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Heft 1 • Januar 1971 • 8. Jahrgang

Wie bereits angemerkt, der Jahrgang 7 fehlt komplett. Und in diesem Jahrgang 7 wurde einiges geändert. Auch einige interessante Artikel stehen damit nicht zur Verfügung. Sehr schade.

Info über die Redaktion von "tonband" 1971 :

Karl Breh, Chefredakteur - Gert-Hagen Seebach, Redakteur - Verlag G. Braun, 75 Karlsruhe.
"tonband" erscheint zweimonatlich. Preis des Abonnements jährlich DM 8.40 (DM 8.01 + DM -.39 Mehrwertsteuer) zuzüglich Porto. Abbestellungen nur halbjährlich zum 30. Juni oder 31. Dezember

Ein Wort zuvor . . . .

Nachdem wir nun seit einiger Zeit die intensive Beschäftigung mit dem Hörspiel als solchem wie auch als speziellem Bestandteil eigen schöpferischer Tonbandarbeit in dieser Zeitschrift gefördert haben und auch weiterhin zu fördern versuchen, würde uns interessieren, wieweit sich einzelne Tonbandclubs mit den von uns vorgeschlagenen Texten befaßt haben und in welcher Form. Gleichzeitig würde uns interessieren, welche Tonbandclubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz überhaupt im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit die Hörspielgestaltung fixiert haben.

Es wäre schön, wenn sich in nächster Zeit mehrere Erfahrungsberichte in der Redaktion einfänden, über die zu berichten sich lohnen würde. Schließlich würden wir noch gerne erfahren, welche Tonbandclubs in diesem speziellen Punkt an einer engeren Zusammenarbeit mit dieser Zeitschrift interessiert sind.

Sobald wir hierzu genügend Material beisammen haben, werden wir über ein geplantes Projekt an dieser Stelle genauer Auskunft geben. Zunächst also ginge es um eine erste Kontaktaufnahme, um die wir herzlich bitten möchten.

Sie lesen ....

Seite 2
Wer hätte nicht schon das Problem sein eigenes genannt, welcher Stecker zu welcher Kupplung gehört oder umgekehrt. Je diffiziler die Tonbandtechnik, je schwieriger die Anschlüsse. Damit soll ein für allemal Schluß sein! Wenn Sie die Seiten 2 bis 6 gelesen haben.

Seite 8
Das monaurale Hörspiel ist noch längst nicht tot. Doch bietet die Stereofonie die größeren und eindrucksvolleren Möglichkeiten. Das nachzuweisen und zur stereofonen Wortaufnahme anzuregen, versuchen wir in unserem zweiten Beitrag.

Seite 13
Für rund 1100 Mark bietet die Firma Tandberg mit dem Modell 3000 X ein formschönes Ein-Moto-ren-Tonbandgerät ohne Endstufen, geeignet zum Betrieb in Verbindung mit HiFi-Stereoanlagen. Die mechanischen und elektrischen Eigenschaften des Gerätes liegen beachtlich über den Mindestanforderungen laut DIN-Norm. Mehr darüber erfahren Sie in unserem Testbericht.

Seite 17
Für alle Leser, die sich durch unseren Beitrag „Zur Technik stereofoner Wortaufnahmen" inspiriert und technisch nunmehr abgesichert fühlen, bringen wir in diesem Heft ein reines Stereo-Hörspiel, dessen Realisation nur mit Hilfe der Stereofonie möglich und auch vom Autor so gedacht ist. Wer sich an diesen Text heranwagt, hat gleichzeitig noch die Möglichkeit, das versäumte Beethovenjubiläum vom vergangenen Jahr nachzuholen.

Seite 22
Zur Vorbereitung einer weiteren Artikel-Serie, die wir im nächsten Heft beginnen und die sich mit neueren Formen des Hörspiels beschäftigen wird, bringen wir schon jetzt einen gekürzten Auszug aus einer neuen Hörspiel-Anthologie, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigt und das deutsche Hörspiel seit 1945 bis heute untersucht.
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Stecker, Typen und Probleme

Auch mit diesen Dingen muß sich der Amateur befassen, ob er will oder nicht. Wir wollen mit diesem Beitrag versuchen, einen Überblick über das Angebot zu geben und etwas zu den einzelnen Verwendungszwecken zu sagen. Um in diesem Zusammenhang weder zu umfangreich noch zu technisch zu werden, soll sich dieser Überblick nur auf die gebräuchlichsten Typen beschränken.

Die Familie der "Diodenstecker"
Bild 1

Bild 1 zeigt die gebräuchlichste 3-polige Ausführung. Sie findet Verwendung bei Diodenkabeln, Überspielleitungen, Mikrofonsteckverbindungen und weiteren NF-Verbindungen, z. B. Mischpult, Entzerrer, Filter, Echo- und Nachhallgeräte sowie Plattenspieler.

Im allgemeinen handelt es sich hierbei (noch !!) um MONO-Verbindungen. Stecker dieser (3-poligen) Art können jedoch auch in Buchsen und Kupplungen der folgenden Type eingeführt werden.
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Bild 2

Bild 2 zeigt die 5-polige Stereo-Ausführung. Die Verwendung entspricht den oben genannten Geräten. (Abgesehen von älteren, nicht DIN entsprechenden Stereo-Verbindungen. Zum Beispiel wurden Stereo-Plattenspieler anfangs mit einem 3-poligen Stecker ausgerüstet.) Beide der neuen Steck-Verbindungen entsprechen DIN 41524 und sind neben der Normalausführung auch mit Renk- oder Schraubverschluß - vorwiegend gedacht für Mikrofon-Steckverbindungen - zu erhalten.
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Bild 3

Bild 3 zeigt einen 5-poligen Diodenstecker mit einem Stiftabstand von 60°. Diese Type findet Verwendung von Fernbedienungsanschlüssen einiger Hersteller, bei der externen Stromversorgung von Transistorgeräten oder auch zur Stromentnahme aus Tonbandgeräten für die Versorgung von Zusatzgeräten. Darüber hinaus werden mit dieser Type noch spezielle, von der Normung abweichende Verbindungen hergestellt. Der Vorteil dieses Steckers liegt darin, daß er nicht versehentlich in eine normale Diodenbuchse eingeführt werden kann, was u. U. zu Geräteschäden führen könnte. Das Gleiche gilt natürlich auch für diesen Buchsentyp, in den kein normaler Stecker hineinpaßt.

Bild 4

Bild 4 zeigt eine Erweiterung der vorangegangenen Type auf 6 Pole. Auch hier ist wieder eine Verwendung mit dem in Bild 4 gezeigten Stecker möglich.

Eingesetzt wird diese Type vorwiegend bei Klein-Kondensatormikrofonen nach dem NF-Prinzip, wo über diese 6-polige Verbindung sowohl die Mikrofonspannung
wie auch die notwendigen zwei Versorgungsspannungen zugeführt werden. Darüber hinaus findet auch diese Type bei einigen Transistorgeräten zur externen Stromversorgung Verwendung (z. B. Cassettenrecorder).

Bild 5 - Der DIN-Lautsprecherstecker

In der Buchsenausführung findet man sie in Rundfunkgeräten, Verstärkern und Tonbandgeräten (Bild 5). Mit dem entsprechenden Stecker sind natürlich Lautsprecher ausgerüstet, aber auch Kopfhörer, soweit sie anpassungsmäßig an niederohmigen Ausgängen verwendbar sind.

Diese Steckverbindung bietet zwei Vorteile. Einmal wird durch die Verschiedenartigkeit der beiden Steckerstifte eine Vertauschung und damit eine Phasenverkehrung ausgeschlossen. (Bei Stereo-Anlagen ist der phasenrichtige Anschluß von Lautsprechern und Kopfhörern sehr wichtig.)

Darüber hinaus bietet die Buchse die Möglichkeit, einen in diese eingebauten Kontakt mit Einführung des Steckers zu betätigen. Aus unserem Bild ist ersichtlich, daß der Stecker zwei Stifte, die Buchse jedoch drei Löcher hat.

Bei Einführung des Steckers in Richtung zum Schaltkontakt wird dieser betätigt. Es ist damit z. B. möglich, den eingebauten Lautsprecher eines Bandgerätes beim Anschluß einer Lautsprecherbox abzuschalten. Andererseits - beim gegensinnigen Einführen - kann man jedoch auch beide Lautsprecher-Einheiten gleichzeitig betreiben.

Bild 6 - Die IEC-Phono-Verbindung

Eine 5-polige Steckverbindung, ausgearbeitet und empfohlen durch die "International Elektrotechnical Commission" (Bild 6). Eine Steckverbindung, die in Deutschland nur vereinzelt Verwendung findet, z. B. bei Philips-Philicorda. (Anmerkung : Auch beim kurzen und langen SME Tonarm wird eine ähnliche Steckverbindung intern unter der Abdeckplatte verwendet.)
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Bild 7 - Die Cinch- auch RCA-Steckverbindung (die Weltnorm)

Es handelt sich um einen Stecker der Koax-Familie, hier mit USA-Abmessungen für Phono-Verbindungen (Bild 7). Es gibt nur eine Type - einpolig mit Abschirmung. Der innere Stift wird mit der Seele (Innenleiter) eines Abschirmkabels verlötet. Der den Stift umgebende geschlitzte Zylinder ist Masse-Abschirmung.

Fachleute streiten sich über das für und wider bezüglich dieses Steckers. Vorteile sind zweifellos die Unverwechselbarkeit beider Pole eines Steckers, das problemlose Einführen in eine Buchse, die größere Kontaktsicherheit gegenüber Diodensteckern und der größeren Zugänglichkeit zu jedem einzelnen Kanal, Ein- oder Ausgang.
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Eine Stereo-Verbindung Radio-Tonbandgerät besteht in diesem Falle aus vier Einzelsteckern bzw. 4 einzelnen Kablen !!! Diese vier Einzelstecker und das damit verbundene Problem, den richtigen Stecker in die richtige Buchse einzuführen, ist das stärkste Gegenargument. Für den Normalbürger kann hier eine Verbindung wirklich zum Problem werden.
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  • Anmerkung : Leider haben die deutschen DIN-Macher uns Anwender für so blöde oder extrem dumm / dämlich gehalten, daß sie bis zum bitteren Ende der gesamten deutschen Phonoindustrie "durchgehalten" haben. Und damit waren unsere deutschen Edelgeräte wir UHER, ASC, BRAUN usw. nicht mehr exportierbar. Und Niemand wollte von Revox oder denJapanern lernen oder "klauen". Die konnten ganz locker beide Normen auf kleinstem Raum erfolgreich unterbringen.

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Desweiteren ist die mechanische Stabilität gegenüber dem Metall-Diodenstecker wesentlich geringer. (Anmerkung : Das ist natürlich auch Unsinn. Es gab hier wie da extrem primitive schwächliche Varianten. In der Edel-Ausführung ab der 1980er Jahre gab es da nie Probleme, eher im Gegenteil.)

Andererseits sind getrennte Stecker für jeden Kanal eine Sicherheit bezüglich Übersprechen innerhalb des Steckers oder der Kupplung bzw. Buchse. Bei uns sind diese Stecker und Buchsen zu finden in allen Geräten z.B. der Fa. Revox (Schweiz) sowie auch in fast allen Tonbandgeräten und Verstärkern europäischer und japanischer Hersteller.
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Bild 8 - Der Standard-Klinkenstecker mit 6,35mm

In der Metallausführung ist es das Stabilste, das es gibt (Bild 8). Dieser Stecker ist „schußfest". Deshalb findet er auch dort Verwendung, wo robuste Ausführung der Steckverbindungen eine wichtige Forderung ist. Auf der Bühne z. B., wo es während eines Beat-Konzertes mitunter sehr heiß zugeht. Hier ist der Klinkenstecker zuhause. Die Verbindungen von den Instrumenten zu den Verstärkern, von diesen zu Zusatzgeräten und auch Lautsprechern werden zunehmend mit diesem Stecker ausgerüstet. Deshalb sind auch universell verwendbare Verstärker teilweise mit diesen Steckern ausgerüstet. Problemloses, unverwechselbares Einführen dieses Steckers in die Buchse zeichnet ihn weiter aus.

Natürlich ist auch dieser Stecker abgeschirmt. Unser Bild zeigt die einpolige Ausführung. Die eingekerbte Spitze des Steckers entspricht dem Innenleiter des abgeschirmten Kabels. Eine hinter der Spitze liegende Isolier-Trennscheibe (auf unserem Bild als eine Art Einschnitt sichtbar) trennt den vorderen Teil vom weiteren Schaft des Steckers ab, der die Masse-Verbindung darstellt.

Es gibt diese Steckverbindung auch in zweipoliger Ausführung, bei der eine weitere Trennscheibe eine zweite Kontaktfläche zwischen Spitze und restlichem Schaft herstellt. Außer der im Bild gezeigten Einbauklinke (Buchse) und dem Stecker gibt es auch noch Kupplungen dieser Type. Bei Tonbandgeräten ist diese Steckverbindung - außer den bereits erwähnten Einsatzmöglichkeiten - auch zu finden. So bei älteren Grundig-Geräten. Neuerdings aber auch wieder bei Dual und Revox, z. B. als Monitor bzw. Kopfhöreranschluß.
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  • Anmerkung : Für Kopfhörer und Mikrofone (nicht Kondensator-Technik) war und ist "die Klinke" Weltstandard. Alles andere war und ist Unsinn.

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Bild 9 - Der Miniatur- bzw. Zwergklinkenstecker

In der Zwergausführung gibt es zwei Größen, 2,5mm und 3,5mm Durchmesser.
(Der im Bild 8 gezeigte Normal-Klinkenstecker hat 6,35mm Durchmesser.) Die zwei Mini-Kliniken sind beide zweipolig, unabgeschirmt. Im Prinzip entsprechen sie dem großen Bruder. Anzutreffen ist diese Type (Bild 9) vorzugsweise bei Kofferradios, Kofferfernsehern und billigen kleinen Japan-Tonbandgeräten für den Anschluß von Kopf- und Ohr-Hörern. Ähnlich wie beim Lautsprecherstecker - aber nach einem anderen Prinzip - sind die Einbauklinken (also die Buchsen) auch als Schaltklinke vertreten.

Mit dem Einführen eines Steckers wird der eingebaute Lautsprecher abgeschaltet. Für Tonbandaufnahmen von Kofferradios und -Fernsehern ohne Diodenbuchse wurde ein spezieller Adapter geschaffen, der auf einer Seite als Mini-Klinke (3,5mm) ausgelegt ist, auf der anderen Seite in einer dreipoligen Diodenkupplung endet (Bild 10). Unter Zuhilfenahme eines normalen Diodenkabels sind also mit diesem Adapter Aufnahmen von den genannten Geräten nun auch möglich.

Bild 11 - Tuchel-Stecker und Cannon-Stecker

Abschließend sollen in diesem Überblick auch noch die ausgesprochenen Studio-Steckverbindungen erwähnt werden.

Dominierend in allen deutschen Funkhäusern, Schallplattenstudios und in den dort zu findenden Bandmaschinen, Mischpulten, Abhörschränken, Hallplatten usw. ist der Tuchelstecker aus 1936 (Bild 11). Vorwiegend in drei- und fünf-poliger Ausführung könnte man den Tuchelstecker als großen Bruder des Diodensteckers bezeichnen. Natürlich ist dieser Stecker schraubverschließbar, kontaktsicherer, größer, stabiler und - fünfmal teurer als der Diodenstecker.

Langsam halten in den Studios auch die XLR oder Cannon-Steckverbindungen Einzug. Etwas kleiner als die Tuchelverbindungen, ist eine gewisse Verwandtschaft nicht zu übersehen, auch wenn dieser Stecker aus den USA kommt (Verwandtschaft in Form und Stiftanordnung). Außer einem anderen Kontakt-Prinzip unterscheidet sich der Cannon-Stecker auch durch einfachen Schnappverschluß vom verschraubbaren Tuchelstecker.

Rund um High Fidelity

Gutgemeinte Werbung prägte für den Begriff „High Fidelity" die gängige Formel vom „Konzertsaal im Heim", die nur einen Fehler hat, nicht zutreffend zu sein.

Was nämlich der Konzertsaal oder die Opernbühne zu bieten vermögen, das prickelnde Fluidum der Begegnung zwischen Interpret und Zuhörerschaft, mit allen das Gelingen des Konzertes beeinflussenden Eventualitäten, wird auch die beste HiFi-Anlage nicht vermitteln können. Schon deshalb wird High Fidelity niemals das lebendige Konzerterlebnis ersetzen können.

Auf der anderen Seite bieten High Fidelity und das immense Repertoire der Schallplatte sehr viel mehr als alle Konzertsäle der Welt. Stellen sie doch dem heutigen Musikfreund die Musik der Welt, im geographischen wie kulturhistorischen Sinne, frei wählbar in einer Vielzahl verschiedener Interpretationen zur Verfügung.

High Fidelity als Mittel zum Zweck

So gesehen wird "High Fidelity" Mittel zum Zweck, zum Zweck einer Teilhaberschaft an einer völlig neuen, eigenständigen Art musikalischer Mitteilung. High Fidelity schafft die technischen Voraussetzungen für diese unter kulturellem Aspekt zu sehende Kommunikation. Sie verleiht ihr jenen Grad der Vollkommenheit, der es erlaubt, dem Musikhören im Heim über UKW-Stereofonie, von Schallplatte oder Magnetband, eine zum lebendigen Konzert komplementäre Funktion zuzuordnen.

Die moderne Hifi-Schallplatte

Wichtigster Träger dieser Kommunikation ist die moderne Schallplatte. Sie ist nicht nur der älteste, sondern immer noch der rationellste und daher am weitesten verbreitete Tonträger. Aber erst im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hat sie dank enormer Anstrengungen von Seiten der Plattenindustrie - und seit Einführung der High Fidelity - einen Qualitätsstandard erreicht, der sie bei Kennern vom "Odium der minderwertiger Konserve" (der bestenfalls erinnerungsverstärkende Funktion zugebilligt wurde) befreit und sie zum vollwertigen, universellen Medium musikalischer Mitteilung erhoben hat.

Als Massenartikel mit dem Buch verwandt

In diesem Zusammenhang ist auf ein erstaunliches Phänomen hinzuweisen: Die Schallplatte war und ist ein Massenartikel und in dieser Beziehung dem Buch verwandt. Es gibt daher kaum einen denkenden Menschen in unserer Breiten, der nicht wüßte, was eine Schallplatte ist.

Aber dem Wissen um High Fidelity, um die technischen Voraussetzungen zum qualitätsgerechten Abspielen, kommt heute (wir sind immer noch im Jahr 1971 !) ein Bekanntheitsgrad von höchstens fünf Prozent zu. Das bedeutet, daß noch immer rund neunzig Prozent der Schallplattenfreunde kaum mehr als die Hälfte der Qualität nutzt, die ihnen die moderne Schallplatte in Verbindung mit High Fidelity bietet. Der Grund für diesen paradoxen Zustand ist in mangelnder Aufklärung zu suchen.

Lobhudelei an die falsche Adresse

Wenn das Wissen um High Fidelity und um hochwertige Musikwiedergabe im Heim trotzdem allmählich beginnt, über das Reservat einer Minorität von Kennern hinaus auf eine breitere Schicht überzugreifen, so ist dies den steten Bemühungen der geräteherstellenden Industrie, der Fachpresse und neuerdings auch des Fachhandels zu danken. Denn es ist nicht zu leugnen, daß die richtige Nutzung von High Fidelity einige Grundkenntnisse voraussetzt, die schon deshalb erforderlich sind, um angesichts der Fülle des Angebots die richtige Kaufentscheidung zu treffen.
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  • Anmerkung : Die Industrie tat das nicht aus sozialen Aspekten oder aus kulturellen Aspekten, sondern einzig und alleine um des Geldverdienens Willen. Gleiches gilt auch bezüglich der "Fachpresse". Auch die Verlage wollen Geld verdienen.

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Muß HiFi teuer sein?

Auf die stereotype Frage „Was muß man für eine Stereo-Anlage mit HiFi-Qualität bezahlen?" läßt sich eine ebenso lakonische Antwort finden: „Nach oben sind keine Grenzen gesetzt." Ganz so einfach allerdings läßt sich das Problem nicht lösen.

Die Tatsache, daß Qualität schon immer ihren Preis wert war, kann auch bei der Anschaffung einer HiFi-Anlage als Voraussetzung in kommerzielle Überlegungen mit einbezogen werden.

Wir sind angesichts eines immer größer werdenden Marktangebots und des damit verbundenen anspruchsvolleren Lebensstandards gewohnt, zuerst einmal Ausschau nach dem Teuersten und Besten zu halten. Wobei das Teuerste freilich nicht immer das Beste zu sein braucht.

Stimmen Preis und Qualität immer überein ?

Andererseits erhebt sich die Frage, ob die Preisunterschiede auch entsprechende Qualitätsunterschiede zeitigen. Eines ist sicher: Die Unterschiede im Höreindruck sind in den einzelnen Konsumklassen durchaus feststellbar.

Von einer bestimmten Grenze ab ist das jedoch nicht mehr so wahrnehmbar, wie der ins Auge springende stolze Preis. Die Preisprogression eilt der Qualitätsprogression davon. Letzten Endes kommt es bei der Anschaffung einer HiFi-Anlage auf den Einzelnen an. Er muß entscheiden, ob ihm die für 1.500.- bis 2.000.- Mark gebotene HiFi-Qualität bei geräteseitig geringerem Aufwand für seine Ansprüche ausreicht, oder ob er lieber für kompromißlosere Technik das dreifache auszugeben bereit ist, oder ob er sich ganz einfach das Vergnügen und den Luxus einer exklusiven, aber auch sehr teuren Anlage gönnen möchte.

Mit dem Preis wächst auch das Angebot:

Wer zwischen 1.000 und 2.000 Mark ausgeben will, ist zwar noch nicht aller Sorgen ledig, kann aber immerhin schon in dieser Klasse Geräte wählen, die der HiFi-Norm - festgelegt nach der Deutschen Industrienorm 45500 - genügen.

Diese Geräte lassen sich "exakter" ??? aussteuern, verfügen über erforderliche Leistungsreserven, verbunden mit einem über die Hörgrenzen reichenden Übertragungsbereich, und vermitteln eine plastische und durchsichtige Wiedergabe. Impulstreue und weniger Verzerrungen sind weitere Vorzüge dieser Geräte. Sie besitzen meist schon "das Gütezeichen" ??? DIN 45500. Danach soll der Klirrgrad bei HiFi-Verstärkern nicht mehr als 1 Prozent betragen. Bei den Spitzengeräten der mittleren Preisgruppe kann er sogar wesentlich niedriger sein.

  • Anmerkung : Diese HiFi-Norm 45500 war von Anfang an ein sehr umstrittener trauriger Kompromiß auf aller unterster gemeinsamer Ebene der beteiligten Hersteller und Organisationen, der viel zu oft nur schön geredet wurde

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Noch Einiges bezüglich der Übertragungsgüte

Ebenfalls ausschlaggebend für die Übertragungsgüte ist der Frequenzumfang eines Gerätes. Je größer dieser ist, um so besser ist die Anlage. Der Frequenzumfang begünstigt bei der Wiedergabe keine spezielle Tonlage, sondern bestimmt den Bereich zwischen dem tiefsten und dem höchsten Ton, der noch hörbar aufgezeichnet oder wiedergegeben wird. Über all diese technischen Angaben und Gütemerkmale informieren der Fachhandel sowie die von den Herstellern herausgegebenen Datenblätter.

Nach wie vor ein verwirrendes Angebot

In der Spitzenklasse ist das Angebot nicht minder verwirrend als in der mittleren und unteren Preiskategorie. Vor allem machen es hier die ausländischen Hersteller der heimischen Industrie schwer, ihre Geräte auf dem Markt durchzusetzen.

Von Anfang an waren die USA und England führende Pioniere auf dem Gebiet der HiFi-Technik, denen sich neuerdings Japan hinzugesellte. Noch immer erliegen die deutschen HiFi-Kunden den magischen ausländischen Namen wie McIntosh, Marantz, Sherwood, Quad, Sony, Pioneer, Shure, Thorens oder Bozak, die für eine "Maßstäbe setzende Technik" bürgen. HiFi-Verstärker oder Lautsprecher in der Preisklasse eines VW-Käfers sind bei diesen Herstellern durchaus keine Seltenheit. Als Gegenwert erhält der Käufer absolut klangtreue Wiedergabe und unübertroffene Durchsichtigkeit der Wiedergabe, ein hervorstechendes Design und das Gefühl, ein HiFi-Snob zu sein.
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  • Anmerkung : Und das alles seit Jahren ohne eine deutsche Hifi-Norm.

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Die "richtige" Auswahl - doch was ist "richtig" ?

Wichtig bei der Zusammenstellung einer HiFi-Anlage ist die richtige Auswahl der Bausteine. Im Interesse einer vernünftigen Preis-Qualitätsrelation sollten sie in ihrer Qualität aufeinander abgestimmt sein. Wer ein bestimmtes Qualitätsniveau anstrebt, sollte bei der ersten Anschaffung einer HiFi-Anlage keine übereilten Kompromisse eingehen.

Spätestens nach einem Jahr werden dann erfahrungsgemäß qualitativ schwache Bausteine doch durch hochwertigere ersetzt. Die Grenze sinnvoller Qualitätsanforderungen - und dies sei als Fazit unserer Überlegungen festgehalten - ist in erster Linie durch die Feinheit des Gehörs des Interessenten gegeben.

Allerdings muß bedacht werden, daß das Gehör durch steten Umgang mit High Fidelity in oft ungeahntem Ausmaß geschult wird, so daß sich nicht selten allein aus diesem Grund der verständliche Wunsch nach weiterer Vervollkommnung der Anlage ergibt.

Kurz notiert . . .
"Jeder kann Kurzwellenamateur werden."

Kurzwellen-Radiostationen sind immer daran interessiert, wo und wie ihre Sendungen ankommen, zumal die Empfangsgebiete oft tausende von Kilometern entfernt liegen. Die Tages- und Jahreszeit, aber auch die gewählte Wellenlänge können die Stärke und die Güte der Übertragung sehr beeinflussen.

Kurze oder langfristige Störungen der „Funkwetterlage" führen dazu, daß die Sendungen bisweilen überhaupt nicht durchkommen. Andere KW-Dienste oder auch Störsender können mit oder ohne Absicht den Empfang einer KW-Station im Empfangsgebiet stören, ohne daß man im Sendergebiet etwas davon merkt. Darum sind die Kurzwellen-Stationen auf laufende Empfangsbeobachtungen im Empfangsgebiet angewiesen.

Sie erfahren dadurch, wie die Station ankommt, sie können versuchen, durch Veränderungen der Sendezeit, der Wellenlänge, der Sendestärke oder der Abstrahlrichtung die Hörer noch besser zu erreichen. Gute Dienste leisten hier die Kurzwellen-Amateure, die ihre Berichte nach einem internationalen Code aufgeschlüsselt - Beurteilung der Sendestärke, der verschiedenen aufgetretenen Störungen u. ä. - an die Station schicken. Als Gegenleistung des Senders erhalten sie dann die oft sehr originellen Bestätigungskarten, Abzeichen, Wimpel, Hörer-Diplome o. a.

  • Anmerkung : Eigentlich ist das eine Variante von "Briefmarkensammeln", das mit den Bestätigungskarten. Denn nach meiner Beobachtung und Erfahrung geht es gar nicht um das Austauschen von Nachrichten, sondern nur darum, wer wieviele Kärtchen aus den entlegendsten Ecken der Welt auf seinem Steckbrett angetackert hat. Und damit wird dann genauso weidlich (unter Gleichgesinnten) angegeben bzw. geprozzt wie bei den Radio-Sammlern mit der Anzahl der Volksempfänger, die in deren Regalen stehen.

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Und man muß eine Prüfung machen (jedenfalls damals)

Dabei arbeiten diese Amateure durchweg nicht mit professionellen Empfangsgeräten, sondern mit handelsüblichen Empfängern mit KW-Teil. Oft haben sie auch mehrere dieser Empfänger gleichzeitig in Betrieb. Dazu kommt ein Tonbandgerät, mit dem die empfangenen Sendungen für Dokumentationszwecke mitgeschnitten werden können. Diese Kontrollbänder - aus Qualitätsgründen nimmt man hier zumeist grundrauscharme und hochaussteuerbare LH-Bänder - kann man dann für Beweiszwecke der Empfangsbestätigung an die Station beifügen.
Kurzwellenamateur kann jeder werden, der eine Rundfunk-Empfangsgenehmigung besitzt. Besonders interessant für Hörer in der Bundesrepublik sind zwischen 30 und 40 KW-Stationen in aller Welt, die Sendungen in deutscher Sprache ausstrahlen. Will man allerdings selbst auf diesem Gebiet aktiv werden, also seinerseits selbst zur Sendestation werden, dann muß man sich dafür neben den zusätzlichen Geräten auch eine besondere Lizenz bei der Bundespost beschaffen. Hinweis für besondere Interessenten:
Deutscher Kurzwellen-Verband, 1000 Berlin

Zur Technik stereofoner Wortaufnahmen.

Von Joachim Roth in 1971. Von der Gehörakustik aus gesehen bringt die stereofone Aufnahmetechnik gegenüber der bisher üblichen Mono-Übertragung bzw. -Aufnahme wesentliche Vorteile.

Diese ergeben sich in zweifacher Hinsicht; einmal in Bezug auf die größere Natürlichkeit der Übertragung realer Gegebenheiten und Vorgänge; zum anderen im Hinblick auf eine im stereofonen Feld manipulierbar gewordene Realität - oder auch Irrealität.

Das dreidimensionale akustische Umfeld

Das natürliche Hören nimmt Schallquellen wahr, die sich - mit wenigen Ausnahmefällen - in einer von reflektierenden Gegenständen begrenzten Umgebung befinden (von Häusern gesäumte Straße, Wald, Zimmer etc.). Hierdurch tritt ein meist dreidimensionales akustisches Umfeld auf, in dem sich Schallquelle und Hörender aufhalten.

Der Schall erreicht die Ohren nicht nur auf direktem Weg, sondern auch indirekt auf dem Umweg über die reflektierenden Begrenzungen. Die unterschiedlichen Richtungen, aus denen Direktschall und Reflexionen kommen, werden aufgrund des zweiohrigen Hörens vom Gehirn meist unbewußt ausgewertet und zu einem akustischen Gesamteindruck zusammengesetzt, der je nach Erfahrung und Analysiervermögen recht genaue Angaben über Größe und Richtung der Schallquelle, sowie über Entfernung und Beschaffenheit der begrenzenden Flächen gestattet.

Die Mono-Übertragung

Bei der Mono-Übertragung werden alle Schallanteile zusammen von einem Mikrofon aufgenommen und von einer im Prinzip punktförmigen Schallquelle (Lautsprecher) wiedergegeben. Die Analyse von Richtungs- und Zeitdifferenzen wird unmöglich, bzw. infolge von Überlagerungen und Verdeckungen wesentlich erschwert. Die so oft zitierte „Empfindlichkeit" von Mikrofonen beruht meistens auf dieser bei Mono-Übertragungen zwangsläufig gleichwertigen Aufnahme aller Schallanteile und damit der Unmöglichkeit der „Ausblendung" uninteressanter oder störender Komponenten.

Die Stereo-Übertragung

Die Stereo-Übertragung gestattet dagegen eine wesentlich größere Information über die originale Schallfeldstruktur, wenn auch keineswegs behauptet werden kann, daß allein die größere Realitätsnähe der stereofonen Übertragung für die Wortaufnahme von vornherein ein Positivum wäre. Zunächst muß man einschränkend feststellen, daß die heutige Form der Stereofonie noch keine 100%ige Übermittlung des natürlichen Klangfeldes gestattet. Die Wiedergabe durch zwei Lautsprecher ist an den bekannten „Rampeneffekt" gebunden, d. h., das Klanggeschehen spielt sich auf der Verbindungslinie zwischen den Lautsprechern und in einer gewissen Tiefe dahinter ab.

Es fehlt die Übermittlung eines Höheneindrucks und die Einbeziehung des Zuhörers in die Akustik des Aufnahmeraums. Bei der Wiedergabe mit Kopfhörern gibt es zwar keinen Rampeneffekt, das Klangbild wird jedoch meistens im Kopf selbst geortet, was freilich als noch weniger natürlich empfunden werden muß.

Die Kunstkopf-Stereophonie

Es sei am Rande darauf hingewiesen, daß seit kurzem (wir sind noch in 1971) Aufnahmetechniken ermittelt worden sind, die bei der Kopfhörerübertragung ein völlig natürliches Klangbild mit originalem dreidimensionalem Raumeindruck vermitteln. Grundsätzlich ist dieses auch mit mehreren Lautsprechern möglich.

Die Stereophonie bietet mehr als die Monophonie

Um Mißverständnisse zu vermeiden, soll gesagt sein, daß mit den beschriebenen Vorzügen der Stereofonie keineswegs eine Disqualifizierung der Mono-Übertragungstechnik verbunden sein soll; im Gegenteil, die Berücksichtigung und bewußte Aneignung der beschränkenden Gegebenheiten muß bei gelungenen Hörspielaufnahmen um so höher bewertet werden. Das monaurale Hörspiel wird wohl auch in Zukunft - technisch gesehen als ein Grenzfall der Stereofonie - seine Daseinsberechtigung haben nicht zuletzt deswegen, weil hier mit Erfolg das - in allerdings anderer und begrenzter Weise - angewandt wurde, was anfangs als manipulierbar gewordene Realität oder Irrealität bezeichnet wurde.

Doch bietet die Stereofonie auch hier die größeren und eindrucksvolleren Möglichkeiten. Auf welcher Komponente jedoch im Einzelfall der Schwerpunkt der elektroakustischen Übertragung liegt, ob es überhaupt eine einseitige Zielsetzung geben kann, etwa in der möglichst „naturgetreuen" Abbildung eines Vorwurfs (Konzertsaalatmosphäre), soll hier nicht grundsätzlich erörtert werden.

Stereo = „Zwang zur Realität" ?

Auf eine Reaktion, die mit der Einführung der stereofonen Wortproduktion verbunden war, soll aber hingewiesen werden. Von vielen Kritikern wurde die Stereofonie als „Zwang zur Realität" und Zwang zum naturalisierenden Gestalten empfunden. Dem wird dann oft als einziger Ausweg die Flucht in die Imagination, in die Irrealität entgegengestellt.

Diese Einstellung dürfte zumindest einseitig und übertrieben sein und ist vergleichbar mit einer früher gern geübten Kritik an der Fotografie, der man auch nur die pedantische Abbildung der Natur zutraute. Dieses stimmt zwar in jedem Falle; nur, unsere Augen und unser Gehirn sehen und empfinden die Natur anders als die fotografische Linse. Die Fotografie kann immer nur Ausschnitte bieten und ist, wie mittlerweile hinreichend untersucht worden ist, in der Lage, eine völlig neue, ungewohnte und mit neuen „Beziehungen" erfüllte Sicht der mit den Augen empfundenen Natur herzustellen.

In diesem Sinne ist der sogenannte „Rahmeneffekt" der Fotografie durchaus vergleichbar mit dem Rampeneffekt der Stereofonie. Gerade der realistisch-bruchstückhafte Ausschnitt kann künstlerisch relevant werden, wenn es gelingt, die „Rampe" akustisch zu gestalten - ob mit realen oder irrealen Szenen, dürfte eher eine zweitrangige Frage sein.
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Praktische Grundlagen

Hier brechen wir diesen sehr langen und langatmigen Artikel ab, da niemand sich dieser historischen Tonband-Quälerei mehr hingibt. Auf Wunsch kann der Rest das Artikels angefordert werden.

Aus der Welt des Tonbands...
Welches Tonband für den HiFi-Betrieb?

Im Prinzip kann man jedes Tonband und jeden Tonbandtyp auf einer HiFi-Anlage einsetzen. Auch alle Spulengrößen, denn die HiFi-Tonbandgeräte für Amateure können sämtlich Spulen bis zur Größe 18cm aufnehmen.

Ist ein HiFi-Gerät in Ordnung, dann läßt sich darauf also auch ein Dreifachspielband auf Spule 18 mit seiner besonders langen Spielzeit verwenden. Aber im ersten Teil des letzten Satzes liegt der kleine Haken: Ist ein HiFi-Tonbandgerät in Ordnung. . . Das gilt weniger für den elektromagnetischen als den mechanischen Teil. Sind z. B. Bandzug und Bremsen zu hart eingestellt, dann kann es beim besonders dünnen Dreifachspielband auf großer Spule bisweilen zu unerwünschten Verdehnungen des Bandes kommen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch genug HiFi-Freunde, die mit diesem Dreifachspielband nur gute Erfahrungen machten. Das hängt also in jedem Einzelfall allein vom Zustand des Geräts ab.

Kein Vorteil ohne Nachteil

Auch bei Tonbändern muß oft ein Vorteil mit einem Nachteil erkauft werden. Langspielbänder sind besonders robust, bieten aber eine kürzere Spielzeit.

Dreifachspielbänder auf gleicher Spule haben die doppelte Spielzeit, erfordern aber eine etwas zartere Handhabung. Eine Empfehlung: Man bleibe zunächst bei dem Bandtyp, mit dem man „eingespielt" ist. Man sollte erst dann auf einen anderen Typ umsteigen, wenn man sich - sich selbst! - davon überzeugt hat, daß dieser noch mehr Vorteile bietet. Das gilt auch für jeden neuen HiFi-Freund.

In der Diskussion - wenn es um HiFi geht - sind vor allem die neuen LH-Bänder, die man als Langspiel-, Doppelspiel- und Dreifachspielbänder bekommen kann (L = low noise, = sehr geringes Grundrauschen und H = high Output = besonders hoch aussteuerbar.) Natürlich bieten sich diese „Tonbänder der neuen Generation", wie man sie auch nennt, für den HiFi-Betrieb an, aber . . . man sollte dann auch die Ohren dafür haben.

Es ist zweifellos ein akustischer Genuß, eine anspruchsvolle Darbietung auf einer leistungsfähigen HiFi-Anlage zu hören, und LH-Bänder können durch ihre noch bessere Dynamik-Wiedergabe diesen Genuß noch steigern. Nicht jeder aber vermag diese Unterschiede herauszuhören. In solchen Fällen würde die Verwendung eines herkömmlichen Tonbandes auch auf einer HiFi-Anlage durchaus genügen.

Ein Testbericht über das Tandberg 3000 X Bandgerät

Von Karl Breh im Januar 1971 - Die norwegische Firma Tandberg hat Gestaltung und Aufmachung ihrer Tonbandgeräte modernisiert. Neben dem „Tape-Deck" 3000 X, das Gegenstand dieses Testberichtes ist, gibt es das hinsichtlich der elektronischen Ausstattung noch aufwendigere Modell 6000 X (das auch schon zum Test vorliegt) und das mit einer 2 x 10-Watt-Stereo-Endstufe ausgerüstete Modell 4000 X. Alle Modelle werden in Zwei- oder Vierspurausführung angeboten.  Das hier beschriebene Modell wird zum Preis von DM 1098.- zuzüglich GEMA-Gebühren angeboten

  • Anmerkung : Auch Karl Breh schreibt immer wieder von Gebühren. Es sind aber keine Gebühren, es sind Entgelte oder Abgaben. Gebühren darf nur der Staat verlangen bzw. eintreiben.

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Kurzbeschreibung

Tonbandgerät ohne Endstufen (Tape-Deck). Getestet wurde die Vierspurausführung. Das Gerät ist mit vier Köpfen bestückt: Löschkopf, Aufnahmekopf, Wiedergabekopf und getrennter Vormagnetisierungskopf in Cross-Field-Technik, Geschwindigkeiten: 19, 9,5 und 4,75cm/s. Maximaler Spulendurchmesser: 18cm. Die mechanischen Funktionen werden über den etwas schwergängigen „klassischen" Tandberg-Knüppel gesteuert.

Linke Stellung: schneller Rücklauf; rechte Stellung: schneller Vorlauf; untere Stellung: Bandtransport für Aufnahme- und Wiedergabe. In Stellung „free" sind die Wickelteller zum Aufsuchen von Schnittstellen ganz leicht von Hand zu bewegen. Dabei kann durch seitlichen Druck auf die Rändelscheibe in der unteren Kopfabdeckung das Band gegen den Wiedergabekopf gedrückt werden, so daß das präzise Auffinden von Schnittstellen möglich ist. Leider rastet diese Vorrichtung nicht ein: Man muß mit den Händen die Spulen bewegen und gleichzeitig die Rändelscheibe nach rechts drücken. Hingegen ist das Mithören bei schnellem Vor- und Rücklauf auch ohne gesteigerte Fingerfertigkeit möglich.

Eingänge:

Linie (Line) in Form von Chinch-Buchsen, Radio (mit Ausgang) als fünfpolige DIN-Buchse, beide Anschlüsse auf der Rückseite des Gerätes; vorne im Bedienungsfeld fünfpolige DIN-Buchsen für ein Mikrofon je Kanal. Die klinkenbuchse für den Anschluß von Stereokopfhörern liegt parallel zum Radio-Ausgang, mit dem die Stifte 3 und 5 belegt sind. Durch den Anschluß von Mikrofonen werden die anderen Eingänge automatisch abgeschaltet.

Bedienung: a)

Wiedergabe: Netz durch Druck auf den mit „Power" bezeichneten Knopf einschalten. Band einlegen, Steuerknüppel nach unten legen, Ausgangswahlschalter je nachdem auf Stereo, L (linker Kanal) R (rechter Kanal) stellen, Startochalter in Stellung „Start" bringen. Beim Abhören einer Mono-Spur erscheint das Signal an beiden Ausgängen.
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Bedienung: b)

Aufnahme: Je nachdem ob eine Mono-oder Stereoaufnahme gemacht werden soll, die Taste L (linker Kanal) oder R (rechter Kanal) oder für Stereo beide „Record"-Tasten eindrücken und Steuerknüppel nach unten drücken. Die Aussteuerungselemente leuchten dann auf und die Aussteuerung kann an den mit „Record Level" bezeichneten Drehknöpfen kanalweise eingestellt werden. Startschalter in Stellung „Start" bringen. Steht der Ausgangswähler in Stellung Stereo, L oder R, wird die Stereoaufnahme oder die Mono-Aufnahme auf L oder R hinter Band abgehört.

In Stellung „Source" hört man das Signal vor Band. Dabei sind die Konstrukteure offenbar von der Annahme ausgegangen, daß mehr Mono- als Stereo-Aufnahmen gemacht werden. Denn, wenn man bei Stereo zwischen Vor-und Hinterband umschalten will, muß man durch die Stellung „L" hindurch, während die entsprechenden Stellungen bei Mono nebeneinander liegen. Der Geschwindigkeitswähler schaltet automatisch auch die Entzerrung um. Das Bandzählwerk ist vierstellig und kann durch Knopfdruck auf null zurückgestellt werden.

Der Vorverstärker kann auch, ohne daß ein Band eingelegt wird, als Stereo-Vorverstärker und als Mono-Vor- und Mischverstärker (zwei Mikrofone oder eine Quelle und ein Mikrofon) benutzt werden.
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Trickmöglichkeiten:

a) Sound-on-Sound (Überspielen der Aufnahme einer Spur auf die andere bei gleichzeitiger Aufnahme auf der ursprünglichen Spur),
b) Add-a-Track (Hinzuspieien einer neuen Spur zu einer hinter Band abzuhörenden).
c) Echo (Hinzufügen eines dosierbaren Echos bei einer Mono-Aufnahme).
d) Mischen (zweier Mono-Aufnahmen von getrennten Quellen).
Das Gerät kann sowohl liegend als auch stehend betrieben werden.

Die Bewertung

Diese Werte der Messungen genügen bei 19cm/s dem nach DIN 45 500 geforderten Wert von 60dB, sind aber in Anbetracht der sehr guten Fremd- und Geräuschspannungabstände etwas knapp.

Betriebserfahrungen

Das Tandberg 3000 X wurde an eine hochwertige Anlage angeschlossen. Bei allen drei Geschwindigkeiten wurden Stereo-Rundfunksendungen aufgenommen. Bei 19cm/s war zwischen Vor- und Hinterband kein Qualitätsunterschied der Wiedergabe festzustellen. Abgesehen von häufiger auftretenden Drop-Outs war dies praktisch auch bei 9,5cm/s der Fall. Für weniger anspruchsvolle Musikaufnahmen kommt man sogar mit 4,75cm/s aus. Bei zugedrehten Aufnahmereglern produziert das Gerät keine Schaltknackse. Der Bandwickel bei schnellem Vor- und Rücklauf ist akzeptabel. Die Bremsen aus schnellem Vor- und Rücklauf arbeiten tadellos. Die Gefahr der Bandschlaufenbildung ist nicht vorhanden. Im Verlaufe des Betriebstests zeigte sich eine Kontaktschwäche im rechten Aufnahme-Kanal, die von seibst wieder verschwand. Abgesehen davon, daß der „Steuerknüppel" etwas schwergängig ist, gibt es an der Bedienbarkeit des Gerätes nichts auszusetzen.

  • Anmerkung : Durch die Blume gesprochen, das Tandberg Gerät ist sehr gewöhnungsbedürftig zu bedienen. Man muß es lieben. Aber das durfte Karl Breh damals so nicht schreiben. Ich hatte mich auch mal an solch einem Tandberg mit dem Knüppel versucht. Es ist wirklich mühsam, wenn man mal mit einer Revox A77 oder einem UHER Royal gearbeitet hatte.

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Kriterien eines Aussteuerungsmessers

Von Günther Binnewies in 1971 - "Aussteuerungsmesser" dienen der optimalen Pegeleinstellung, d. h. der Lautstärkeanpassung des aufzunehmenden Tones an die elektrischen Elemente wie Verstärker usw.

Bei der Aufnahme von Sprache oder Musik tritt aber kein einheitlicher Spannungspegel auf, sondern er schwankt je nach Intensität der auftretenden Frequenz. Bei einer (optischen) Aussteuerungskontrolle tritt nun eine mehr oder weniger starke Spannungsschwankung auf, noch dazu in gewisser Abhängigkeit von der Frequenz, da der Aufsprechverstärker eine frequenzabhängige Kennlinie aufweist.

Die Spannungsspitzen steigen praktisch innerhalb einer hundertstel Sekunde auf ihren Höchstwert an. Um dieser Anzeigegeschwindigkeit zu folgen, muß ein Aussteuerungsmesser sehr präzise gebaut sein und wenig zu bewegende Massen besitzen.

Eine präzise Bauweise ist, je nach Aufwand, sehr teuer. In den Rundfunkstudios kann dieser Aufwand getrieben werden, nicht aber bei Heimtonbandgeräten. Hier verarbeiten die Aussteuerungsanzeiger bestenfalls Spannungsspitzen von zwei zehntel Sekunden Anstiegszeit.

Der "Volumenmesser" in der „Heimstudio-Technik"

Praktisch zeigt ein Meßinstrument (Volumenmesser) für „Heimstudio-Technik" nicht die richtigen Spannungsspitzen an, die von diesem Gerät auch verarbeitet werden könn(t)en.

Es wird entweder zu wenig angezeigt, wenn bei Spitzenspannungsmessern, die in Rundfunkstudios verwendet werden, schon volle Aussteuerung angezeigt wird - bei einer Nachregelung wird übersteuert. Andererseits zeigt ein Vu-Meter (Volumenmesser oder Mittelwertmesser) bei Musik stets höhere Spannungswerte an, als in Wirklichkeit vorhanden sind. Die Folge ist eine Untersteuerung bei Absenken des Spannungspegels.

Beispiele hierfür sind die Bilder 1 und 2. Beim Pferdegalopp zeigt das VU-Meter zu wenig an, während der Spannungsspitzenmesser Vollaussteuerung zeigt. Bei Musik zeigt das VU-Meter meist 3dB mehr an als der Spitzenwertmesser. Dies zeigen die Kurven von Bild 2. Ab und zu werden auch Spitzen auf dem VU-Meter dann angezeigt, wenn gar keine da sind. Es können in einem Stück bzw. in einer Aufnahme sowohl zu geringe als auch zu hohe Anzeigen auf dem VU-Meter erfolgen.

Welche Möglichkeiten bieten sich nun dem Amateur?

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  • 1.Verwendung einer hoch aussteuerbaren Bandsorte, um möglichst viel Reserven zu haben.
  • 2. Nachbau oder Kauf eines Spitzenspannungsmessers. Dies scheidet meist aus Kostenfragen aus.
  • 3. Probieren und Erfahrungen sammeln.


Sehr wichtig ist es, bei der Aussteuerung von Aufnahmen den einmal eingestellten Wert für diese Aufnahme immer beizubehalten und dort, wo es möglich ist, zuerst eine Probeaufnahme zu machen und diese anhören, ob sich keine Übersteuerungen „eingeschlichen" haben.
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Ausprobieren bzw. Kalibrieren mit dem Tongenerator

Wenn ein Tongenerator, am besten ein im Mischpult eingebauter, verfügbar ist, so steuert man erst einmal mit einem 1000 Hz - Ton aus. Das Spannungsmaximum dieser 1000 Hz-Spannung ist erfahrungsmäßig festzulegen. Danach bietet er einen sehr guten Anhaltspunkt - meist braucht dann nur das ermittelte Maximum vor jeder Aufnahme eingestellt zu werden und die Aufnahme kann ohne weitere Beachtung vollzogen werden. Bei Verwendung von hochaussteuerbarem Band kann der gesamte Pegel etwas höher liegen, so daß auch bei zu niedriger Anzeige ein genügender Abstand zu den Störfrequenzen wie Rauschen, vorhanden ist. Diesen Abstand nennt man auch Rauschabstand.

7 lange A4 Seiten über "Taube Ohren"

Diese Buchstabenwüste über die Hörspieltechnik übergehen wir hier.

Musik-Cassetten und Schallplatten aus Ludwigshafen

Musik-Cassetten und Schallplatten von der BASF - an diese Tatsache wird man sich gewöhnen müssen. Das führt aber zu einigen Fragen an die BASF:
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  • 1. Wie beurteilt man die Chancen in dieser für die BASF neuen Branche? „Wir werden alles daransetzen, uns zu behaupten. Wir sind uns darüber im Klaren, daß die Konkurrenz hier groß und hart ist. Wir wissen aber inzwischen auch, daß es möglich sein wird, auf diesem Gebiet Grund unter die Füße zu bekommen. Und so ganz fremd ist uns dieses Gebiet ja auch nicht, mit unseren bisherigen unbespielten Compact-Cassetten hatten wir damit indirekt schon lange zu tun."
  • 2. Wie stellt sich die BASF ihre eigene Preisgestaltung auf diesem Sektor vor? „Es wird möglich sein, außer der ,Normal'-Produktion auch sogenannte ,Billig-Preis'-Produktionen herzustellen. Neben den LP-Produktionen um DM 20.- herum wird man also z. B. auch noch Platten produzieren können, die um etliche DM darunter liegen."
  • 3. Die Musikproduktion ist inzwischen angelaufen. Welche Künstler stehen hier im Vordergrund? „Keine! Unser Interpreten-Stamm, den wir in den ersten Monaten des nächsten Jahres vorstellen werden, ist sehr vielseitig. Wir haben neben bekannten Namen auch Namen dabei, die man bei uns noch kaum kennt, obgleich sie im Ausland bereits mit an der Spitze stehen. Namen, die es leistungsmäßig - durch das Gewinnen von Wettbewerben, Goldenen Schallplatten u. ä. - bereits bewiesen haben, daß sie es verdienen, auch bei uns herausgestellt zu werden. Und neue Interpreten sind ja nicht immer ein Minus!"
  • 4. Sind von der BASF auf musikalischem Gebiet Überraschungen oder auch „nur" Neuigkeiten zu erwarten? „Ja - es ist nicht sonderlich originell, nur Nachahmungen auf eingefahrenen Gleisen zu bringen. Wir beobachten genau, was auf dem Gebiet der Musik passiert. Und wir werden den Musik-Fans - ganz gleich, ob auf dem Beat-, auf dem Pop- oder auf dem Klassik-Gebiet - einiges anbieten, das sie bislang noch nicht gekannt haben."
  • 5. Denkt man dabei auch daran, klassische Musik zu popularisieren? „Popularisieren - ja, aber bei manchen Aufnahmen durch entsprechende Interpretationen so, daß sie außer für die bisherigen Klassik-Interessenten auch für Leute interessant wird, die trotz einer gewissen Aversion gegen Klassiker dennoch eine Ader für die Klassik haben."
  • 6. Das Programm der BASF wird also beiden Richtungen Rechnung tragen, der Unterhaltung und der Klassik? „Auf weite Sicht ja."

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Audiorama

Die G.V.G. (Gevaert Vereinigung für Tonregistration) organisiert einen internationalen Tonwettstreit unter dem Motto: „AUDIORAMA". Dieser Wettkampf steht offen für alle Tonjäger/Amateure von Tonregistration aus dem In- und Ausland. Um die Jüngeren und Anfänger mit unserem Hobby nicht einzuschüchtern wurde nur ein Thema gewählt, jedoch sehr großzügig und empfänglich für persönliche Interpretation: „HUMOR". Der hieran verbundene Hauptpreis beträgt 10.000 B.F.

Folgende Sprachen werden akzeptiert: Niederländisch, Französisch, Englisch, Deutsch und/oder Spanisch. Die Bänder, versehen mit einem vollständig ausgefüllten Teilnahmeformular, müssen vor 1. April 1971 eingesandt werden.
Eine mit dieser Sache vertraute internationale Jury wird die Einsendungen beurteilen nach ihrem künstlerischem Wert, Originalität und angewandten Technik - Proklamation am 15. Mai 1971. Weitere Auskünfte, das Reglement und die Einschreibungsformulare dieser 1. AUDIORAMA sind erhältlich beim Sekretär des organisierenden Vereins: J. Elsmoortel, 2520 Edegem-Belgien

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