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Heft 6 • Dezember 1968 • 5. Jahrgang

Rückblick auf die 25 bisherigen Hefte. Nicht alle diese Hefte hätten damals mein Herz erfreut, zu unterschiedlich waren die Artikel und Themen. Die Ausrichtung auf anspruchsvolle Tonband-Hobbyisten und deren Hörspiele war nicht glücklich. Es ist wie heutzutage mit den Viedofilmen auf youtube. Nur etwa 1 Promill sind überhaupt sehenswert, weil bei vielen Filmen (Videos) die eigenen Fähigkeiten total überschätzt sind.

Inhalt

Karl Rahner: Jahresrückblick per Tonband 138
G. Hürlimann: Bestimmungen der Spielzeiten von Tonbändern 140
Helmut Fechner: Die perfekte Diashow (nicht enthalten) 141
K. Breh/G.H. Seebach: Auf dem tonband-Prüftisch: Sennheiser HD 414 144
Fachausdrücke - leicht gemacht 153
Wir stellen vor: Eumig-Ton projektoren (nicht enthalten) 155
Industrie - Notizen 160
die tonband-szene Heinz Kulas, Am Kanal Seite 147 bis 151

Liebe tonband-Freunde

Eigentlich hätten wir Grund, ein kleines Jubiläum zu feiern: die vorliegende Ausgabe ist das 25. Heft unserer Zeitschrift, die Einführungsausgabe mitgerechnet. In den fünf Jahren seit Bestehen dieser Zeitschrift sind insgesamt 588 Seiten erschienen, auf Buchformat gebracht wäre dies schon ein ganz stattliches Werk. Ob wir mit jeder Ausgabe allen Lesern immer das erwartete Maß an Technik, Information und Unterhaltung haben bieten können, wissen wir nicht.

Wir hoffen aber, daß die von uns angebotene Mischung in den vergangenen 25 Heften das Interesse unserer Leser gefunden hat und wünschen uns dies auch für das 26. und alle weiteren Hefte.

Den bereits für Heft 568 angekündigten Test des dynamischen Kopfhörers HD 414 von Sennheiser finden Sie nun in diesem Heft auf Seite 144 ff. Wir haben uns bemüht, diesen außergewöhnlichen Kopfhörer so ausführlich wie möglich in seiner Funktionsweise zu beschreiben und unsere Höreindrücke auch meßtechnisch mit Hilfe einer Brüel & Kjaer-Anlage zu erfassen. In unserer Reihe „Auf dem tonband-Prüftisch" bringen wir als nächstes einen Bericht über den japanischen Cassetten-Recorder National RQ-210 S, dem ein ausführlicher und sicher schon lang erwarteter Test des Uher Royal de luxe folgen wird. Die angekündigte Artikelserie zum Thema „Hörspieltechnik'' haben wir auf Heft 1/69 verschoben. Soweit unsere Vorschau.

Allen unseren Lesern danken wir für ihre Treue und wünschen ein gutes und erfolgreiches Jahr 1969. Ihre tonband-Redaktion

JAHRESRÜCKBLICK PER TONBAND

Ein Jahr ist vergangen - in der unmittelbaren Rückschau erinnert man sich noch deutlich an dieses oder jenes Ereignis aus dem privaten Bereich oder aus dem politischen Weltgeschehen. (Prager Frühling) Bald schon können solche Erinnerungen von neuen Begebenheiten verdrängt sein. Wer jedoch ein Tonbandgerät sein eigen nennt, befindet sich in der glücklichen Lage, Ereignisse von Bedeutung und dokumentarischem Wert Jahr für Jahr in sein Archiv eingehen zu lassen, um sie später, nach vielen Jahren, oft wieder lebendige Wirklichkeit werden zu lassen. Anregungen für einen solchen Jahresrückblick per Tonband will der folgende Beitrag vermitteln. Red.

Über den Erinnerungswert der „Tonbilder"

Die meisten Fotoamateure sind stolz auf ihr „Bildarchiv", mit dem sie gelegentlich - mehr oder weniger interessierte - Besucher „erfreuen", sei es durch eifrig kommentierte Alben, sei es anhand von - meist wesentlich unterhaltsameren - Diaserien. Von Sonderfällen abgesehen, dokumentieren diese „Bildberichte" im allgemeinen Ereignisse aus dem persönlichen Leben, die für die Erinnerung festgehalten werden sollen. Seltsamerweise denken aber die wenigsten Tonbandamateure daran, daß Ihnen durch ihr Hobby die Möglichkeit gegeben ist, alle möglichen Begebenheiten akustisch festzuhalten. Dabei ist der Erinnerungswert derartiger „Tonbilder" mindestens ebenso groß wie der von Fotografien oder Filmen, denen gegenüber man jedoch den bedeutenden Vorteil ins Feld führen kann, daß man dabei nicht ausschließlich auf eigene „Produktionen" angewiesen ist.

Schließlich strahlen Rundfunk und Fernsehen alljährlich die „Chronik des Jahres", den „Jahresrückblick" - oder wie immer diese Sendungen benannt sein mögen - aus, die man als Tonbandamateure durchaus für einen eigenen Jahresbericht mit verwenden kann. Mag einem auch der Zeitaufwand für eine solche Aufnahme im Augenblick unnötig erscheinen, so wird man zu einem späteren Zeitpunkt um so mehr Freude daran haben.

Es hatte bereits 1956 angefangen

Bereits 1956 begann ich daher, für mein Tonbandarchiv alljährlich einen eigenen Jahresrückblick zusammenzustellen, der großenteils auf derartigen Sendungen basiert, jedoch auch mit privaten Erinnerungen gewürzt ist. Ich bin überzeugt, daß sich viele Tonbandamateure in Gedanken schon selbst mit derartigen Arbeiten befaßt haben, schließlich aber Angst vor der eigenen Courage bekamen und deshalb schon kapitulierten, ehe sie sich überhaupt ans Werk machten.

Ich möchte deshalb versuchen, den Unentschlossenen ein bißchen auf die Sprünge zu helfen, denn es gibt natürlich einige Dinge, die man bei der Zusammenstellung derartiger Archivbänder unbedingt beachten sollte.
Der erste - und wesentlichste - ist, sich hinsichtlich der Zeitdauer weitgehend zu beschränken (gerade in dieser Beschränkung zeigt sich der Meister) und deshalb die Gesamtdokumentation eines Jahres möglichst nicht über eine halbe Stunde auszudehnen. Wie man bei der Anlage eines solchen Bandes vorgeht, bleibt natürlich ganz dem eigenen Geschmack überlassen, und auch ich halte mich dabei keinesfalls an ein festes Schema.

Je nach Ereignissen innerhalb der privaten oder öffentlichen Sphäre wird die Aufnahme in Abschnitte geteilt, wobei es sich durchaus bewähren kann, erst einmal die Ereignisse aus dem Privatleben zu komentieren und dann auf die „große Politik" und die Tagesereignisse überzublen-den, die selbstverständlich gleichfalls mit persönlichen Randbemerkungen versehen werden könnnen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt! Man sollte allerdings schon während des laufenden Jahres versuchen, einige Aufnahmen quasi auf Vorrat zu schneiden, was einige Geduld und noch mehr Glück erfordert, denn wer hat schon gerade ein betriebsbereites Tonbandgerät bei sich, wenn draußen in der Welt wieder mal wer mit dem Feuerzeug am Pulverfaß spielen muß.

Aktuelle Reportagen sichern

So erfuhr man vom Einmarsch der Ostblockstaaten in die CSSR ausgerechnet bei der Morgentoilette . . . Aber bereits die nächsten Nachrichten konnte man aufnehmen und so die wichtigsten und "aktuellsten" ???? Passagen - selbstverständlich wiederum gekürzt - für das Archivband aufbewahren. Es ist allerdings auch nicht besonders tragisch, wenn man eine solche Gelegenheit gänzlich versäumt, weil ja die Runfunk- und Fernsehsender - meist am letzten Tag des Jahres - derartige Informationen ohnehin in Hülle und Fülle bieten.

Dennoch kann die Stimme des Nachrichtensprechers oder Kommentators, „frisch vom Faß", später eine größere Aussagekraft besitzen als eine noch so gute nachträgliche Dokumentation. Ähnlich ist es auch bei Ereignissen aus der Privatsphäre: Auch hier wird man möglichst sofort „am Ball" sein wollen, denn Kätchens Hochzeit und Opas Geburtstag lassen sich nun einmal nicht wiederholen. Die Frage ist nur: Wie macht man so etwas am dümmsten?

Nun, wer als Tonbandamateur innerhalb der näheren und weiteren Verwandtschaft bekannt ist, wird meist ohnehin zu Hochzeiten und ähnlichen Ereignissen eingeladen, um mindestens die Traurede aufzunehmen (die allerdings später erfahrungsgemäß in ihrer ganzen Länge kaum mehr interessiert) und möglichst auch von den weiteren Ereignissen eine Reportage zu machen.

Wie gut oder schlecht eine solche Reportage dann ausfällt, ist selbstverständlich ganz von der Qualifikation des jeweiligen „Reporters" abhängig, doch kommt auch hier die Erfahrung mit der Häufigkeit solcher Aufnahmen. Bedenken sollte man jedenfalls auch hier, daß die eigentliche Würze in der Kürze liegt, selbst wenn es schwerfallen sollte, einen großen Teil der gehamsterten Aufnahmen wieder zu löschen (aber das „Rhabarberrhabarber" an der Mittagstafel wird später gewiß niemanden mehr interessieren und auch die von den Kindern vorgetragenen, gutgemeinten Hochzeitsgedichte eignen sich höchstens ausschnittweise zur Aufbewahrung für spätere Zeiten).

Die sofortigen Kommentare nicht vergessen

Auf jeden Fall aber lohnt es sich immer, „einschneidende" private Ereignisse möglichst an Ort und Stelle aufzunehmen oder aber mindestens, so lange sie noch frisch im Gedächtnis haften, sogleich auf Band zu kommentieren. Wie weit man dann solche Bruchstücke aufbewahrt oder schon vor der endgültigen Bearbeitung des Jahresrückblicks wieder löscht, weil man zu der Einsicht kam, daß dieses oder jenes doch des guten zu viel würde, bleibt dem persönlichen Gusto überlassen.

Kommt dann der besagte letzte Tag des Jahres, so muß man sich noch einmal Zeit nehmen und die einschlägigen Sendungen, sei es vom Rundfunk, sei es vom Fernsehen, buchstäblich von A bis Z aufnehmen. Rundfunksendungen eignen sich verständlicherweise im allgemeinen dazu besser als Fernsehsendungen, die meist während der Sprechpausen von mehr oder weniger passender Musik untermalt sind, doch bestätigen Ausnahmen die Regel.

Wie viele Aufnahmen man für den gewünschten Zweck anfertigt, ist nicht zuletzt eine Frage der Zeit, die man dafür aufzuwenden gedenkt. Denn die eigentliche Arbeit beginnt erst später. Es hat nämlich wirklich keinen Sinn, etwa zu versuchen, bereits während der laufenden Sendung eine „Vorauswahl" zu treffen.

Man läuft dabei nämlich viel zu sehr Gefahr, gerade besonders wesentliche Themen einmal nicht mitzubekommen. Hat man aber die gewünschten Aufnahmen im Kasten, tut man gut daran, erst einmal ausgiebig Silvester zu feiern und vorerst lieber gar nicht an die Arbeit zu denken, die bei der Auswertung des ge-1 sammelten Materials auf einen zukommt. Man könnte sonst möglicherweise bereits vorher die Lust daran verlieren, was allerdings jammerschade wäre . . .

„umsonst", nicht jedoch vergebens

Nach Neujahr kann dann der Ernst des Lebens beginnen und aus eigener Erfahrung weiß ich zu berichten, daß die halbe Stunde Zeitgeschehen, die am Ende fertig vor einem liegt, meist weit mehr als 20 Stunden intensive Arbeit gekostet hat. Aber wenn man dann ein solches Band nach Jahren wieder abhört,
weiß man, daß diese Arbeit zwar „umsonst", nicht jedoch vergebens war.

Jetzt gilt es erst einmal, das ganze Sammelsurium abzuhören, zu lichten, zu redigieren, das Ausgewählte nochmals zu überhören, zu kürzen, mit Kommentaren zu versehen; meist wird man dabei nicht ohne - wenn auch nur skizzenhaftes - „Drehbuch" auskommen, um erst einmal eine Vorstellung von der Gesamtanlage zu bekommen. Dann erst geht's ans Überspielen. Und spätestens in diesem Augenblick wird einem klar, daß dazu ein zweites Tonbandgerät notwendig ist.

Ein zweites Bandgerät ist hilfreich

Glücklich, wer ein solches ohnehin sein eigen nennt, was jedoch bei vielen Tonbandamateuren, die sich überhaupt an eine solche Aufgabe heranwagen wollen, ohnehin der Fall sein dürfte. Andernfalls wird man nach einem guten Freund suchen müssen, der einem sein Gerät einmal borgt. Man manche ihn allerdings gleich mit dem Gedanken vertraut, daß er es mindestens einige Tage lang nicht mehr zu sehen bekommt. Denn Archivaufnahmen, die unter Zeitdruck entstehen sollen, beginnt man besser erst gar nicht.

Für den ersten Versuch ist man übrigens gut beraten, wenn man sich hinsichtlich der Anlage einer solchen Dokumentation am Beispiel der entsprechenden Rundfunksendungen orientiert. Wie weit man dabei Kommentare selbst übernimmt oder den „amtlichen" Sprechern überläßt, wie weit man seine Aufnahmen mit Musikeinblendungen versieht oder mit den gelassenen Aussprüchen mehr oder weniger großer Staatsmänner verziert, bleibt jedem selbst überlassen. Im allgemeinen wird einem dazu jedes Jahr etwas neues einfallen (hoffentlich!) und Übung macht schließlich auch hier den Meister. Man vergesse übrigens nicht, das ganze auch gelegentlich mit ein paar Werbesprüchen vom „Duft der großen, weiten Welt" oder der „Riesen wasch kraft auf biodynamischem Wege" zu würzen. In zwanzig Jahren wird man darüber genauso lachen können wie heute über Anzeigen aus den „goldenen Zwanzigern" (sofern einem bis dahin nicht das Lachen aus anderen Gründen gänzlich vergangen sein sollte).

Zum Schluß aber noch ein Beispiel . . .

wie ein solches Band aussehen kann. Ich greife in mein Archiv, ziehe blindlings den Jahresrückblick 1963 heraus und finde darin folgendes: Private Plänkeleien, die hier weniger interessieren sollten, blenden über in das Zeitgeschehen dieses Jahres. Und was gab's da alles? Beendigung der Kubakrise (wie waren wir damals aufgeregt), der Tod von Papst Johannes (wir hören noch einmal seine Stimme), Kennedy-Besuch in Berlin (Ich bin ain Börliner), Besuch Chruschtschows in Ostberlin (er war damals noch einer der Mächtigsten dieser Erde), erster sowjetischer Doppelraumflug; zwischen-hinein wurde Maurice Chevalier 75 Jahre alt (wir hören ein paar Takte eines seiner berühmten Chansons). 1963 waren auch die Katastrophen von Longarone (Dammbruch) und Lengede. Erinnern Sie sich noch?

Ich habe die Originalreportagen (natürlich nur in kurzen Ausschnitten), die einen getreuen Spiegel dieser Ereignisse darstellen. Adenauer trat als Bundeskanzler zurück und übergab die Geschicke der Regierung dem Wirtschaftswunderludewig. 1963 wurde auch Präsident Kennedy ermordet (großer Zapfenstreich anläßlich der Trauerfeier), starben Theodor Heuss (seine Stimme) und Erich Ollenhauer. Kurz vor Weihnachten brach auf einem griechischen Vergnügungsdampfer namens „Laconia" ein Brand aus . . . Alles Ereignisse eines einzigen Jahres, als Hörbild komprimiert auf etwa 20 Minuten . . .
Man muß sich das heute nochmals anhören - dann weiß man. was man an einem Tonbandgerät wirklich hat. K. R.

Auf dem tonband-Prüftisch
(Sommer 1968) SENNHEISER HD 414

Auf dem Gebiet der dynamischen Kopfhörer ist die Firma Sennheiser electronic bislang mit dem Stereo-Kopfhörer HD 110 und der Mikrofon/Kopfhörer-Kombination HMD 110 vertreten gewesen. In der unteren Preisklasse ist nun, als Paralleltyp zum HD 110, der neue HD 414 (siehe Bild im Titel) zu einem Bruttopreis von DM 54.- erschienen, der über ein völlig neuartiges Konstruktionsprinzip verfügt: Der HD 414 schließt das Ohr nämlich nicht wie praktisch alle bekannten Kopfhörer dieser Art luftdicht ab, sondern er befindet sich frei vor den Ohren, von denen er absichtlich durch ein Schaumnetzpolster getrennt wird.

Völlig neu - Der offene Kopfhörer

Der Vorteil dieser Tragweise besteht in der größeren Leichtigkeit und der fast völlig vermiedenen Transpiration auch bei längerem Arbeiten mit diesem Kopfhörer.

Bei herkömmlichen dynamischen Kopfhörern wirkt die Rückseite der Membran auf einen abgeschlossenen Hohlraum, der bestimmend ist für die Wiedergabe der tiefen Frequenzen, weil sich die Resonanzfrequenz der Membran um so mehr nach oben verschiebt, je kleiner er ist. Diese Tatsache läßt sich durchaus damit vergleichen, daß auch ein Lautsprechergehäuse um so leichter in der Lage ist, tiefe Frequenzen abzustrahlen, je größer sein Volumen ist. Um bei diesen herkömmlichen Hörern trotzdem die tiefen Frequenzen zufriedenstellend auf den Gehörgang übertragen zu können, muß auch die Membranvorderseite gegenüber der Außenluft völlig abgeschlossen sein, was durch die bekannten weichen Ohrmuscheln sichergestellt werden soll.

Anmerkung : Das mit dem angeblichen akustischen Kurzschluß war der Wissensstand von 1968, heute ist man da viel weiter, wie zum Beispiel die Linkwitz Boxen - ohne Schallwand - beweisen.

Sofern diese Ohrmuscheln nämlich nur an einer einzigen Stelle ein wenig klaffen, entsteht ein akustischer Nebenschluß, so daß die tiefen Frequenzen nicht mehr auf den Gehörgang übertragen werden, sondern in die Außenluft entweichen.

Der Trick des HD 414

Der HD 414 umgeht dieses Problem auf folgende Weise: Bei diesem offenen Hörer wirkt die Rückseite der Membran nicht auf einen geschlossenen Hohlraum, sondern ist gegenüber der Außenluft geöffnet. Damit bleibt die Resonanzfrequenz der Membran unverändert ganz tief. Zwar wird von der Rückseite der Membran nun ebenso Schall abgestrahlt wie von der Vorderseite, jedoch hat der von der Vorderseite der Membran kommende Schall einen viel kürzeren Weg zum Gehörgang zurückzulegen als der von der Rückseite der Membran kommende Schall.

Da der Schalldruck umgekehrt proportional zur Entfernung von der Schallquelle abnimmt, wirkt der von der Rückseite der Membran kommende Schall auf das Ohr nur mit einem Bruchteil des von der Vorderseite der Membran kommenden Schalls, kann also praktisch vernachlässigt werden. Voraussetzung für eine einwandfreie Übertragung auch der tiefen Frequenzen ist also beim offenen Hörer dank der tief gebliebenen Abstimmung der Membran nicht mehr der dichte Abschluß am Ohr, sondern nur der geringe Abstand der Vorderseite der Membran vom Gehörgang im Vergleich zur Rückseite der Membran.

Durch entsprechende Konstruktion der Kapsel und des Ohrbügels sowie durch geeignete Dimensionierung der Schaumnetzpolster ist dies beim HD 414 sichergestellt. Die Schaumnetzpolster sorgen überdies dafür, daß sich in dem Raum zwischen der Membran und dem Beginn des Gehörganges keine störenden Resonanzen ausbilden können, wie dies erwiesenermaßen bei vielen herkömmlichen dynamischen Kopfhörern der Fall ist.

Lobeshymnen auf den HD 414

Der HD 414 bringt zudem für die Besitzer von Tonbandgeräten zusätzliche Vorteile: Alle deutschen Tonbandgerätehersteller haben in ihren Zubehörprogrammen bisher magnetische Kopfhörer in monotoner und in stereofoner Ausführung angeboten. Der Grund für die Wahl von magnetischen Wandlern bestand ganz einfach darin, daß die Kopfhörerausgangsbuchsen praktisch aller deutschen Tonbandgeräte so hochohmig sind, daß man auf die Möglichkeit angewiesen war, magnetische Kopfhörer mit Impedanzen bis zu 5 kOhm zu fertigen, um überhaupt eine erträgliche Lautstärke aus den Kopfhöreranschlüssen herauszuholen.

Der HD 414 ist der erste dynamische Kopfhörer, der ohne Vorverstärker direkt an die Kopfhörerausgänge fast aller deutschen Heimtonbandgeräte angeschlossen werden kann. Die Tatsache, daß die herkömmlichen dynamischen Kopfhörer zusätzlich einen Vorverstärker mit eigener Stromversorgung erforderten, hat letztlich dazu geführt, daß sicher hundertmal soviel magnetische Kopfhörer wie dynamische Kopfhörer in Verbindung mit Heimtonbandgeräten verwendet werden, obwohl die Wiedergabequalität dynamischer Kopfhörer der von magnetischen Kopfhörern erheblich überlegen ist.

Der sorglosen Nutzung dieses Vorteils stellte sich jedoch zunächst die Tatsache entgegen, daß die Kopfhörerausgänge deutscher Tonbandgeräte recht unterschiedlich beschaltet sind. Bei manchen Mono-Tonbandgeräten müssen die Systeme in Reihe geschaltet werden, bei manchen ist für optimale Anpassung Parallelschaltung erforderlich. Teils sind Anschlußbuchsen für den Normstecker LS 7 vorgesehen, teils sind sie für den Mas 30 ausgelegt. Aber auch bei den Anschlußbuchsen für den Mas 30 findet man ganz unterschiedlich die Tonspannungen an den Punkten 3 gegen 2, 3 gegen 1 oder auch 1 gegen 2.

Diese Schwierigkeiten wußte der Hersteller des HD 414 durch eine ausgeklügelte Anschlußleitung, durch serienmäßige Lieferung von zwei Steckadaptern und durch Ausarbeitung einer Kopfhörer-Anschluß-Fibel zu begegnen. Die Anschlußleitung des HD 414 ist mit einem gelben und einem roten Stecker LS 7 (Lautsprecherboxen-Normstecker) ausgestattet. Bei Stereobetrieb sind sie einfach in die entsprechenden Buchsen einzuführen. Um die beiden Systeme bei Mono-Betrieb ohne Lötarbeiten wahlweise parallel oder in Reihe schalten zu können, genügt es, im einen Falle den roten Stecker in den gelben und im anderen Falle den gelben Stecker in den roten hinten einzuführen. Der dann freibleibende Stecker kommt in die Kopfhörerbuchse des betreffenden Gerätes.

Um aber auch die vielen für den Mas 30 ausgelegten Kopfhöreranschlüsse von Mono-Tonbandgeräten erfassen zu können, lassen sich mit Hilfe eines grünen und eines blauen Steckadapters und der Kombination aus den bereits erwähnten Reihen- und Parallelschaltungen, nach Angaben des Herstellers, mehr als 90 % der auf dem europäischen Markt verbreiteten Tonbandgeräte ohne Lötarbeiten mit dem HD 414 erfassen. Wie Stecker und Steckadapter zu kombinieren sind, kann der Fachhändler und der Endverbraucher aus der vom Hersteller mitgelieferten Kopfhörer-Anschluß-Fibel ohne Schwierigkeiten entnehmen. Sie besteht aus einem einzigen Blatt: Auf der Vorderseite sind alle erfaßbaren europäischen Tonbandgeräte alphabetisch nach Fabrikaten geordnet aufgeführt. Hier sucht der Käufer seinen Tonbandgerätetyp und merkt sich dessen Kennbuchstaben. In einer vierfarbigen Darstellung braucht er jetzt nur noch die zu seinem Tonbandgerät angegebene Reihenfolge miteinander zu verbinden, um den richtigen Anschluß des HD 414 herzustellen. An Tonbandgeräte mit Ausgängen für Klinkenstecker hat der Hersteller in diesem Zusammenhang aber offenbar nicht gedacht. In diesen Fällen wird sich der Käufer wohl selbst Übergangsstücke anfertigen müssen.

Der Test bzw. unsere Beurteilung

Bereits in Heft 4/68 wollten wir den HD 414 einem kritischen Test unterziehen, mußten dann jedoch davon Abstand nehmen, da der Kopfhörer inzwischen durch ein, in wesentlichen Punkten verbessertes Modell ersetzt wurde.

Unsere damaligen Eindrücke beim Musiktest des ersten Exemplares brachten wir auf den folgenden Nenner: Die Übertragungseigenschaften sind hervorragend, aber insofern eigentümlich, als Musik etwa so klingt, wie wenn sie im Freien gespielt würde. Bässe sind vorhanden, aber sie haben nicht die von der Mitwirkung des Raumes herrührende Substanzhaltigkeit. Offenbar hat man diese Einschränkung auch im Hause Sennheiser festgestellt und Anstrengungen unternommen, die Substanzhaltigkeit der Bässe zu verbessern.

Um uns von dem erzielten Ergebnis zu überzeugen, sandte uns Sennheiser zwei Exemplare des HD 414: Nr. 1 aus der ersten Serie und Nr. 2 aus der verbesserten Serie. Nachfolgend wollen wir berichten, welche Unterschiede wir zwischen diesen beiden Exemplaren herausgefunden haben.

Die Anschaffung einer Brüel- und Kjaer-Meßanlage für unser Teststudio kam uns bei diesen Untersuchungen sehr zustatten. Gab sie uns doch die Möglichkeit, die Frage mit meßtechnischen Mitteln anzugehen. Nun ist ja hinreichend bekannt, daß Messungen an Kopfhörern äußerst problematisch sind. Trotzdem glauben wir einen Weg gefunden zu haben, der es uns erlaubt, Frequenzgänge und Klirrgrade von Kopfhörern zumindest relativ zu bestimmen.

Unser künstlicher Kopf

Wir beschafften uns eine Styropor-Kugel von rund 150mm Durchmesser, bohrten auf der einen Seite ein kleines Loch, um das Meßmikrofon einzuführen, und auf der anderen Seite ein größeres Loch von 50mm Durchmesser, auf das man den Kopfhörer setzen kann (Bild 1). Der Innenraum der Hohlkugel wurde mit Diolenfil bis auf ein kleines Volumen gefüllt, das ungefähr dem Volumen des Innenohrs entspricht. Das Mikrofon befindet sich genau 25mm von der äußeren Kugelfläche entfernt. Dieser Abstand wird bei allen Messungen konstant gehalten. Nun wurden gleitende Sinustöne auf diejenige Muschel des Kopfhörers gegeben, die sich über der Mikrofonöffnung der Kugel befand. Auf diese Weise konnten wir den Frequenzgang des Kopfhörers registrieren und die Oberwellenanteile (Klirrgrad) untersuchen.

Die Messungen

Bild 2 zeigt die gemessene Schalldruckkurve des älteren Exemplars und die k2- und k3-Anteile bei einem Schallpegel am Mikrofon, bezogen auf weißes Rauschen, von 70 Phon DIN bewertet.

Bild 3 zeigt das Ergebnis der Messung am verbesserten Exemplar, wobei die Stellung des Lautstärkereglers die gleiche war wie bei Bild 2. Da das verbesserte Modell aber einen höheren Wirkungsgrad hat, betrug der Schallpegel nun 74 Phon am Mikrofon, also im Inneren des künstlichen Ohres. Die treppenartige Struktur der k2- und k3-Kurven rührt von der Flankensteilheit der Terzfilter her. Man sieht, daß die wesentlichen Unterschiede in den Schalldruckkurven der beiden Modelle erst oberhalb 1000 Hz auftreten. In Bild 2 liegt das k2-Maximum (zwischen 60 und 70 Hz) bei 9%, in Bild 3 bei 12,5%.

Bild 4 zeigt zum Vergleich die Schalldruckkurven und den Oberwellenanteil beim MBK 600 bei einem Schallpegel von 71 Phon. Wie man sieht, treten bei diesem Kopfhörer keine meßbaren Oberwellenanteile auf. Nun ist die Membran des HD 414 nur schwach bedämpft, während sie beim MBK 600 durch ein abgeschlossenes Luftpolster bedämpft wird. Daraus ergab sich die Vermutung, daß die Oberwellenanteile auch beim HD 414 verschwinden würden, wenn man nur den Pegel absenkt, so daß die Auslenkungen der Membran kleiner werden.

Bild 5 bestätigt diese Vermutung. Bei einem Pegel von 64 Phon ist k2 nur noch schwach angedeutet und liegt bei 60 Hz unter 3,5 %. Normalerweise wird man mit Kopfhörern bei Pegeln über 70 Phon hören. Die k2- und k3-Anteile im Baßbereich verstärken auch hier - ähnlich wie bei Lautsprecherboxen - den Baßeindruck, ohne als Verzerrungen wahrgenommen zu werden. Mit höher werdendem Pegel steigt auch der Oberwellenanteil im Baßbereich, wie aus dem Vergleich der Bilder 2 und 3 hervorgeht. Fassen wir die Ergebnisse der Messungen zusammen: Die Schalldruckkurven des alten und des verbesserten Modells unterscheiden sich erst oberhalb 1000 Hz. Das verbesserte Modell hat einen höheren Wirkungsgrad. Der Klirrgrad im Baßbereich nimmt beim HD 414 bei Schallpegeln über 70 Phon rasch zu, was jedoch für die gehörmäßige Beurteilung ohne Bedeutung ist.

Musik-Hörtest

Beide Exemplare des HD 414 wurden unter Verwendung gleicher Programmquellen nebeneinander und mit dem MBK 600 verglichen. Dabei zeigte sich eindeutig, daß beim verbesserten Modell die Bässe tasächlich substanzhaltiger sind. Die Unterschiede in den Schalldruckkurven oberhalb 1000 Hz wirken sich gehörmäßig weit weniger aus, als man annehmen könnte.

Vielmehr fällt es schwer, die geringfügigen Unterschiede zu definieren. Das Klangbild des HD 414 ist absolut durchsichtig, die Klangdefinition der verschiedenen Instrumente ausgezeichnet. Druckimpulse können sich beim HD 414 nach außen ausgleichen und wirken nicht mit voller Wucht auf das Trommelfell. Man kann daher mit dem neuen Sennheiser-Kopfhörer sehr laut hören, ohne daß sich irgendwelche unangenehme Begleiterscheinungen einstellen. Die Klangperspektive ist weiträumig, ohne hallig zu wirken.

Wie bekannt, findet beim HD 414 keine akustische Abdichtung der Ohren statt. Auch das leiseste Außengeräusch ist bei aufgesetztem Kopfhörer genauso hörbar wie ohne. Es gibt also keine Abdichtung, sondern lediglich eine Verdeckung von Fremdgeräuschen durch das zu übertragende Signal. Ebensowenig gibt es eine Abdichtung des übertragenen Signals nach außen. In Gegenwart anderer ist mit diesem Kopfhörer insofern nicht viel anzufangen, weil das nach außen abgestrahlte Signal weder zum Zuhören bestimmt noch dafür geeignet ist.

Zusammenfassung

Mit dem HD 414 brachte Sennheiser einen Kopfhörer auf den Markt, dessen Qualität-Preis-Relation man schlicht als sensationell bezeichnen darf. Der Sitz des Kopfhörers ist ideal. Akustische Abdichtung von innen nach außen und umgekehrt findet nicht statt, was die Verwendbarkeit des Kopfhörers etwas einschwächt. Dafür ist er aufgrund seines guten Wirkungsgrades, seiner hohen Impedanz und der durchdachten Anschlußleitungen mit Steckadaptern ohne zusätzlichen Vorverstärker praktisch an allen gängigen deutschen Mono- und Stereo-Heimtonbandgeräten universell verwendbar, was seinen Anwendungsbereich nun wieder enorm erweitert. Insgesamt gesehen gehört dieser preisgünstige Kopfhörer zu den besten Bausteinen dieser Gattung. Br/se

Der dynamische Kopfhörer Sennheiser HD 414: Impedanz je System 2000 Ohm, unverbindlicher Richtpreis DM 54.- zuzüglich Mehrwertsteuer (und das war damals so um die 10 % !!!).

FACHAUSDRUCKE LEICHT GEMACHT

In stark vereinfachter Form werden wir in loser Folge an dieser Stelle die wichtigsten Fachausdrücke aus der Tonbandpraxis vorstellen und erläutern. Wir beschränken uns dabei jeweils auf die elementarsten Grundlagen, die zum Verständnis erforderlich sind. Randerscheinungen und Folgeeffekte können darüberhinaus nicht immer mit dargestellt werden. Red.

Brumm, Abschirmung, Siebung - Brummschleife, Erdung - Streufeld, Induktion

Wenn ein hoher Politiker einem anderen Land einen Staatsbesuch abstattet, wird oft versucht, Randalierer und Störenfriede fernzuhalten. Es kommt auch vor, daß man potentielle Protestierer schon vorher unter Hausarrest stellt. -

Damit hätten wir eine „Übersetzung" der ersten Gruppe Fachausdrücke. Der ungetrübte Staatsbesuch ist in unserem Fall eine ungestörte Aufnahme oder Wiedergabe. Das Fernhalten von Brumm geschieht durch eine Abschirmung.

Was im Netzteil passiert

Mit größter Sicherheit auftretende Störungen wird man schon vorher durch Siebung ausschalten. Jeder Verstärker braucht als Versorgungs- oder Betriebsspannung Gleichstrom. Unsere Steckdose liefert aber nur Wechselstrom. Aber ein Transformator, ein Gleichrichter und eine aus mehreren Bauteilen bestehende Siebkette machen daraus in unserem Gerät Gleichstrom. Ist nun die Leistungsfähigkeit der Siebkette nicht groß genug, oder befindet sich in ihr ein verbrauchtes Bauteil, ergibt sich eine ungenügende Siebwirkung. (Elektrolyt-Kondensatoren - kurz Elko - als wesentliche Bestandteile einer Siebkette altern, d. h. sie verbrauchen sich. Ein schlechter Elko ist immer die Ursache eines Brumms, der sich im Laufe der Zeit eingestellt hat, und immer stärker geworden ist.) Ein Rest des ehemaligen Wechselstromes marschiert vermischt mit dem Gleichstrom in Röhren oder Transistoren.

Die Spannungen in Verstärkern

Die in unserem Verstärker zu verarbeitende Musik ist - technisch gesehen - auch Wechselstrom (Niederfrequenz- oder Tonfrequenzspannung). Der Transistor aber kann nur unterscheiden zwischen Gleichstrom, den er als Energie braucht, und Wechselstrom, den er verarbeitet, d. h. verstärkt.

(Bei Röhren ist die Sache durch zwei notwendige Betriebsspannungen etwas komplizierter, im Prinzip aber nicht anders.) Bringt nun die Betriebsspannung noch einen Rest Wechselspannung mit, so wird diese vom Transistor oder der Röhre als Nutzspannung betrachtet und (zusammen mit Sprache oder Musik) verarbeitet.

Wenn es brummt

Ein Brumm kann aber auch durch Induktion entstehen. - Jeder Transformator, Wechselstrommotor, die Drossel einer Leuchtstofflampe, aber auch eine normale Netzleitung ist von einem Magnet- oder Streufeld umgeben. (Anmerkung : Eine sehr rudimentäre Aussage, die auch damals nur teilweise gestimmt hatte.)

Die Ausstrahlung (exakt: Feldlinien) schneiden eine benachbarte Leitung und erzeugen in dieser eine (in unserem Fall) unerwünschte zusätzliche (Wechsel-)Spannung. Diesen, hier nur ganz vereinfacht dargestellten Vorgang bezeichnet man mit Induktion. Störend macht sich dieser Einfluß natürlich nur dann bemerkbar, wenn die benachbarte Leitung Tonfrequenzspannung (Sprache oder Musik) führt.

Wenn die 50 Hz auftauchen

Unsere Steckdose liefert Wechselstrom mit einer Frequenz von 50 Hertz. Direkt in den Lautsprecher geschickt, bringt das einen tiefen, brummenden Ton (natürlich muß ein Transformator dazwischen, der die Spannung reduziert). Die wenigsten Leute schließen ihren Lautsprecher an die Netz-Steckdose an, trotzdem brummt es bei einigen mitunter.

Im Falle Induktion geschieht das auf folgende Weise: Der Wechselstrom gelangt aus der Steckdose über Netzkabel in den Motor ihres Bandgerätes, bildet dort ein nützliches Magnetfeld, aber auch ein Streufeld, dessen Feldlinien eine in seinem Bereich liegende Leitung beeinflussen (exakt: schneiden). Diese Leitung führt z. B. die vom Mikrofon abgegebene Spannung zum Verstärker. Das Ergebnis im Lautsprecher ist dann Sprachaufzeichnung plus Brummeinstreuung.

Hilfe mit abgeschirmten Leitungen

Abhilfe schafft man durch Abschirmung der einstreugefährdeten Leitung. Eine abgeschirmte Leitung besteht außer dem (den) eigentlichen Leiter(n) im Innern des Kabels und einem engen Drahtgeflecht unter der Außenhaut. Dieses Abschirmgeflecht fängt Einstreuungen auf, leitet sie "nach Erde" ab (Anmerkung : wohinbitte ? wer sollte das damals verstehen ?) und schirmt damit den inneren Leiter von Störungen ab. Stark gefährdete Bauteile (Tonköpfe, Mikrofon-Übertrager) werden mit einem sehr wirksamen Abschirm-Material (Mu-Metall-Blech) umkleidet.

Andererseits kann man aber auch ein sehr starkes Streufeld (Wechselstrom-Motor) selbst abschirmen, und damit die Umgebung schützen. Im Zusammenhang mit einem Brumm taucht auch die Frage der richtigen Erdung auf. Schon beim Aufbau einer Schaltung gilt es, alle Masseleitungen an einen gemeinsamen Punkt zu führen, und von da aus mit einer Leitung zu erden, und nicht etwa das Chassis als Erdleiter zu betrachten. - Bei der späteren gemeinsamen Inbetriebnahme mehrerer Geräte gilt das gleiche. Mit den verschiedenen Verbindungskabeln darf es keine mehrfachen Masse-Verbindungen zwischen zwei Geräten geben. Ist das aber der Fall, haben wir eine Brummschleife. Darunter versteht man eine Leitung, welche zu einem Masseprodukt geht, über einen anderen (Leitungs-)Weg aber wieder zurückführt. Oder, um es wieder mit einem Beispiel deutlich zu machen, Sie weisen einen unliebsamen Besucher den Weg durch die Wohnungstür nach draußen. Er aber kommt durch die unverschlossene Hintertür (der zweiten Leitung) wieder herein.

  • Anmerkung : Das hier war wieder mal eine Erklärung, die nur die wenigsten Leser verstanden haben. So wirft der Autor auch noch mit Strom und Spannung kreuz und quer um sich, sodaß der fundamentale Unterscheid verschwimmt. Diesen Artikel hätte Karl Breh damals sofort "kassieren" müssen, der war und ist so nicht druckfähig.

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Amplitude, Frequenz, Frequenzgang und Frequenzbereich -Frequenzumfang und Über-alles-Frequenzgang

Sie schalten Ihren Radioapparat ein, und plötzlich ertönt der helle Ton eines Zeitzeichens.

Und den Rest dieser Erklärung sparen wir uns, es ist völlig daneben.
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Vormagnetisierung

Das ist vielleicht das schwierigste Kapitel dieser Reihe. Nicht nur deshalb, weil es sehr schwer zu beschreiben ist, sondern weil sich die Experten auch heute noch nicht einig sind, was bei diesem Vorgang exakt passiert.

  • Anmerkung : Ich vermute eher, daß der Autor es mangels "Vorwissen" und Grundlagen-Wissen des Magnetismus nicht verstanden hatte.


In diesem Zusammenhang dürfte auch interessant sein, daß der Einfluß, der durch die Vormagnetisierung bei einer Bandaufnahme ausgeübt wird, nicht entwickelt, sondern rein zufällig - infolge eines Gerätefehlers - gefunden wurde.

  • Anmerkung : So sagt es die alte 1941er Legende. Das klingt nämlich richtig geheimnisvoll.


Der Vormagnetisierungsstrom wird als kleiner Teil vom Löschstrom abgezweigt und zusammen mit der Nutzspannung (Sprache oder Musik) auf den Tonkopf "gegeben". Diese „Zugabe" erfolgt nur im Aufnahmebetrieb.

Die Tonhöhe (exakt: Frequenz) des Vormagnetisierungsstromes liegt im Bereich von 50 bis 80 kHz. Infolge der Rundfunkstereofonie ist man bei
neueren Gerätetypen noch höher gegangen, wir kommen darauf zurück im Kapitel „Pilotton".

Da die obere Hörgrenze des menschlichen Ohres im besten Fall bei 20 kHz liegt, ist von der Vormagnetisierung natürlich nichts zu hören. In Heft 2/68, Seite 42, haben wir uns im Kapitel „drop out" etwas mit dem eigentlichen Aufnahmevorgang befaßt.
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Die einzelnen Eisenoxyd Moleküle ausrichten

Wir wissen also von den im Band eingebetteten Eisenoxyden, welche bei einer Aufnahme ausgerichtet werden. Wenn man die Sache ganz genau betrachtet, so werden weniger die Oxyde, sondern die einzelnen Moleküle ausgerichtet, aus denen ein Oxyd besteht.

Das Ausrichten ist aber nicht ganz so einfach. - Stellen Sie sich dazu bitte eine an einen Eisenklotz befestigte Spiralfeder vor. Der Klotz liegt auf dem Boden, und sie wollen ihn mittels der Feder an einem ganz bestimmten Punkt auf den Teppich ziehen. Es wird Ihnen kaum gelingen. Sie ziehen erst ein wenig, die Feder spannt sich, da aber der Klotz schwer ist, passiert nichts. Jetzt ziehen Sie kräftiger, die Feder spannt sich stark, und plötzlich springt der Klotz ein ganzes Stück. Jetzt ziehen Sie von der anderen Seite, da er weit über den bestimmten Platz hinaus gesprungen war. Auch jetzt wird es nicht gelingen. Er bleibt entweder liegen - wenn Sie zuwenig Kraft aufwenden, oder springt übers Ziel hinaus - wenn Sie stark genug ziehen.

Machen Sie diesen Versuch aber senkrecht, d. h. der Klotz hängt frei in der Luft, läßt er sich mit der Feder sehr viel leichter an einen bestimmten Punkt dirigieren. Die Bodenhaftung verleiht dem Klotz eine gewisse Hemmung.

Bei unseren Molekülen haben wir es allerdings nicht mit Bodenhaftung zu tun. Hier ist es die Magnetkraft, welche von den umliegenden Molekülen ausgeht, und diese Hemmung bewirkt. Nun kann man ihnen diese Haftung nicht nehmen, da sie ja andererseits gebraucht wird, wenn sie erst einmal in der richtigen Stellung liegen.

Also muß irgendetwas her, was diese „Bodenhaftung" überwindet, was sie im Moment ihrer Ausrichtung beweglicher macht, gewissermaßen auflockert. Diese Aufgabe erledigt die Vormagnetisierung. Bei einer Frequenz von 80 kHz befiehlt sie den Molekülen 80 OOOmal in einer Sekunde rechtsum/linksum. Diese „Übung" wird übrigens in Bruchteilen einer Sekunde erledigt. Nämlich in der Zeit, die ein Molekül braucht, um den Tonkopfspalt zu passieren.

Was passiert, wenn es nicht funktioniert ?

Bliebe die Frage, was passiert, wenn es nicht gelingt, möglichst viele Moleküle richtig auszurichten? Möglichst viele, denn alle richtig auszurichten wird wahrscheinlich nie möglich sein. Verzerrungen wären die Folge, schlechte Qualität - besonders in den Höhen. Darüber hinaus starkes Rauschen, was wiederum eine Verminderung der Dynamik zur Folge hat. Leise Töne (exakt: kleine Amplituden) aufzunehmen, wäre praktisch nicht möglich. Sie gingen im Rauschen unter.

WIR STELLEN VOR: EUMIG- TONPROJEKTOREN

Mit dem neuen Eumig Mark S 701 Super-8 Tonprojektor und seinem Zweiformat-Zwilling, dem Eumig Mark S 709, kann der Amateur ohne jede technische Vorbildung nicht nur mühelos Sprache und Musik überblenden und mischen, er kann . . . . . . usw.

Das ist heute überhaupt nicht mehr interessant und würde nur die Seiten füllen.

Blick über Kontinente:
auf Magnetband gespeichert

Essa VI ist einer von vielen Wettersatelliten, die täglich als winzige Punkte in weit über 1000 km Höhe ihre Bahn um den Erdball ziehen. Unermüdlich fotografiert er mit einer elektronischen Kamera und erfaßt riesige Gebiete der jeweils überzogenen Kontinente. Zeilenweise werden die Bilder zur Erde gefunkt. Wetterstationen empfangen die Signale, und in Telebildempfangsautomaten werden die Zeilen wieder zu einem Bild auf Fotopapier zusammengefügt.

Gleichzeitig zeichnet ein Magnetband die Zeilen nacheinander auf, indem die Helligkeitsschwankungen innerhalb der Bildzeilen als Intensitätsschwankungen der Magnetisierung registriert werden. Von diesem Magnetband können beliebig viele weitere Fotos abgetastet werden, die dann den verschiedensten Wetterstationen für die Auswertung zur Verfügung stehen. Dadurch ist heute eine viel präzisere Großraumwettervorhersage möglich als noch vor einigen Jahren.

AGFA zeigt das auf der INTERKAMERA in Düsseldorf

Dieses Aufzeichnungsverfahren von Wettersatellitenbildern demonstrierte Agfa-Gevaert auf der INTERKAMERA in Düsseldorf mit Aufnahmen vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Zur magnetischen Aufzeichnung dienen spezielle Agfa-Instrumentationsbänder. Die fotografische Übertragung geschieht in einem Telebildempfangsautomaten der Firma Dr.-Ing. Rudolf Hell, Kiel. Das für dieses Gerät verwendete Zweibadfotopapier mit der Bezeichnung Telerapido ist ebenfalls ein Produkt von Agfa-Gevaert, das für die Firma Hell hergestellt wird. Nach der Bildaufzeichnung sind nur noch 30 s für die Verarbeitung des Papiers erforderlich. Der Messebesucher durfte das fertige Bild mit nach Hause nehmen.

INDUSTRIE-NOTIZEN
Grundig hat Angebot bei Cassetten-Tonbandgeräten erweitert

Der großen Nachfrage entsprechend ergänzte Grundig sein Angebot an Cassetten-Tonbandgeräten für das Compact-System nunmehr durch drei neue Modelle. Anstelle des bewährten Standardgerätes C200 wird jetzt das weiterentwickelte preisgünstige Cassetten-Tonbandgerät C200 de Luxe geliefert. Für problemloses Aufnehmen mit automatischer Aussteuerung wurde das Cassetten-Tonbandgerät C200 Automatic geschaffen. Als Begleiter für die Autofahrt empfiehlt sich das neue Auto-Cassetten-Tonbandgerät AC220, welches ebenfalls mit einer automatischen Aussteuerung versehen ist und sich leicht mit dem Autoradio verbinden läßt. An der Spitze des Angebotes steht nach wie vor das bereits bekannte Cassetten-Radio C201FM Automatic mit eingebautem UKW-Empfangsteil.

  • Anmerkung : "Der großen Nachfrage entsprechend" . . . Das ist der typische Pressinformations-Schmarren, den die Zeitschriften bitteschön abdrucken sollten bzw. mußten. Sie wollte ja die Anzeigen-Aufträge haben. Max Grundig hatte zähneknirschend sein eigenes "DC International" System eingestampft und mußte zwangsläufig das (durchaus nicht bessere) CC-System von Philips übernehmen. Freiwilig hatte er das nicht gemacht, genauso wie Jahre später mit den Grundig VHS Video-Recordern auch.

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Weiteres BlaBla dieser Pressinfo

Alle Grundig Cassetten-Tonbandgeräte zeichnen sich durch eine bequeme Einknopfbedienung aus. Die neuen Modelle sind erstmalig auch mit einer automatischen Abschaltung am Bandende ausgestattet. Im einzelnen weisen die drei neuen Modelle folgende Merkmale auf: Die beiden Cassetten-Tonbandgeräte C 200 de Luxe und C 200 Automatic stimmen in ihrer technischen Grundkonzeption überein. Markantes Kennzeichen der Geräte und Symbol für die einfache Bedienung ist der Einknopf-Funktionsschalter, mit dem sämtliche Lauffunktionen gesteuert werden. Sein Gesamt-Drehwinkel konnte jetzt auf 90 Grad gegenüber 120 Grad beim bisherigen C 200 verkürzt werden und gestattet so ein noch bequemeres Umschalten zwischen den einzelnen Betriebsarten. Bei Aufnahme- und Wiedergabebetrieb . . . . . . . usw. Das war dann nicht mehr der Rede Wert.
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INDUSTRIE-NOTIZEN
Interessenten für Telefunken M5 gesucht

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  • Anmerkung : Hier auch wieder das Presse BlaBla eines Händler-Marketings, denen die Kunden weglaufen. Die Telefunken M5 war ein solch dicker und schwerer und unhandlicher Brocken, daß mit dem Erscheinen der Revox A77 dieses Thema (bzw. dieses Produkt) eigentlich zuende war.

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Interessierte Tonbandamateure, die gerne mit einer professionellen Maschine arbeiten möchten, haben Gelegenheit, ein Telefunken-Tonbandgerät M5 mit den Geschwindigkeiten 9,5, 19 und 38 cm/s günstig zu erwerben. Das Gerät - aus dem Baujahr 1955, jedoch völlig neuwertig, da nur am Anfang in Betrieb und inzwischen in allen Funktionen überholt - kann bei der Firma Fesda, Darmstadt, Rheinstr. 27. werktags zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden. Neupreis dieses Gerätes zur Zeit der Anschaffung runde zehntausend Mark.

  • Anmerkung : Damit war diese gebrauchte M5 immer noch 6mal so teuer wie eine ganz moderne A77 Bandmaschine.

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INDUSTRIE-NOTIZEN
Dr. Hörmann 60 Jahre

Dr. Hans Hörmann, Leiter der Magneton-Abteilung im Agfa-Gevaert-Technikum in München, wurde am 27. November sechzig Jahre alt. Dr. Hörmann begann 1936 im Wissenschaftlichen Zentrallabor unter Leitung von Prof. Eggert seine Tätigkeit bei der Agfa in Wolfen. 1948 ging er nach Leverkusen, wo er ab 1949 den Aufbau der Prüfstelle Magneton leitete. Er arbeitete dabei aktiv in den zuständigen Kommissionen mit. Seit 1955 ist er Obmann im Fachnormen-Ausschuß Kinotechnik - Arbeitsausschuß Magnettontechnik. Im Rahmen dieser Tätigkeit wirkt er auch bei der Internationalen Normung innerhalb der ISO (Ausschuß Kinematographie) mit. 1965 übernahm Dr. Hörmann im Agfa-Gevaert-Technikum den Aufbau der Abteilung Magneton, deren Leitung ihm 1966 übertragen wurde.

  • Anmerkung : Auch hier wieder eine solche Pressinfo, die - außer den AGFA Mitarbeitern vielleicht - wirklich niemanden - nicht mal bei der BSAF - interessiert hatte.

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INDUSTRIE-NOTIZEN
Kein Löschen des Tonbandes durch Farbfernseh-Geräte

Den verschiedensten Behauptungen, Farbfernsehgeräte könnten infolge ihrer magnetischen Streufelder bespielte Tonbänder löschen, tritt die Agfa mit einer Untersuchung der Anwendungstechnischen Abteilung Magneton von Agfa-Gevaert, Leverkusen, an Agfa Magnetonbändern entgegen.

Es ist bekannt, daß Schwarzweiß-Geräte keinen Einfluß auf Tonbandaufzeichnungen haben. Die Vermutung, Tonbänder könnten durch Farbfernsehgeräte gelöscht werden, wurde offenbar aus der Tatsache hergeleitet, daß ein Farbfernsehgerät - vor allem wegen der meist größeren (65 cm) Bildröhre - eine stärkere Ablenkspule als ein Schwarzweiß-Gerät besitzt. Zusätzlich enthält es noch drei magnetische Konvergenzspulen zur Ausrichtung der drei Elektronenstrahlen für die drei Grundfarben und eine Entmagnetisie-rungsspule. Das magnetische Streufeld reicht trotzdem keinesfalls zu einer Beeinflussung der Aufzeichnung aus. Im übrigen kann sich jeder Besitzer eines Farbfernseh-Gerätes und eines Tonbandgerätes selbst davon überzeugen, indem er seine bespielte Tonbandspule nacheinander an allen zugänglichen Stellen des Gerätes vorbeiführt. Ein Vergleich der Abspielqualität vor und nach der Streufeldeinwirkung zeigt keinen Unterschied. Die Zeit der Einwirkung ist übrigens belanglos. Ein magnetischer Einfluß würde sich spontan bemerkbar machen. Trotzdem wird man es wegen der Hitzeeinwirkung vermeiden, Tonbänder auf Fernsehgeräten zu lagern.

  • Anmerkung : Diese Meldung hat die gleiche Gewichtung wie : Bitte lebende Katzen niemals zum Waschen in die Mikrowelle stecken.

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Hifi Expo Prag 69 geplant

Anläßlich des internationalen Prager Frühlings 1969 veranstaltet die Werbeagentur Made in/publicity/ in Zusammenarbeit mit der tschechoslowakischen Fachzeitschrift „Hudba a Zvuk" (Musik und Ton) und dem tschechoslowakischen HiFi-Klub in den Tagen vom 23. Mai bis 1.Juni 1969 die zweite internationale Ausstellung „HiFi Expo Praha 1969". . . . . usw. Der Rest ist leider Humbug.

  • Anmerkung : Auch diese Meldung war Schall und Rauch, da im Herbst 1968 durch den Einmarsch der Russen in Prag das gesamte Wirtschaftssystem am Straucheln war. Auch diese Meldung hätte Karl Breh damals kassieren sollen.

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Hallo Freunde von der Senkelfakultät!

Also das mit der großen Schau von Düsseldorf, ich meine die hifi-Ausstellung, wo ich mit der Karola war, was meine Freundin ist, das habe ich ja schon erzählt. Ich muß da aber noch einmal daran erinnern, denn nach dieser Ausstellung hing der Haussegen - soweit man davon bei Karola und mir schon sprechen kann - etwas schief. Um die lächerlichen vier Buchstaben, die zwei Silben hifi meine ich, haben wir uns ganz mächtig gezankt. Meine Güte, was ist die Karola böse geworden und hat mit den Augen gefunkelt! Und das nur, weil ich hifi gesagt habe, eben so wie man's schreibt. So wie man Hilfe sagt und fidel. Karola hat das auch immer so gesagt. Nur Otto sagte immer haifi. So als wenn er Haifisch sagen wollte und finden. Nun, was der Otto ist vom Fernsehen, der macht immer gern ein bißchen auf vornehm. Und nun kommt doch die Karola an und behauptet, der Otto hätte auch nicht recht. Es müsse heifei heißen. So als wenn man Hein, wie von der Waterkant, und fein wie Feinkostladen sagen würde.

Karola und die phonetische Schrift

Erst habe ich versucht, der Karola zu verklickern, daß wir ja auch London sagen, obwohl es eigentlich Landen heißen müßte. Und wir sagen ja auch nicht Pari sondern Paris. Da hat der Otto gesagt: Du sagst ja auch Bordo und nicht Bord-de-auchs. Und da war die schönste Streiterei im Gange.
Ich habe gemault und gesagt, ich rede so wie mir der Schnabel gewachsen ist. Meinte die Karola, ich sei dumm. Da war bei mir der Ofen aus. Wer läßt sich von seinem Goldstück schon gern sagen, er sei dumm? Und als die Karola mich so böse anschaute, da wollte ich einlenken - schließlich wollte ich uns nicht den ganzen Abend verderben - und habe vorgeschlagen, daß wir doch am besten von Hochfreude-Technik oder von Hochgenuß-Tonträger reden sollten. Machte Otto den deutschen Kraftfahrergruß und ging an seinen Bücherschrank. Mann, was hat der da getrocknete Intelligenz gestapelt! Und dann schlug der so ein Lexikon auf und rieb mir das unter die Nase und erklärte mir - er hält mich offenbar wirklich für dumm - die sogenannte oder auch phonetische Schrift. Als wenn ich als alter Tonbandbastler nichts von Phono verstände.

Auch den Rest muß man nicht ernst nehmen

Übrigens sah ich neulich ein Auto mit TBB. War aber kein Tonbandbastler, sondern ein Autobesitzer aus Tauberbischofsheim. Ätsch.

Also steht doch da in dem Wörterbuch, daß es richtig wirklich heifei heißt, wie die erste Silbe von heiter und wie trautes Heim. Das steht kurz und bündig für: high fidelity. Und das heißt auf gut Deutsch umständlich: größtmögliche Originaltreue bei mechanischer Tonwiedergabe!
Na, um des lieben Friedens willen mit der Karola beziehungsweise um nicht ungebildet zu erscheinen, habe ich ein paar Abende lang Pellkartoffeln gekocht und dann immer eine geschälte in den Mund genommen und das heifei-Sprechen geübt. Klingt ja übrigens wirklich schöner, so vollmundig und nicht so spitz, eben so nach heifei und nach sechs Stereoboxen mit Supersteuergerät!
Alsdann viel Spaß beim Üben, wie man hifi richtig ausspricht. Gelobt sei, was amerikanisch klingt!

Ihr Toni Bändchen

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