 (Kugel) und MB C 520 (Nierencharakteristik) Verstärkerstufen mit modernen Siliziumtransistoren, die die NF Ausgangsspannung auf 1,3mV/ubar bringen. Die Ausgangsimpedanz beträgt dabei etwa 50 Ohm und ist ausgelegt für nachgeschaltete Verstärker mit 1.000 Ohm Eingangswiderstand. Eine Stabilisierungsschaltung sorgt für gleichmäßige Verstärkung bei abfallender Betriebsspannung.

Das MB C520

Das Mikrofon MB C520 sieht elegant aus. Innen, in der Reihenfolge von links nach rechts, sieht man den Kapselschutz, die Kapsel, den Impedanzwandler mit Verstärker und Stabilisierung und das Batterieteil, das für 2 Mallory TR 113 (je 4V) ausgelegt ist. Nach Einschieben des Batterieteils kann letzteres verriegelbar nach rechts bzw. links gedreht werden und wirkt somit gleichzeitig als Netzschalter, wobei gut sichtbar ein rotes bzw. schwarzes Feld andeutet, ob das Mikrofon ein- oder ausgeschaltet ist.

Am Ende des Batterieteils befindet sich die dreipolige Steckverbindung T3262, die normgerecht belegt ist. Auf unserem Bild ist ein sehr wirksamer Nahbesprechungsschutz zu sehen, der jedem Mikrofon beiliegt und den Frequenzgang nicht beeinflußt. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, daß der Frequenzgang von 40 bis 20.000 Hz. völlig geradlinig verläuft und den strengen Studiobestimmungen entspricht.

Auch die anderen Daten sind hervorragend

Der Klirrfaktor ist kleiner als 0,5 % bei einem Schallpegel von 120 ubar. Es ist den Fachleuten bekannt, daß Orgel-, Chor- und Blockflötenaufnahmen oft äußerst schwierig zu machen sind. Um hierbei einwandfreie Ergebnisse zu erzielen, bedarf es schon erstklassiger Mikrofone und Aufnahmegeräte.

Wir hatten die Möglichkeit, über mehrere Wochen solche Aufnahmen mit 4 x MB C520 als auch mit anderen Studiokondensatormikrofonen als Vergleich durchzuführen. Die Aufnahmen mit den MB Mikrofonen waren bestechend und hielten qualitätsmäßig dem Vergleich mit weitaus teureren Kondensatormikrofonen anderer Fabrikate stand.

Wir hatten seinerzeit den Batterieschalter für nicht stabil genug gehalten; er wurde zwischenzeitlich geändert und ermöglicht jetzt auch ein einfacheres Herausziehen des Batteriefaches.

Solche Mikrofone sind oft "überempfindlich"

Einen Nachteil hat dieses Mikrofon übrigens mit fast allen anderen Kondensatormikrofontypen gemeinsam: es ist sehr griffempfindlich. Man sollte es nur in Verbindung mit einem schrittschallgedämpften Stativ verwenden oder aber in eine sogenannte Spinne hängen, einem dämpfenden Galgenanschluß.

Die „Spinne" wird von MB leider noch nicht als Zubehör geliefert. Da der Durchmesser der Mikrofone aber 21mm beträgt, passen sie auch in das Konkurrenzzubehör.

Das zuletzt Gesagte gilt auch für das MB C527. Dieses noch etwas billigere Kondensatormikrofon der Neckarelzer Firma ist für Musiker und HiFi-Freunde gedacht, die zu einem äußerst niedrigen Preis (unter DM 340.-) höchstmögliche Qualität wünschen.

Zusammenfasung

Da wir hier keine Preise nennen möchten, dürfte abschließend doch festgestellt werden, daß die Kondensatormikrofone in NF-Schaltung der Typen MB C 510, MB C520 und MB C 527 wohl mit Abstand die qualitätsbesten Mikrofone in Relation zum Preis sind, die augenblicklich auf
dem Markt angeboten werden. Selbst das Ausland hat nichts Gleiches entgegenzusetzen.

Geliefert werden die Mikrofone in einem schaumgummigepolsterten Etui incl. Nah-besprechungsschutz sowie einem Stativanschlußstück. Für die Mikrofone passen handelsübliche Stativanschlußteile, aber diese ungedämpfte Ausführung überträgt jede kleinste Erschütterung vom Stativ her, und Kondensatormikrofone sind diesbezüglich sehr empfindlich, indem sie diese Erschütterungen sofort als Störimpuls weiterleiten.

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