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Heft 3 • Juni 1971 • 8. Jahrgang

Die Menge der Spulen- und Kassetten-Geräte- Tests wird jetzt rückwirkend in einen eigenen Bereich auf eigenen Seiten ausgelagert. In den Heften findet man sie fast nicht mehr.


Ein Wort zuvor ...

Im letzten Heft hatten wir an dieser Stelle zum ersten Mal über das sogenannte Werkstatt-Projekt des Norddeutschen Rundfunks gesprochen. Auf diesen ersten Hinweis hat bereits eine ganze Reihe von interessierten Tonbandclubs und Amateure reagiert. Es scheint, als sei unser Anreiz, die Leser dieser Zeitschrift aktiv in die Gestaltung dieser geplanten Sendereihe mit einzubeziehen, auf die entsprechende Bereitschaft gestoßen.

Dies gibt uns die Hoffnung, in Zukunft mit diesem Potential dem Rundfunk einen Partner anbieten zu können, mit dem er rechnen und auf dessen aktive Anregungen er seinerseits reagieren kann. Diese Tatsache nun war Auftakt zu weiteren Gesprächen, in denen wir versucht haben, ein genaues Programm für die Organisation einer solchen Zusammenarbeit zu fixieren.

Da die Konkretisierung unserer beidseitigen Vorstellungen bis Redaktionsschluß noch in der Schwebe war, haben wir - aus begreiflichen Gründen - darauf verzichtet, schon in diesem Heft das angekündigte Programm zu veröffentlichen. Wir werden es dann im nächsten Heft um so konkreter vorstellen können. Daß es sich dabei auch wiederum nur um gewisse Vorschläge handeln kann, ist klar - denn schließlich und endlich wird es von der Mitarbeit, von den Zielen und Wünschen der Tonbandamateure abhängen, wie die Werkstatt in realiter
beschaffen sein wird.

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Seite 2
Es gibt Themen, von denen man annehmen möchte, sie seien längst ausdiskutiert. Leider schreitet die Technik mit Siebenmeilenstiefeln voran, so daß, was heute üblich war, morgen schon einer Korrektur bedarf. Zu diesen Themen gehört zweifellos das ständigen Verbesserungen unterworfene Bandmaterial. Deshalb - nach langer Zeit - wieder einmal ein Beitrag über Bänder und deren Einsatzmöglichkeiten.

Seite 6

Ebenfalls ein Thema, zu dem schon eine Menge publiziert wurde, ist die Frage der Echo- und Hallerzeugung. Eine Frage, die sich wohl jedem schöpferisch arbeitenden Tonbandamateur schon einmal gestellt hat. Welche Möglichkeiten -und vor allem deren Anwendung - sich bieten, erfahren Sie auf den Seiten 6 bis 10.

Seite 13
In loser Folge haben wir in dieser Zeitschrift in Kurzberichten die sogenannte zweite Generation von Cassetten-Recordern besprochen. "Man sollte meinen" (ach du meine Güte !!!), daß unser Autor nach mindestens fünf oder sechs solcher Geräte ähnlicher Konzeption vor Überraschungen gefeit sei. Mit dem Sanyo Mini-Cassetten-Recorder M-508 liegt nach seiner Meinung allerdings ein Gerät vor, bei dem man nur sagen kann: Hut ab!

Seite 16
Ein Text-Hörspiel - was ist das? Auf keinen Fall eine neue Wortschöpfung unserer Redaktion. Vielmehr: ein Hörspiel, bei dem weniger konkrete Personen agieren, sondern Texte. Max Bense, schon einmal Autor einer Tonband-Szene, stellt seinen Versuch auf den Seiten 16 bis 18 vor, den Kommentar dazu finden Sie wie immer auf den folgenden Seiten.

Seite 20
Stichwort: Neues Hörspiel. Unter diesem Titel starten wir eine neue Artikelserie, über deren Aufgabenstellung wir in einer Einleitung ausführlich berichten.

Welches Tonband für welchen Zweck

von Erich Kinne in 1971
Es gibt eine Reihe von Tonbändern unterschiedlicher Qualitätsmerkmale auf dem deutschen Markt. Langspielbänder, Doppelspielbänder, Triple-Record sind einige der Bezeichnungen, die sowohl für Spulen als auch für Cassetten üblich sind. Darüber hinaus sind auch noch Bänder handelsüblich, die nur in Cassetten Verwendung finden können. Zwischen der Einteilung der einzelnen Bandsorten und dem Prinzip-Aufbau der Magnetbänder besteht ein logischer Zusammenhang.

Aufbau des Magnet- Bandes

Die modernen Magnet-Bänder, das gilt für alle Sorten, bestehen aus einem Trägermaterial und der aktiven Schicht, der Magnetschicht. Als Trägermaterial wird im allgemeinen Polyester-Folie verwendet.

Das Trägermaterial muß unmagnetisch sein und hervorragende mechanische Eigenschaften bei geringer Materialstärke aufweisen

So darf sich das Trägermaterial nicht dehnen. Ein Dehnen des Magnet-Bandes im Betrieb würde ein Jaulen zur Folge haben. Die Zerreißfestigkeit muß so groß sein, daß ein Bandreißen praktisch außerhalb des Möglichen liegt.

Das Material soll sich beim Einsatz in den Tropen so bewähren wie in den kalten Erdteilen. Es soll innerhalb dieses großen Temperaturbereiches seine Schmiegsamkeit bewahren.

Die Forderungen, die an den Träger eines modernen Magnet-Bandes gestellt werden müssen, werden in idealer Weise von einer Folie aus Polyester erfüllt, allerdings nach entsprechender Vorbehandlung. So wird die Folie in Längs- und in Querrichtung „vorgereckt", und zwar fast bis zur Zerreißgrenze. Dadurch erhält die Folie bei Beanspruchung auf Zug die Widerstandsfähigkeit von Stahl. Auch bei harter Betriebsbehandlung (beispielsweise Schnell-Stop, Schnell-Start) wird das so vorbehandelte Material weder dehnen noch reißen.

Das Trägermaterial ist selbst bei - 70 C noch schmiegsam. Erst bei -f 200 C beginnt es zu schmelzen. Der Betriebs-Temperaturbereich des Trägermaterials ist also ganz bedeutend größer als der Temperatur-Betriebsbereich normaler volltransistorisierter Tonbandgeräte.

Die aktive Schicht, . . . . .

. . . . die das Kennzeichen des Magnet-Bandes darstellt und magnetisierbar ist, besteht aus mikroskopisch feinen nadeiförmigen Eisenteilchen und einem Kunststoff-Bindematerial. Die Bindematerialien sind Geheimrezepte der verschiedenen Herstellerfirmen. Sie haben die Aufgabe, die mikroskopisch feinen Eisenteilchen zu umschließen und fest mit dem Trägermaterial zu verbinden.

Bei der aktiven Auflage gibt es Unterschiede hinsichtlich der Größe der Eisenteilchen, deren Zustand bzw. chemische Verbindung und dem Füllgrad. Der Füllgrad des Eisens ist der gesamte prozentuale Volumenanteil der Eisenteilchen an dem Volumen der aktiven Schicht.

Bei den Eisenteilchen handelt es sich um nadelförmige Gebilde, deren Länge Bruchteile eines 1/1000 mm beträgt. Das sind mikroskopisch winzige Teilchen, wie man sie durch mechanische Operationen wie Feilen, Schleifen, Mahlen etc. nicht erhalten kann.

Die Eisensubstanz, deren Partikelchen einigermaßen gleichmäßig sein müssen, wird aus Eisensalzen gewonnen. Von dem Mischen mit dem Bindemittel und der homogenen Verteilung der Eisenpartikelchen in dem Bindemittel, der Art des Aufgießens des Bindemittels auf den Träger hängt der Qualitätsstand des Endproduktes, des Magnet-Bandes, ab.

Ist die gleichmäßige Verteilung der Eisenpartikelchen nicht gewährleistet, so gibt es „Löcher", die sich bei Aufnahme und Wiedergabe in Viertelspur-Technik bemerkbar machen können.

Das Band wird gegossen

Die aktive Schicht wird in großen Flächen, also auch in großen Breiten, gegossen. Unmittelbar nach dem Gießen vor dem Erhärten werden die nadeiförmigen Eisenpartikelchen durch ein großes Magnetfeld in Laufrichtung des Bandes ausgerichtet.

Der vorletzte Arbeitsgang dient der Oberfläche der Schichtseite. Sie muß bei dem fertigen Band die Eigenschaften einer polierten Oberfläche haben. Geschlossene Poren, spiegelglatte, plane Oberfläche, das sollen die Kennzeichen der Schichtseite sein.

  • Anmerkung : Das ist alles das Wissen von1971. Später hat man das korrigiert. Die Oberfläche darf durchaus matt sein, um Schmnutzpartiek abzuschleifen.


Dazu soll eine möglichst große Härte kommen. Damit würde die ideale Auflage am Magnetkopf, geringer Abrieb und damit geringe Verschmutzung des Spaltes der Magnetköpfe erreicht werden. Zum Schluß werden die beschichteten Folien in Streifen üblicher Magnet-Bandbreiten geschnitten.
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Die Varianten auf dem Magnetband-Gebiet

Auf dem Magnet-Tonbandgebiet gibt es zwei verschiedene Streifen-bzw.  Bandbreiten, und zwar 6,35mm breite Bänder (das ist die genaue 1/4" Breite) für Spulen und 3,81mm breite Bänder für Compact-Cassetten. Bei den genannten Bandbreiten werden im allgemeinen Toleranzen von +0 bis 0,05mm eingehalten. Der Toleranz-Grenzwert für die breiten Spulen-Bänder für Spulengeräte liegt etwas höher. Er beträgt ±0,05mm, bezogen auf die eigentliche 6,25mm Breite des Bandes. Nocheinmal : die US-Norm spricht von der Breite von 1/4 Zoll, doch die Bändern sind schlanker mit nur 6,25mm.

Die Bänder für Spulen gibt es in 4 verschiedenen und die für Compact-Cassetten in 3 verschiedenen Stärken. Je dünner ein Band ist, um so größer ist die Länge, die sich auf einer Spule bestimmten Durchmessers unterbringen läßt.

Es besteht damit eine Abhängigkeit zwischen der Bandstärke, zwischen der Spieldauer einer kompletten Spule bzw. einer Cassette, zwischen Anwendungsart und der Bandbezeichnung:

  1. Das Standard-Band ist 50µm stark. Hiervon enthält eine 18cm Spule 360m Band, die Spielzeit beträgt bei einer Bandgeschwindigkeit von 9,5cm/s pro Spur eine Stunde.
  2. Von dem Langspielband (35µm stark) enthält eine 18cm-Spule 540 m Band. Die Spielzeit jeder Spur beträgt 1 1/2 Stunden.
  3. Das nächstdünnere Band ist das „Doppelspielband" mit einer Stärke von 26µm. Von dem Doppelspielband enthält eine 18cm Spule 720 m Band. Die Spielzeit beträgt damit 2 Stunden. Sie ist doppelt so lang wie die des Standardbandes. Damit ergibt sich aus der Bandbezeichnung also die wesentlichste Kennzeichnung des Bandes.
  4. Von dem „Dreifach-Spielband" (18µm stark) befinden sich 1080m auf einer 18cm-Spule. Damit beträgt die Spieldauer einer Spur 3 Stunden, also dreimal soviel wie bei einem Standardband.
  5. Außer den genannten Magnet-Bändern für Spulen gibt es noch zwei Spezialbänder, die vorläufig ausschließlich in Cassetten Verwendung finden. Sie sind wegen der geringen Stärke des Trägermaterials für Spulenbetrieb nicht geeignet. Es handelt sich hierbei um das „Vierfach-Spielband", das in den Cassetten C90 (2 x 45min) verwendet wird und um
  6. das „Sechsfach-Spielband" für die Cassetten-Typen C120 (2 x 60 min Spieldauer). Die Gesamtstärke des Sechsfach-Spielbandes ist 9µm.

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Die aktive Schicht des Magnet-Tonbandes

Der Anteil der aktiven Schicht an der Gesamtdicke des Magnet-Tonbandes beträgt, je nach Tonbandtyp, zwischen 6 und 15µm. Die Schichtdicke wird hierbei mit einer Genauigkeit von ±0,5µm eingehalten. Berücksichtigt man die Stärke der aktiven Schicht und die Stärke des hauchdünnen Trägers bei den Cassetten-Tonbändern, dann bekommt man Verständnis dafür, daß es dieses Material für Spulen nicht gibt.

Weitere Unterschiede - die HiFi-Low-Noise Bänder

Zu jedem der genannten Tonband-Typen, die durch die jeweiligen Gesamtdicken gekennzeichnet sind, gibt es unterschiedliche Ausführungsarten, die die elektro-akustischen Eigenschaften des Bandes betreffen.

Es wurde bereits ausgeführt, daß der wesentliche Teil der aktiven Schicht des Tonbandes aus feinst verteilten Eisenoxid-Teilchen besteht, die nadelförmige Struktur bei einer Länge haben, die Bruchteile eines µm lang sind. Das gilt für die „Normalausführung" der bisher genannten Tonbandarten.

Werden für die aktive Schicht noch wesentlich kleinere Eisenoxid-Teilchen verwendet (ein schwierigeres und teureres Verfahren), dann erhält man die „HiFi-Low-Noise"-Ausführungen, bei denen das Grundrauschen während der Bespielpausen unhörbar gering ist. Die oben genannten Bandsorten sind also in der einfacheren, preisgünstigeren Ausführung und auch in der HiFi-Low-Noise-Ausführung erhältlich.

Die Chromdioxid-Bänder

Als dritten Qualitätsstandard gibt es die Chromdioxid-Bänder, diese zur Zeit aber nur in Compact-Cassetten. Hierbei wird/ist ein "tellur"-veredeltes Chromdioxid, ebenfalls in nadelförmiger Struktur, verwendet. Kennzeichnend ist die dichte Packung der Metallteilchen.

Man erreicht einen Füllgrad von 40%. Das Material, das neben den HiFi-Low-Noise-Eigenschaften wesentlich weitere vorteilhafte Eigenschaften aufweist, wird in C60- und C90-Cassetten angeboten. Auf weitere Vorzüge dieses Bandes wird in Zusammenhang mit der Einsatzmöglichkeit der verschiedenen Bandarten noch besonders eingegangen.

Einsatz der Bandsorten

Die stärksten Magnet-Tonbänder, die Standardbänder (ca. 50µm Stärke), werden fast nur noch für Studiozwecke verwendet. Die Studiomaschinen älterer Bauart wurden damals, passend zu diesem Bandmaterial konzipiert. Die entsprechenden Spulen mit den großen Durchmessern sind vorhanden, so daß es selbstverständlich ist, dieses Bandmaterial für diese Maschinen weiter zu benutzen.

Grundsätzlich sind alle Magnet-Tonbandarten auf den Amateur-Tonbandgeräten verwendbar. Die Tonbandgeräte sind dementsprechend eingestellt, um für die verschiedenen Tonbänder verwendbar zu sein. Die verschiedenen Tonband-Typen wurden für spezielle Zwecke entwickelt und sind für diese Zwecke ganz besonders geeignet. Daher sollte man auch eine besondere, zweckgebundene Auswahl treffen.

Das Langspielband ist jetzt der Standard

Abgesehen vom Standardband, das der Tonbandamateur heute kaum noch verwenden wird, ist das „Langspielband" wegen der Stärke des Trägers das robusteste Tonband. Man wird es also dort einsetzen, "wo" es auf sehr große Spieldauer ohne Bandwechsel nicht ankommt, man aber mit einer robusten Behandlung, die das Band mechanisch stark beanspruchen könnte, rechnen muß. Das gilt für den Einsatz des Tonbandes in Schulen, im Berufseinsatz und bei Einsätzen, in denen viel geschnitten und geklebt werden muß.

Für höherwertige Wiedergabe, bei denen ein hörbares Grundrauschen während der Aufnahmepausen vermieden werden soll, ist die Langspielband-Ausführung „HiFi-Low-Noise" zu bevorzugen. Diese Überlegungen gelten selbstverständlich für alle Bandtypen. Es gibt sicher Fälle, in denen die einfache Bandausführung genügt und das Pausen-Grundrauschen nicht stört. In allen übrigen Fällen ist aber die Low-Noise-Aus-führung vorzuziehen.

Welches Band zum "Cutten" ?

Auch das „Doppelspielband" ist zum Cutten geeignet, doch ist es wegen der geringeren Dicke des Trägers nicht so bequem zu handhaben wie das „Langspielband". Man sollte, wenn man noch nie gecuttet hat, nicht mit diesem Band anfangen, sondern etwas Erfahrungen mit dem Langspielband sammeln.

Im übrigen ist das Doppelspielband in HiFi-Low-Noise-Ausführung das ideale Band für den Amateur. Es ist in der Vierspur- und in der Zweispur-Technik gleichermaßen gut einsetzbar. Die höhenbetonte Aussteuerbarkeit des Bandes sichert bei Aufnahme und Wiedergabe die Übermittlung der höchsten Musiktöne innerhalb des durch das Tonbandgerät gegebenen Frequenzbereiches. Also hinsichtlich der elektroakustischen Eigenschaften einschließlich der Rauscheigenschaften weist das Doppelspielband dem Langspielband gegenüber keine Nachteile auf. Auch hinsichtlich der mechanischen Festigkeit dürften bei der Verwendung durch den Amateur keinerlei Wünsche offen bleiben.

Das Dreifach-Spielband - nicht zum Cutten geeignet

Das „Dreifach-Spielband" läßt sich wegen der geringen Dicke des Trägers außerordentlich schlecht cutten. Die elektrischakustischen Eigenschaften dieses Bandes in HiFi-Low-Noise-Ausführung entsprechen in jeder Hinsicht denen des Doppelspielbandes. Wegen der großen Spieldauer, die man mit diesem Dreifach-Band erzielen kann, sollte man es bei langdauernden Aufnahmen z. B. bei Opernaufnahmen einsetzen oder dort, wo Spulen mit sehr kleinen Durchmessern verwendet werden müssen. Auch dieses Bandmaterial ist natürlich für Zweispur-und Vierspur-Betrieb geeignet.

Die Low-Noise-Ausführung bei Compact-Cassetten

Bei Compact-Cassetten findet man vorwiegend die Low-Noise-Ausführung. Man kann zwischen den Cassetten mit Eisenoxid-Bändern in C60-, C90- und C120-Ausführung und den Cassetten C60 und 90 mit Chromdioxid-Bändern wählen. Ob der Cassetten-Typ C60, 90, 120 genommen werden soll, ist eine Frage der gewünschten Spieldauer, die bei Einspur-Betrieb 2 x 30 min. bzw. 2 x 45 bzw. 2 x 60 min. beträgt.

Auf Spulen immer Eisenoxid-Tonbänder

Die Tonbänder für Spulen-Tonbandgeräte sind sämtlich Eisenoxid-Tonbänder, mit denen man, wenn es sich um die HiFi-Low-Noise-Ausführung handelt, hervorragende Musikübertragungen mit allen HiFi-Qualitätsmerkmalen erreichen kann, sofern man auf die geeignete Bandgeschwindigkeit überqeht. Diese Möglickeit hat man bei Cassetten-Recordern nicht. Hier ist man an die eine Bandgeschwindigkeit von 4,75cm/s gebunden.

Bei Cassetten braucht man Chromdioxid Bänder

Bei dieser Bandgeschwindigkeit erreicht man unter Verwendung eines Eisenoxid-Bandes günstigstenfalls einen Frequenzbereich von 25 bis etwa 6.000 Hz, bei einem Abfall um 3dB. Das Chromdioxid-Band bietet einen wesentlich vergrößerten Frequenzbereich. Er beträgt im Cas-setten-Betrieb 25 bis etwa 16 000 Hz, bei einem Abfall um maximal 3 dB. Der höhere Dynamikumfang, besonders der höchsten Frequenzen, ist ein weiterer wesentlicher Vorzug.

Das Chromdioxid-Band bringt eine wesentliche Qualitätsverbesserung bei Musikaufnahme und Wiedergabe. Es gibt auch Cassetten-Recorder-Modelle, bei denen sich die hohen Qualitätseigenschaften des modernen Bandes voll ausnutzen lassen. Das gilt selbstverständlich für Zweispur-Betrieb ebenso wie für Einspur-Betrieb.

Rund um High Fidelity
Der Mensch als Musikempfänger

Über die Eigenschaften des menschlichen Gehörs als Schallempfänger hat die Grundlagenforschung schon eine Fülle von Erkenntnissen gewonnen. Wie bei jedem anderen Sinnesorgan kennt man auch beim Ohr den Begriff der Empfindlichkeit.

Im Frequenzbereich zwischen 1 und 4 kHz ist das Ohr am empfindlichsten. Hier ist die Natur bis an die Grenze des Zweckmäßigen gegangen. Wäre das Ohr in diesem Bereich nur um weniges empfindlicher, würde es schon das Rauschen der Wärmebewegungen der Materie wahrnehmen.

Kurven gleicher Lautstärke

Da die Lautstärken einiger bestimmter Geräusche bekannt sind, lassen sich sogenannte Kurven gleicher Lautstärke, im Grunde als Empfindlichkeitskurven, aufstellen, die zwar als Anhaltspunkte gelten können, nicht aber für alle Menschen Geltung haben. Sie sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Vor allem aber nimmt die Empfindlichkeit des Gehörs gegenüber höheren Frequenzen mit wachsendem Alter ab. Während ein Zwanzigjähriger noch den gesamten Tonfrequenzbereich von 20 bis 20.000 Hz hören kann (könnte !!), verlagert sich die obere Hörgrenze mit zunehmendem Alter zu immer tieferen Frequenzen.

Auch über 60 kann man(n) Hifi hören

Trotzdem wäre es falsch, aus diesem Sachverhalt den Schluß zu ziehen, daß für ältere Menschen die Höhenwiedergabe einer HiFi-Anlage weniger wichtig wäre. Versuche haben gezeigt, daß Menschen, die kaum noch über 12 kHz hören, bei Übertragung von Musik mangelnde Höhenwiedergabe durchaus feststellen können.

Empfindlich für kleinste Tonhöhenschwankungen

Wichtig für die originalgetreue Wiedergabe von Musik ist die Empfindlichkeit des Ohres gegenüber Tonhöhenschwankungen. Nach "Feldtkeller und Zwicker" ist das Ohr gegenüber Tonhöhenschwankungen am empfindlichsten, wenn diese mit einer Frequenz von 4 Hz erfolgen. Außerdem hängt die Empfindlichkeit von der Trägerfrequenz und der Lautstärke ab.

Am empfindlichsten auf Tonhöhenschwankungen reagiert das Ohr bei einer Trägerfrequenz von etwas über 3000 Hz. Hier werden bei einem Schalldruckpegel von 70 dB schon relative Tonhöhenschwankungen von 0,2 Prozent hörbar. Mit abnehmendem Schalldruck und nach tieferen Frequenzen nimmt die Empfindlichkeit ab.

Vom Mikrofon zum Lautsprecher

Die Aufnahme, Speicherung und Wiedergabe von Schall beruhen immer darauf, daß die Schalldruckschwankungen in amplitudenproportionale und frequenzgleiche elektrische Wechselspannungen umgewandelt werden.

Das originale Schallsignal durchläuft auf seinem Weg zum Lautsprecher die verschiedensten Wandler, wie Mikrofon, Tonbandgerät, Verstärker, Schallplattenschneidmaschine, Matrize, Tonabnehmersystem, Verstärker und Lautsprecher, wo es zahlreichen Verwandlungsprozessen unterworfen ist.

Nun haben leider alle Wandler irgendwelche störende Eigenschaften. Sie liegen, um sie kurz anzudeuten, hauptsächlich im Bereich des Frequenzganges und des Klirrgradverhaltens. Unter Klirrgrad, für den das Ohr wiederum sehr anfällig ist, versteht man das Maß der Verzerrungen, das zwar bei jedem Wandler vorhanden ist, jedoch von Wandler zu Wandler verschieden stark auftreten kann.

Wann der Klirrgrad hörbar wird

Selbstverständlich hat man sorgfältig untersucht, wie groß dieser Klirrgrad höchstens sein darf, ohne daß das Ohr ihn als Verzerrung wahrnehmen kann. Die Empfindlichkeit des Ohres gegenüber harmonischen Verzerrungen hängt von der Art des übertragenen Klanges ab.

Es ist am empfindlichsten, wenn die künstlich erzeugten Obertöne in den Bereich fallen, in welchem die Hörschwelle am niedrigsten liegt, also zwischen 1000 und 4000 Hz. Außerdem steigt die Empfindlichkeit des Ohres gegenüber harmonischen Verzerrungen stark mit der Lautstärke. Nach Feldtkeller und Zwicker kann bei obertonarmen Klängen und großer Lautstärke ein Klirrgrad von 0,5% schon hörbar sein. Nach Abhörversuchen von H. F. Olson, die bei Übertragungen von Orchestermusik durchgeführt wurden, liegt die Wahrnehmungsgrenze für die in diesem Falle obertonreichen Klänge bei 2 Prozent.

Die Verdeckung von Frequenzbereichen und Tönen

Zu den Eigenschaften des Ohres als Empfänger übertragener Musik gehören noch einige andere, wie die Verdeckung von Frequenzbereichen oder Tönen durch lautere oder den Unterschied zwischen der harmonischen Skala der Tonhöhen und der melodischen, der im wesentlichen darin besteht, daß die melodisch wirksamen Intervalle mit wachsender Frequenz immer größer werden, während die harmonisch wirksamen im gesamten Tonfrequenzbereich gleich bleiben.

Auch die Tatsache, daß das Ohr, ähnlich der Pupille, sich unterschiedlichen Schallintensitäten anpaßt und daß es eines selektiven Richtungshörens fähig ist, soll hier angedeutet werden.

Das Ohr ist das sensibelste Meßinstrument

Es muß auch darauf hingewiesen werden, daß trotz aller Möglichkeiten, die Übertragungsqualität heutiger HiFi-Bausteine meßtechnisch zu erfassen, das Ohr letzten Endes der maßgebliche Richter ist.

Allerdings gilt dies nur für das am Original geschulte Ohr, nicht aber für das durch langjährige Gewöhnung an schlechte Musikübertragung verbildete Ohr. HiFi-Wiedergabe von Musik ist dann erreicht, wenn die Übertragungsgüte die beschriebenen Wahrnehmungsgrenzen des Gehörs überschritten hat.

Da diese individuell verschieden sind, mag auch das, was der einzelne als High Fidelity gelten läßt, unterschiedlich sein.
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Echo und Nachhall

von Erich Kinne im Sommer 1971

Es gibt auch Schallplattenaufnahmen in Stereo, die „trocken" und „flach" klingen. Es ist ein Trost für manche eigene Musikaufnahme auf Tonband. Der Stereo-Effekt ist zwar vorhanden, der Klang ist durchsichtig, man hat die Links-Rechts-Informationen, es fehlt jedoch die Raumatmosphäre. Die Aufnahmen sind in einem gedämpften Studio oder in einem kleinen gedämpften Wohnraum aufgenommen.

Die Aufnahme würde ganz anders klingen, wenn man die Solo-Stimme, das Solo-Instrument, die Musiker in einem großen Raum (Konzertsaal) aufnehmen würde. Der Zuhörer im Konzertsaal hört den Klang der Darbietung unmittelbar und außerdem mit zeitlicher Verzögerung die Reflexionen des Klanges von den Seitenwänden, der Rückwand und der Decke.

Direkter und indirekter Schall ergeben die „Nachhall"-Zeit

Je nach der Art des Raumes sind die Zeitunterschiede zwischen dem Hörbarwerden des direkt wahrnehmbaren Klanges und den Reflexionen klein oder groß, die „Nachhall"-Zeit ist also abhängig von der Größe des Raumes und seiner akustischen Dämpfung. Es kann auch ein großer Raum akustisch so stark gedämpft sein, daß von einem Nachhall nichts zu hören ist, weil die gegen die Wände bzw. die Decke treffenden Schallwellen dort absorbiert werden. In Räumen, die akustisch weitgehend ungedämpft sind, (beispielsweise Kirchen) ist der Nachhall besonders ausgeprägt. Bei großen Kirchen findet man auch sehr lange Nachhallzeiten und sogar Echos.

Raumatmosphäre

Die Raumatmosphäre ist ein recht wichtiger Bestandteil einer „naturgetreu" wirkenden Aufnahme bzw. Darbietung. Nun muß man nicht unbedingt, um gute Aufnahmen zu erzielen, einen mit guten Nachhalleigenschaften und guten Echos versehenen Raum zur Verfügung haben. Man kann, wie das auch beim professionellen Einsatz geschieht, trocken aufnehmen und Nachhall- bzw. Echos getrennt erzeugen und einmischen.

Erzeugung des Nachhalls

Zur Erzeugung des Nachhalls gibt es eine ganze Reihe guter Möglichkeiten, die im professionellen Bereich angewendet werden und sich auch dem Amateur anbieten. Im professionellen Bereich stehen Hallkanäle zur Verfügung. Für den Amateur äquivalent sind die Kellerräume.

  • Anmerkung : Dabei hat der Autor leider vergessen, zu erwähnen, daß dort die ganze Zeit absolute Ruhe herrschen muß, sonst klappts nicht. Und das ist in Mehrfamilien- Wohnhäusern seltenst der Fall.


In den Kellergeschossen mit den ungeputzten Wänden gibt es Gänge verschiedener Länge. Damit hat man auch die Auswahl von Nachhall mit unterschiedlicher Zeitdauer. Den Aufbau für die Nachhallerzeugung zeigt Bild 1.

Die Signalquelle ist wichtig

Als "Schallquelle" ?? ist hier ein Mikrofon (Bild 1, oben links) eingeschaltet, an dessen Stelle natürlich auch ein Plattenspieler oder eine Tonbandaufnahme treten kann. Das aufzunehmende Signal wird über ein Mischpult dem Tonbandgerät und gleichzeitig über einen Verstärker einem Lautsprecher zugeführt.

Lautsprecher und Hallmikrofon sind in einem Kellergang aufgestellt, und zwar mit den Rückseiten zueinander. Der Lautsprecher strahlt gegen die Frontseite des Ganges. Das Hallmikrofon nimmt die reflektierten Schallwellen aus der Richtung der gegenüberliegenden Wandseite ab.

Die Abstände zwischen Lautsprecher bzw. Mikrofon von den Abschlußwänden des Kellerganges sollen möglichst groß sein. Das Mikrofon nimmt somit die Reflexionen von den Wänden, also den Hall, auf. Die Nachhallspannung wird nach entsprechender Verstärkung über das Mischpult der Originalaufnahme beigegeben und vom Tonband mit aufgenommen.

Das Raum-Mikrofon

Die Intensität des Nachhalls wird durch den Pegelregler des Lautsprecherverstärkers, also durch die Intensität der Lautsprecherbeschallung bestimmt. Ist aber bei der Aufnahme einer Darbietung in einem mittleren Raum ein Nachhall hörbar, die Nachhallzeit aber etwas zu kurz, so hilft die Aufstellung eines zweiten Mikrofons, eines „Raum-Mikrofons". Das Raum-Mikrofon wird weitab von der Darbietung an der Rückwand des Raumes aufgestellt.

Es soll also ein gut hörbarer Unterschied zwischen dem Auftreffen der Schallwellen der Darbietungen auf das vorn stehende Mikrofon und dem Auftreffen auf das an der Rückwand stehende Mikrofon vorhanden sein. Das Raum-Mikrofon nimmt an der Rückwand ein etwas diffuses Schallfeld auf, das eingeblendet den Raumhall-Charakter intensiviert. Besonders gute Ergebnisse erzielt man mit der erwähnten Raum-Mikrofon-Methode bei Stereo-Vertonungen. Selbstverständlich muß das Raum-Mikrofon zweikanalig arbeiten. Als sehr wichtiger Tip gilt, die NF des linken Raum-Mikrofon-Systems auf den rechten Kanal zu mischen und umgekehrt. Dadurch wird ein besonders überzeugender Halleindruck erreicht.
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Nachträgliche Verhallung

Bei den im Folgenden beschriebenen Methoden nachträglicher Verhallung handelt es sich um künstliche Nachhall-Erzeugung. Bei der Halleinrichtung, Typ HVS1 Bild 2 (Grundig), wird nicht der Schall akustisch, wie es vorhergehend beschrieben wurde, verzögert, vielmehr wird die aus den akustischen Schwingungen gebildete NF auf elektro-magnetische Weise verzögert und ergibt dadurch die gewünschten Effekte bei geringen Abmessungen des Gerätes.

Die aktiven Grundig Hallspiralen

Die Abmessungen der Grundig-Halleinrichtung betragen 31,4cm x 12,6cm x 5,6cm. Die Verzögerungseinrichtung besteht aus zwei quermagnetisierten Ferroxdure-Stäbchen, zwischen denen mehrere Stahldraht-Wendeln (Anmerkung : Wir sprechen von Hallspiralen) befestigt sind. Die Erregerspule des einen Ferroxdure-Magneten ist an einen eingebauten Transistorverstärker angeschlossen, der die NF einer zu verhallenden Tonübertragung verstärkt. Mit dieser verstärkten NF wird der eingangsseitige Ferroxdure-Magnet erregt und im Rhythmus der magnetischen Felder werden die Stahlspiralen in axialer Richtung gedreht.

Bis sich die Drehung der Stahlspirale, die auf der Seite des Magneten beginnt, bis zu deren Ende fortgesetzt hat, vergeht wegen der Elastizität der Wände und deren Länge eine bestimmte Zeit. Die einmal in Schwingungen versetzte Stahlwendel klingt wegen deren Elastizität langsam ab. Das Ausgangssystem arbeitet analog dem Geber- bzw. Eingangssystem, jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Die Bewegungen der Stahldraht-Wendeln werden hier in NF-Schwingungen zurückverwandelt. Auch hier werden, wie auf der Geberseite, quermagnetisierte Ferroxdure-Stäbchen verwendet, die sich in einer Anordnung von weichmagnetischen Blechen frei bewegen können, so daß in die Spule der Wiedergabe-Seite Ströme induziert werden, die den Schwingungen der Enden der Stahlwendeln proportional sind.

Ein "weitgehend naturgegebener Nachhalleffekt" ???

Die durch den beschriebenen elektromagnetischen Zusatz erreichten Verzögerungen der Niederfrequenz entsprechen weitgehend dem naturgegebenen Nachhalleffekt.

  • Anmerkung: Da ich hier drei dieser Hallsysteme von Grundig habe, kann ich dem nicht zustimmen. Der erzeugte Hall ist extrem Holzkisten- ähnlich. Man kann nur geringste Hallmengen dem Originalsignal zumischen, sonst klingt es schlimm.


Die Daten: Nachhallzeit und Schallverzögerungen hängen bei der Raumhall-Einrichtung HVS 1 von der Dimensionierung der Stahldraht-Wendeln ab. Die Erst-Schall-Verzögerungen betragen bei diesem Gerät 29 und 37 Millisekunden, die maximale Abklingzeit (gemessen bei 300 Hz) ist 2 sec. In den zwei Sekunden ist der Nachhall auf -60dB abgeklungen.

Das Grundig-Raumhall-Gerät HVS 1

Das Grundig-Raumhall-Gerät HVS 1 läßt sich zur nachträglichen Verhallung beliebiger Tonquellen (Plattenspieler, Rundfunkgeräte, Steuergeräte, Verstärker) einsetzen und mit den genannten Geräten kombinieren. Doch hier interessiert der Einsatz des Raumhall-Gerätes nur im Zusammenhang mit Tonbandaufnahmen. Grundsätzlich kann bei jeder Aufnahme auch der Nachhall eingeblendet werden, ohne daß Eingriffe in das Tonbandgerät notwendig sind. Für einige Tonbandgeräte-Modelle muß man vorhandene Anschlußkabel ändern, zum Teil benötigt man Spezial-Anschlußkabel, zum Teil Zwischenstecker. Das gilt für alle Grundig-Tonbandgeräte und für viele Modelle der anderen Fabrikate. Detaillierte Angaben über die Anschlüsse der Raumhall-Einrichtung an die verschiedenen Tonbandgeräte-Modelle stellt das Herstellerwerk zur Verfügung.

Verhallt werden kann alles . . . .

Verhallt kann selbstverständlich jede Aufnahmeart werden, gleichgültig ob es sich um Rundfunk-, Mikrofon- oder Schallplattenaufnahmen handelt oder um Überspielungen von einem anderen Tonbandgerät. Das Raumhall-Gerät HVS 1 arbeitet einkanalig. Wollte man zweikanalig, also jeden Kanal für sich verhallen, dann müßte man zwei der genannten Geräte einsetzen.

Doch der Haas-Effekt besagt, daß für die Ortung des Schalles stets der zuerst ankommende Schall-Anteil, nicht aber der folgende Nachhall, ausschlaggebend ist. Man kann also für die Erzeugung des Nachhalls beide Kanäle zusammenfassen und hieraus den gemeinsamen Nachhall bilden. Die Auskoppelwiderstände können hochohmig sein (ca. 1 MO), so daß beide Stereo-Haupt-Kanäle durch die Entnahme der gemeinsamen NF bei der Stereo-Übertragung nicht gestört werden. Die Hall-Einrichtung ist empfindlich genug, um die notwendig hohen Hallspannungen zu erzeugen. Die Ausgangsspannung am Nachhallgerät ist so hoch, daß, auch wieder hochohmig, in die beiden Kanäle des Stereo-Gerätes eingekoppelt werden kann. Durch die hochohmige Einkopplung verschlechtert sich nicht die Übersprechdämpfung des Stereo-Gerätes.

Doch das hier stimmt nicht . . .

Ortungsmöglichkeit und Durchsichtigkeit des Klanges bleiben trotz gemeinsam gebildeten Nachhalles unverändert gut erhalten. Der gemeinsam in beide Kanäle eingemischte Nachhall ergibt einwandfreie Raumhall-Wirkung.

Nachhallerzeugung im Tonbandgerät

Nachhallerzeugung ist nur bei Tonbandgeräten mit räumlich getrennten Aufnahme- und Wiedergabe-Köpfen möglich.

Bild 3 verdeutlicht den Vorgang. AK ist der Aufnahme-Magnetkopf und WK der Wiedergabe-Magnetkopf. Die Laufrichtung des Magnetbandes ist durch den Pfeil angedeutet. Die Aufnahme kann mit einiger Zeitverzögerung am Wiedergabe-Kopf abgenommen werden. Das zeitverzögerte Signal wird über den Wiedergabe-Verstärker WV über den Regler und den Aufnahme-Verstärker AV dem Aufnahme-Kopf zugeführt und dem Eingangssignal überlagert.

Damit erzielt man den gewünschten Nachhall-Effekt, vorausgesetzt, daß sich durch den Abstand der beiden Köpfe voneinander und durch die Bandgeschwindigkeit die dem gewünschten Nachhall entsprechenden Verzögerungszeiten ergeben.
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Beispiel UHER Royal und Philips PRO 12

Bei dem Uher-Tonbandgerät Royal de Luxe (Bild 4), (Bild 5), das u. a. auch über die Betriebsarten „Echo" und „Hall" verfügt, werden, abhängig von der Bandgeschwindigkeit, Verzögerungszeiten von etwa 150 ms bis etwa 1,2 s erreicht.

Nach dem gleichen Konzept der Echo- bzw. Nachhall-Erzeugung arbeiten die Philips-Tonbandgeräte „Studio PRO" 12" (Bild 6) und „HiFi-Stereo-Tonbandgerät 4500" (Bild 7). Bei den Bandgeschwindigkeiten von 4,75 und 9,5 cm/s erhält man Echo-Effekte und bei der Bandgeschwindigkeit 19 cm/s Hall-Effekte.

Selbstverständlich können bei den genannten Geräten sowohl bei Mono- als auch bei Stereo-Aufnahmen Echo- bzw. Nachhall-Effekte eingemischt werden. Die Möglichkeit, Echo oder Nachhall einzublenden, besteht selbstverständlich bei jeder Aufnahmeart (Mikrofon, Rundfunk, Platten überspielen). Nachhall-Effekte erzielt man bei den genannten Modellen nur bei 19 cm/s Bandgeschwindigkeit. Bei den kleineren Bandgeschwindigkeiten sind es Echo-Effekte.
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  • Anmerkung : Auch das ist eine sehr wohlwollende Umschreibung eines mittelmäßigen Effektes, der überhaupt nicht befriedigt.

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Beispiel Grundig-Tonbandgerät TK 248 HiFi

Ebenfalls Aufnahmen mit Echo-Einblendungen bietet das Grundig-Tonbandgerät TK 248 HiFi (Bild 8). Die Verzögerungszeiten sind je nach Bandgeschwindigkeit 140 ms oder 280 ms. Die Echos können natürlich bei jeder Aufnahmeart zugesetzt werden, wobei die Intensität und Zahl der Echos regelbar sind.

Spezielle Nachhall- und Echo-Maschinen

Nach dem gleichen Grundkonzept arbeiten die Echo- bzw. Nachhall-Maschinen. Sie enthalten neben dem Aufnahme-Kopf mehrere Wiedergabe-Köpfe in verschiedenen Abständen; von den verschiedenen Wiedergabe-Köpfen werden mit entsprechenden unterschiedlichen Verzögerungszeiten die Signale dem Aufnahme-Kopf zurückgeführt. Hinter dem letzten Wiedergabe-Kopf erfolgt Löschung. Derartige Maschinen dienen also ausschließlich zur Echo- und Nachhall-Erzeugung, und zwar nicht nur für Tonbandaufnahmen, sondern in beliebiger Kombination mit Wiedergabe-Verstärker-Anlagen.

Kurz notiert . . .
Sonderausführungen der Revox- Tonbandmaschine A 77

Im folgenden erhält der Tonbandfreund eine zusammenfassende Übersicht über die Sonderausführungen der Revox A 77.
Modell HS (19/38) STEREO mit allen Zweispur-Stereo-Versionen des Grundgerätes. Aufpreis 250 DM zuzüglich Mehrwertsteuer zum jeweiligen Grundgerät.

Modell HS (19/38) VOLLSPUR mit allen Versionen des Grundgerätes. Aufpreis 350 DM zum Grundgerät, plus Mehrwertsteuer.

Modell STTA-Automatik mit allen Zweispur-Stereo-Versionen des Grundgerätes 9,5/19 cm/s. Dieses Gerät startet automatisch bei Eintreffen eines Signals und schaltet sich 5 Sekunden nach Ende des Signals ab. Preis auf Anfrage bei Willi Studer GmbH, 7829 Löffingen.

Aus der Welt des Tonbands ...
LH-Bänder setzten sich durch

Vor vier Jahren - auf der Funkausstellung 1967 in Berlin - stellte die BASF einen neuen Tonbandtyp vor: Das LH-Band. Bis dahin mußte zur Erzielung eines niedrigeren Grundrauschens (Low Noise-Effekt) in Kauf genommen werden, daß die Aussteuerbarkeit unter die der normalen Tonbänder sank. Diese technisch negative Klippe wurde jetzt mit dem neuen Bandtyp übersprungen.

Die Dynamik wurde damit also nach zwei Seiten hin erweitert, sowohl durch eine Herabsetzung des Grundrauschens als auch durch eine Erhöhung der Grenze für die Vollaussteuerung. Anteilig teilten sich beide Verbesserungen in etwa je zur Hälfte in den Dynamikgewinn. Damit war die Möglichkeit geschaffen, die HiFi-Tonbandgeräte voll auszunutzen. Mit den steigenden Verkaufszahlen hochwertigerer Geräte stiegen zugleich die Verkaufszahlen der LH-Bänder. Und wenn man sich heute das Tonbandsortiment der BASF anschaut, dann muß man feststellen, daß es die früheren „normalen" Tonbänder zwar noch gibt, daß sich aber dieses „normal" entscheidend verschoben hat: „Normal" sind jetzt die LH-Bänder geworden, die es längst in allen Bandstärken und Bandlängen gibt (was man von dem älteren Bandtyp schon nicht mehr sagen kann). Vor vier Jahren war die neue Bandqualität noch etwas besonderes, heute ist sie eine Selbstverständlichkeit.

  • Anmerkung : Diese obige Presseinfo der BASF wurde jetzt bereits mehrfach abgedruckt - hat das keiner gemerkt ??????

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Kurz notiert...
In Zukunft auf BASF-Schallplatten: Von Uli Ivanova bis zu Ella Fitzgerald

Jeder kennt sie, die ganz „Großen" des deutschen Show-Geschäfts, Udo Jürgens, Caterina Valente, Peter Alexander, Hildegard Knef usw. Und als die BASF jetzt mit eigenen Musik-Cassetten und Schallplatten ebenfalls auf diesem Gebiet aktiv wurde, erwartete vielleicht so mancher, einige dieser großen Namen nunmehr auch aus diesem Hause präsentiert zu bekommen. Man dachte dabei aber sicherlich nicht daran, daß gerade die ganz großen Interpreten durch langfristige Verträge längst gebunden sind.

Man stand daher in Ludwigshafen vor der Wahl, entweder - z. T. Jahre hindurch - zu warten oder aber nach einem anderen Weg zu suchen.

Man entschloß sich für die zweite Lösung, weil klar zu erkennen war, daß gerade bei den Musik-Cassetten eine sehr steile Aufwärtsbewegung auf dem Markt längst eingesetzt hat. Eine weitere längere Wartezeit hätte die Gefahr mit sich gebracht, daß der Anschluß an diese Entwicklung verpaßt werden könnte.

Beim genaueren Betrachten des Künstlermarktes erwies es sich, daß die Front bestehender Verträge nicht lückenlos war. Im Sommer letzten Jahres waren z. B. Dieter Thomas Heck oder Peter Garden zufällig gerade frei. Heck wurde zwar populär als Moderator von Schlager- und Hitparaden, er hat aber - was nicht jeder weiß - zugleich ein komplettes Gesangsstudium absolviert.

Auch Thomas Fritsch und Hans-Jürgen Bäumler nahm man als weitere bekannte Namen unter Vertrag. Hinzu kamen dann neben Rolf Kühn, einem der besten Jazz-Klarinettisten der Welt, oder der Sängerin Gisela Marell weitere Interpreten, die in der Fachsprache noch oft als „Nachwuchs" klassieren, Daniela, Fleur, die Pop-Gruppe Moby Dick und andere.

Weitere Namen, vorwiegend aus Osteuropa, vergrößerten die sich jetzt neu formierende Künstlergruppe, Lili Ivanova aus Bulgarien, Leo Martin aus Jugoslawien, George Monro aus Griechenland, Constantin aus Rumänien, Namen, die bei uns noch weitgehend unbekannt, draußen aber bereits mit großen Erfolgen, goldenen Schallplatten usw. verknüpft sind.

Es wäre jedoch verfehlt, aus all dem voreilig zu schließen, daß die BASF überhaupt keinen Namen mit wirklich internationalem Ruf in ihrem Musikprogramm aufzuweisen hat.

Sie schloß nämlich u. a. auch mit der MPS, mit der "Musikproduktion Schwarzwald" in Villingen, einen Vertriebsvertrag. Damit kommen jetzt Namen wie Ella Fitzgerald, Oscar Peterson, Erroll Garner, Friedrich Gulda, Horst Jankowski und viele mehr ins Spiel. Und damit ist der Anschluß an die ganz großen Namen im neuen Musikangebot der BASF von Anfang an sichergestellt.
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  • Anmerkung : Die MPS ist eine Plattenfirma bzw. ein Label des 2. SABA Chefs Brunnerschwer aus 1968 und wurde irgendwann bei SABA ausgegliedert und verselbständigt. Im Jazz Umfeld war das über 10 Jahre der Geheimtip der Jazzer in ganz Europa.

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